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Dieses Thema hat 273 Antworten
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Donnie Darko
Moderator


Beiträge: 8.098

05.06.2018 00:02
#166 RE: Roseanne (USA, 2018-) Zitat · antworten

Ich sag' ja, alles geheuchelt und verlogen mit dieser ganzen widerlichen Pseudo-Empörung.

Serienfan


Beiträge: 210

05.06.2018 09:35
#167 RE: Roseanne (USA, 2018-) Zitat · antworten

Zitat von Donnie Darko im Beitrag #166
Ich sag' ja, alles geheuchelt und verlogen mit dieser ganzen widerlichen Pseudo-Empörung.

Besonders ärgerlich ist ja, dass diese Empörung ein Schein-Gefecht ist, das von den wahren Probleme ablenkt, denn der Rassismus nimmt ja tatsächlich in den USA zu. Die Ursachen hierfür haben aber strukturelle Gründe, die ja gerade die zehnte Staffel von "Roseanne" so sichtbar machte. Als Dan aus der finanziellen Not heraus seinen Freund feuert, um mit illegalen Einwanderern ein Projekt durchzuziehen, damit er endlich die dringend benötigte Operation für seine Frau finanzieren kann, zeigt das doch besonders anschaulich, wie die größer werdenden Nöte einer ganzen Bevölkerungsschicht dazu führen, dass diese sich gegen einander wenden.

Stattdessen wird aus reiner Sorge ums Sender-Image eine der wichtigsten (wenn nicht DIE wichtigste) Serien gecancelt, und dann verkauft man das auch noch als glorreichen Sieg im Kampf gegen den Rassismus. In Wahrheit brachte man eine laute Stimme zum Schweigen, die eindrucksvoll für gegenseitiges Verständnis warb und von der sowohl Demokraten wie Republikaner sehr viel lernen konnten.

Smart86



Beiträge: 329

05.06.2018 23:33
#168 RE: Roseanne (USA, 2018-) Zitat · antworten

Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #164
Ob Bernd Höcke wohl ein Fan von Serien ist?


Wer soll das sein?

~ MfG Smart86 ~

Taccomania


Beiträge: 844

06.06.2018 09:54
#169 RE: Roseanne (USA, 2018-) Zitat · antworten

Zitat von Donnie Darko im Beitrag #166
Ich sag' ja, alles geheuchelt und verlogen mit dieser ganzen widerlichen Pseudo-Empörung.


Nein. Die Sender wägen, wie schon immer, nur ab, ob ihnen etwas wirtschaftlich mehr nützt oder schaden könnte. Zur Zeit ist alles, was nur ansatzweise als Sexismus oder Rassismus ausgelegt werden könnte, inakzeptabel. Vor 30 Jahren durften noch keine gleichgeschlechtlichen Beziehungen im Fernsehen gezeigt werden. Vor 40-50 Jahren waren jede Vulgärsprache im Fernsehen tabu. Wer in der Öffentlichkeit "Scheiße" sagte, war mitunter untragbar. Das war schon damals albern, entsprach aber dem Empfinden der konservativen Mehrheit, während sich eine liberale Minderheit davon gegängelt fühlte.

Heute gibt es trotz Trump, AfD & Co. in der öffentlichen Meinung einen progressiv-liberalen Mainstream, von der sich eine konservative Minderheit unterdrückt fühlt. Nicht auszuschließen, dass das Pendel zeitweise wieder in die andere Richtung ausschlagen wird. Aber in den letzten Jahrhunderten ist die Welt trotz regelmäßig auftretender Rückschläge tendenziell immer liberaler geworden. Sexismus und Rassismus werden auf Dauer nicht mehr gesellschaftsfähig sein.

Albern finde ich es jedoch, schon aufgrund von Lappalien oder unbewiesener Vorwürfe Darsteller und ihr Lebenswerk völlig zu verbannen (z.B. Cosby, Spacey). So viele bedeutende Menschen waren nach heutigen Maßstäben Rassisten, Antisemiten, Sexisten, Straftäter, etc. Wenn man immer unsere heutigen Maßstäbe anlegen wollte, müsste so manches Buch, so manche Statue, viele Filme und Musikstücke für immer in den "Giftschrank".

