Ich bin ehrlich gesagt nach wie vor von Renate Schroeter überzeugt. Sie ist ja in Berlin geboren und aufgewachsen, von daher würde ich der "südlichen Diktion" (im Sample aus "Die Wächter") keine allzu große Bedeutung beimessen. Es gibt ja Leute, die schnell regionale Färbungen übernehmen.
Hab gestern "Mickey One" mit Warren Beatty gesehen. Dort sprach die gesuchte Stimme Alexandra Stewart und es ist - laut Abspann - Renate Schroeter. ;-)
Zitat von StephenVera Clyde - ELKE SOMMER - Almut Eggert Wilhelm Blore - GERT FRÖBE - er selbst
Wie ich anhand des Trailers und einer Szene auf Youtube festgestellt habe, wurde Gert Fröbe in der englischen Fassung nachsynchronisiert. War das bei Elke Sommer auch der Fall? Falls nicht, wäre es natürlich witzig, wenn es in der deutschen Fassung gerade umgekehrt wäre.
Derzeit gibt es die (auf sieben Clips verteilte) englische Fassung auf Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=oVV26Z8ZS7k Elke Sommer dürfte dort im O-Ton zu hören sein, da sie mit einem Akzent spricht, der nicht so recht zu ihrem englischen Rollennamen passen will. Apropos Rollennamen: Fröbes Rolle heißt hier zwar mit Vornamen Wilhelm, trotzdem wurde er tatsächlich nachsynchronisiert.
Zitat von Stephen im Beitrag #15Die Bedeutung der zusätlichen Szenen ist mir auch nicht völlig klar, weil mein Spanisch nicht gut genug ist.
Geht mir da ähnlich, aber interessant war der Vergleich schon.
Zitat von Stephen im Beitrag #15Nett ist schon mal der Anfang: Da sieht man alle Protagonisten schon am Flughafen ankommen und dann in den Hubschrauber einsteigen. Die bekannte Version setzt ja erst bei der Landung des Hubschraubers in der Wüste ein. Im weiteren Verlauf wird die bekannte Handlung dann ein paar Mal durch einen Inspektor unterbrochen, der Ermittlungen im Zusammenhang mit den "zehn kleinen Negerlein-Figuren" führt, die sich "Mr. Owen" zur Illustrierung seiner Morde beschafft hat. Offenbar hatte "Mr. Owen" hier ein paar Komplizen...
Merkwürdig allerdings, daß der spanischen Fassung zwei Szenen fehlen, die in der deutschen (und auch der englischen und der französischen) Fassung vorhanden sind:
- Nachdem Lombard Martino geschlagen hat, sieht man diesen eine Szene später bereits im Morgengrauen das Hotel(?) verlassen. In der deutschen Fassung gibt es zunächst noch eine Szene mit dem Richter, dem Arzt und Blore, die Martino verdächtigen. Blore kündigt an, den Diener im Auge zu behalten und verabschiedet sich, während Cannon und Armstrong noch ein paar sinistre Bemerkungen von sich geben und dann gemeinsam nach oben gehen.
- Nach der Auffindung von Ilona Bergens Leiche fehlt noch eine Szene mit Cannon, Armstrong und Blore im Billardzimmer, bei der sich letzterer über die Ruhe der beiden anderen beschwert und schließlich den Raum verläßt. Der Richter bemerkt noch, daß das Licht schlecht wäre.
Zudem ist der ankommende Hubschrauber, mit dem die deutsche Fassung endet, in der spanischen Schnittfassung bereits während des Schlußmonologs des Richters zu sehen. Vermutlich erklärt der entfernte Handlungsstrang auch dessen Auftauchen, welches in der deutschen Fassung ungeklärt bleibt.
EDIT: Sowohl die englische als auch die französische Fassung entsprechen weitesgehend der deutschen, auch hier fehlt der Nebenhandlungs-Strang, und beide enden mit dem ankommenden Hubschrauber. Der deutschen Fassung fehlt allerdings als einziger, daß Charles Aznavour vor "Dance in the Old-Fashioned Way" noch das Lied von den "10 kleinen Negerlein" intoniert.
