Ich habe gerade die anderen Synchrontafeln durchgeschaut. Bei ein paar anderen Sprachfassungen habe ich auch „Gesang-Besetzungen“ gesehen. Es ist da also offenbar was zur Freischaltung vorgesehen.
Ich möchte meinen ersten Beitrag gleich mal auf einige Netflix-Filme richten.
Grundsätzlich war ich erstmal sehr erfreut, dass man jetzt wieder angefangen hat, indische Filme zu synchronisieren. Raakaasa und Ustaad Bhagat Singh sind dazu noch welche aus der Tollywood-Industrie, das hatten wir das letzte Mal 2019. Mir sind aber leider schon bei Raakaasa einige Schnitzer aufgefallen. In einer Szene sieht man den Dorfvorsteher etwas sagen, ohne dass man etwas hört (im Gegensatz zur OV oder anderen Versionen). In einer Szene kurz vor Schluss hört man den Protagonisten Veeru rückwärts zählen und da wechselt er für einige Wörter ("five four three") zurück in den OV.
Das war nicht gerade toll, aber okay, ich habe mich auf mehr VÖs auf Deutsch gefreut.
Jetzt haben wir aber das erste Mal tamilische Filme bekommen. Ich war der Meinung, dass es sowas bislang nicht in Deutschland gab, von daher war ich auch hier neugierig und habe Blast (Regie: Subash K. Raj) angemacht. In der Szene ab 18:20 hört man für eine Weile den Umweltaktivisten Karthikeyan im Voice-Over sprechen und meiner Meinung nach klingt hier die Intonation sehr emotionslos, fast wie aufgesagt, auf jeden Fall aber nicht wirklich authentisch. Gerade in Zeiten wie diesen könnte man auf allerlei Gedanken kommen, aber bevor ich Schlüsse ziehe, wollte ich mal hier Leute fragen, die sich gut mit der Synchronbranche auskennen und mir erklären können, ob hier tatsächlich eine echte Stimme eingesetzt wurde?
@Filmfan2305 | Soweit ich weiß, kam hier keine KI zum Einsatz. Allerdings stammt diese Synchronfassung (Raakaasa) aus einer Reihe von Produktionen der FFS Berlin, bei denen mehrere Titel parallel von einem einzigen Team quasi im Fließbandverfahren bearbeitet wurden. Dabei wurde leider in verschiedener Hinsicht nicht immer sorgfältig gearbeitet.
Das ist wirklich unschön. Woran das letztlich lag, kann ich nicht sagen. Ich hoffe, dass sich die Qualität künftig wieder verbessert und diese betroffenen Projekte eine Ausnahme bleiben. Dennoch wäre ich auch dafür, dass diese Synchronfassungen nachträglich überarbeitet und die vorhandenen Fehler korrigiert werden.
Da mich @marakundnougat gebeten hat, zum Thema der fehlenden Synchronfassungen für einige Nutzer auch hier im Thread etwas zu schreiben, möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein kleines Update zu geben und meine Einschätzung dazu zu teilen.
Worum geht es?
Seit einigen Monaten kommt es vermehrt vor, dass für einzelne Nutzer eigentlich verfügbare (deutsche) Synchronfassungen nicht auswählbar sind. Welche Titel betroffen sind, unterscheidet sich dabei von Konto zu Konto.
Warum passiert das?
Laut Auskunft des Netflix-Supports wird derzeit offenbar ein Test durchgeführt, um zu untersuchen, wie sich die Verfügbarkeit von Synchronfassungen auf deren Nutzung und Akzeptanz auswirkt.
Daraus ergeben sich aus meiner Sicht einige Fragen und Probleme:
• Kunden werden über diesen Test nicht von Netflix ohne Nachfrage informiert. • Weder ein Enddatum noch der genaue Umfang des Tests sind bekannt. • Es ist unklar, ob und wann die fehlenden Synchronfassungen wieder verfügbar sein werden. • Trotz identischer Abokosten erhalten Kunden unterschiedliche Leistungen hinsichtlich der verfügbaren Sprachfassungen.
Darüber hinaus stellen sich mir einige Fragen zum eigentlichen Zweck dieses Tests, da die benannte Begründung aus meiner Sicht viele Punkte offenlässt. So frage ich mich beispielsweise:
• Warum betrifft der Test offenbar nicht die besonders reichweitenstarken Titel? • Warum sind ausgerechnet Kunden betroffen, die Inhalte ausschließlich oder überwiegend mit deutscher Synchronfassung ansehen und seltener zum O-Ton wechseln? Verfügt Netflix durch die bisherigen Nutzungsdaten nicht über entsprechende Erkenntnisse zu den Sehgewohnheiten seiner Kunden?
Außerdem könnte der Eindruck entstehen, dass die eingeschränkte Verfügbarkeit bestimmter Sprachfassungen die Abrufzahlen beeinflussen soll. Dadurch könnte gegenüber Kunden und Lizenzgebern argumentiert werden, dass die Nachfrage nach deutschen Synchronfassungen geringer ist, als sie tatsächlich ist – insbesondere, wenn Nutzern und Lizenzgebern dieser Test nicht bekannt ist. Auffällig ist zudem, dass unter den bislang bekannten betroffenen Titeln viele Titel sind, die Netflix nach meinem Kenntnisstand lediglich lizenziert hat und bei denen das Unternehmen nicht selbst Rechteinhaber ist.
