Mich würde interessieren, wie Ihr die aktuelle Qualität deutscher Synchro beurteilt. Ich bin und war eigentlich immer ein Fan von deutscher Synchronisation, vor allem bis zum Ende der 90er. Seit den Nullerjahren finde ich allerdings, dass die Qualität stetig gesunken ist. Es liegt natürlich auf der Hand, dass auch Sprecher altern und nicht ewig leben (Danneberg, Höppner, Beckhaus...), doch der Nachwuchs lässt meiner Meinung nach schwer zu wünschen übrig.
Ich habe schon oft gelesen und gehört, dass die Synchronfirmen unter enormen Zeitdruck stehen, da ja heutzutage neben Filmen auch sehr viele Serien produziert werden müssen. Darüber hinaus wird schon seit langem ge...X...t. Allerdings scheint man bei den "Sprechern" nicht mehr wirklich wählerisch zu sein. Der Nachwuchs hört sich für mich fast durchgehend miserabel an. Zum einen sind die Stimmen in keinster Weise mehr eigenständig, sondern erschreckend austauschbar geworden.
Daneben scheinen die meisten Sprecher keinerlei Schauspielerfahrung mehr aufzuweisen, denn Emotionen werden kaum noch glaubhaft rübergebracht. Zum Teil merke ich dass sogar bei den alten Hasen: Tobias Meister mochte ich z.B. immer sehr gerne, doch wenn ich ihn heute auf Brad Pitt höre, ist da immer so eine Betonung, bei der ich sofort an eine Komödie denke. So erging es mir zumindest bei "F1 - Der Film".
Die Nachwuchssprecher klingen dagegen oftmals so, als wären sie bekifft und artikulieren sich in einem Möchtegern-coolen Slang, dass es bereits nach kurzer Zeit nervt. Vielleicht bin ich einfach etwas verwöhnt von Recken wie Chavelier, Gressieker, Hess, Hoffman, Kindler, Dittberner, Brückner, (Volker) Brandt, Kronberg etc., aber die Eigenständigkeit ist einfach verschwunden. Nehmen wir z.B. einen Sprecher wie Hans Georg Panczak. Da denke ich sofort an Richard Thomas und Mark Hamill. Sowas ist heute gar nicht mehr vorhanden, da die Stimmen gar keinen Wiedererkennungswert haben. Ich war wirklich erschüttert, als ich mir "Horizon" ansah und Kevin Costner plötzlich nicht mehr von Frank Glaubrecht gesprochen wurde.
In dem Interview, das ich mir die Tage angehört habe "Die Stimme der Anderen" (Gast: Hansi Jochmann) erklärte diese, dass es oft an der Gagenforderung liegt, die eine Synchronfirma sparen möchte. Da wird dann eben ein günstigerer Sprecher gebucht, egal ob er passt oder nicht. Schlimm finde ich dass vor allem dann, wenn ich lese, das die Synchronregie oftmals von bekannten Sprechern wie Marius Claren geführt wird, die anscheinend auch nicht mehr an der passenden Auswahl interessiert sind, bzw. keine Wahl haben...
Ich finde es interessant, dass retrospektiv die 90er immer so gelobt werden für ihre Synchros, da ich diese Zeit zur schlimmsten für die Synchrolandschaft zähle. Das war wirklich die Zeit, in der alles nur noch auf Fließband produziert wurde und gar nichts eine Einheitlichkeit hatte, gerade bei Zeug fürs TV.
Auch hier kann man das nicht so pauschal sagen. Es gibt Dinge, die damals besser waren, und Sachen, die heute besser sind. Gerade was den Austauschbarkeitsfaktor angeht, gehe ich bis zu einem gewissen Grad mit, aber das ist auch allgemein eine Entwicklung im Filmbereich (gerade in den USA). Die Studios wollen keine Stars und Sternchen mehr, weil diese am Ende mehr kosten. Das Synchron passt sich dementsprechend an.
Um etwas Positives zu nennen: Heutige Synchros sind im Schnitt viel besser recherchiert als damals. Sowohl was die Darsteller angeht (auch wenn es besser geht), als auch allgemein in Bezug auf den Inhalt. Gerade wenn es Faktoren betrifft, die für den europäischen Markt nicht zum Allgemeinwissen gehören.
