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Dieses Thema hat 23 Antworten
und wurde 2.055 mal aufgerufen
 Forumsschatztruhe
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Slartibartfast



Beiträge: 6.221

07.05.2015 17:24
#16 RE: "Forscherin: Tiefe Männerstimmen nicht immer sexy" Zitat · antworten

Zitat von Isch im Beitrag #14
Zitat von Slartibartfast im Beitrag #13
Akademiker werden oft als praxisfern oder auch gefühlskalt dargestellt

Bei vielen meiner Profs kann ich das bestätigen. Weiß nicht, ob es die Mehrheit ist, sind aber jedenfalls die, die einen am meisten nerven. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich mein Studium leider generell als eher praxisfern wahrnehme, auch wenn es da sicherlich noch schlimmere Beispiele gibt.

Der Vorwurf ist ja auch ein globaler geworden und wird auch z.B. den Gymnasien vorgeworfen. (Thema letztens bei "Hart aber fair": Zu wenig Google, zu viel Goethe? - Zum Glück waren zwei sehr souveräne Experten da, die die schulische Allgemeinbildung sehr nachvollziehbar versteidigt haben.) Aber ein Studium muss schon zuerst die Theorie vermitteln, Praxis sammelt man in der Berufsausbildung.

Zitat von Isch im Beitrag #14
Politikern wird fast alles vorgeworfen. Inwieweit sich da der Vorwurf des "Professor-Seins" an einen Herrn Lucke von dem des "Taxifahrers" an einen Joschka Fischer heraushebt sei mal dahingestellt, zumal die meisten in den vorderen Reihen Akademiker sind. Der Ruf von Akademikern allgemein wird von Politikern vermutlich am ehesten durch unsaubere Doktorarbeiten in Schmutz gezogen, leider auch, weil die Medien über positiv ausgegangene Prüfverfahren, wie etwa im Falle Steinmeier, weniger berichten.
Wobei man sagen muss, dass diese Dissertationen m.W. alle "nur" geisteswisenschaftliche Inhalte hatten. Oder ein wenig chauvinistisch ausgedrückt: In einem naturwissenschaftlichen Fach wäre das nie passiert, schon deshalb, weil Betrügereien dort sofort auffallen...)

Zitat von Isch im Beitrag #14
Studien in den "humanities" hinken meines Erachtens gegenüber naturwissenschaftlichen: Was ist, wenn Sabine eigentlich Behaarte mag, aber bei Erik und Jochen gerade das Glatte attraktiv findet? Oder was ist, wenn sie Behaarung ab einem gewissen Grad unattraktiv findet? Für solche Dinge gibt es in den üblichen Ja/Nein-Fragebögen keinen Platz. Auch die inzwischen beliebten "eher ja" oder "eher nein" Abstufungen können dies nur unzureichend wiedergeben.
Zumindest hier sind wir uns einig.

@forti: Emotional an ein Them ran zu gehen ist völlig legitim, nur ist der Ansatz der Akademiker es genauso. Viele - damit meine ich nicht dich persönlich - schaffen es aber nicht, zu differenzieren oder auch nur ansatzweise über den Tellerrand zu kucken.


Gruß
Martin
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"Star Wars basiert auf Mythologie, Star Trek auf Naturwissenschaft." (Marius Clarén in "Navy CIS")
Visit http://www.synchronkartei.de

Isch


Beiträge: 3.402

07.05.2015 19:22
#17 RE: "Forscherin: Tiefe Männerstimmen nicht immer sexy" Zitat · antworten

Wobei aber auch naturwissenschaftliche Forschung über Frage, ob sie die Realität abbildet, nicht erhaben ist. Grundlage jeder Messung ist eine Theorie, deren Belastbarkeit von der Messung bestätigt oder widerlegt wird. Wenn ich wissen will, warum Dinge auf den Boden fallen, werde ich zuerst eine Theorie über so etwas wie Gravitation entwickeln und dann in die Empirie gehen. Wenn sich dann meine Annahmen bestätigen, weiß ich nicht, ob es deswegen tatsächlich eine Erdanziehungskraft gibt, sondern nur, dass meine Gravitationstheorie in der Lage ist eine adequate Beschreibung für das Phänomen zu liefern, dass Dinge herunterfallen.
Geisteswissenschaftliche Theorien lassen sich bloß schwerer verifizieren und daher leichter anfechten, weil sie zu viele Faktoren beinhalten. Das größere Problem, dass die Geisteswissenschaften haben ist aber die Rechtfertigungsfrage. Ich persönlich neige daher auch dazu, den Sinn in den Geisteswissenschaften eher in der Schulung von Kompetenzen, als im Erhalten von "Ergebnissen" zu sehen. Die Psychologie, in deren Bereich die hier diskutierte Studie fällt, scheint mir manchmal eine Art "Zwischenwesen" zu sein. Ein IQ zum Beispiel lässt sich sehr leicht messen, die Aussagekraft der Messung ist jedoch abhängig vom jeweilig zugrunde liegendem Intelligenzmodell. Von diesen gibt es mehrere konkurrierende und vermutlich wird das auch immer so sein (Im Gegensatz zu naturwissenschaftlichen Theorien). Denn letztlich ist die Frage "Wann ist jemand intelligent?" immer abhängig von der eher philosophischen Frage "Was ist Intelligenz überhaupt?", deren Beantwortung nicht eindeutig möglich ist.

