Zitat von berti im Beitrag #9Beim Anhören längerer Interviews (von denen es zum Glück ein paar gibt) bekam man den Eindruck, dass er sicher interessante Memoiren hätten schreiben können. Aber wenigstens bleiben uns Sachen wie das ebenso informationsreiche wie amüsante Gespräch mit Media-Paten, dass ich mir wahrscheinlich heute oder morgen wieder geben werde.
Schade, dass er gerade jetzt starb, wo eines der absoluten Highlights seiner Synchronkarriere demnächst endlich in Deutschland auf DVD/BD herauskommen wird.
Joachim Kerzel war nicht nur einer meiner Favoriten, sondern dank des Vor- oder Abspanns von "Hart aber herzlich" auch einer der ersten Synchronschauspieler, die ich namentlich kannte. Es macht mich traurig, dass er gestorben ist. Zwar kannte ich ihn nicht als Mensch, aber er war mir durch seine Stimme so präsent, dass er mir ständig gegenwärtig schien. Alles Gute für Ihre letzte Reise, Herr Kerzel! Ich verneige mich vor Ihnen.
Joachim Kerzel gehörte für mich in meinen Anfängen als Fan der Synchronstimmen zu den Sprechern, für die ich Filme angesehen habe, die ich sonst nie gesehen hätte. So sah ich Filme wie "Woher weißt du, dass es Liebe ist" mit Jack Nicholson oder "The Rite" mit Anthony Hopkins vor allem, weil Joachim Kerzel diese Schauspieler synchronisierte. Einen wunderbar ironischen Humor schien er auch zu haben. Ich erinnere mich, dass er in einem Interview mal vom Besuch des Logopäden nach seinem Schlaganfall erzählte und dass er diesen mit den Worten begrüßte "Guten Tag, was kann ich Ihnen beibringen?"
Ich freue mich, dass mittlerweile selbst große Medien wie der NDR berichten. Allerdings, auch wenn es faktisch nicht falsch ist, ist die Nennung der genauen Zahl von 1455 verzeichneten Sprechrollen gerade bei diesen alten Legenden doch sehr dünnes Eis. Wir wissen ja alle, dass da gerade aus den alten Zeiten massenhaft fehlt und teilweise nach Jahrzehnten noch zutage gefördert wird. Außerdem sollte man den Namen der Website, auf die man sicht beruft, dann vielleicht auch richtig schreiben.
Joachim Kerzel hatte einfach eine unfassbar geile Stimme. Ziemlich stählern, ziemlich tief, ziemlich dunkel – und trotzdem irgendwie warm und vertraut. Für mich hatte seine Stimme immer etwas von einem klischeehaften, herrischen US-General, der seine Männer im Feld anbrüllt und zusammenstaucht, abends aber mit ihnen am Lagerfeuer sitzt, Geschichten von früher erzählt und dabei plötzlich ganz menschlich und empathisch wirkt.
Eine meiner Lieblingsrollen von Kerzel ist der süffisante Teufel in Angel Heart. Ich liebe diese arrogant-lässige Art, mit der er Robert De Niro hier synchronisiert – fast so, als würde er De Niros Art des filmischen Spiels ein kleines bisschen auf die Schippe nehmen wollen. Gerade das macht diese Rolle für mich so großartig.
Aber auch so viele andere Rollen von Joachim Kerzel sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben - als Joker, als Daryl Van Horne, als Cpt. Hook, als Frank Costello, als Léon der Profi, als Frank Booth, als Hannibal Lecter II, als Bill Parrish, als Nebencharakter XYZ einer Serie, der irgendwann mal auftaucht und bei dem man sich freut, Ihre Stimme zu hören.
Ich glaube, dass ich diesen Faden, mit dieser traurigen Todesnachricht bis heute völlig übersehen habe...
Charmant-Elegant in "Hart aber herzlich und "Love Boat Überdreht-Exzentrisch für Jack Nicholson in sämtlichen Rollen (er war in meinen Augen ein guter Nachfolger v. Manfred Schott besonders für ihn!), und sachlich-zurückhaltend auf vielen anderen - so werde ich Joachim Kerzel in Erinnerung behalten.
Ich hatte einmal kurz das Vergnügen ihn bei der Synchronisation eines Trailers zusehen zu dürfen. Derzeit schaue ich wieder Hart aber herzlich, nur eine von vielen Klassikern, der er mit seinem Spiel veredelt hat. Ein großer Verlust.