Nyan-Kun


Beiträge: 4.944

06.06.2018 10:21
#170 RE: Roseanne (USA, 2018-) Zitat · antworten

Zitat von Taccomania im Beitrag #169
Aber in den letzten Jahrhunderten ist die Welt trotz regelmäßig auftretender Rückschläge tendenziell immer liberaler geworden. Sexismus und Rassismus werden auf Dauer nicht mehr gesellschaftsfähig sein.


Also ich glaube eher, dass es auch da einen Pendel gibt der Hin und Her schlägt. Es gibt Phasen wo die entsprechenden Gesellschaften mal liberaler/progressiver und dann Phasen wo sie mal mehr konservativer sind. Im alten Griechenland war Homosexualität jetzt auch nichts ungewöhnliches gewesen und auch der Islam soll damals nicht ganz so streng ausgelegt/ausgelebt worden sein als heute. Entweder das oder die christlich geprägten Gesellschaften damals waren barbarischer als die islamisch geprägten Gesellschaften. Da bin ich zugegebenermaßen kein Experte für.

Serienfan


Beiträge: 210

06.06.2018 17:07
#171 RE: Roseanne (USA, 2018-) Zitat · antworten

Zitat von Taccomania im Beitrag #169
Nein. Die Sender wägen, wie schon immer, nur ab, ob ihnen etwas wirtschaftlich mehr nützt oder schaden könnte.

Ganz klar! Umso verlogener fand ich die ganzen Lobpreisungen für Disney-Chef Rob Iger für seinen "Mut".

"Mutig" wäre es gewesen, sich hinter die Serie zu stellen und klar zu betonen, dass die Werte, die in dieser Serie vorbildlich und tadellos verkörpert werden, durch einem privat geäußerten Tweet nicht verändert werden.

Man muss sich wirklich vorstellen: Eine deutlich und glaubhaft anti-rassistische Serie wird abgesetzt, weil außerhalb dieser Serie etwas Rassistisches geäußert wurde.

Zitat von Taccomania im Beitrag #169
Heute gibt es trotz Trump, AfD & Co. in der öffentlichen Meinung einen progressiv-liberalen Mainstream, von der sich eine konservative Minderheit unterdrückt fühlt.

Und vielleicht auch zu Recht. Die Medien kriegten sich vor lauter Japsen doch gar nicht mehr ein, als sie erfuhren, dass Roseanne Connor auch in der Serie Trump gewählt hat. Dabei fand ich gerade das absolut großartig, weil es längst überfällig war, Trump-Wähler nicht länger zu dämonisieren, sondern ihre Beweggründe zu veranschaulichen.

Zitat von Taccomania im Beitrag #169
Nicht auszuschließen, dass das Pendel zeitweise wieder in die andere Richtung ausschlagen wird.

Das tut es ja längst. Rassismus nimmt in den USA wieder zu. Wir haben nun eine rechtspopulistische Partei von erschreckender Größe im Bundestag hocken. "Starke Frauen" im Kino werden nun als "Mary Sues" empfunden.

Und die Liberalen greifen nun zu den gleichen Mitteln wie einst die Konservativen. Sie versuchen, mit Zensur und Verboten die öffentliche Meinung zu prägen. Dabei schütten sie auch gerne mal das Kind mit dem Bade aus, wie der "Roseanne"-Fall nun wirklich eindrucksvoll demonstriert hat. Es ist so, als wolle der Papst den Christen-Film "Quo Vadis" verbieten, weil er erfahren hat, dass einer der Produzenten bei einer Party mal laut geflucht hat.

Zitat von Nyan-Kun im Beitrag #170
Also ich glaube eher, dass es auch da einen Pendel gibt der Hin und Her schlägt.

Besonders merkwürdig ist aber doch, dass nun die Konservativen die Rechte der freien Rede verteidigen, während die angeblich "liberalen" immer mehr Dinge tabuisieren, bis hin zu Worten, die angeblich nicht mehr verwendet werden sollen. Hier entwickelt sich allmählich eine ähnliche Spießig- und Frömmigkeit, wie man sie früher nur den Konservativen unterstellte.