Zitat von Stephen im Beitrag #1Ich finde den Film recht gelungen, allerdings ist die optische Gestaltung etwas eigenwillig: fast der ganze Film ist in sehr statischen Totalen oder Halbtotalen gefilmt, was vermutlich am besten funktioniert, wenn man ihn im Kino sieht.
Gerade in der ersten Hälfte des Films fand ich die vielen Totalen (bei der erneuten Sichtung) sehr störend: Denn so bekommt man vom individuellen Spiel der einzelnen Darsteller oft zu wenig mit, so dass sie im wahrsten Sinne des Wortes "ins Leere spielen". Auch bleibt der Zuschauer so oft auf zu großer Distanz zu den Figuren, was dem Spannungsaufbau enorm schadet.
Man hat zu den Figuren wirklich oft eine Distanz, als säße man im Theater auf einem der obersten Ränge. Das ist etwas irritierend. Das Drehbuch ist ja fast ident mit "Geheimnis im blauen Schloß", wurde ja auch als Basis benutzt von "Peter Welbeck". Sieht man die Filme kurz hintereinander, fällt es schon etwas auf. Auch empfand ich Alberto de Mendozas Flucht als groben Logikfehler - wenn der auch noch nie da war, wie sollte er ausgerechnet durch die Wüste den einzigen geheimen Fluchtweg kennen? Es sei denn, Mr. Unbekannt teilte ihm das vorher mit. Auch ist unklar, wie der Mörder das genau anstellt.
Renate Schroeter empfand ich als sehr unangenehme Sprecherin für Stephane Audran. Sie hat eine sehr markante, hochinteressante Stimme - aber sie liegt mir zu sehr auf der zarten Französin und hat auch eine etwas unnatürlich theatralische Diktion.
Charles Aznavour konnte ich noch nie leiden, weder als Schauspieler, noch als Sänger - eine furchtbare Type. Gerd Martienzen macht ihn eigentlich noch unsympathischer - was aber sehr passend ist. Gottseidank ist er das erste Opfer. Leider erst nachdem er singt...vorher wäre mir lieber gewesen.
Die Synchronbesetzung ist teilweise etwas "eigenwillig" ausgefallen. Bei Adolfo Celi hätte man ohne Weiteres Martin Hirthe nehmen können, allerdings war Biederstaedt auch keine schlechte Wahl. Seine sonore, trockene Stimme passte ganz gut zur beherrschten Art des Generals. Siegfried Schürenberg für Herbert Lom wäre normalerweise undenkbar, aber da Lom (wie schon in anderen Threads betont) durch seine weißen Haare und die Hornbrille sowie die relativ seltenen Nahaufnahmen nicht so schnell zu erkennen war (und hier ausnahmsweise einen Engländer spielte!), ist der Rollencast vertretbar. Bei Amazon meinte ein Rezensent, Lom sehe "wie Charles Boyer" aus und habe wohl aus deshalb dessen Synchronstimme. Klaus Miedel hätte man aber natürlich auch nehmen können. Richard Attenborough (der als alter Richter absolut überzeugt, obwohl er beim Dreh erst um die Fünfzig war!) hatte nie einen Stammsprecher, weshalb man hier relativ "frei" war. Fritz Tillmanns kehlige Stimme gab dem Richter die nötige Autorität und Strenge. Hier wüsste ich keinen besseren Sprecher, abgesehen vielleicht von Wilhelm Borchert (der allerdings klischeehaft gewesen wäre) oder vielleicht auch Siegmar Schneider.
Zitat von fortinbras im Beitrag #37Charles Aznavour konnte ich noch nie leiden, weder als Schauspieler, noch als Sänger - eine furchtbare Type. Gerd Martienzen macht ihn eigentlich noch unsympathischer - was aber sehr passend ist. Gottseidank ist er das erste Opfer. Leider erst nachdem er singt...vorher wäre mir lieber gewesen.
Dann sei mal froh, daß man eins seiner beiden Lieder in der deutschen Fassung geschnitten hat - dummerweise war es "Ten Little Indians", das wenigstens noch einen gewissen Bezug zur Handlung hatte.