Zitat von Steppke im Beitrag #1 In dem Interview, das ich mir die Tage angehört habe "Die Stimme der Anderen" (Gast: Hansi Jochmann) erklärte diese, dass es oft an der Gagenforderung liegt, die eine Synchronfirma sparen möchte. Da wird dann eben ein günstigerer Sprecher gebucht, egal ob er passt oder nicht. Schlimm finde ich dass vor allem dann, wenn ich lese, das die Synchronregie oftmals von bekannten Sprechern wie Marius Claren geführt wird, die anscheinend auch nicht mehr an der passenden Auswahl interessiert sind, bzw. keine Wahl haben...
Ein Regisseur kann halt wenig machen, wenn der Auftraggeber etwas vorsagt. Und gerade bei den alten Leuten verlangen viele mittlerweile einen hohen Betrag für ihre Arbeit (zurecht). Oder sprechen nur noch unter bestimmten Voraussetzungen. Allerdings schließen sie sich so teilweise automatisch aus Produktionen aus, weil diese einfach nicht im Budget drin sind. Sie werden dann meistens nur noch für Stammstimmen geholt.
Es kommt ganz auf die Produktion an. Ich kann und will nicht pauschalisieren. Allerdings finde ich gar nicht, dass der Nachwuchs schlecht ist. Es gibt natürlich Kandidaten, die versuchen, etablierte Sprecher und Sprecherinnen „nachzuahmen“, was natürlich dazu verdammt ist, in die Hose zu gehen. Aber es sind wirklich nicht alle schlecht. Gerade bei den Damen fällt mir auf, dass es da wirklich ein paar ungeschliffene Rohdiamanten gibt, die, wäre der Faktor KI nicht, ihre Fähigkeiten in den nächsten Dekaden dermaßen optimieren könnten, dass sie den Großen in nichts nachstehen würden. Johanna von Gutzeit. Vanessa Wirth. Um mal nur ein paar zu nennen. Aber es gibt wirklich Newcomer, die großes Potential haben, auch wenn man natürlich hier und da hört, dass sie noch nicht so routiniert sind, aber sowas dauert natürlich viele Jahre, da ist es mit drei Jahren Berufserfahrung noch lange nicht getan.
Es gibt jedoch einen Bereich, in dem mir tatsächlich ein Qualitätsabfall auffällt: Anime. Die heutigen Anime klingen teilweise katastrophal auf Deutsch. Und da gibt es auch einige junge Sprecher und Sprecherinnen, die ich wirklich nicht gut finde. Könnte natürlich daran liegen, dass sie überwiegend diesen Anime-Ton draufhaben. Aber heutige Synchronisation im Bereich Anime ist wirklich nur noch mittelmäßig bis Ohrenkrebs. Da muss ich gestehen, dass ich meist nach einer Folge aufgebe und danach mit Untertiteln weitermache.
Wenn in den heutigen Hollywoodfilmen die Schauspieler und die Handlung den Effekten untergeordnet sind, statt andersherum, dann kann eine Synchronisation auch nichts mehr retten. Eine Sache die ich auch negativ sehe, ist dass sich die deutsche Synchronbranche mittlerweile fast völlig auf Berlin zentriert. Zumindest alle "prestigeträchtigen" Filme landen nur noch dort. In München z.B. ist die Branche spätestens seit dem K.I. Streik scheinbar tot und begraben.
@MusicalFan Ich denke auch immer, dass ein Schauspieler nur so gut und überzeugend sein kann, wie es das Drehbuch ihm gestattet. Das trifft in gewisser Weise auch auf die entsprechenden Synchronsprecher zu. Dennoch empfinde ich selbst bei eher trashigen B-Movies aus den 80ern (z.B. Action Jackson) eine wesentlich bessere Qualität der Sprecher, als wenn ich mir aktuelle Blockbuster anschaue.
Wie bereits erwähnt, gibt es Dinge wie die bessere Übersetzung, die ich durchaus begrüße, aber berauschend finde ich die Synchro von heute dennoch nicht.