Auf CNN wird nun gegen Trump gehetzt, weil er sich mit dem nordkoreanischen Präsidenten trifft, denn "mit so einem" macht man keine Staatsempfänge. So einen Blödsinn hätte ich vorher nur auf Fox News gehört. Der Gipfel war für mich erreicht, als Trump von CNN und seinen politischen Gegnern für seinen Bombeneinsatz in Syrien gelobt wurde, während die Trump-Anhänger zu zigtausenden wütende Tweets abließen, weil Trump von seiner versprochenen Friedenspolitik abwich. Die Liberalen sind Verfechter des Freihandels, obwohl davon nur die Börse profitiert, während amerikanische Arbeiter das Nachsehen haben, während nun Trump als Republikaner und eigentlich als Vertreter der Konzerne GEGEN Freihandel ist.

Die Welt steht auf dem Kopf.

Nyan-Kun


Beiträge: 4.944

06.06.2018 17:49
#172 RE: Roseanne (USA, 2018-) Zitat · antworten

Zitat von Serienfan im Beitrag #171
Zitat von Nyan-Kun im Beitrag #170
Also ich glaube eher, dass es auch da einen Pendel gibt der Hin und Her schlägt.

Besonders merkwürdig ist aber doch, dass nun die Konservativen die Rechte der freien Rede verteidigen, während die angeblich "liberalen" immer mehr Dinge tabuisieren, bis hin zu Worten, die angeblich nicht mehr verwendet werden sollen. Hier entwickelt sich allmählich eine ähnliche Spießig- und Frömmigkeit, wie man sie früher nur den Konservativen unterstellte.


Wird dann wohl nur noch eine Frage der Zeit sein bis auch noch die Konservativen ihre "68er Zeiten" erleben werden.

Zitat von Serienfan im Beitrag #171
Auf CNN wird nun gegen Trump gehetzt, weil er sich mit dem nordkoreanischen Präsidenten trifft, denn "mit so einem" macht man keine Staatsempfänge. So einen Blödsinn hätte ich vorher nur auf Fox News gehört. Der Gipfel war für mich erreicht, als Trump von CNN und seinen politischen Gegnern für seinen Bombeneinsatz in Syrien gelobt wurde, während die Trump-Anhänger zu zigtausenden wütende Tweets abließen, weil Trump von seiner versprochenen Friedenspolitik abwich. Die Liberalen sind Verfechter des Freihandels, obwohl davon nur die Börse profitiert, während amerikanische Arbeiter das Nachsehen haben, während nun Trump als Republikaner und eigentlich als Vertreter der Konzerne GEGEN Freihandel ist.

Die Welt steht auf dem Kopf.

Eher haben beide Seiten einfach nur ihre Rollen getauscht. Aus "Opfer" werden "Täter" und entsprechend auch andersherum. Wetten in 50 Jahren sieht es dann wieder so aus wie vor 50 Jahren?

Siegbert Schnösel


Beiträge: 415

06.06.2018 19:05
#173 RE: Roseanne (USA, 2018-) Zitat · antworten

Wie kann man nur behaupten, dass Vallerie Jarrett auch nur im Entferntesten Zira aus "Planet der Affen" ähnelt?!
Total absurd und ungeheuer rassistisch.
Das steht gar nicht zur Debatte und darf definitiv als "rassistischer Tweet" in den Medien bezeichnet werden, denn dass er rassistisch ist, ist Fakt und keine Meinung!!1elf
https://qph.fs.quoracdn.net/main-qimg-3f...c49347e2a5677c4


Wer den Vergleich auf ihre "Rasse" bezieht, denkt offenbar selbst, dass Schwarze aussehen wie Affen und ist für mich der eigentliche Rassist.

Außerdem sieht die Frau wirklich nicht unverkennbar schwarz aus.
Warum ist das überhaupt wichtig?
Warum zwingen mich Menschen, die angebliche Gleichberechtigung wollen, mir über solche Dinge Gedanken zu machen?
Roseanne hat nicht gesagt "Schwarze sehen aus wie Affen" sondern "Diese Frau sieht aus wie dieser Affen-Charakter aus einem Film".

