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 Spielfilmklassiker
c.n.-tonfilm



Beiträge: 1.259

05.01.2018 15:50
Pandora und der fliegende Holländer (UK 1951 / DF 1953 + DF 1983) Zitat · antworten

Albert Lewins mystisch-wildromatisches Drama, das die Sage vom „Fliegenden Holländer“ mit der Gestalt Pandoras aus der griechischen Mythologie verbindet, erlangte über die Jahre Kultstatus und wird oft in einem Atemzug mit den Archers-Produktionen von Powell und Pressburger genannt. Beträchtlichen Anteil daran hat die bestechende Technicolor-Kamera von Jack Cardiff. Für Ava Gardner zementierte der Streifen ihren internationalen Aufstieg zum Sexsymbol.

In Deutschland und Österreich gelangte „Pandora“ 1953 nur in einer rund 22 Minuten gekürzten Fassung in die Kinos; was hier geschnitten wurde, kann ich nicht sagen. Seinerzeit wurde er neben positiven Stimmen auch als überlang und teilweise langatmig kritisiert. Ich vermute der deutsche Verleiher Rank hat vor diesem Hintergrund straffen und gleichzeitig je Kopie einen ganzen Akt Filmmaterial im Kopierwerk einsparen wollen. Wohl wegen der Kürzungen wurde 1983 eine Neusynchronisation angefertigt – ob fürs Kino oder im Auftrag der ARD weiß ich nicht. Schnitte hin oder her – damit hat man dem Film keinen Gefallen getan. "Pandora und der fliegende Holländer" lebt in allererster Line von den Bildern und seiner mystischen Atmosphäre. In der Neusynchro bleibt davon nichts übrig, das Werk verkommt zur Karikatur auf dem Level einer billigen US-Vorabendserie. Jeglicher Zauber und Magie sind dahin; selbst Altmeister Friedrich Schoenfelder kann da nichts mehr retten.

Die Kinosynchro hingegen verfügte mit Edith Schneider für Ava Gardner und Wolfgang Lukschy für James Mason über die deutschen Idealstimmen. Nach dem zweiten Weltkrieg zog die ehemals der UFA angegliederte AFIFA (Aktiengesellschaft für Filmfabrikation) Kopieranstalt nach Wiesbaden in das Atelier „Unter den Eichen“ um, das in den 50er Jahren primär als Filmatelier genutzt wurde. „Pandora und der fliegende Holländer“ dürfte eine der ganz wenigen Synchronisationen sein, die in Wiesbaden produziert wurden. Ungewöhnlich zu dieser Zeit ist die Mitwirkung des angehenden Kinostars Claus Biederstaedt, dessen große Synchron-Phase erst Ende der 50er Jahre begann. Möglicher Weise handelt es sich hier um seine erste Synchron-Rolle. Autor und Dialogregisseur Erich Bender war (wie Heinrich Riethmüller) von Haus aus Komponist und Chorleiter und machte hier wohl nur einen Abstecher zum Synchron; 1955 gründete er den Kinderchor des NDR. Für ihn öffnete sich die Büchse der Pandora, als er 1969 wegen „Unzucht mit Abhängigen“ in die Schlagzeilen geriet und gerichtlich verurteilt wurde, was zur Auflösung des Chores führte.

„Pandora“ war eine Produktion der britischen Romulus, wurde in USA von MGM und in Europa von verschiedenen Verleihern vertrieben. Daher sieht es auch in anderen Ländern mit den zeitgenössischen Kinosynchros düster aus; auch wenn der Film dort nicht wie in Deutschland heruntergeschnitten wurde. Die originale spanische Synchronisation (der Film spielt in Spanien und ist dort gedreht) der MGM Barcelona von 1952 mit María Victoria Durá für Ava Gardner und José María Olives ist nicht mehr im Umlauf; der Film wurde in Spanien 1984 fürs Kino neu synchronisiert. Auch die Italiener bekamen statt ihrer klassischen Kinosynchro von 1951 mit den Starsprechern Lydia Simoneschi (Gardner) und Gino Cervi (Mason) anlässlich der Wiederentdeckung des Films in den 80ern eine ebenso trashige Neusynchro wie Deutschland. Da Atmosphäre und Mischung unmöglich waren, wird der Film im italienischen Fernsehen inzwischen nur noch im OmU gesendet. Nur die Franzosen haben das Glück, dass ihnen ihre klassische Kinosynchro erhalten blieb.





Pandora und der fliegende Holländer

(Pandora and the Flying Dutchman) (UK)(USA)
(Pandora) (AT)(FRA)(ITA)
Pandora y el Holandés Errante (ESP)

