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Synchrondatenbank (von Arne Kaul) | Deutsche Synchronkartei | Seriensynchron - SeSyDaB | dubDB | Die vergessenen Filme
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Dieses Thema hat 12 Antworten
und wurde 574 mal aufgerufen
 Allgemeines
fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

14.09.2015 21:25
Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Was ein/e Transsexuelle/r ist, weiss so ziemlich jeder mittlerweile. Ein Mann, der eigentlich eine Frau ist oder eine Frau, die eigentlich ein Mann ist. Geschichten zu zeigen, in denen sich jemand einer Geschlechtsanpassung unterzieht, sind ein guter dramatischer Stoff für Filme und da gab es immer wieder welche. Das ist vor allem für Schauspieler ein gefundenes Fressen. Filme, die Schicksale zeigen, in denen sich Menschen bewußt dafür entscheiden, ohne Geschlechtsanpassung zu leben, sind eher seltener, da nicht so dramatisch.

Betreffens Transvestiten gibt es immer noch weit verbreitete Irrtümer. Ein Transvestit ist kein Schwuler, der sich Frauenkleider anzieht. Es gibt homosexuelle Transvestiten, aber weniger als man denkt.

Viel zu oft nämlich werden die Begriffe Transvestit und Travestie vermengt, dabei haben sie kaum etwas miteinander zu tun. Travestie ist ein Spaß, den sich viele Männer teils hoch professionell machen und auch unter "Tunten" sehr beliebt und solange die aufdrapierten Tucken auf den Regenbogenparaden in Frauenklamotten herumlaufen und die Klischeelade bedienen, wird auch niemand etwas dagegen haben.

Mit Transvestiten hat das aber nichts zu tun. Travestie wird in vielen Filmen gezeigt, häufig gescieht sie eher unfreiwillig - in typischen Klamotten oder auch guten Filmen wie "Manche mögens heiss". Wenn es nicht gerade um ein Thema geht wie "La Cage Aux Folles", wo die Grenzen etwas vermischt werden, ist Travestie und Homosexualität nur in sehr wenigen Filmen von Bedeutung. Meistens sind es heterosexuelle Männer, die aus irgendeinem Grund in Frauenklamotten schlüpfen. Die und auch all die schwulen Travestiekünstler oder Figuren in Filmen sind für diesen Thread absolut uninteressant, dass fällt in den Bereich "Tuntige Rollen".

Transvestiten sind keine Transsexuellen, aber Menschen, die sichtbare Zeichen des anderen Geschlechtes tragen. Männer, die sich heimlich Frauenkleider anziehen, so ausgehen oder zumindest feminine Unterwäsche tragen. Ein Transvestit zu sein bedeutet für die Betroffenen keinen Jux und keine Tollerei, vielmehr ist es ein Leidensdruck. Und es ist kein homosexuelles Thema, der Anteil an schwulen Transvestiten ist entgegen dem Klischee ziemlich gering. Zu diesem Thema gibt es Filme, solche Figuren kommen öfters mal wo vor.

Transsexuelle und Transvestiten in Filmen bedürfen im Regelfall sehr guter Schauspieler, je nachdem mit welchem Anspruch die Produktionen gedreht werden. Bei den Synchronfassungen ist es auch immer interessant, wie diese Rollen besetzt werden, mitunter werden die von einer Stimme synchronisiert, die dem anderen Geschlecht entstammt.

Der Film "Zweiter Aufschlag" mit Vanessa Redgrave erzählt zum Beispiel die Geschichte einer Geschlechtsumwandlung von einem Mann zu einer Frau. Trotz aller Qualitäten, die diese wunderbare Schauspielerin mit sich bringt, finde ich es bis heute schade, dass nicht ein Mann diese Rolle spielte. Doris Gallart gab es für die Redgrave öfter, hier war sie mit ihrer rauchigen Stimme aber perfekter als sonst und war sowohl für den Mann als auch die Frau überzeugend. Sie machte auch alle Nuancen des Spieles mit.

