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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 610 mal aufgerufen
 Allgemeines
CrimeFan



Beiträge: 9.536

16.05.2026 11:36
Aktuelle Gedanken zu Netflix Zitat · Antworten

Ich habe in den letzten Tagen und Wochen viel über das Thema nachgedacht. Es tut mir leid, falls meine Gedanken sehr durcheinander sind, und wenn Namen fallen, soll das niemanden persönlich angreifen. Alles stellt nur meine Meinung dar, die aus Gesprächen in letzter Zeit entstanden ist.

Es gibt natürlich in beiden Lagern auch gemäßigte Leute, aber leider ebenso das genaue Gegenteil. Auch ich war und bin auf wenige Personen durchaus wütend, aber warum eigentlich? Erstmal ganz zum Anfang: Auf wen wir wirklich alle sauer sein müssen, ist der BFFS, der es einfach versaut hat und wegen dem wir jetzt in dieser Situation sind. Andere Länder haben diese Verträge erfolgreich abgelehnt, also hätte es hier auch geklappt. Dafür dürfen die Sprecher, Studios und Co. den Ärger austragen.

Ganz wichtig: Ich komme nicht aus der Branche und habe mit diesen Verträgen nichts weiter zu tun, trotzdem lehne ich sie ab. Und das tun tatsächlich die meisten Sprecher auch, selbst wenn sie für Netflix sprechen. Jetzt gibt es natürlich drei Arten, damit umzugehen:

1. Man lehnt die Verträge ab.
2. Man macht es rollenabhängig.
3. Man spricht trotz dieser Verträge.

Und das ist aktuell der Standard.

Punkt 1 – Hat meine absolute Solidarität, und ich finde es ganz stark. Einige können sich, das natürlich, mehr leisten als andere. Wenn man es durchzieht, ist es toll.

Punkt 3 – Das ist natürlich der größte Punkt, und da habe ich auch eine Entwicklung durchgemacht. Am Anfang war es so, dass ich meinte, man sollte keine Leute angreifen, die trotzdem für Netflix sprechen. Nachdem die ersten größeren Namen aufgetaucht sind, ist das in Enttäuschung, Gleichgültigkeit und Wut übergegangen. Aber bringt das wirklich irgendetwas? Ich glaube nicht.

Am Ende kennen wir diese Leute nicht und wissen absolut gar nichts über ihre Lebenssituation. Versteht mich nicht falsch: Es gibt durchaus einige Namen, bei denen ich es nicht nachvollziehen kann, weil sie einfach das Geld und weitere Aufträge gehabt hätten, aber da reden wir von den oberen 1%, die mitmachen. Viele können es sich nicht leisten und fahren seit einigen Monaten auf dem Zahnfleisch bzw. kehren auch durchaus zu Netflix zurück. Die Hauptlehre, die wir daraus ziehen können, ist, in welcher Machtstellung sich Netflix eigentlich befindet.

Auch gibt es in diesem Bezug einiges an Heuchelei, und ich bin absolut nicht davon befreit. Wenn Vollbrecht für Netflix spricht, finde ich es persönlich weniger schlimm, als wenn es Fitzner tut. Warum? Ich weiß es absolut nicht.

Diese ganze Netflix-Situation spaltet die Branche aktuell so dermaßen in zwei Hälften, was meiner Meinung nach einen riesigen Schaden anrichtet. Und da muss man sagen, dass es leider auch viel von der Netflix Gegnerseite ausgeht. Auch in diesem Bezug muss man zusammenhalten, egal ob man für Netflix spricht oder nicht. Am Ende arbeiten sie alle für denselben Beruf, den sie hoffentlich noch lange ausüben.

Dass man sich untereinander fertigmacht, bringt absolut nichts und ist von Netflix bis zu einem gewissen Grad auch einfach gewollt. Wenn man davon hört, dass Sprecher teilweise Angst haben, Rollen anzunehmen, weil sie fürchten, Anfeindungen zu bekommen, sowohl aus der Branche als auch von Fans, ist das ganz bestimmt nicht der richtige Weg. Von einigen internen Aktionen, die ich nicht öffentlich ansprechen kann, mal ganz abgesehen: Da passiert gerade sehr viel Mist. Das merkt man auch an der allgemeinen Synchronqualität seit Monaten ziemlich stark, egal ob es Netflix ist oder nicht. Und das macht für mich aktuell Synchronarbeit kaputt.

Um auch Positives zu nennen: Es gibt aktuell Regien, die bewusst nur Sprecher besetzen, die nicht für Netflix sprechen oder allgemein viele Aufträge haben. Das finde ich sehr schön! Auch gibt es viele, die trotz dieser Differenzen Solidarität zeigen und sich gegenseitig unterstützen.

Sachen, die für mich nicht klargehen: Wenn man Schauspieler und/oder Rollen von anderen Personen übernimmt und/oder die Netflix-Situation bewusst ausnutzt. Das gehört sich einfach nicht.

PS: Ich finde es interessant, dass dieses in der Branche so unbeliebte Forum seit der KI-Thematik plötzlich eine ganz neue Relevanz hat. Und hier auch oft reingesehen wird, wenn es um Netflix geht.

Jane



Beiträge: 611

16.05.2026 17:09
#2 RE: Aktuelle Gedanken zu Netflix Zitat · Antworten

Ich bin auch sauer auf die ÖPVN Gewerkschaften, dass sie es wagen, heutzutage immer noch zu streiken und Lohnerhöhungen für ihre Mitglieder durchzusetzen und sich gegen Ausbeutung zu wehren und ich deshalb Umstände habe, weil ich alle paar Jahre für ein paar Tage nicht geplant mit dem ÖPVN hin znd her fahren kann. Was haben diese Gerwerkschafzsheinis je für mich als Arbeitnehmer getan?