Taccomania hat den Sachverhalt wunderbar geschildert.


Mel Gibson hat ja ordentlich Glück gehabt, dass er seinen betrunkenen Juden-Rant nicht zehn Jahre später abgezogen hat.

Serienfan


Beiträge: 210

07.06.2018 09:47
#174 RE: Roseanne (USA, 2018-) Zitat · antworten

Zitat von Nyan-Kun im Beitrag #172
Aus "Opfer" werden "Täter" und entsprechend auch andersherum.

Es gibt hier eine neue Macht-Stellung.

kürzlich gab es ein höchstrichteliches Urteil in den USA. Ein Bäcker hatte einem schwulen Paar aus religiösen Gründen den Verkauf einer Hochzeitstorte verweigert. Das wurde von dem Gericht als Diskriminierung verurteilt. Das Oberste Bundesgericht hat dieses Urteil aufgehoben.

Seth MacFarlane hat daraufhin getwittert: "It's a shorter walk than we think, particularly today, from 'I won't bake them a cake because they're gay' to 'I won't seat him here because he's black." (Besonders heute ist 'ich backe ihnen keinen Kuchen, weil sie schwul sind' bis 'Ich lasse ihn hier nicht sitzen, weil er schwarz ist' weniger weit auseinander, als wir glauben.)

Natürlich wurde er dafür angegriffen! Rassismus sei doch etwas ganz anderes, als schlicht aus religiösen Gründen keine Torte backen zu wollen. Die Gleichsetzung einer Schwulen-Diskriminierung mit Rassismus gefährdet die eigene, exklusive Opfer-Position.

Hier geht es um Macht. Daher darf eine mehrfache Entschuldigung eines rassistischen Tweets auch nicht akzeptiert werden. Wer Hässliches sagt, muss dieses auch mit voller Überzeugung glauben, es gibt keinen Weg zurück. Dafür nimmt man dann sogar die Absetzung einer Serie in Kauf, die selbst eine wirksame und überzeugende "Waffe" gegen Rassismus gewesen wäre. Fast könnte man glauben, dass die Schwarzen, die in den USA in elitären Positionen sind, diesen Rassismus aufrecht erhalten wollen, um ihre unantastbare Sonderstellung genießen zu können. Erst vor wenigen Jahren jammerte Will Smith über Rassismus, weil bei der Oscar-Verleihung zu wenige schwarze Personen nominiert waren.

So gesehen ist es sinnvoll, die Serie "Roseanne" abzusetzen. Sie hätte vielleicht den tagtäglichen Rassismus, unter dem prominente und superreiche Schwarze ohnehin nicht zu leiden haben, mindern können.

VanToby
Forumsleiter

Beiträge: 42.042

19.06.2018 20:47
#175 RE: Roseanne (USA, 2018) Zitat · antworten

Ich habe heute geträumt, dass es doch noch eine deutsche Fassung gegeben hat, nunmehr offenbar im Auftrag von ProSieben. Die Besetzungen, soweit ich sie mitbekommen und mir von den Tafeln merken konnte:

Dan (John Goodman): Claus Brockmeyer
Jackie (Laurie Metcalf): Madeleine Stolze
Darlene (Sara Gilbert): Karoline Guthke
Becky (Lecy Goranson): Jennifer Böttcher
D.J. (Michael Fishman): "Brett Radner" (= Butz Combrinck)
Andrea (Sarah Chalke): klang nach Susanne Geier

Redaktion: Bernd Legath

Claus Brockmeyer habe ich nicht selbst gehört, sondern nur - zu meiner Überraschung - gelesen. Obwohl unter Pseudonym als Brett Radner gelistet, war DJ tatsächlich Butz Combrinck, dem Klang nach für seine wenigen Takes aus der Ferne in Amerika aufgenommen.

Beverly (seltsamerweise als "Nana" aufgeführt) wurde von einer synchronfremden (Berliner?) Schauspielerin gesprochen, die mir nichts sagte, irgendwas mit W. Klang wie eine Mischung aus Edith Schneider und Inge Schulz. Die Namen der Kinder waren mir auch neu.

