Der User Kippe hat im Moviesideforum über die DEFA-Fassung geschrieben (Leider ist sie nur auf der UHD enthalten, die BD ist ein Repack der alten Edition!):
Zitat Zur DEFA-Synchro allgemein:
Die Ton ist erwartungsgemäß lascher und undynamischer als das Original, die Mischung präferiert klar die Dialoge, die Geräusche sind deutlich leiser und körperloser als in der Originalfassung. Die Sprache ist aber klar, klingt recht luftig und homogen, es ist ein leichtes Lichttonrauschen und -knistern zu hören, die Abtastung ist schon ganz gut und rauschunterdrückt wirkt da für mich nichts.
Es gibt ganz seltene Passagen komplett ohne Hintergrundgeräusche, weil die wahrscheinlich auf dem M&E gefehlt haben, z. B. bei der Unterredung zwischen Jo und Mario, wo es um die Erinnerungen an Frankreich geht und das Ticket gezeigt wird. Da sind auf der franz. Spur (und der neuen deutschen natürlich) Straßengeräusche zu hören, bei der DEFA nichts (ca. 0: 29: 30).
Die Sprecherleistungen sind grundsätzlich schon ganz in Ordnung, professionell eingesprochen, die Sprecher sind (mit einer Ausnahme) überwiegend gut gewählt.
Die Regie hat die Sprecher aber alle etwas lockerer agieren lassen, die West-Synchro wirkt etwas aggressiver, direkter und auf Krawall gebürstet, aber auch etwas steifer; die DEFA ist da etwas relaxter, netter, natürlicher und zivilisierter.
Walther Suessenguth spricht Jo ja in beiden Fassungen, in der DEFA-Synchro etwas weicher, weniger machohaft, der Bruch zum späteren Feigling ist damit weniger stark.
Die Frauenstimme Lindas klingt weniger schrill und geerdeter als in der West-Haupt- und insbesondere in der Nachsynchro; das ist deutlich angenehmer.
Problem ist ausgerechnet der Mario-Sprecher, ein gewisser Robert Trösch, der als Exil-Schweizer das R dermaßen rollt, dass man zunächst vermutet, man wolle andeuten, er könne als Korse gar kein perfektes Französisch. Da haben sich mir bei den R-Lauten immer die Zehennägel gekräuselt, auch wenn seine Leistung an für sich ganz ok ist.
Man hat in der DEFA-Fassung mehr spanischsprachige Anteile belassen (mit einer wichtigen Ausnahme, s. u.), die in der West-Synchro oft deutsch übergebügelt wurden.
Man schob dem Amerikaner am Anfang ein "Shut up" in den Mund, vermied dabei aber das "altes Schwein" der West-Synchro. Auch das N-Wort bei Marios Erläuterung seines Nacktfoto-Schreins (Timecode s. o.) fehlt bei der DEFA im Ggs. zur West-S. und dem Original.
Dafür heißt es bei den DEFA korrekt $ 200 für die Flugreise, während die West-S. von $ 2000 spricht, obwohl auf dem Schild im Fenster $ 199 steht.
Die antiamerikanische Protestrede der einheimischen Arbeiterin bei ca. 0:38:00 ist bezeichnenderweise komplett deutsch übersetzt, während sie im Westen auf Spanisch belassen wurde und Mario nur ein paar Fetzen davon kommentiert (auf der UHD werden die Passagen untertitelt, das war im Kino sicher nicht so).
An ein, zwei Stellen hab ich ein paar Dopplungen der M&E-Geräusche gehört, die sich fast wie Hall anfühlten, da aber definitiv nicht hingehören.
Die Filmjuwelen-Leute haben schätzungsweise die gesamte DEFA-Synchro ausgespielt, also auch an dialoglosen Stellen oder bei der Titelmusik, wo die neue deutsch Spur oder der O-Ton sich deutlich besser angehört hätte.
Zusammenfassend wäre die DEFA-Synchro eine nette Alternative, allerdings nicht in dieser unbearbeiteten, undynamischen Form. Und die Schnitte (nächstes Posting) und die noch häufigeren Sprecherwechsel (DEFA, West, Nachsynchro, O-Ton mit UT) kommen noch dazu. Ich würde an eurer Stelle mal reinhören, wie euch das gefällt, aber die Go-To-Fassung wird für mich natürlich auf ewig sein … dreimal dürft ihr raten.
Auffällig ist, dass zumeist übermäßige Grausamkeiten und Härten oder auch merkwürdig erscheinende Handlungen, wie der Steinwurf Marios, als Jo bereits die Stange fallengelassen hat, vermieden wurden, gleichzeitig kommt es zu leichten sprachlichen Abmilderungen (kein N-Wort usw., somit = insgesamt weichere, weniger kantige Fassung).
Dass die Wellblechpiste in beiden Fassungen fehlt, ist wahrscheinlich dem geschuldet, dass die Dynamik dieser Sequenz (entweder betont langsam oder schnell fahren; und: die Piste besteht ja gar nicht aus Wellblech) von beiden deutschen Synchronstudios nicht recht verstanden wurde.
Fatal ist das Fehlen der hochspannenden Sprengsequenz des Brockens. Was die DEFA da geritten haben könnte, kann ich nur vermuten. Könnte das geschickte und erfolgreiche Handeln des in Amerika bekannt gewordenen und in West-Deutschland spielenden Peter van Eyck damit zu tun haben, obwohl dieser sich während des Krieges klar antifaschistisch positioniert hatte?
So wird der Film durch sowohl Synchronfassung als auch Schnitte weniger nervenzerfetzend, weniger kantig, weniger zu einem monumentalen Durchhalteakt.
Die Gesamtschnittzeit der DEFA-Fassung beträgt monumentale ca. 48:21 Minuten (!)
Zitat Interessant ist zudem, dass in der DEFA-Fassung offenbar zwei kurze Szenen enthalten sind, die in allen anderen fehlen: ganz zu Beginn spuckt eine Figur eine andere regelrecht an (es läuft Lüller aus dem Mund), ein anderer kurzer Clip stammt dann aus der Ölsumpf-Sequenz. Diese beiden Schnipsel sind mitsamt der sichtbaren Lichttonspur und abgerundeten Kanten auf der UHD enthalten, ebenso der DEFA-Vorspann.
Die DEFA-Fassung wurde mit der BRD-Synchro aufgefüllt. Für die rekonstruierte BRD-Fassung wurden die Dialoge mit dem M&E-Track der Originalfassung kombiniert.