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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 291 mal aufgerufen
 Spielfilmklassiker
fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

11.08.2014 13:18
Teufelskreis (1962) Zitat · antworten

Originaltitel: "Victim"

GB, 1961

Regie: Basil Dearden
Drehbuch: Janet Green / John Mc Cormick
Musik: Philip Green
Produktion: Parkway/Rank
Verleih: Rank Film

Deutsche Fassung:

Rank Synchronabteilung, Berlin
Dialogbuch: Hans Joachim Szelinski
Dialogregie: Edgar Flatau

Deutsche Erstaufführung: 30. Mai 1962, freigegeben ab 18 Jahren

Inhalt:

Der junge Lohnbuchhalter Jack Barrett ist auf der Flucht vor der Polizei. Er hat Lohngelder unterschlagen. Keiner seiner Freunde kann ihm wirklich helfen und der angesehene Anwalt Melville Farr verweigert sich seinen Hilferufen. Barrett wurde wegen seiner Homosexualität erpresst. Er hatte in Farr seine große Liebe gefunden und will ihn schützen. Er erhängt sich in der Gefängniszelle. Farr, der kurz vor seiner Ernennung zum Kronanwalt steht, kämpft mit seinem Gewissen. Er will auf eigene Faust die Erpresserbande dingfest machen, aber ohne Polizei geht es letztendlich nicht. Allerdings kann er damit sein Ansehen und seine Ehe endgültig ruinieren...

Zum Film:

Aus dem Buch "Out im Kino" von Axel Schock und Manuela Kay:

"Der Teufelskreis hat in mehrfacher Hinsicht Filmgeschichte geschrieben: Es ist - nach 'Anders als die Anderen' (1919) - der erste kommerzielle Spielfilm, der ein schwules Thema behandelt und dabei für Toleranz gegenüber Homosexuellen plädiert. Zugleich zeigt der Film einen (verheirateten, Anmkg) schwulen Mann, der sich bewußt für sein Coming-Out entscheidet. Entstanden ist der Film zu einer Zeit, während der Homosexualität in England noch unter Strafe stand und Homosexuelle gesellschaftlich weder Lobby noch Rechte hatten. Regisseur Basil Dearden mußte folgerichtig aufgrund seiner liberalen und für eine Verbesserung der Rechtslage plädierenden Haltung öffentliche Anfeindungen erdulden. In den USA erwog die Zensurbehörde gar, den Film ganz zu verbieten. Die Reaktionen der Presse waren großteils vernichtend. 'Die stillschweigende Billigung der Homosexualität', so beispielsweise das Time Magazine, sei anstößig."

Melville Farr ist vielleicht die komplexeste Figur, die Bogarde je dargestellt hat und er spielt ganz hervorragend. Interessanterweise hat Bogarde eine ganze Reihe Figuren mit mehr oder weniger homosexuellem Kontext dargestellt, sich auch für Schwulenrechte eingesetzt, aber bis zu seinem Tod stets fehement geleugnet, schwul zu sein - was er aber war und was zumindest in der Branche stets bekannt war.

Der Film war schwer zu besetzen, da einige Schauspieler um ihren Ruf fürchteten. Der trotz seiner (eigenwilligen) Freundschaft zu John Gielgud als äußerst homophob bekannte Ralph Richardson bekam einen Tobsuchtsanfall, als man ihm die Rolle des Lord Fullbrook anbot. Waren sie auch keine Stars, aber für Leute wie Nigel Stock, Norman Bird oder den am Beginn seiner Karriere stehenden Peter McEnery war es keine Selbstverständlichkeit, schwule Männer zu spielen.

Die deutschen Synchronsprecher hatten nichts zu verlieren, dennoch war dieser mutige Film wohl für alle absolutes Neuland. Die deutsche Fassung wurde in zwei Szenen etwas abgeschwächt im Dialog und zwei Sätze wurden ganz geschnitten, aber ansonsten wurde sorgfältig herangegangen. Gottseidank entstand der Film 1961, nur wenige Jahre später wären wohl schon schwule Klischeestimmen zu hören gewesen, auch wenn es nicht dem Original entsprach.

Bei Arne finden sich zehn Einträge, die sich jedoch ergänzen lassen.