Es wundert mich gerade wegen der mäßigen Synchro von heute gar nicht, dass die KI-Diskussion losgetreten wurde. Wichtig fänd ich in dem Fall, dass Hinterbliebene Tantiemen bekommen und in gewisser Weise ihr OK geben müssen. Die Idee mit Hans Clarins Stummfärbung für Pumuckl mag diskutabel sein, doch ich fand sie Recht gelungen. Allerdings wurde diese Rolle ja ursprünglich von einem anderen Sprecher eingesprochen und erst im Nachhinein mit Clarins Färbung versehen. Ohne diesen zusätzlichen Schritt ist die Technik einfach noch nicht ausgereift genug.
Mir wäre es ohnehin lieber, wenn lebende Sprecher besser und passender besetzt würden. Bei manchen Schauspielern wie Tom Cruise vermisse ich nach wie vor ihre ursprünglichen Sprecher. Stephan Schwartz habe ich eigentlich immer mit Cruise verbunden und als dann plötzlich Patrick Winczewski am Start war, fehlte mir Schwartz sehr.
Bei älteren Filmen aus der klassischen Phase interessiert mich auch immer die Synchro, während ich die aktuellen Produktionen mittlerweile öfter im O-Ton schaue, da mich da die Synchronfassung aufgrund der Tatsache, dass ich mittlerweile dort so gut wie niemanden mehr erkenne, eher weniger interessiert. Und wenn dann mal in der Liste ein paar Namen auftauche, die ich doch kenne, dann sind das Leute, die ich meistens nicht mit irgendwelchen Leuten in Zusammenhang bringen kann. Von daher fehlt dort auch mir, wie Steppke schon schrieb, der Wiedererkennungseffekt. Das ist anders als früher, wenn irgendjemand Bekanntes in einer Nebenrolle zu hören war. Dazu kommt halt auch, dass a) die so langsam anfangen, die Leute der Sprechergeneration, die in den 1960ern/70ern angefangen haben zu synchronisieren, verlieren. Und von den Leuten darunter haben wir zwar auch Leute mit Wiedererkennungswert, wobei die Zahl der Leute doch zunehmend geringer wird und m. E. nicht alle so eine markante Stimme haben, dass ich sie jetzt immer wiedererkennen könnte. Ich will nicht verallgemeinern aber teilweise trifft es m. E. doch zu. Darüber hinaus merkt man einfach, dass die Leute aus der klassischen Synchronphase und eine Generation später (Danneberg, Kronberg, Lehmann etc.) einen Theaterhintergrund hatten, was man am stimmlichen Ausdruck einfach merkt. Das kommt einfach noch ganz anders rüber als heute. Das merkt man übrigens auch teilweise bei Serien, die erst 20-30 Jahre später synchronisiert wurden. Die hätten sich zu ihrer Entstehungszeit in den 1960ern/70ern noch ganz anders angehört. Anders herum können Spätsynchros (60er/70er/80er) von B-Filmen aus der klassischen Hollywoodphase auch echt prima klingen.
Zitat von MusicalFan im Beitrag #4Wenn in den heutigen Hollywoodfilmen die Schauspieler und die Handlung den Effekten untergeordnet sind, statt andersherum, dann kann eine Synchronisation auch nichts mehr retten. Eine Sache die ich auch negativ sehe, ist dass sich die deutsche Synchronbranche mittlerweile fast völlig auf Berlin zentriert. Zumindest alle "prestigeträchtigen" Filme landen nur noch dort. In München z.B. ist die Branche spätestens seit dem K.I. Streik scheinbar tot und begraben.
Dazu kommt ja noch, dass Netflix seine Synchros z. B. in den Studios der VSI Group herstellen lässt, die ihren Hauptsitz in London hat. Studios dieser Firma existieren in vielen Städten Europas sowie in einzelnen Städten Nord- und Südamerikas sowie Dubai und Kairo haben. Das dürfte auch ein Faktor sein, um Kosten einzusparen, weil man möglicherweise Einheitspreise bedient, wobei das nur eine Vermutung meinerseits ist. Was München angeht: Wenn dort tatsächlich überhaupt nichts mehr läuft (das dort nur noch wenig geht, ist mir bekannt), ist das sehr schade, denn gerade vor ein paar Jahren entstand dort eine sehr originelle Synchronfassung. Für den französischen Film "Was ist schon normal" (2024), in der viele Darstellerinnen und Darsteller mit einer Behinderung mitspielen, hat man für die Synchronisation Mitwirkende der Freien Bühne München engagiert, einer inklusiven Theaterbühne.