Tja. Schöne Sache.

Dubber der Weiße


Beiträge: 5.422

22.06.2018 03:06
#176 RE: Roseanne (USA, 2018) Zitat · antworten

Es geht weiter. "The Conners". Auf links gedreht, ergo Barr-los. Ob die rechten, Verzeihung, echten Fans da noch vor Freude schäumen werden?

Tatsächlich könnte der Stoff nun die parteiübergreifende Zugänglichkeit erlangen, die Potenzial und etablierte Serienwelt zuließen. Und, mal 'ne Sitcom Sitcom sein lassend, einfach gut unterhalten. Meine Lieblingsfiguren sind nämlich alle noch da.
Schaun mer mal.

https://deadline.com/2018/06/roseanne-sp...ent-1202415440/

VanToby
Forumsleiter

Beiträge: 42.042

22.06.2018 13:47
#177 RE: Roseanne (USA, 2018) Zitat · antworten

Ich bin immer noch unschlüssig, was ich von dem allen halten soll. Das Verhalten, erst Äußerungen grenzüberschreitenden, insbesondere rassistischen Inhalts zu tätigen und hinterher zu behaupten, man habe das ja alles gar nicht so gemeint und sei selber missverstandenes Opfer, erinnert an berüchtigte Köpfe einer hiesigen rechtspopulistischen Partei. Diese kalkulierte Raffinesse traue ich Roseanne Barr jedoch nicht zu. Roseanne Barr ist keine solche intellektuelle, aber soziopathische ideologiegeträufte Rassistin. Eher gleicht ihr Verhalten der eines Schulhofrüpels, der aus unterschiedlichen Gründen immer über die Stränge schlägt und sein Vergnügen hat, andere zu triezen. Ein solches Verhalten ist natürlich grundsätzlich auch nicht hinzunehmen, und während bei echten Schulkindern noch pädagogische Erziehungsarbeit gefragt ist, handelt es sich bei Roseanne Barr um einen erwachsenen Menschen, der wie jeder andere auch für sein Fehlverhalten voll zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Trotzdem kommt mir das ganze (Nach)Spiel sehr verlogen und unappetitlich vor. Frau Barr ist ja nun nicht erst seit einiger Zeit eine Provokateurin. Im Gegenteil, das war sogar ihr Markenzeichen, für das sie umjubelt wurde. In gewisser Weise erinnert mich der aktuelle Umgang mit ihr an den mit einem verfemten Soldaten, der ob seines sozial inkompatiblen Verhaltens von der sich als weiterentwickelt habend verstehenden Gesellschaft nun geächtet wird, welche ohne seinen gern angenommenen schmutzigen Einsatz dereinst aber überhaupt nie die Möglichkeit gehabt hätte, sich so offen weiterzuentwickeln. (Ob jetzt jeder Aspekt dieser Weiterentwicklungen überhaupt zu begrüßen ist, sei einmal dahingestellt.)

Ich habe Roseanne Barr für vieles nicht gemocht. Schon als ich die Serie als Fast-Erwachsener erstmals sah, ärgerte ich mich darüber, wie sie v.a. die letzte Staffel auf Kosten der Figurenintegrität so hinbog, dass sie zu ihren damals aktuellen Ansichten passte. (Mich stört also weniger der Lottogewinn als die mit dem Holzhammer aufgezwungene Spiritualität/Religiösität einfach aller Figuren, während man da in früheren Staffeln noch differenzierter war. Das - meiner Meinung extrem gut gelungene und offenbar leider von den wenigsten richtig verstandene - Serienfinale rechtfertigt dies, zumindest gewissermaßen, indem es die fiktive "echte" Roseanne offen zugeben lässt, wie sich alles hingedreht hat, von einer besseren Welt träumend.) Jedoch scheinen einige der mir sympathischeren Entwicklungen auch auf sie zurückgegangen zu sein, soweit man ihrer Darstellung zumindest glauben darf. Vielleicht halten sich andere ähnlich intensiv Beteiligte in einer Gegendarstellung vornehm zurück. Aber zumindest war sie immer der wichtige Motor der Serie, vor allem auch in der Außenwahrnehmung.

