Gut, das ist nun wieder eine andere Ungenauigkeitsbaustelle, die beispielsweise zum Tragen käme, wenn ihn nochmal jemand in einer Synchro von 1981 oder 1982 entdecken sollte. Die imdb ist da natürlich kein Maßstab, aber zumindest tauglich für ungefähre Werte. Damit meine ich, dass Baujahr 1905 absolut zu den bekannten Rollen passt und dass ein Tod Anfang der 80er erklärt, warum seine Synchronfilmografie irgendwann in den 70ern zu enden scheint. Dass sich selbst diese Eckdaten noch mit den sonstigen Argumenten ergänzen, macht die Sache für mich dann doch ausgesprochen überzeugend, dass die Entdeckung Hand und Fuß hat.
Weil schon mal das Thema Hans Mahlau aufkam grabe ich es noch mal aus: Es ist ein sehr interessanter (und erstaunlich langer Artikel) über ihn in einem Biographischen Theaterlexikon aufgetaucht, das man mittlerweile online einsehen kann:
Um das nochmal zu bündeln. Also bei folgenden Filmen glaube ich, dass Hans F. Wilhelm zumindest Regie führte, vielleicht auch Buch, da sie sich teilweise merklich von den Dialogbüchern von Ursula Buschow unterscheiden, von Brunnemann sowieso.
- Frankenstein - Der Schrecken mit dem Affengesicht - Der lange Tag der Rache - Sechs Kugeln für Gringo - El Cisco - Ching: Das Geheimnis des schwarzen Schwertes - Ein Halleluja für Spirito Santo - Providenza - Mausefalle für zwei schräge Vögel - Seine Kugeln pfeifen das Todeslied
Vermutlich noch ein paar mehr, wo nur die Berliner Union gesetzt ist, aber kein Brunnemann oder Brandt vorkommt und das Dialogbuch recht ernst ist.
Ich greife mal einen uralten Beitrag von 2006 (lange, lange vor der Identifikation des gesuchten Sprechers) für eine Frage auf, die mich schon länger beschäftigt:
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #11Er scheint aber besonderer Spezi von Brunnemann und Brandt gewesen zu sein - in "Der lange Tag der Rache" ist er als Henker zu hören, das war eine Synchro der "Berliner Union", die zum Sprungbrett für Brunnemann und seine Blödel-Fassungen wurde ("Mit Django kam der Tod"). Auch in "Der Schut" war er als Kodscha-Bascha zu hören (Hauptrolle Rainer Brandt, vielleicht kannten sie sich von da), ob das als Hinweis dienen könnte.
Beim Blick in die Synchronkartei fällt auf, dass Hans F. Wilhelm oft bei Brunnemann oder Brandt zu hören war, falls er nicht selbst Regie führte. Im Falle von Brunnemann ließe sich das so erklären, dass sich die beiden vielleicht aus der gemeinsamen Arbeit für die Berliner Union her kannte, wo sie beide ja einige Zeit aktiv waren. Im Falle von Brandt hat es mich schon länger überrascht, dass dieser in den beiden "Dollar"-Filmen auf Josef Egger nicht naheliegende Klischeebesetzungen wie Hugo Schrader oder Herbert Weißbach wählte, sondern Wilhelm, der zu dieser Zeit vermutlich kaum noch aktiv war. Könnte es sein, dass Wilhelm Jahre zuvor gerne Brandt besetzt hatte? Denn in den drei ersten Karl-May-Filmen, in denen Brandt als Schurke zu hören ist ("Winnetou I", "Old Shatterhand", "Der Schut") ist Wilhelm als Regisseur entweder belegt oder zumindest wahrscheinlich. Und in den ZDF-Folgen von "Mit Schirm, Charme & Melone" hörte man Brandt (besonders in der s/w-Phase öfter als Bösewicht, aber bis auf eine Ausnahme ("Geschlossene Räume") in Folgen, in denen Werner Peters nicht zu hören war. Es liegt also nahe, dass er eher zum Sprecherpool des "zweiten Regisseurs" gehörte, und Stefan tippte (zumindest bei den s/w-Folgen) schon länger auf Wilhelm. Sicher hätte man das auch unter "Synchronregisseure und ihre Teams" posten können, aber ich tue es einfach mal hier: Kann es sein, dass Hans F. Wilhelm Rainer Brandt gerne besetzte, speziell in negativen Rollen?
Vermutest du Wilhelm in der Regie nur wegen Brandt in Winnetou I und Old Shatterhand? Ich bin nun bei Leibe keine Experte für Synchronfassungen der klassichen Ära in den 1960ern, aber ich glaube da weniger an ein "Wilhelm-System", sondern einfaches Abfahren einer Klischeebesetzung so wie GGH als Helden oder Margot Leonard für die hübschen Damen.
(Oder vermutest du Wilhelm etwa noch als Regisseur in "Feuerball", wegen Brandt als Graf Lippe)
Das Klischee des Schurken Brandt entwickelte sich aber meines Erachtens erst mit den Winnetou- und ähnlichen Filmen - es wäre also alles Andere als ein Abspulen.
Danke für das Photo. Ich weiß, eine komische Assoziation, aber ich finde es immer wieder amüsant, wie wenig "künstlerisch" die Synchronschaffenden in den früheren Jahren aussahen. Herr Wilhelm könnte optisch auch genauso gut ein Staatssekretär aus der Adenauerzeit sein. Wenn ich das bspw. mit dem strickpullovertragenden, langhaarigen Joachim Kunzendorf aus der Carlitos Way-Doku vergleiche...da liegen schon Welten zwischen.