Zitat von CrimeFan im Beitrag #2Ich finde es interessant, dass retrospektiv die 90er immer so gelobt werden für ihre Synchros, da ich diese Zeit zur schlimmsten für die Synchrolandschaft zähle. Das war wirklich die Zeit, in der alles nur noch auf Fließband produziert wurde und gar nichts eine Einheitlichkeit hatte, gerade bei Zeug fürs TV.
Dieser Ausschnitt passt auch nicht schlecht: https://youtu.be/IgZQ4QNqNMM?t=1186 Das Wort "sacklos" kennen viele sicher nur von Staubsaugern. Ein echter Brandt. Herrlich.
Zunächst mal hat diese Frage auch einen langen Bart. Will heißen: Diese Frage kam auch schon vor 10 oder 20 Jahren auf und wurde ausgiebig diskutiert. Ist so ähnlich wie die "Ach, die Jugend von heute"-Diskussion. Ne, Zeit lang hatte ich im Forumsarchiv rumgestöbert und Beiträge von alten Mitgliedern gelesen, welche eher in der Synchronwelt bis spätestens Ende der 80er Jahre zu Hause waren und mit Synchronproduktionen ab den 2000er mega gefremdelt haben.
Zitat von CrimeFan im Beitrag #2Ich finde es interessant, dass retrospektiv die 90er immer so gelobt werden für ihre Synchros, da ich diese Zeit zur schlimmsten für die Synchrolandschaft zähle. Das war wirklich die Zeit, in der alles nur noch auf Fließband produziert wurde und gar nichts eine Einheitlichkeit hatte, gerade bei Zeug fürs TV.
Mir fällt hierzu eine Doku ein, welche mal hier im Forum verlinkt wurde. Hab da den Titel leider nicht mehr im Kopf. Da wurde die Produktion Seriensynchro in den 80ern begleitet. Einer der Sprecher meinte, dass früher mehr Zeit war und damit wohl auch besser gearbeitet wurde. Mit dem Aufkommen von vielen langlaufenden TV-Serien nahm auch das Arbeitstempo im Synchronstudio zu, was wohl im Hinblick auf die Qualität auch kritisch gesehen wurde.
Zitat von CrimeFan im Beitrag #2Um etwas Positives zu nennen: Heutige Synchros sind im Schnitt viel besser recherchiert als damals. Sowohl was die Darsteller angeht (auch wenn es besser geht), als auch allgemein in Bezug auf den Inhalt. Gerade wenn es Faktoren betrifft, die für den europäischen Markt nicht zum Allgemeinwissen gehören.
Ist so ein großer Vorteil im Internetzeitalter. Kann man alles wunderbar herausfinden. War annodazumal bedeutend schwieriger. Bei großen Hollywoodfilmen war es klar, aber daraus ließ sich denke ich trotzdem nicht direkt eine Kontinuität ableiten. Gab dementsprechend auch regionale Versuche und Versionen von "Festbesetzungen". Die Schattenseite in der heutigen Zeit sehe ich aber, dass sich viel zu schnell auf jemand bestimmtes festgelegt wird und man stoisch daran festhält, auch wenn diese "Feststimme" nicht immer optimal trägt. Ist aber noch einmal ein Thema für einen anderen Thread, welchen es meine ich hier bereits gibt.
Es gibt irgendwo bereits einen Thread, der sich bereits mit dem Thema befasst. Meines Wissens trägt er den Namen "Frühere Synchronfassungen besser, heutige schlechter" (oder so ähnlich). Leider kann ich ihn derzeit nicht finden, aber den könnte man wunderbar hiermit verknüpfen. ---
Mal als allgemeine Frage: findest du neuere Synchronfassungen eher schlechter als frühere, weil du wirklich einen massiven Qualitätsabfall bemerkt hast oder weil dich - so geht es mir nämlich- aktuelleren Filmen generell weniger abgewinnen kannst und deswegen das Gesamtpaket Film+Synchro immer nur an exemplarischen Negativbeispielen festmachen kannst und/oder mit heutigen Sprechern keine Nostalgiegefühle verbindest?
Zitat von Ludo im Beitrag #9Es gibt irgendwo bereits einen Thread, der sich bereits mit dem Thema befasst. Meines Wissens trägt er den Namen "Frühere Synchronfassungen besser, heutige schlechter" (oder so ähnlich). Leider kann ich ihn derzeit nicht finden, aber den könnte man wunderbar hiermit verknüpfen.