Und was hat Filmjuwelen nur geritten, die beiden Extra-Szenen der englischen Fassung nicht zu integrieren? Bei "Mord nach Maß" haben sie das gemacht, wobei man sie dort sinnloserweise auch noch separat abspielen kann. Bei "Das letzte Wochenende" machte man es allerdings ähnlich und packte winzigste Szenenfetzchen ins Bonusmaterial, obwohl - bis auf einen Satz - kein Dialog betroffen war.
Warum man das Kinderlied geschnitten hat, frage ich mich auch. Zumal Veras letze Sätze in der vorherigen Szene eigentlich eine typische Überleitung zu diesem darstellen. ielleicht entschied man sich hier kurzfritstig dafür, um zu straffen und weil man meinte, zwei Lieder direkt nacheinander würden das Publikum (jenseits von Aznavour-Fans) langweilen. Natürlich wäre ein Schneiden des zweiten Songs sinnvoller gewesen, aber da hätte es vielleicht einen Sprung gegeben.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #39Und was hat Filmjuwelen nur geritten, die beiden Extra-Szenen der englischen Fassung nicht zu integrieren? Bei "Mord nach Maß" haben sie das gemacht, wobei man sie dort sinnloserweise auch noch separat abspielen kann. Bei "Das letzte Wochenende" machte man es allerdings ähnlich und packte winzigste Szenenfetzchen ins Bonusmaterial, obwohl - bis auf einen Satz - kein Dialog betroffen war.
Daneben frage ich mich, ob es für das Bonusmaterial nicht sinnvoller gewesen wäre, die spanischen Szenen (untertitelt) zu präsentieren.
Zitat von berti im Beitrag #40Daneben frage ich mich, ob es für das Bonusmaterial nicht sinnvoller gewesen wäre, die spanischen Szenen (untertitelt) zu präsentieren.
Daß Filmjuwelen sich nicht alle 4 Fassungen hat anliefern lassen, sehe ich ja noch irgendwo ein (obwohl es schön gewesen wäre). Als Bildmaster diente eine deutsche Kinokopie, an die man dann auch den englischen Ton angelegt hat, für den man natürlich auch ein Master brauchte. Die beiden Szenen ohne Synchro hätte man dabei allerdings ruhig einfügen können, ebenso wie auch den englischen Vor- und Abspann. Die französische Fassung hätte zwar vermutlich den Rahmen gesprengt (zumal ich sie mal flüchtig mit der englischen abgeglichen habe, und sie scheinen weitesgehend identisch zu sein), wäre aber auch nett gewesen.
Die ultimative DVD-/Blu-ray-Ausgabe würde allerdings aus allen 4 Fassungen separat sowie einem Integralcut aller Versionen als Bonus bestehen, aber die Mühe wird sich wohl keiner machen.
Irgendwas ist bei Filmjuwelen ja immer. Da bietet die BD nach der DVD mit der deutschen Kinofassung jetzt endlich zumindest die vollständige englische Schnittfassung (die beiden auf der DVD noch im Bonusmaterial abgelegten Szenen sind nun im OmU integriert, und auch der Abspann mit Mr. Owens "Reprise" ist angehängt), aber der Ton wird mal wieder versaut. Die zweite der beiden Szenen, die in der spanischen Fassung kurioserweise fehlen, ist hier ebenfalls teilweise im OmU (Fröbes Gemaule, wie der Doktor und der Richter in dieser Situation Billard spielen können), obwohl dieser Szenenteil bisher in der deutschen Fassung IMMER von Fröbe synchronisiert vorhanden war, und auch im Abspann hätte man einfach Petruo noch mal unterlegen können. Echte Experten waren da mal wieder am Werk...