Als ich die Nachricht von Joachim Kerzels Tod las, hat mich das echt traurig gestimmt und mir kam der Gedanke, dass auch hier wieder eine bekannte Stimme verstummt ist. Zum Gedenken habe ich mir gestern abend "Good Morning, Vietnam" angesehen, wo Joachim Kerzel auf T. J. Walsh zu hören ist, der hier Seargent Major Dickerson spielt, der Adrian Cronauer (Robin Williams) die ganze Zeit "auf dem Kieker" hat. Er hat, wie übrigens die anderen Leute inkl. Peer Augustinski auch, einen großen Teil zu dieser generell wunderbaren Synchro beigetragen. Aber auch in anderen Rollen konnte er eigentlich so gut wie immer glänzen und seine jahrelange Erfahrung mit einbringen. Ich erinnere mich in dieser Hinsicht an ein Gespräch mit Brigitte Theile, als er Gast in der Sendung "Mensch, Otto!"/"Mensch, Theile!" war, in dem er demonstrierte, wie ein Satz in unterschiedlichen Betonungen klingen kann. Auch in den Interviews (besonders in einem Längeren) mit den "Media-Paten" konnte man das merken, sowie seinen Anspruch sowohl an die Synchronarbeit als auch an die Schauspielerei. Hinsichtlich dessen wird die Arbeit mit ihm als Schauspiellehrer sicherlich nicht einfach gewesen sein. Aber daraus sind ja auch einige erfolgreiche Schauspieler hervorgegangen. Einer seiner Schüler war ja Dietmar Wunder und der ist ja mittlerweile auch eine Größe in der Synchronlandschaft.
Ich weiß gar nicht wann ich Joachim Kerzels Stimme dass erste Mal wahrgenommen habe. Ich kann mich aber erinnern, dass ich seinen Namen das erste Mal auf der Tafel nach dem Abspann von "Catch me if you can" gelesen habe (hier lieh er Martin Sheen seine Stimme). Aber seitdem hat sich mir seine Stimme eingeprägt und ich habe ihn in vielen Rollen hören dürfen, z. B. für Dennis Hopper in "Blue Velvet" (1985), für Jack Nicholson in mehreren Rollen (z.B. "Batman" (1989) oder "Die Wutprobe (2002)), mehrere Male für Dustin Hoffman und in "Der Elefantenmensch" (1980) und zuletzt im Kino im Film "The Father" (2020) mit Anthony Hopkins, den Kerzel nach eigenen Angaben übrigens sehr geschätzt hat und mit dem er sich auch hier wunderbar ergänzte und wieder viele Facetten bedienen durfte. Vor einem Jahr habe ich Hopkins auf den "Fantasy Filmfest Nights" in Köln in dem Film "Locked" als Gegenspieler von Bill Skarsgård gesehen und habe neulich gedacht, dass das bestimmt auch wieder eine tolle Synchronrolle für Joachim Kerzel gewesen wäre. Darüber hinaus hat er im Laufe der Jahre auch einige Preise bekommen, zuletzt 2023 den Deutschen Synchronpreis für sein Lebenswerk. Und obwohl er da stimmlich schon angeschlagen und kurzatmig war, konnte er selbst da noch ein paar Geschichten zum Besten geben und das Publikum gut unterhalten.
Zitat von E.v.G. im Beitrag #27Ich hatte einmal kurz das Vergnügen ihn bei der Synchronisation eines Trailers zusehen zu dürfen.
Apropos: Über die Jahre und gerade auch in den 2000ern (meiner Erinnerung nach) hat man Joachim Kerzel oft bis sehr oft als Trailersprecher hören können, so dass man theoretisch den Eindruck gewinnen konnte, dass er fast schon das war, was Don LaFontaine in den USA war (dort die Trailerstimme schlechthin). Irgendjemand (ich weiß nicht mehr, wer) sagte mal im Gespräch mit mir (möglicherweise im Scherz), dass Kerzel alleine mit dem, was er an Trailern einsprechen würde, schon seinen Lebensunterhalt bestreiten könne
Auf diese VÖ freue ich mich sehr, da ich diesen Film in voller Länge bislang nur im englischen Original kenne und auf Deutsch nur in Ausschnitten. Aber der Trailer sieht schon mal vielversprechend aus.
Zitat von Lammers im Beitrag #28Auch in den Interviews (besonders in einem Längeren) mit den "Media-Paten" konnte man das merken, sowie seinen Anspruch sowohl an die Synchronarbeit als auch an die Schauspielerei. Hinsichtlich dessen wird die Arbeit mit ihm als Schauspiellehrer sicherlich nicht einfach gewesen sein. Aber daraus sind ja auch einige erfolgreiche Schauspieler hervorgegangen.
Allerdings betonte er im Interview mit Media-Paten auch, wie wichtig ein Lob an der richtigen Stelle bei der Ausbildung sei.
Zitat von Lammers im Beitrag #28Auch in den Interviews (besonders in einem Längeren) mit den "Media-Paten" konnte man das merken, sowie seinen Anspruch sowohl an die Synchronarbeit als auch an die Schauspielerei. Hinsichtlich dessen wird die Arbeit mit ihm als Schauspiellehrer sicherlich nicht einfach gewesen sein. Aber daraus sind ja auch einige erfolgreiche Schauspieler hervorgegangen.
Allerdings betonte er im Interview mit Media-Paten auch, wie wichtig ein Lob an der richtigen Stelle bei der Ausbildung sei.
Richtig, es schließt sich ja trotz einer gewissen Strenge beim Erarbeiten auch nicht aus, dass man ab und zu mal lobt. Das ist dann schon viel wert.