Auch in der neuen Staffel gab es Entwicklungen, die mit der Charakterzeichnung in der ursprünglichen Serie wenig zu tun zu haben schienen. Jedoch war die Serie damit gerade erst besonders ehrlich: Es sind ja gerade vor allem Unterschichtenangehörige, die sich vom derzeitigen US-Präsidenten entweder haben blenden lassen oder zumindest seine allgemeine Verantwortungslosigkeit billigend in Kauf genommen haben für seine deregulierende, dem freiheitsliebenden & sich als hart abeitender Schmied eigenes Glückes sehenden Amerikaners entgegenkommenden Politik. Auch dass die vermeintlichen, zumindest sogenannten Liberalen diejenigen sind, die im Namen der political correctness auf einmal mit den stärksten Einschränkungen und unbarmherzigsten Sanktionierungen kommen, ist ein ehrliches Abbild der (nicht nur, aber insbesondere auch) amerikanischen Gesellschaft. Ich finde, man muss Frau Barr sogar zugute halten - wenn man der Darstellung glauben darf -, dass sie sich absichtlich mit ihren eigenen Ressentiments konfrontieren ließ wie bei der Folge mit dem muslimischen Nachbarpärchen. Gerade in dieser Hinsicht wäre ihre öffentliche Bedeutung eigentlich kaum zu unterschätzen gewesen: Bei so viel extremem öffentlichen Gerede, das eine besonnene Auseinandersetzung kaum noch möglich macht oder übertönt, ist es verdammt schwer, aber wäre es die große Herausforderung, von den echten rechten - oder sagen wir unabhängig von dieser immer weniger sinnvollen Einteilung: ideologisch-verbrämten - Gestalten die große Maße derjenigen zu scheiden, die nur frustriert sind ob einer immer finsterer scheinenden Welt, sich ab und an vorschnell entladen und sich gedanklich verirren, aber prinzipiell zu einem Umdenken (oder auch einfach: Um-Fühlen) bereit wären, wenn man sie nur richtig packen würde. Roseanne Barr erreichte wie vielleicht kein anderer die Masse jener noch nicht gänzlich hoffnungslosen Leute. Schade.

Ich möchte nicht bezweifeln, dass man auch ohne Roseanne Barr zur Behandlung gesellschaftlich relevanter Themen in der Lage ist, und traue jemandem wie der mir recht umsichtig erscheinenden Sara Gilbert eher zu, z.B. aus dem derzeitigen metoo-Lynchen einen ernsthafteren Diskurs über institutionalisierten Sexismus zu machen. Jedoch dürfte (auch) das damit eher die Diskussion einer gewissen Oberschicht widerspiegeln & bleiben und die gesamtgesellschaftliche Breite verfehlen.

Ich werde es bestimmt trotzdem schauen; es hat sogar das große Potential, eine Serie 'wie für mich gemacht' zu werden. Aber Roseanne ohne Roseanne fühlt sich einfach falsch an. Es fühlt sich vor allem moralisch falsch an.

Ob der Ableger "The Conners" nun auch nach Deutschland kommen wird? Und falls ja, was geschieht mit der bislang ungesendeten 10. Staffel? Wird die auf ewig im Giftschrank bleiben, so überhaupt fertigsynchronisiert? Oder wird sie doch irgendwann wieder aufgetaut werden, wenn das Geld wieder größer ist als die öffentliche Moral? Ich möchte auch bezweifeln, dass Roseanne Barr an dem Ableger tatsächlich nichts verdient. Es wird sicherlich über eine großzügige Abfindung vonstatten gehen, der Verdienst wäre also nur indirekt. Trotzdem bleibt es eben schon alles Heuchelei, bei der jeder brav mitmacht.

Um dem Rechnung zu tragen, hätte ich als Titel im Falle Sara Gilberts als zentrale Hauptdarstellerin übrigens "Becky's Mother's Other Daughter" vorgeschlagen.


