Mir fällt auf, dass in neueren Filmen und Serien, aber auch in der Werbung häufig recht hohe, um nicht zu sagen schrille und nervige Frauenstimmen zum Einsatz kommen, die dazu auch noch sehr ähnlich klingen und damit völlig austauschbar sind. Das gilt insbesondere bei den jüngeren Darstellerinnen. Ich finde das überaus furchtbar. Eine dieser Sprecherinnen ist Kristina Tietz. Synchros, bei denen solche Stimmen zum Einsatz kommen, trüben den Filmgenuss meines Erachtens erheblich. Vielleicht wird aber bereits in der Originalfassung so schlimm gesprochen. Dabei heißt es doch, dass Frauen heute im Allgemeinen tiefer sprechen und sich den Männern anpassen würden. Aus diesem Grund faszinieren mich auch die älteren Synchros der 50er und 60er Jahre, wo es noch echte Charakterstimmen wie die von Eleonore Noelle, Gisela Trowe, Edith Schneider und Elisabeth Ried gab. Stimmen die selbstbewusst und z.T. auch dominant klingen konnten. Heute kann man soetwas mit der Lupe suchen.
Das MAG vielleicht daran liegen, dass die damaligen Sprecherinnen und Sprecher (der 50er, 60er, 70er... Jahre) vielfach auch am Theater beschäftigt waren und dort eine größere Bandbreite gespielt (gesprochen) haben.
Das kann man nicht verallgemeinern und kommt sehr auf den einzelnen Beobachter an. Ich finde beispielsweise die heutigen Frauenstimmen viel individueller als damalige. Zwar gab es damals mehr die "großen" Stimmen, aber das ist bei den Männern ganz ähnlich. Und viele Stimmen, die wir heute als groß ansehen, sehen wir auch nur in der Retrospektive, weil wir das gesamte Lebenswerk einer Person sehen. Heutige Stimmen funktionieren allgemein ganz anders und bleiben viel länger jung als damals, so wie Menschen heute allgemein länger jung aussehen. Da muss man den aktuellen Stimmen auch einfach Zeit geben, sich über Jahre und Jahrzehnte zu entwickeln.
Liegt vielleicht auch daran, dass die heutigen jungen Darstellerinnen selbst recht hohe oder höhere Stimmen haben.
An charakteristischen Stimmen mangelt es mMn auch nicht. Mir fallen da jetzt auf Anhieb Rubina Nath oder Anne Helm ein. Oder in der jüngeren Generation Derya Akyol, Marie Hinze oder Magdalena Montasser. Gibt natürlich noch viele weitere, die alle aufzuzählen, würde aber den Rahmen sprengen.
Ich denke, dass dieser Eindruck daraus entsteht, dass die Synchronisation letztendlich ein Abbild der gegenwärtigen Schauspielkultur im Kino ist . Ecken und Kanten und eine gewisse Markantheit sind gerade im gegenwärtigen Hollywoodkino bei jüngeren Schauspielern und Schauspielerinnen selten finden. Der Trend geht hier ganz klar zur Glattheit und Die Synchros folgen besetzungtechnisch logischerweise diesem Trend.