Zitat von Nyan-Kun im Beitrag #8Mir fällt hierzu eine Doku ein, welche mal hier im Forum verlinkt wurde. Hab da den Titel leider nicht mehr im Kopf. Da wurde die Produktion Seriensynchro in den 80ern begleitet. Einer der Sprecher meinte, dass früher mehr Zeit war und damit wohl auch besser gearbeitet wurde. Mit dem Aufkommen von vielen langlaufenden TV-Serien nahm auch das Arbeitstempo im Synchronstudio zu, was wohl im Hinblick auf die Qualität auch kritisch gesehen wurde.
Dazu fällt mir ein, dass Harvey vor knapp 20 Jahren hier im Forum schrieb, dass Uta Hallant 1983 in einem Brief an ihn auch die offenbar schon damals immer härter werdenden Bedingungen in der Branche erwähnte:
Zitat von Harvey im Beitrag Wie stehen Synchronsprecher zu "ihren" Filmen?"Ich habe die Hepburn von Marion Degler zum ersten Mal in 'Charade' übernommen. Da unsere Stimmen ähnlich klangen und Frau Degler nach Wien ging, ergab sich das so. Wie klaut man eine Million Dollar, Fair Lady, Zwei auf gleichem Weg, Blutspur und zwei, da weiß ich die Titel nicht mehr. Die Hepburn zu sprechen, hat mir natürlich immer großen Spaß gemacht.
Sonst finde ich das Synchronisieren ziemlich schrecklich. Da die Firmen aus Kostengründen nicht mal mehr einen Film vorführen, macht es immer weniger Spaß und die Arbeitsbedingungen werden von Jahr zu Jahr härter. Da ich hauptberuflich am Schillertheater in Berlin fest engagiert bin, synchronisiere ich ab und zu 'nebenbei'".
Zitat von Lammers im Beitrag #6Bei älteren Filmen aus der klassischen Phase interessiert mich auch immer die Synchro, während ich die aktuellen Produktionen mittlerweile öfter im O-Ton schaue, da mich da die Synchronfassung aufgrund der Tatsache, dass ich mittlerweile dort so gut wie niemanden mehr erkenne, eher weniger interessiert. Und wenn dann mal in der Liste ein paar Namen auftauche, die ich doch kenne, dann sind das Leute, die ich meistens nicht mit irgendwelchen Leuten in Zusammenhang bringen kann. Von daher fehlt dort auch mir, wie Steppke schon schrieb, der Wiedererkennungseffekt. Das ist anders als früher, wenn irgendjemand Bekanntes in einer Nebenrolle zu hören war. Dazu kommt halt auch, dass a) die so langsam anfangen, die Leute der Sprechergeneration, die in den 1960ern/70ern angefangen haben zu synchronisieren, verlieren. Und von den Leuten darunter haben wir zwar auch Leute mit Wiedererkennungswert, wobei die Zahl der Leute doch zunehmend geringer wird und m. E. nicht alle so eine markante Stimme haben, dass ich sie jetzt immer wiedererkennen könnte. Ich will nicht verallgemeinern aber teilweise trifft es m. E. doch zu. Darüber hinaus merkt man einfach, dass die Leute aus der klassischen Synchronphase und eine Generation später (Danneberg, Kronberg, Lehmann etc.) einen Theaterhintergrund hatten, was man am stimmlichen Ausdruck einfach merkt. Das kommt einfach noch ganz anders rüber als heute. Das merkt man übrigens auch teilweise bei Serien, die erst 20-30 Jahre später synchronisiert wurden. Die hätten sich zu ihrer Entstehungszeit in den 1960ern/70ern noch ganz anders angehört. Anders herum können Spätsynchros (60er/70er/80er) von B-Filmen aus der klassischen Hollywoodphase auch echt prima klingen.
Finde ich sehr spannend, den Punkt. Sehr nachvollziehbar. Der Wandel der Zeit jedoch ist sehr spürbar. Die Menge an filmen und Serien, mit denen wir heute überflutet werden… das war damals einfach nicht. Es gab eine Handvoll Kinofilme pro Jahr und eine Handvoll Serien im Fernsehen. Filme und Serien, bei denen wir auch jünger waren, und es ist biologisch absolut erklärbar, warum wir eher Dingen aus jungen Jahren nachtrauern, denn das Alter holt uns früh genug.