Tobias

UFKA8149



Beiträge: 9.576

22.06.2018 14:58
#178 RE: Roseanne (USA, 2018) Zitat · antworten

Barr will have no financial or creative involvement in the new series after reaching a settlement with series producer Tom Werner.

@Samedi
Ich finde es hilft nicht, wenn der Thread in Die Conners umbenannt und der Eingangspost geändert wird, während bis vor 3 Beiträgen das Roseanne-Revival das Thema und Anlass der Diskussion war.

Serienfan


Beiträge: 210

22.06.2018 21:52
#179 RE: Roseanne (USA, 2018) Zitat · antworten

Zitat von VanToby im Beitrag #177
Ich möchte nicht bezweifeln, dass man auch ohne Roseanne Barr zur Behandlung gesellschaftlich relevanter Themen in der Lage ist, und traue jemandem wie der mir recht umsichtig erscheinenden Sara Gilbert eher zu, z.B. aus dem derzeitigen metoo-Lynchen einen ernsthafteren Diskurs über institutionalisierten Sexismus zu machen. Jedoch dürfte (auch) das damit eher die Diskussion einer gewissen Oberschicht widerspiegeln & bleiben und die gesamtgesellschaftliche Breite verfehlen.

Der Eindruck, die liberale Elite hätte nun erfolgreich die "andere Meinung" zum Schweigen gebracht, wird sich gerade bei jenen verfestigen, bei denen eine Roseanne Barr die Ohren für liberale Werte hatte öffnen können.

Zitat von VanToby im Beitrag #177
Aber Roseanne ohne Roseanne fühlt sich einfach falsch an. Es fühlt sich vor allem moralisch falsch an.

Nicht nur das. Der Wegfall einer so zentralen Figur wird eine Lücke hinterlassen, von der ich jetzt nicht sehe, wie man diese schließen könnte. Die Serie war nun einmal auf ihre extrovertierte Hauptfigur ausgerichtet. Das übergroße Ego der Hauptfigur diente ja dem Zuschauer als perfekte Projektionsfläche im Guten wie im Schlechten. Der günstigste Fall wäre wohl noch, die Figur neu zu casten (jemand wie Kathy Bates wäre denkbar), und selbst hier müsste man bezweifeln, dass es funktionieren würde.

Aber Disney hat ja erst kürzlich mit einem Han-Solo-Film ohne Harrison Ford erleben müssen, dass sich die Leute nicht endlos Falschgeld andrehen lassen. Die sechs Millionen, die allein Gilbert und Goodman für die nächste Staffel erhalten, dürften daher schlecht investiert sein.

Zitat von VanToby im Beitrag #177
Ob der Ableger "The Conners" nun auch nach Deutschland kommen wird? Und falls ja, was geschieht mit der bislang ungesendeten 10. Staffel? Wird die auf ewig im Giftschrank bleiben, so überhaupt fertigsynchronisiert? Oder wird sie doch irgendwann wieder aufgetaut werden, wenn das Geld wieder größer ist als die öffentliche Moral?

Welche Moral das auch immer sein mag. An wie vielen Kunstwerken, an wie vielen grandiosen Bauwerken, Kathedralen oder Pyramiden, klebt Blut und Unmoral? Soll dies alles vernichtet und abgerissen werden, bis nur noch die moralisch "reine" Kunst übrig ist, bei der schon der Entstehungsprozess eine weiße Weste hatte?

Es ist immer ein Akt der Verzweiflung, eine moralisch saubere Kunst zu erwarten. Noch naiver ist es, diese Erwartungshaltung auf die Entstehungsgeschichte dieser Kunst auszuweiten. Alles muss in zuckerweiße Watte gepackt sein, und natürlich wird beim Marketing sogar der Entstehungs-Prozess als ein Prozess permanenter Harmonie und Heiterkeit verkauft.

Somit wurde "Roseanne" mehr als jede andere zum absoluten Spiegel des Zeitgeistes. Und die Serie selbst wird daran untergehen.

Gaara



Beiträge: 1.391

22.06.2018 22:27
#180 RE: Roseanne (USA, 2018) Zitat · antworten

Bescheuert IMO, und wird wahrscheinlich nicht länger als eine Staffel dauern.

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