Das nur am Rande.


TJ: "Hey Leute, denkt ihr, was ich denke?"
Mikey: "Keine Ahnung. Ich dachte grade, ich hol' mir noch Fritten!"

E.v.G.



Beiträge: 2.251

07.05.2015 22:25
#18 RE: "Forscherin: Tiefe Männerstimmen nicht immer sexy" Zitat · antworten

tiefe Männer sind nicht immer sexy, sage ich als Frau. Bsp: die US Trailer-Sprecher, zu übertrieben cool=nervtötend


http://www.die-silhouette.de/

smeagol



Beiträge: 3.571

08.05.2015 10:02
#19 RE: "Forscherin: Tiefe Männerstimmen nicht immer sexy" Zitat · antworten

Zitat von E.v.G. im Beitrag #18
tiefe Männer sind nicht immer sexy, sage ich als Frau. Bsp: die US Trailer-Sprecher, zu übertrieben cool=nervtötend

Ob die US-Trailer-Stimmen nun auf Frauen sexy wirken oder nicht kann ich zwar nicht beurteilen, teile aber deine Meinung dazu: Das wirkt auf mich auch immer dermaßern aufgesetzt - wobei ich das teilweise hierzulande (da fast jeder zweite Trailer irgendwie von Joachim Kerzel gesprochen wird :-)) auch manchmal so empfinde. Irgendwie wie Werbung aus den 50ern. "TRINKEN SIE MILCH, DENN MILCH MACHT SIE GESUND. DIESE MILCH - ES IST DAS, WAS SIE BRAUCHEN UND NICHT MEHR" - so wird ein Film meinem Empfinden nach oft beworben.

Teilweise wirklich total bekloppte Texte im Trailer und dermaßen aufgesetzt, das man sich fast veraxxxx vorkommt "The GREATEST adventure EVER seen! Watch PICTURE X - a thrill ride like NO OTHER"


--
"Ich würde nach Hause gehen und mich richtig ausschlafen"
Curt Ackermann für Cary Grant in "Über den Dächern von Nizza"

Slartibartfast



Beiträge: 6.221

08.05.2015 15:44
#20 RE: "Forscherin: Tiefe Männerstimmen nicht immer sexy" Zitat · antworten

Ihr habt ja recht, aber Trailersprecher gibt es doch heute eigentlich keine mehr?!?


Gruß
Martin
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Bjoern


Beiträge: 459

08.05.2015 16:44
#21 RE: "Forscherin: Tiefe Männerstimmen nicht immer sexy" Zitat · antworten

Zitat von Slartibartfast im Beitrag #16
Wobei man sagen muss, dass diese Dissertationen m.W. alle "nur" geisteswisenschaftliche Inhalte hatten. Oder ein wenig chauvinistisch ausgedrückt: In einem naturwissenschaftlichen Fach wäre das nie passiert, schon deshalb, weil Betrügereien dort sofort auffallen...)


Ja, das mag in der öffentlichen Wahrnehmung so wirken. Viele medial exponierte Menschen aus dem Politikbereich haben ja auch einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund. Ich glaube aber (ohne eine Statistik zu kennen), daß durchaus auch die Naturwissenschaften in signifikanter Zahl betroffen sind. Ich erinnere z. B. an den berühmten Fall Jan Hendrik Schön, der 2002 sehr hohe Wellen geschlagen hat, vgl. z. B. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-25396545.html). Zudem gibt es meiner Einschätzung nach viele Fälle in den medizinischen Fachbereichen (hier gibt es generell viele Promotionen, und es wird auch viel digital publiziert - sehr praktisch für die vielen selbsternannten Plagiatsjäger und ihre diversen Programme).

Gruß
B.


Slartibartfast



Beiträge: 6.221

11.05.2015 19:49
#22 RE: "Forscherin: Tiefe Männerstimmen nicht immer sexy" Zitat · antworten

Wobei die Medizin (wie auch die Mathematik) keine Naturwissenschaft ist.