Es spielen und sprechen:

Dirk Bogarde (Melville Farr) Herbert Stass

Sylvia Syms (Laura Farr) Ilse Kiewiet

Anthony Nicholls (Lord Fullbrock) Siegfried Schürenberg

Peter McEnery (Jack 'Boy' Barrett) Jürgen Wölffer

Nigel Stock (Phip) Werner Peters

Norman Bird (Harold Doe) Siegmar Schneider

Dennis Price (Dalloway) Klaus Miedel

Peter Copley (Paul Mandrake) Erich Kestin

Donald Churchill (Eddy Stone) Wolfgang Draeger

Derren Nesbitt (Sandy) Michael Chevalier

John Barrie (Inspector Harris) Arnold Marquis

John Cairney (Bridie) Berno von Cramm

Alan MacNaughton (Scott Hankin) G. G. Hoffmann

Charles Lloyd-Pack (Henry) Alfred Balthoff

Hilton Edwards (P. H.) Eduard Wandrey

Noel Howlett (Patterson) Hans Hessling

Margaret Diamond (Miss Benham) Lili Schönborn

Jim Brady (Cafe-Betreiber) Benno Hoffmann

Alan Howard (Frank) Harry Wüstenhagen

Frank Pettit (Mann an der Theke) ???

Mavis Villiers (Madge) ???

David Evans (Mickey) Claus Holm

John Bennett (Undercover-Detektive) Gerd Holtenau

John Boxer (Polizist im Gefängnis) Martin Held

Victor Brooks (Kripo-Beamter) Heinz Petruo

Nora Gordon (Mrs. Brooks) ???

Frank Thornton (George) Holger Kepich

Bill Reed (Inspizient) Heinz Welzel

Basil Dignam (Anwalt) Benno Hoffmann

N. N. (Kripo-Beamter) Heinz Palm

N. N. (Arzt im Kinderheim) Benno Hoffmann

Trotz Heinz Palm darf Benno Hoffmann mehrfach auftreten...


"Oder aber...Sie erpressen mich! Kein sehr netter Zug bei einem Arzt!"

Siegfried Schürenberg für Peter Cushing in "Frankensteins Rache"

S.T.O.F.F.E.L. ( gelöscht )
Beiträge:

11.08.2014 15:37
#2 RE: Der Teufelskreis (1962) Zitat · antworten

Mich hat der Film ziemlich mitgenommen und bewegt. Er kam mir so 'modern' vor, fast wie gestern gedreht (mit ein paar Abstrichen natürlich). Inhaltlich zwar schon anders, aber vom Background her sehr ähnlich, kam mir A SINGLE MAN dagegen fast altmodisch und verstockt vor. Einen Mann am Klo filmen macht nicht alles wett.

Heut hört man das Wort 'Schneid' ja nur mehr selten. Mir ist es auch in älteren Filmen, bzwe Synchronfassungen jener Zeit kaum geläufig, meistens hört man 'Mut'. Auf mir wirkte es selbst für 1962 fast a bissal anachronistisch, wenn man Werner Peters sehr irgendwie sehr germanisch betont sagen hört: "Ich wünschte, ich hätte den Schneid, Ihnen zu vertrauen."

Herbert Stass antwortet darauf übrigens in echtem Tony Curtis-Tonfall: "Vertrauen Sie meinem Bankkonto!"


ICH bin immer auf der Höhe, Inspektor! Miss Marple

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

11.08.2014 16:32
#3 RE: Der Teufelskreis (1962) Zitat · antworten

Lieber Stoffelbär,

ich glaube nicht, daß man "Victim" wirklich mit "A single Man" vergleichen kann, denn außer den in etwa selben Zeithintergrund haben sie nichts gemeinsam. Allerdings ist "A single Man" tatsächlich ein schwer verdaulicher Film - eine antiseptische Studie ohne Emotionen und obwohl der Film eine mehr als adäquate Verfilmung des Buches ist, ist er im Unterschied zu diesem weder emotional, noch aufregend. Er hat keine cineastische Sprache, sondern ist abgefilmte Literatur. Wenn er dann cineastisch wird, wird's peinlich, denn da erinnert er an David Hamiltons unsägliche Erotikepen...

Aber zurück zum "Teufelskreis":

du hättest ruhig deine Vermutung posten können, daß Christian Doermer oder Ralph Persson Peter McEnery synchronisieren.


"Oder aber...Sie erpressen mich! Kein sehr netter Zug bei einem Arzt!"

Siegfried Schürenberg für Peter Cushing in "Frankensteins Rache"

lupoprezzo


Beiträge: 2.225

17.08.2014 18:33
#4 RE: Der Teufelskreis (1962) Zitat · antworten

Nur ein kleines Detail am Rande: Ich weiß nicht, welche Internet-Datenbank beim deutschen Titel den bestimmten Artikel dazugeschwindelt hat, aber der Film hieß hierzulande eigentlich immer nur "Teufelskreis".

Hier auch schön am alten Originalplakat zu sehen:
http://www.postertreasures.de/product_in...ufelskreis.html


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