UK 1951

Österreichische Länge (1953)	2687 Meter =  98’13 (24 B/S) bzw  94’17 (25 B/S)
Deutsche Länge (1953) 2748 Meter = 100’26 (24 B/S) bzw 96’25 (25 B/S)
Englische Originallänge (1950) 3356 Meter = 122’40 (24 B/S) bzw 117’45 (25 B/S)
Österreichische Kürzung (1953) 669 Meter = 24’27 (24 B/S) bzw 23’28 (25 B/S)
Deutsche Kürzung (1953) 608 Meter = 22’13 (24 B/S) bzw 21’20 (25 B/S)
Differenz Kürzung Österr./BRD 61 Meter = 2’14 (24 B/S) bzw 2’08 (25 B/S)
Format 35 mm; 1:1.37, Technicolor
Erst-Verleih Österreich Rank-Film, Wien
Erst-Verleih BRD Rank-Film, Hamburg (in "Der neue Film" vom September 1952 wird noch die "Deutsche Commerz" als Verleiher angegeben)
Erst-Verleih USA MGM
Erst-Verleih Grossbritannien International Film Distributors Ltd.
Erst-Verleih Spanien MGM, Barcelona
Erst-Verleih Italien ENIC
Erst-Verleih Frankreich Filmsonor
Britische Erstaufführung Februar 1951
Finnische Erstaufführung 13.04.1951
Französische Erstaufführung 19.09.1951
Amerikanische Erstaufführung 15.10.1951
Japanische Erstaufführung 26.10.1951
Italienische Erstaufführung Dezember 1951
Spanische Erstaufführung 08.02.1952 (Barcelona)
22.05.1952 (Madrid)
Portugiesische Erstaufführung 07.03.1952
Österreichische Erstaufführung 10.03.1953
Deutsche Erstaufführung 11.08.1953
TV-Erstausstrahlung 20.04.1985, NDR (Neusynchronisation) / 11.09.1985, S3 (Neusynchronisation)


1. Deutsche Bearbeitung AFIFA Aktiengesellschaft für Filmfabrikation, Berlin-Tempelhof (1953)
Atelier AFIFA-Atelier „Unter den Eichen“, Wiesbaden
Buch und Dialogregie Erich Bender


2. Deutsche Bearbeitung Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke, Berlin/West (1983)
Buch und Dialogregie Jürgen Neu


Rolle Darsteller *Dt. Sprecher (1953)* Dt. Sprecher (1983) Franz Sprecher (1951) Ital. Sprecher (1951) Span. Sprecher (1952)
(unter Vorbehalt)


Hendrick van der Zee James Mason Wolfgang Lukschy Friedhelm Ptok Jean Marchat Gino Cervi José María Olives
Pandora Reynolds Ava Gardner Edith Schneider Joseline Gassen Jacqueline Ferrière Lydia Simoneschi María Victoria Durá
Stephen Cameron Nigel Patrick Claus Biederstaedt Joachim Pukass Jacques Erwin Gualtiero De Angelis
Janet Sheila Sim Marianne Steinbrenner Marianne Gross Camille Fournier Dhia Cristiani
Geoffrey Fielding Harold Warrender Otto Rouvel Friedrich Schoenfelder Daniel Lecourtois Augusto Warrender
Juan Montalvo Mario Cabré Frank Glaubrecht Jean-Henri Chambois Mario Pisu
Reggie Demarest Marius Goring Reinhard Kolldehoff Raymond Loyer
Angus John Laurie
Jenny Pamela Kellino
(= Pamela Mason)
Peggy Patricia Raine
Senora Montalvo Margarita D'Alvarez Lita Recio
Spanischer Tänzer La Pillina
Richter Abraham Sofaer Maurice Dorléac Giorgio Capecchi
Vicente Francisco Igual
Bartender Guillermo Beltrán Giorgio Capecchi
Geoffrey's Haushälterin Lila Molnar
(= Lilli Molnar)
Schneiderin Phoebe Hodgson
Freund von Montalvo Gabriel Carmona
Freund von Montalvo Antonio Martín
Sängerin („Zanba“) Lolita Allergria
Priester John Carew
Erste Krankenschwester Christiana Forbes
Zweite Krankenschwester Helen Cleverley
Gitarrist („Zambra“) Pepe de la Isla
Arzt Eddie Leslie
Assistenzarzt Gerald Welsh
Ricardo Valle

Nennungsreihenfolge in "Der neue Film“, Zeitschrift 71/1952 (15.09.1952):
Edith Schneider, Wolfgang Lukschy, Otto Rouvel, Reinhard Kolldehoff, Claus Biederstaedt, Marianne Steinbrenner





Das Original-Kamera-Negativ des Films gilt als verschollen. Grundlage für alle neuen HD-Restaurationen ist ein seinerzeit vom Original-Negativ gezogenes Nitro-Positiv aus der Sammlung des George Eastman House in Rochester, New York, welches mit Hilfe eines 1958 gezogenen Dup-Negativs aus England vervollständigt wurde. Obwohl die US-Blu-Ray von Kino International http://www.blu-ray.com/movies/Pandora-an...y/11987/#Review und die UK-Blu-Ray von Park Circus http://www.blu-ray.com/movies/Pandora-an...y/11954/#Review also auf demselben Ausgangsmaterial beruhen, ist dennoch ist die US-Blu-Ray vorzuziehen.


US-Original-Kinotrailer hosted by Hedda Hopper



„How am I to Know“ – Ava Gardner



Ganzer Film in mit französischer Kinosynchronisation von 1951



Ganzer Film mit deutscher Neusynchronisation von 1983 in 3 Teilen:



Alte Kinofilme nach Jahrzehnten nachträglich neu zu synchronisieren ist wie Süßstoff in einen guten alten Wein kippen: ungenießbar-pappige "Spätlese".

Was wären Jack Lemmon, Danny Kaye, Peter Sellers, Bob Hope und Red Skelton im deutschsprachigen Raum ohne die Stimme von Georg Thomalla ?

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Wir lie... also, wir finden Synchron ganz in Ordnung.
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