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Dieses Thema hat 9 Antworten
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 Allgemeines
Norbert


Beiträge: 1.616

20.09.2006 12:48
Hamburger Synchronisationen für den DFF Zitat · antworten

Bei Ost-Synchronfassungen denkt man in erster Linie an DEFA, aber zumindest gegen Ende der DDR gab es auch Produktionen, die fürs Ost-TV im Westen eingedeutscht wurden. Spontan fällt mir die brasilianische Telenovela "Dona Beija" ein, die vom Studio Hamburg synchronisiert wurde. Als Auftraggeber wurde im Abspann der Deutsche Fernsehfunk, also das DDR-Fernsehen, genannt. (Gesehen habe ich die Serie im Schweizer Fernsehen.) Um diesen Zeitraum lief dort noch eine weitere brasilianische Telenovela, die nicht in der ARD, wo bei uns normalerweise diese Reihen zu sehen waren, gezeigt wurde. Wahrscheinlich ebenfalls eine Hamburger Bearbeitung für den DFF, die ich jedoch nicht näher verfolgte.

Sind noch weitere Synchronaufträge aus dem Osten bekannt, die an westliche Synchronstudios gingen? Ich meine, im MDR bei "In 80 Tagen um die Welt" im Abspann einen Hinweis auf Studio Hamburg und DFF gelesen zu haben. (Dies wurde in einem anderen Forum - fast schon entrüstet - bestritten mit dem Hinweis auf DEFA.)

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 14.996

20.09.2006 13:48
#2 RE: Hamburger Synchronisationen für den DFF Zitat · antworten

Also - "Reise um die Erde..." war eine reine DFF-Synchronisation. Ich habe sie auf VHS und könnte mit einer umfassenden Liste dienen. Der Hinweis auf Studio Hamburg trügt dich, es war das Synchronstudio des Fernsehens der DDR, dessen Logo ein Bildschirm mit drei Gesichtern war. (100%g - ich habe mir nämlich gerade vor drei Tagen diese Fassung auf DVD gebrannt.)
DFF und DDR-Fernsehen sind insofern nicht dasselbe, als das DDR-Fernsehen erst Ende 1990 wieder in DFF umbenannt wurde (und Ende 1991 ganz den Geist aufgab). Eine hamburger Synchro NACH der Wende wäre also denkbar - VOR der Wende 1989 unmöglich. Dagegen war es umgekehrt - die DEFA synchronisiert einige Mal im Auftrag der ARD - allerdings muß man hier anmerken, daß die Ausstrahlungen im DDR-Fernsehen zeitgleich oder sogar früher erfolgte. Konkret ist dies der Fall bei "Die letzten tage von Pompeji", "Marco Polo" und "Der Geächtete"/"Geächtet". Für letzteren wurden sogar Hans Clarin und Judy Winter importiert, die sich selbst sprachen - also einwandfrei eine ARD-Auftragsproduktion.

Gruß
Stefan

Norbert


Beiträge: 1.616

20.09.2006 13:57
#3 RE: Hamburger Synchronisationen für den DFF Zitat · antworten

Der Bildschirm mit den drei Gesichtern war auch bei Dona Beija zu sehen mit dem Hinweis auf den Deutschen Fernsehfunk.

Ein besonderes Kuriosum ist ja die schweizer Krimireihe "Element D" - produziert von TSI, also in italienischer Sprache. In der Deutschschweiz lief der Fünfteiler dann auch. Die deutsche Fassung stammt - vom DDR-Fernsehen! (Aus unerfindlichen Gründen wurde am Schluss eine völlig andere Musik eingesetzt als im Original.) Dies war noch in den 80ern. In der Bundesrepublik wurde die Serie - außer in Bayern leider nie ausgestrahlt.

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 14.996

21.09.2006 12:40
#4 RE: Hamburger Synchronisationen für den DFF Zitat · antworten

Zitat von Norbert
Aus unerfindlichen Gründen wurde am Schluss eine völlig andere Musik eingesetzt als im Original.

Nur im Abspann? Oder generell? Das DDR-Fernsehen hatte ein gewaltiges Problem: International Tracks waren in den meisten Fällen zu teuer. Gut, bei neueren Filmen oder TV-Produktion wurden die wertvollen Devisen dafür schon immer ausgegeben, aber gerade bei älteren Filmen, v.a. aus Italien, USA oder Skandinavien, wurde auf den teuren Ankauf der ITs bei Fernseh-Synchros seit ca. 1978 verzichtet (Ausnahme ist hier Großbritannien - sämtliche Filme, ob alt oder neu, sind mit der Originalmusik ausgestattet - wahrscheinlich wurden hier die ITs konsequent gratis dazugeliefert). Daß das bei einer neuen schweizerischen TV-Serie zutrifft, kann ich mir zwar kaum vorstellen, aber wie wäre dann diese Erklärung: Vielleicht gab es gar keine ITs für diese Serie? Skandinavische Filme hatten seit Ende der 70er ja auch nur noch Musik-, aber keine Geräuschbänder, da die Exportchancen sowieso extrem niedrig waren ("Die Olsenbande ergibt sich nie" ist der einzige mir bekannte dänische Film zwischen 1976 und 1986, bei dem die Geräuschkulisse in Ost- und West-Synchronisation identisch ist, also mitgeliefert wurde).