Im vierten Teil der "Fantomas"-Reihe mit Helmut Berger ist Eduard Linkers als Hausmeisterin zu sehen. Er spielt eine unansehnliche, maskuline Frau, ist sehr überzeugend als solche, allerdings war es wohl beabsichtigt, hier eine Verwirrung zu stiften: es wird nie ganz klar, ob das ein Mann oder eine Frau ist. Man könnte denken, das ist ein Transsexueller, der nach aussen als Frau lebt. Um zu verhindern, dass ein Mann mit typisch verstellter Stimme unglaubwürdig säuselt, hatte man einen genialen Einfall. Man ließ Linkers von Hanne Wieder synchronisieren, deren Stimme männlich und weiblich zugleich war.

In "Der irre Flic mit heissem Blick" spielt Sue Lloyd einen Transvestiten, also einen Mann. Im Original wurde sie auch von einem synchronisiert. In der deutschen Fassung übernahm man das und gab ihr die Stimme von Horst Raspe. Der klang nicht tuntig aufgedreht wie viele Männer, sondern traf den Tonfall perfekt für einen Mann, der offenbar eine weibliche Identität ausleben möchte.

Horst Raspe sprach auch den von Joan Marshall dargestellten Mörder Warren im Horrorthriller "Mörderisch". Hier liegt weniger eine körperlich bedingte Störung der Identität vor, denn ein Mädchen musste von klein an einen Jungen spielen und einer sein. Dennoch fällt das etwas in diesen Bereich hier. Horst Raspe ist hervorragend als der sehr feminin wirkende Warren und für seine Auftritte als Frau wurde Maria Landrock ausgewählt, die eine Spur maskulin klang zwischendrin. Eine ausgezeichnete Kombination.

Mir fallen noch einige Filme ein, ich will aber nicht alle aufzählen. Wer kennt noch Beispiele und wie werden die Besetzungen oder Leistungen bewertet?

Und wie gesagt: hier geht es nicht um Travestie, um "Tunten im Fummel", sondern um transsexuelle Figuren und richtige Transvestiten. Eine stimmliche Identität ist ihnen wichtig und das kann eine Herausforderung darstellen.


"Ist doch scheußlich, diese Marschmusik!"

Martin Hirthe für Charles Gray in "Diamantenfieber"

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Silenzio
Listenpfleger

Beiträge: 15.198

14.09.2015 21:51
#2 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Tja, um den Twist des nachfolgenden Films nicht zu verraten, muss ich mich leider des Spoiler-Balkens bedienen:

Spontan fällt mir hier als allererstes M. BUTTERFLY (1993) von David Cronenberg ein. Jeremy Irons spielt hier einen französischen Diplomanten, der der Opernsängerin Song Liling verfällt (exzellent gespielt von John Lone). Blind vor Liebe bemerkt er nicht, daß die Affäre für Spionagezwecke mißbraucht wird. Von der Kulturrevolution auseinandergerissen, treffen sich die beiden Jahre später in Paris wieder und setzen die Beziehung fort. Am Ende stellt sich Song als Mann heraus. John Lone wird hier natürlich von einer 'Frau' synchronisiert: Conny Diem, die das ganz fabelhaft machte.


Tamer_of_Astamon



Beiträge: 891

14.09.2015 23:11
#3 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Ja was sollte man da für Stimmen verwenden?? Es gibt ja immerhin mehr Variationen zwischengeschlechtlicher Lebensweisen als man sich eigentlich vorstellen kann.
Eine echte Stimme einer Transfrau die bereits die Stimmband OP hinter sich gebracht hat, hört sich eben anders an, als ein Transvestit, der die Stimme weiblich verstellt.
Und ein Transmann der im Stimmbruch ist, hat auch eine ganz eigerne Stimme. Und wie besetzt man eigentlich Zwitter?? Eine Dragqueen gehört Stimmlich eigentlich auch anders besetzt als ein Ladyboy oder ein Homosexueller. Wobei es grad bei Homosexuellen große Unterschiede gibt, also welche die Hetero aussehen und andere sehen wieder recht Ladylike aus. ^^ Die Übergänge sind recht fließend und so sind es auch die Stimmen. Das kann natürlich synchrontechnich nicht genauso umgesetzt werden. Manche Synchronsprecher können für so "Spezialbesetztungen" aber durchaus eingesetzt werden. Mir fällt da z.B. der Frank Schaff ein, der hat ja in irgendeinem Film schon mal gezeigt, daß er recht "Tuntig" klingen kann. xD Und was umgekehrt anbelangt könnte ich mir z.B. die Anja Stadlober mit ihrer tiefen Stimmlage als Sychronstimme für einen Transmann durchaus vorstellen, der was den Stimmbruch noch nicht durch ist.