Darüber hinaus sehe ich die Möglichkeit einer Irreführung von Kunden:
Bestandskunden
Vor der Veröffentlichung eines Titels sind im Teaser und Trailer noch sämtliche Sprachfassungen auswählbar. Nach der Veröffentlichung fehlen bei einigen Kunden jedoch einzelne Synchronfassungen – sowohl dann im Teaser und Trailer als auch im eigentlichen Titel. Andere Kunden können die betroffenen Synchronfassungen weiterhin auswählen.
Neukunden
Besucht ein Interessent die Netflix-Website ohne Anmeldung und wählt beispielsweise die Serie „The Polygamist“ aus, werden im Trailer sämtliche Synchronfassungen angezeigt. Zusätzlich wird unter „Weitere Details“ angegeben, dass beispielweise eine deutsche Synchronfassung verfügbar ist. Schließt der Interessent daraufhin ein kostenpflichtiges Abo ab, um die Serie auf Deutsch anzusehen, kann es vorkommen, dass die deutsche Synchronfassung in seinem Konto anschließend nicht verfügbar ist.
Auch in sozialen Medien berichten Nutzer von unterschiedlichen Verfügbarkeiten derselben Synchronfassung bei identischen Titeln. Netflix hat den Hintergrund dieser Unterschiede auch dort bislang nicht öffentlich erläutert oder den Test offiziell kommuniziert.
Zu den bislang bekannten betroffenen Titeln gehören unter anderem:
• In meinem Konto ohne deutsche Synchronfassung: u. a. „Lovely Runner“, „The Queen of Lunchtime Cuisine“, „Entre padre e hijo“, „Braut des Jahres“, „The Polygamist“, „Pop Culture Jeopardy!“
• Bei anderen Konten ohne deutsche Synchronfassung, bei meinem Konto jedoch vorhanden: u. a. „Agent Kim Reactivated“, „Proyecto final“, „Raakaasa“
* Titel mit fehlenden Audiospuren in anderen Sprachen als Deutsch (für diese Titel wurde keine deutsche Synchronfassung erstellt): u. a. „The Red Line“, „The Midnight Romance in Hagwon“, „La fiscal – Die Staatsanwältin in Mexiko“, „Long Vacation“, „Wonderful Nightmare“
Abschließend möchte ich anmerken, dass es aus meiner Sicht im Interesse der Kunden wäre, wenn Netflix diesen Test offiziell kommunizieren, den geplanten Zeitraum benennen und transparent erläutern würde, ob beziehungsweise wann die derzeit fehlenden Synchronfassungen nach Abschluss des Tests wieder allen betroffenen Kunden zur Verfügung stehen.
Finde ich einen interessanten Fall. Aus Netflix' Sicht ergibt es vermutlich schon Sinn, zu untersuchen, ob das, was viele Ausführende des Synchronbusinesses immer sagen, wahr ist: Dass das deutsche Publikum zu einem bedeutenden Anteil nur die synchronisierten Werke konsumiert und O-Ton mit Untertiteln eher ein Nischenprodukt ist. Das Erstellen einer Synchronisation also alternativlos ist, wenn man das Werk im deutschsprachigen Raum bekannt machen will.
Vermutlich geht diese Untersuchung präziser auf diese Weise und mit belastbaren Daten und Zahlen, als beispielsweise mithilfe einer theoretischen Umfrage ("Würden Sie den Film auch ansehen, wenn er nur im Originalton verfügbar wäre?" etc.).
Dennoch ist es aus Verbrauchersicht schon ein starkes Stück. Man stelle sich vor, man geht in ein Restaurant, bestellt das gleiche Gericht und einer bekommt es ohne Salz, weil das Restaurant untersuchen will, ob man das Salz vielleicht in Zukunft sparen kann und die Kunden das Gericht auch ohne Salz konsumieren. Und das ohne Transparenz oder Preisunterschied.
Vielleicht ist das sogar ein Fall für den Verbraucherschutz? Was hast du gemacht, Melchior?
Eine Umfrage ist dafür eigentlich nicht erforderlich. Streamingdienste wie Netflix, Disney+ oder Prime Video erfassen seit Jahren die Abrufzahlen ihrer Synchronfassungen und können diese Daten mit weiteren Nutzerinformationen verknüpfen. Daher stellt sich die Frage, welchen Zweck der aktuelle Test in dieser Form tatsächlich verfolgt. Es liegt die Vermutung nahe, dass Netflix damit möglicherweise noch eine andere Intention verfolgt.
Der Vorgang könnte durchaus ein Thema für den Verbraucherschutz sein. Eine rechtliche Einschätzung kann ich jedoch nicht vornehmen. Netflix wird sich als US-Unternehmen vermutlich zunächst auf US-Recht berufen. In den AGB dürften zudem Regelungen enthalten sein, die weitreichende Änderungen am Angebot theoretisch ermöglichen. Ob solche Klauseln jedoch in der EU und in Deutschland uneingeschränkt zulässig sind, müsste gegebenenfalls rechtlich geprüft und letztlich von Gerichten entschieden werden.