Gruß
Stefan

Norbert


Beiträge: 1.616

21.09.2006 13:20
#5 RE: Hamburger Synchronisationen für den DFF Zitat · antworten

"Element D" lief damals nicht nur auf SF1, sondern auch bei TSR, also in der französischen Synchronisation. Zufällig habe ich dort das Ende eines Teiles gesehen und dabei bemerkt, dass am Ende eine ganz andere Musik zu hören war als in der deutschen Fassung. Diese Melodie war jedoch - auch in der deutschen Fassung - während der Handlung mehrfach zu hören. Als später TSI - der ursprünglich produzierende Sender - den Fünfteiler wiederholte, konnte ich gerade noch den Schluss sehen bzw. hören. Fazit: Der französische Abspann entspricht - von der Sprache abgesehen - dem Original, der deutsche ist eine merkwürdige Eigenkreation. Den Vorspann habe ich nie in einer anderen Fassung gesehen. Es könnte sein, dass man einfach die Originalmusik aus dem Vorspann auch für den Abspann verwendete, 90 % der Informationen des Originalabspanns unter den Tisch fallen ließ und einen eigenen Marke Eigenbau bastelte. Ebenfalls merkwürdig: Bei DDR-Synchronisationen wurde stets vermieden, den Namen der Produktionsfirma bzw. des produzierenden Senders anzugeben. Immer las man dann den eigentümlichen Hinweis "ein Film aus xxx" bzw. "eine Serie aus xxx" - höchst seltsam, wirkt irgendwie billig.

Bonny


Beiträge: 177

21.09.2006 18:19
#6 RE: Hamburger Synchronisationen für den DFF Zitat · antworten

Hallo,
vielleicht eine peinliche Frage, aber wenn sollte ich sonst fragen als Euch: Ich verstehe Euch richtig, daß bei einer Synchronisation nicht automatisch die Musik und die Geräuschkulisse (also Hintergrund ect.) mitgeliefert wird, daß beide im schlimmsten Fall vom Synchronstudio selber zusammengestellt werden? Welchen Sinn hat das denn und warum wird dies so gemcht? Immerhin würde es für mich die sterile Geräuschkulisse bei der Synchronisation alter Filme erklären.

Bitte klärt mich auf.

Gruß, Bonny.

rote Blume ( Gast )
Beiträge:

21.09.2006 18:33
#7 RE: Hamburger Synchronisationen für den DFF Zitat · antworten

Bei Zeichentrick ist SPrache und Musik & Geräusche oft nur eine SPur, dann muss wie bei Cpt Future neue Musik her. Aber bei Kikis Delivery Service hat man zwar die gleiche Musik wie in der japanischen Fassung genommen, aber zumindest bei einem Stück gab´s mal Trompetensolo und beim anderen Tropete + Orchester. Ich glaube für die englische Sprachfassung hatte man den Mehraufwand betrieben.
Wie weit damals O-Ton Atmosphäre gewollt war oder man sich bewußt für eine bessere Tonqualität läßt sich heute nur schwer abschätzen. Ob möglicherweise die damals verwendeten Materialien unterschiedlich stark gealtert sind, kann man auch nicht ausschließen.
Also das heftige Geknister einiger alter Filme finde ich dann genauso lästig wie die sterilen Neusynchro aus den 80ern. Wie sauber war eigentlich der Ton zur Zeit der Aufnahmen?


Viele Grüße
Elisabeth

http://hometown.aol.co.uk/drecmvg/myhomepage/aboutme.html

neusynchrosmachenalleskaputt


Beiträge: 1.047

21.09.2006 19:13
#8 RE: Hamburger Synchronisationen für den DFF Zitat · antworten

Jau, gerade bei CAPTAIN FUTURE und MEIN NAME IST HASE gefällt mir die ZDF-Musik wesentlich besser als das Original...

Norbert


Beiträge: 1.616

22.09.2006 09:24
#9 RE: Hamburger Synchronisationen für den DFF Zitat · antworten

Zitat von rote Blume
Bei Zeichentrick ist Sprache und Musik & Geräusche oft nur eine Spur, dann muss wie bei Cpt Future neue Musik her.
Captain Future wurde nicht vom japanischen Original, sondern von der US-Fassung her synchronisiert, deshalb waren die Tonspuren nicht getrennt. Die weitaus bessere französische Fassung soll die Originalmusik enthalten.

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 14.996

22.09.2006 10:36
#10 RE: Hamburger Synchronisationen für den DFF Zitat · antworten

Zitat von Bonny
Ich verstehe Euch richtig, daß bei einer Synchronisation nicht automatisch die Musik und die Geräuschkulisse (also Hintergrund ect.) mitgeliefert wird ...

Eigentlich versteht es sich von selbst, aber es liegen auch nicht immer die entsprechenden Bänder bzw. Filme vor. 1941 - 43 wurden in Hollywood überhaupt keine international tracks produziert, weshalb Klassiker wie "Citizen Kane" immer noch ohne die Originalmusik zu hören sind. Ein Kuriosum dieser Art ist der billige Sandalen-Film "Sieben Gladiatoren": Als er 1989 neu synchronisiert wurde, waren von 11 Rollen 5 mit der Originalmusik verloren gegangen; von der Geräuschkulisse aber hatten alle 11 Rollen überlebt (normalerweise ist es, wenn überhaupt, umgekehrt).
Und im Falle des DDR-Fernsehens waren wie gesagt die ITs mitunter schlicht zu kostenintensiv.

Gruß
Stefan

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