Mein Lieblings-Synchronsprecher: DENNIS SCHMIDT-FOSS!!!^^

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

14.09.2015 23:46
#4 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Ich denke, dass man bei den ganzen vielen Spielereien, die die Natur zu bieten hat, sicher nicht bei einem Film oder der Synchronisation zu kompliziert an die Sache herangehen sollte. Da muss es zwangsläufig etwas konventioneller zugehen. Wenn wer einen Kastraten spricht, wird es ja nicht so leicht sein einen kastrierten Synchronsprecher zu finden...

Man kann aber viel tricksen und manchesmal wären sicher auch zwei Stimmen von Vorteil, wenn man eine Veränderung zum Ausdruck bringen will.

Da ich das Beispiel "Zweiter Aufschlag" nannte: Doris Gallart spielt die Synchronrolle durchaus glaubwürdig für Vanessa Redgrave, erstklassige Leistung. Persönlich aber hätte ich sie, glaube ich, von einem Mann synchronisieren lassen. Mir fällt nur gerade keiner ein - ausser Horst Raspe, der ganz famos klingen konnte als Person zwischen den Geschlechtern.

Was hatte eigentlich "Divine" so für Stimmen, falls da Filme synchronisiert wurden? Bin da jetzt weder am Laufenden, noch mag ich unterbrechen zum Googeln.


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Martin Hirthe für Charles Gray in "Diamantenfieber"

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Tamer_of_Astamon



Beiträge: 891

15.09.2015 00:24
#5 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Nun, man kann ja Spezielle Stimmlagen mit Hilfe von Computerprogrammen anpassen.
Und es gab ja bereits einen Film über einen Kastraten, der hieß "Farinelli". Der ist laut Synchronkartei vom Marcus Off synchronisiert worden. Wär interessant zu wissen, ob da nachgeholfen wurde!! xD

Den Divine kenn ich nicht, wer ist das??

Edit: In Hairspray von 1988 wurde Divine von Bernd Stephan synchronisiert steht in der Synchronkartei.

Jedenfalls für jemanden wie Divine könnt ich mir auch Olivia Jones für die Synchro vorstellen!! Oder unsere liebe Conchita Wurst!!
Und als Synchronsprecherin für Transfrauen ist Lorielle London perfekt!!


Mein Lieblings-Synchronsprecher: DENNIS SCHMIDT-FOSS!!!^^

HalexD


Beiträge: 524

13.02.2018 12:03
#6 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Zitat von Tamer_of_Astamon im Beitrag #5

Jedenfalls für jemanden wie Divine könnt ich mir auch Olivia Jones für die Synchro vorstellen!! Oder unsere liebe Conchita Wurst!!
Und als Synchronsprecherin für Transfrauen ist Lorielle London perfekt!!


Um Gottes willen...

Donnie Darko
Moderator


Beiträge: 7.361

13.02.2018 13:06
#7 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Celso Adrian.


28:06:42:12

"Da is doch nichts da, Schätzchen!"
"Herr Flamme, wir nehmen auf."
"Öha!"
Donnies Thread zu Carolin van Bergen

Vermouth


Beiträge: 135

13.02.2018 19:43
#8 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Für solche Rollen werden einfach Leute besetzt, die der Originalstimme so nah wie möglich kommen. Das ist ja schon ziemlich bescheuert davon auszugehen, dass Trans Frauen/Männer immer irgendwie "anders" klingen als Cis Frauen/Männer. Vergleichbar mit dem stereotpyischen Bild von Schwulen, die man ja "an der Stimme schon erkennen kann".