Zur Synchro - zwar nicht so extrem wie 6 Jahre später bei "Mord im Spiegel", geht Dietmar Behnke hier besetzungstechnisch auch schon eigene Wege. Immerhin ist Chevalier Kontinuität, und Elke Sommer sprach sich auch eher selten selbst. Bei Fröbe gab es keinen Spielraum, dessen markantes Organ zu ersetzen hätte auch der Verleih sicher nicht geduldet. Aber - Schürenberg für Lom? Die Leistung an sich ist okay, aber wirklich vom Gesicht kommt er nicht, was bei den (zugegebenermaßen wenigen) Nahaufnahmen doch schon auffällt. Warum beim Standort Berlin nicht Miedel? Witzigerweise sah Lom 10 Jahre später bei David Cronenbergs King-Verfilmung "Dead Zone" dann tatsächlich ohne großes Makeup so aus wie hier - und hatte Miedel, der fabelhaft wie immer funktionierte. Schürenberg hätte ich, wie schon erwähnt, eher als Mr. Owens Stimme präferiert. Attenborough hatte keine wirkliche Feststimme, und Tillmann ist eine gute Wahl. Alternativen hätte es natürlich gegeben (Bauschulte oder Schneider etwa). Das gleiche bei de Mendoza - keine wirklich etablierte Stimme, Bussinger eine gute Wahl. Maria Rohm sprach sich wohl auch nie selbst (obwohl sie es als Österreicherin gekonnt hätte), und bekam immer eine der gängigeren Vielsprecherinnen (Grothum, Küster, Hasenau, Herwig). Die Synchronkartei gibt übrigens statt Brigitte Grothum hier Evelyn Gressmann an - wer trägt sowas ein? Charles Aznavour hatte ebenfalls nie eine Feststimme, aber Martienzen ist doch ein merkwürdiger Kontrast zu seiner Originalstimme in den Gesangseinlagen, da hätte ich mir eher Stass oder Wüstenhagen gewünscht. Renate Schroeter für Stéphane Audran - so ziemlich am häufigsten kam bei ihr Renate Küster zum Zug, warum also nicht hier (zumal Schroeters Stimme nicht wirklich zu der mondänen Erscheinung passen will)? Biederstaedt für Celi kann ich mir nur dadurch erklären, daß Hirthe verhindert war; Biederstaedt ist aber die denkbar beste Ersatzwahl und kommt Hirthe (in dieser Rolle) sehr nahe. Tja - und Petruo für Welles ist ein reiner Rollencast. Während Orson sich im Original (vermutlich sternhagelvoll) einen zurechtnuschelt, gibt Petruo den eiskalten Ankläger. Funktioniert prächtig, aber nur, weil er nicht aus Welles' Mund kommt.
Wie gesagt, nicht ganz so extrem wie bei "Mord im Spiegel", aber teilweise schon eine sehr individuelle Besetzungspolitik.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #42Charles Aznavour hatte ebenfalls nie eine Feststimme, aber Martienzen ist doch ein merkwürdiger Kontrast zu seiner Originalstimme in den Gesangseinlagen
So heftig finde ich den Kontrast gar nicht - da waren Chevalier oder Fritzsche viel weiter weg - und im Grunde wäre Martienzen sogar das berliner Pendant zu Fred, der Aznavour maire-fach * übernahm, mich stört und enttäuscht eher das allzu starke Chargieren.
Gruß Stefan
* Ich entschuldige mich für diesen flachen Kalauer, aber ich konnte einfach nicht widerstehen ...
Chevalier war ja nun schon vergeben (und wäre in der Tat noch eigenartiger gewesen). Gegenüber Maire wäre in München allerdings auch Ebert möglich gewesen.
Was das Chargieren angeht - da ist Aznavour im Original keinen Deut besser, Martienzen transportierte halt weiter, was der Franzose lieferte (inklusive übertriebener Grimassiererei).
Ohnehin scheint ein Großteil der Besetzung bei diesem Dreh nur auf Autopilot gelaufen zu sein, speziell Oliver Reeds zur Schau getragenes "Alles scheißegal!"-Gesicht grenzt schon an Arbeitsverweigerung.
Du magst Aznavour nicht, ich weiß. Ich erwähnte Chevalier nur, weil der ihn ja tatsächlich schon mal gesprochen hatte. Ja, es schien irgendwie komplett an Schauspielregie zu fehlen. Wobei ich bei Reed zwar im Prinzip zustimme, aber zumindest das entspricht der Figur in der Vorlage und ist mir allemal lieber als das pseudocoole Gehabe von Hugh O' Brien (1945) und unter dem Aspekt der Originaltreue auch als der gut gelaunte Charme von Louis Hayward (1945).