Gruß
Martin
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Bjoern


Beiträge: 459

11.05.2015 21:38
#23 RE: "Forscherin: Tiefe Männerstimmen nicht immer sexy" Zitat · antworten

Deshalb habe ich ja auch "zudem" geschrieben... 😉

Gruß
Bjoern

berti


Beiträge: 15.352

18.05.2020 18:18
#24 RE: "Forscherin: Tiefe Männerstimmen nicht immer sexy" Zitat · antworten

Aufgrund inhaltlicher Überschneidungen packe ich es einfach mal in diesen Thread, ohne einen eigenen aufzumachen: Die aktuelle "Zeit" enthält einen Essay von Martin Hecht ("Von Piepsmäusen und kernigen Bässen"), der eine ganze Seite (33) ausfüllt und sich damit beschäftigt, was die Verbreitung bestimmter männlicher und weiblicher Stimmen in Werbung, Synchronisation und Schauspiel aussagen könnte.
"Squeaky (quietschende) weibliche Stimmen, die hochemotional oder erotisch klingen", seien "derzeit extrem angesagt", als Beispiel dafür werden Gabrielle Pietermann und Mayke Dähn genannt.
Umgekehrt würden männliche Off-Stimmen wieder "möglichst tief und kernig klingen, wie der "Knödelsound" von Jens Thelen, der in der ARD-Sportschau so klänge, "als würde er in der Autowerbung ein neues Premium-SUV anpreisen". Laut dem Stimmforscher Michael Fuchs von der Uni-Klinik Leipzig seien männliche und weibliche Stimme während der letzten Jahrzehnte "eigentlich dabei" gewesen, "sich stimmlich anzunähern". Und gerade in den stark feministische geprägten skandinavischen Ländern würden "Frauen besonders tief" sprechen. Auch in der Politik sei der Kontrast zwischen männlichen und weiblichen Stimmen geringer "als noch vor fünfzig Jahren". Die Linguistin Susanne Günther von der Universität Münster sehe in der Rückkehr höherer Frauen- und kerniger Männerstimmen in Film und Werbung ein Zeichen für eine "Sehnsucht nach der traditionellen binären Ordnung zwischen den Geschlechtern, dem starken, kraftvollen und auch stimmlich markanten Mannsbild und dem süßen, schutzbedürftigen Weibchen". Diesen Wechsel hätten auch Hartwig Eckert von der Universität Flensburg oder die Liguistin Helga Kotthoff aus Freiburg bemerkt. Die Sprachwissenschaftlerin Ulrike Kaunzner aus Modena würde derzeit an einer Arbeit mit dem Titel "Die Stimme als Zeitzeuge" schreiben, in der es darum ginge, "wie sich weibliche und männliche Stimmen in der Radiowerbung seit den 1950er-Jahren verändert haben". Ines Bose und Clara Luise Finke von der Universität Halle hätten 2016 in einer Untersuchung die Frage untersucht, wie sehr das Nachlassen einer klassischen Sprechausbildung im Rundfunkt bemerkbar mache und bestimmte Stimmtypen fördere. Gert Rabanus wird mit den Worten zitiert: "Wer diesen neuen, frisch gepressten Sound beherrschen will, darf seine Worte nicht mehr natürlich aus dem Bauch- oder Brustraum herausbefördern, sondern muss sie aus Hals und Kehle drücken". Diese "Unsitte" habe Don LaFontaine durch die von ihm gesprochenen amerikanischen Trailer gefördert. "Und je mehr die Männer kräftig drücken, umso mehr machen sich die Frauen klein und scheu".
Danach schreibt Hecht, in früheren Jahrhunderten hätten die Pfarrer auf der Kanzel den Sprachgebrauch der einfachen Menschen am stärksten geprägt. Mit der Einführung des Tonfilms habe im deutschen Sprachraum "die Berliner und die Wiener Schule" dominiert, in denen die Schauspieler viel "schnarrten". Um 1960 sei an deren Stelle eine "neue, oft launige Modulationsform" getreten, "die weniger geschult daherkam, mehr die Persönlichkeit des Akteurs ausdrückte, eine Art neuer Realismus, politisch und, ganz wie die Zeit, irgendwie anti".
Die heutige Entwicklung dagegen sei "eine regelrechte Geschlechter-Restauration".

Natürlich muss man diese Interpretation des Autors (und teilweise der von ihm zitierten Fachleute) nicht teilen; aber da er sich offensichtlich intensiv mit der Materie befasst und dabei verschiedene Bereiche (Werbung, Synchronisation, Schauspiel, Moderation) einbezogen hat, wollte ich sie hier erwähnen. Zumal es auch in diesem Forum immer mal wieder zur Sprache kam, wie sich die Sprechkultur und Diktion im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

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Farb-Legende: blau = Spekulation, orange = Trailer-Besetzung, grün = endgültige Besetzung, rot = Korrektur/Ergänzung zur endgültigen Besetzung


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