Zitat von marakundnougat im Beitrag #335 [...} Was hast du gemacht, Melchior?
Kannst du etwas genauer erklären, worauf sich die Frage bezieht?
Zitat von Insomnio im Beitrag #337Ist Synchron perspektivisch nicht sowieso tot, weil die Leute einfach immer besser Englisch können bzw. auf OV insistieren?
Die Behauptung gibt es doch schon seit Ewigkeiten. Die Realität sieht anders aus. Die breite Masse braucht Synchron. Und nicht wenige Interessierte schätzen die Branche und ihre Akteure sehr. Netflix zeigt erneut, dass ihnen dieser wichtige Teil europäischer (inbegriffen deutscher) Kultur ein Dorn im Auge ist.
Zitat von Insomnio im Beitrag #337Ist Synchron perspektivisch nicht sowieso tot, weil die Leute einfach immer besser Englisch können bzw. auf OV insistieren?
In meiner pseudo-liberalen Bubble signalisiert man damit, dass man nicht zum ungebildeten Pöbel gehört. Ekelhaft.
Ich finde es immer wieder interessant, dass in der Diskussion über Synchronisation und Originalton die Verfechter des Originaltons fast ausschließlich über englischsprachige Filme und Serien sprechen. Fragt man hingegen, wie es sich bei Produktionen verhält, deren Originalsprache nicht Englisch ist, erhält man darauf oft keine überzeugende Antwort.
Ebenso werden die Nachteile von Untertiteln in diesen Diskussionen häufig gar nicht erst thematisiert. Gerade jetzt, wo in diesem Bereich zunehmend KI zum Einsatz kommt, habe ich eher den Eindruck, dass die Qualität sinkt, anstatt sich zu verbessern.
Erst kürzlich wurde mir das Angebot einer asiatischen Streamingplattform angezeigt, bei der ich 7 € im Monat für deutschsprachige, KI-generierte Untertitel bezahlen sollte. Dabei waren schon die englischen Untertitel nicht immer fehlerfrei. Ich habe mir einige der kostenlosen Episoden angesehen, und die deutschen KI-Untertitel wirkten teilweise, als wären sie direkt durch den Google Übersetzer gelaufen. Das wäre fast schon lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Dafür dann auch noch 7 € im Monat zu verlangen, finde ich schon ziemlich fragwürdig.
Stimmt. Danke. Das wollte ich auch noch erwähnen und hab es vergessen. Gerade bei dem Asia-Boom der letzten Jahre... allein Netflix mit ihren gefühlt 500 K-Dramas etc... Und ja, Untertitel sind ein ähnlicher Kompromiss wie Synchrontexte. Das ist sehr oft gekürzter oder geraffter Inhalt.
Neben der Unverschämtheit dieser Aktion zieht das doch auch wieder mehr Leute auf Piratenseiten. So oder so: die nächste völlig von Kunst und Kultur inspirierte Aktion von Netflix. Nur um noch eine Milliarde im Jahr zu sparen.
Zitat von Insomnio im Beitrag #342 Scheint den Skandinaviern wohl noch keiner erklärt zu haben.
Das liest sich wie der Anfang eines guten RTL 23:00 Uhr Witzes: Ein Land, das nie eine Synchronkultur entwickelt hat, hat gar keine Synchronkultur. Und meine nicht existente Frau kann dazu nicht kochen! Ein Knaller!
Zitat von Insomnio im Beitrag #342 Synchron wird noch gebraucht, weil nicht alle Boomer besonders gut Englisch können. Aber danach?
Auch der Punkt wird, sehr überschätzt. Natürlich sehen heutige junge Menschen mehr im O-Ton, allein weil die Möglichkeit dazu erst seit der Einführung der DVD und des Streamings wirklich besteht. Aber auch dort dürften 75–80 %, wenn nicht sogar mehr, die Synchronfassung schauen.
Klar, je mehr sie sich für den Filmmarkt interessieren und je tiefer sie in der Materie drin sind, desto mehr kennen sie oder schauen selbst vieles im O-Ton. Aber den Otto Normal-Kinogänger, TV-Zuschauer und Co., die keine besondere Verbindung zu dem Medium haben, interessiert das in den meisten Fällen gar nicht. Da wird dann meistens die Synchronfassung geschaut.
Und wenn Synchron tot wäre, hätten Firmen kein Interesse an KI-übersetzten Fassungen.
Zitat von Knew-King im Beitrag #338Die breite Masse braucht Synchron.
Scheint den Skandinaviern wohl noch keiner erklärt zu haben.
Synchron wird noch gebraucht, weil nicht alle Boomer besonders gut Englisch können. Aber danach?
Ich glaube, du überschätzt die Leute. Ich kenne genug Gen-Xer, Millenials und Zoomer deren englisch nicht ausreichend zum Verständnis eines Filmes oder einer Serie ist. Und auf das Argument dass es noch viele andere Sprachen neben Englisch gibt gehst du auch nicht ein.