Aber wenn wir mal komplett ehrlich sind, alle (verständliche) Nostalgie beiseite gelegt… sind die heutigen Synchronisationen mit neuen Leuten denn wirklich so schlecht? Es gibt sie, ganz, ganz schlecht synchronisierte Produktionen, aber… alle? Das glaube ich einfach nicht. Mit Verlaub, Frank Glaubrecht kann einfach keine jungen Männer sprechen. Und Konrad Bösherz und Max Felder und Constantin Von Jascheroff können auch nicht zu dritt alle jungen Männer sprechen. Es ist nur logisch, dass man irgendwann neue Leute hört. Und sicher gucken heute viele Konsumenten Serien und Filme im Original, aber ich kann mir auch vorstellen, dass sehr junge Leute, die nicht im Original gucken, mit den Stimmen heutiger junger Sprecher und Sprecherinnen aufwachsen. Ich glaube, da muss man differenzieren. Nostalgie bedeutet, dass es aus früheren Zeiten stammt, und die früheren Zeiten kommen nunmal nicht zurück. Doch, in gewisser Weise vielleicht, wie mit einem Scrubs oder Sex and the City oder Beverly Hills Cop Reboot… aber auch da wird dann vieles anders sein. Was nicht immer was schlechtes bedeuten muss.
Ich behaupte nicht, das es mir immer gelingt, aber ich versuche wirklich zu unterscheiden, ob gerade mein jüngeres Ich irritiert ist, weil kaum noch „vertraute“ Stimmen zu hören sind und eher neue, oder ob die Leute tatsächlich schlecht sind. Wenn man mal komplett ehrlich zu sich selbst ist, ist es oft wirklich der Nostalgiefaktor.
Was haben sich viele Leute vor fünfzehn Jahren über Kluckert, Nero Wolff, Reichmann und Morgenstern echauffiert, weil sie irgendwann in den späten 2000ern und Anfang der 2010er Jahre dann alles rauf und runter gesprochen haben, und heute stößt es uns sauer auf, wenn wir neue Stimmen hören… Ich finde das Thema sehr spannend, weil ich mich selbst nicht immer ganz davon befreien kann.
Zitat von Webweaver086 im Beitrag #12Was haben sich viele Leute vor fünfzehn Jahren über Kluckert, Nero Wolff, Reichmann und Morgenstern echauffiert, weil sie irgendwann in den späten 2000ern und Anfang der 2010er Jahre dann alles rauf und runter gesprochen haben, und heute stößt es uns sauer auf, wenn wir neue Stimmen hören…
Ob es in den 80ern auch Leute gab, die sich über Danneberg, Tennstedt, Elsholtz usw. aufgeregt haben?
Gab damals zwar kein Internet und dementsprechend auch keine Synchron-Foren, aber bin mir ziemlich sicher, dass deren "Überpräsenz" wohl auch für Shitstorms gesorgt hätte. Möglicherweise hätten sich die User auch damals bereits die "guten alten Zeiten" mit GGH, Schürenberg, Walter Bluhm und Co. zurückgewünscht.
Ich glaube einfach, dass früher wesentlich weniger konsumiert wurde und vorallem einfach "weniger da" war, sodass Elsholtz und Co einfach nicht so massiv im Alltag auffielen, selbst wenn sie 3 oder mehr Leute abgefasst haben. Zudem darf man nicht vergessen, dass die Informationen damals noch begrenzter waren.....ich könnte mir vorstellen, dass viele in den 1980ern garnicht wussten, dass Bill Murray Bill Murray ist. Das war einfach der Typ aus Ghostbusters und dem Murmeltier. Aber vielleicht könnten das Leute, die auch in den 80ern gelebt haben besser erklären...
Da würde ich auch mitgehen. Mit aufkommen der Streaminganbieter ist das Angebot um ein vielfaches größer geworden. Annodazumal hatte die breite Masse das geschaut was im Fernsehen lief oder in die Kinos kam. Bei Filmliebhabern oder Specia-Interest- Cineasten oder regelmäßigen Cirect-to-Video Konsumenten ist es nochmal eine andere Geschichte, aber war jetzt nicht die Mainstream-Zuschauerschaft wie es die eben bei Netflix gibt.