Man kann es aber auch noch viel einfacher machen: Trans-Frauen werden von Frauen gesprochen, Trans-Männer von Männern.
Es sei denn man findet unter den Synchronsprechern selbst passende Trans Mädels/Jungs, mich würde sogar interessieren ob es da welche gibt.

EDIT:
Was auf jeden Fall gar nicht geht ist, wenn man wie bei der Serie Transparent einen Mann auf eine Trans-Frau besetzt. Alexander Doering auf Trace Lysette, also bitte...


Knew-King



Beiträge: 5.417

13.02.2018 19:51
#9 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

In der Kunst geht alles. Zum Glück.

aijinn


Beiträge: 1.130

13.02.2018 20:54
#10 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

@Vermouth: ich finds genau richtig herum, wie es in Transparent gemacht wurde. Allerdings ist das mein Standpunkt, weil ich denke, dass es richtiger ist sich einer Trans-Stimme vom ursprünglichen Geschlecht des Darstellers/der Darstellerin aus zu nähern. Das ist mehr als sonst wirklich nur eine Annäherung, aber in meinen Augen die sinnvollere Besetzung.


"Was??? Ich hab' aber auch ein Pech, jetzt fängt die auch noch an!" J.B. (damals Wippich)

Vermouth


Beiträge: 135

14.02.2018 20:06
#11 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Zitat von Knew-King
In der Kunst geht alles. Zum Glück.


Klar, nur ist Synchron keine Kunst. Sie muss sich so weit es geht ans Original halten, besonders bei solchen seriösen Themen.


Zitat von aijinn
ich finds genau richtig herum, wie es in Transparent gemacht wurde. Allerdings ist das mein Standpunkt, weil ich denke, dass es richtiger ist sich einer Trans-Stimme vom ursprünglichen Geschlecht des Darstellers/der Darstellerin aus zu nähern. Das ist mehr als sonst wirklich nur eine Annäherung, aber in meinen Augen die sinnvollere Besetzung.


Ich nicht und die Gründe dafür sind, dass Trans-Frauen wie z.b. Trace Lysette jahrelang eine Sprachtherapie machen und letzendlich eine Stimme haben die von jedem auch als weiblich erkannt wird. Hör sie dir im O-Ton an. Das Einzige was männliche Synchronsprecher hier machen würden wenn sie eine solche Rolle sprechen würden wäre die Stimme etwas anheben und das wars. Das klingt immer extrem gekünstelt im Gegensatz zur Originalstimme. Ausserdem wird durch die Besetzung eines Mannes auf eine Trans-Frau wieder nur das Urteil gefällt, dass Trans-Frauen keine Frauen sind.

Bei den Trans-Männern ist das ja noch offensichtlicher. Alleine wegen dem Testosteron verändert sich schon die Stimme.

Knew-King



Beiträge: 5.417

14.02.2018 20:16
#12 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Zitat von Vermouth im Beitrag #11
Klar, nur ist Synchron keine Kunst.

Falsch

Zitat von Vermouth im Beitrag #11
Sie muss sich so weit es geht ans Original halten, besonders bei solchen seriösen Themen.

Nyan-Kun


Beiträge: 868

14.02.2018 20:21
#13 RE: Stimmen für transsexuelle Rollen oder Transvestiten Zitat · antworten

Zitat von Vermouth im Beitrag #11

Zitat von Knew-King
In der Kunst geht alles. Zum Glück.

Klar, nur ist Synchron keine Kunst. Sie muss sich so weit es geht ans Original halten, besonders bei solchen seriösen Themen.


Da dürften wohl die Meinungen auseinander gehen. Was wären die Terrence/Hill Filme gewesen, wenn man sich bei der Synchro so weit an das Original gehalten hätte. Das im Original recht trockene "Die zwei" wäre ohne Brandts aufgepeppten Dialogbücher bei weitem nicht so kultig und unterhaltsam im deutschen gewesen.

Die Synchros, die sich sklavisch ans Original halten waren für mich schon immer sehr blutleer gewesen. Man sollte es aber dennoch mit den Abweichungen nicht zu sehr übertreiben. Wichtig ist, dass es im deutschen natürlich rüberkommt.

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