Falls es nicht klar sein sollte, das war Sakasmus.

Ist es ärgerlich, dass dadurch manche Serien/Schauspielenden neue Stimmen bekommen oder Projekte unsynchronisiert bleiben (auch wenn es bisher nichts betrifft, was sich aktuell anschaue)? Sicher.
Sollte man solche Knebelverträge von Auftraggebern einfach hinnehmen, weil man als Synchronstudio oder Künstler in der vermeintlich schwächeren Position ist? Nein, auf keinen Fall. Dafür ist gut das es den BFFS gibt und sich die Leute wehren. Gäbe es solche Menschen nicht, hätten wir immer noch Kinderarbeit, 18 Stundentage, keine freien Wochenenden, keine Sozialversicherungen und keinen Urlaubsanspruch. Deshalb Volle Solidarität und Unterstützung.

Aber deshalb verbal Leute angreifen, die das nicht ztun? Nein, auf keinen Fall. Nicht jeder ist Mitglied im BFFS und kann demnach tun und lassen was er will. Soll dann aber in ein paar Jahren sicht nicht beschweren, wenn er keine Rollen mehr bekommt weil eine mit seiner Stimme trainierte KI seine Arbeit übernommen hat.

Als Verbaucher haben wir Macht mit unserem Geldbeutel und ich weiß, welche Projekte ich unterstützen werde und welche nicht. Netflix gehört bei mir schon seit Jahren zur letzteren Kategorie, aus vielen Gründen, deren Geschäftgebahren oder wie mit den Kreativen und Projekten umgegangen wird, war z.B, von Anfang an ein Redflag.

Melchior


Beiträge: 2.588

16.05.2026 17:39
#3 RE: Aktuelle Gedanken zu Netflix Zitat · Antworten

@Jane | Ich glaube, da verwechselst du etwas. Es gibt mehrere Gewerkschaften bzw. unterschiedliche Verbände, die verschiedene – teilweise auch dieselben – Gewerke innerhalb der Synchronbranche vertreten.

Die BFFS hat die Situation eigenmächtig gehandhabt, indem sie Verhandlungen mit Netflix über die Köpfe aller Beteiligten hinweg geführt hat. Außerdem hat sie die neuen Verträge mit Netflix ausgehandelt und pocht nun auf deren Umsetzung. Andere Verbände, wie die VDS, sind dagegen und lehnen diese Verträge ab.

Jane



Beiträge: 611

16.05.2026 18:15
#4 RE: Aktuelle Gedanken zu Netflix Zitat · Antworten

Zitat von Melchior im Beitrag #3
@Jane | Ich glaube, da verwechselst du etwas. Es gibt mehrere Gewerkschaften bzw. unterschiedliche Verbände, die verschiedene – teilweise auch dieselben – Gewerke innerhalb der Synchronbranche vertreten.

Die BFFS hat die Situation eigenmächtig gehandhabt, indem sie Verhandlungen mit Netflix über die Köpfe aller Beteiligten hinweg geführt hat. Außerdem hat sie die neuen Verträge mit Netflix ausgehandelt und pocht nun auf deren Umsetzung. Andere Verbände, wie die VDS, sind dagegen und lehnen diese Verträge ab.




Das ist mir durchaus bewusst, das BFFS nicht der einzige Verband ist, aber halt der mit den meisten Mitgliedern unter den Betroffen (da schwirrte mal die Zahl von 4300 Mitgliedern herum, nicht alles Synchronmenschen aber viele der prominenteren Mitglider sind ja gern mal Promischprecher, also auch in deren Intresses). Der Verband Deutscher Sprecher (VDS) mit seinen wohl 600 Synchronsprechenden steht auch hinter den Forderungen. Aktuell es das auch mehr ein Kampf VDS gegen BFSS und nicht Synchronverbände vs. Netflix oder Synchronverbände gegen alle Auftraggeber. Es gib BFSS Mitglieder, die aktuell noch für Neflix arbeiten.

Es sind auch nicht alle Arbeitnehmenden Mitglieder in Gewerkschaften, die kümmert das Drama nicht, können weiterarbeiten und wären nur Nutznieser falls an Anbieter ihre Verträge entsprechend den Vorderung der Gewerkschaften/Verbände anpassen, sollten diese erfolgreich sein und sich wieder auf ein gemeinsames Ziel einigen. Die Gewerkschaften/Verbände handeln auch nur im Namen ihrer Mitglieder, nicht ''aller Beteiligten''. Die BFSS hatte sich ja sogar schon auf einen Konsens mit Netflix geeinigt, nur der ging dem VDS nicht weit genug.

Tino



Beiträge: 104

17.05.2026 00:15
#5 RE: Aktuelle Gedanken zu Netflix Zitat · Antworten

Meine Meinung: Der BFFS setzt sich für Einiges ein, aber ganz sicher NICHT für die Interessen der (allermeisten) Synchronschaffenden. Ein Grund, warum ich und so einige Andere in den letzten Monaten aus diesem Verein ausgetreten und in den VDS eingetreten sind, von dem wir uns WIRKLICH angemessen vertreten fühlen. Was der BFFS da abgezogen hat und nach wie vor abzieht, geht gar nicht. Im Grunde genommen gäbe es diesen ganzen Schlamassel ohne das unverschämt eigenmächtige Handeln des BFFS überhaupt nicht. Und eigentlich müsste man das unterbinden, dass dieser Verein weiterhin für die Mehrheit der Synchronschaffenden agieren darf.

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