Ich war tatsächlich auch mit Maigret nicht vertraut, als ich den Film zum ersten Mal sah - und er hat mich leider längere Zeit davon abgehalten, mich weiter mit der Figur zu beschäftigen, was ich später als Fehler erkannte. So viel zur Wirkung des Films auf mich unabhängig von Voreingenommenheit.
Zitat von Silenzio im Beitrag #30Nun aber zum Film: ich fand den eigentlich ganz gut gemacht und kurzweilig. Natürlich ist Eddie Arent hier nahezu überflüssig und die Fremdsynchro nervt, aber mei. Die Musik fand ich ziemlich cool.
"Kurzweilig" finde ich ihn in der ersten Hälfte auch, aber danach zieht er sich sehr. Die Musik ist auch für mich ein Pluspunkt, sie klingt sehr "französisch" und hat eine melancholische Note, die gut zur Stimmung des Films passt. Ob Arents Besetzung eine Vorgabe der Constantin war?
Zitat von Silenzio im Beitrag #30Welbat sprach tatsächlich zwei Rollen: erst in der 8. Minute einen älteren Kommissar mit Brille und später den Hotelportier.
Danke! Das könnte dann vielleicht wirklich ein Indiz sein. Aber ist es wahrscheinlich, dass er mal für die Berliner Union gearbeitet hat?
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #31Ich war tatsächlich auch mit Maigret nicht vertraut, als ich den Film zum ersten Mal sah - und er hat mich leider längere Zeit davon abgehalten, mich weiter mit der Figur zu beschäftigen, was ich später als Fehler erkannte. So viel zur Wirkung des Films auf mich unabhängig von Voreingenommenheit.
Bei mir war der filmische Erstkontakt glücklicherweise der erste Gabin-Film, und das auch erst, nachdem ich schon einige Romane gelesen hatte, insofern konnte der Rühmann-Film da nichts verwässern (zumal meine Mutter mich auch schon vorgewarnt hatte, als ich ihn dann mal endlich zu sehen bekam).
Aber seien wir mal fair - ohne Rühmann wäre die Adaption durchaus okay, auch wenn von dem zugrunde liegenden Roman "Maigret und der Spion" nur das grobe Handlungsgerüst mit neuem "MacGuffin" (ein gestohlener Van Gogh anstatt irgendwelcher Geheimdienstdokumente) geblieben ist. Statt eines englischen Kunstsammlers ist das Opfer im Buch ein griechischer Agent (den alle "den Türken" nennen), und Maigret - das ist der Hauptunterschied - agiert bis zur Halbzeit des Romans im Hintergrund und ist für den Leser nur aufgrund der Beschreibung seiner wohlbekannten markanten Optik zu identifizieren. Den italienischen Wirt gibt es im Buch auch, nur ist er hier ein Geheimdienstler, und statt einer Großfamilie gibt es nur den Oberkellner als Komplizen. Simone heißt Adèle und ist mitnichten die Mätresse der Herren Delfosse, sondern lediglich Objekt mehrerer unerfüllter Begierden. Auch die Scharade mit dem Weidenkoffer findet statt, nur eben nicht als offizielle Polizeiaktion, sondern als Alleingang Maigrets, der in Lüttich außerhalb seiner Zuständigkeit nur verdeckt agieren kann. Auch der Täter, die Auflösung (inklusive der Tatwaffe), der Tathergang und die Hintergründe stimmen in Buch und Film überein, lediglich Günther Stolls drogensüchtiger Musiker ist eine waschechte (und als solche auch eindeutig zu erkennende) Reinecker-Zugabe.
Hätten Rupert Davies und Jürgen Roland den Film gerettet? Mit diesem Drehbuch sicher nicht, da hätte man schon einen der BBC-Profis drüberbügeln lassen müssen; und es hätte bestimmt geeignetere Vorlagen gegeben. Anscheinend war man aber bedacht, einen Stoff auszuwählen, der in der BBC-Serie noch nicht adaptiert worden war, eben weil man auch deren Hauptdarsteller ursprünglich an Bord hatte. Warum man ihn dann nicht einfach werkgetreu umsetzte, erschließt sich nicht. Und warum das hier ein "Größter Fall" sein soll, ebenfalls nicht.
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #12Tja - da hatte Davies wohl das richtige Gespür; was mich nicht wundert nach 50 Folgen Maigret.
Wobei der Mann sich für "Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu", "Das Geheimnis der gelben Mönche"/"Wie tötet man eine Dame" oder den IMHO ziemlich überschätzten Exploiter "Der Hexenjäger" auch nicht zu schade war; es wird daher wohl eher am lieben Geld oder dem ungeliebten Regisseur gelegen haben, als an qualitativen Gesichtspunkten.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #33lediglich Günther Stolls drogensüchtiger Musiker ist eine waschechte (und als solche auch eindeutig zu erkennende) Reinecker-Zugabe
Oh, ja! Gerade bei den Dialogen über seine Heroinsucht war für mich beim erneuten Sehen Reineckers Handschrift unverkennbar. Aber immerhin durfte dieser oft unter Wert eingesetzte Schauspieler hier etwas bieten, auch wenn es nur eine Nebenrolle war.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #33Wobei der Mann sich für "Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu", "Das Geheimnis der gelben Mönche"/"Wie tötet man eine Dame" oder den IMHO ziemlich überschätzten Exploiter "Der Hexenjäger" auch nicht zu schade war; es wird daher wohl eher am lieben Geld oder dem ungeliebten Regisseur gelegen haben, als an qualitativen Gesichtspunkten.
Weitere "Highlights" seiner Kinokarriere waren "Die Pagode zum fünften Schrecken" und "Draculas Rückkehr". Aber eventuell ging es Stefan eher darum, dass Davies von dieser Rolle genug gehabt haben könnte?
Zitat von berti im Beitrag #34Aber eventuell ging es Stefan eher darum, dass Davies von dieser Rolle genug gehabt haben könnte?
Ganz im Gegenteil: Natürlich muss ein Schauspieler sein Geld verdienen und auch manchmal Mist dafür drehen. Aber ich denke, dass Davies die Rolle des Maigret so am Herzen lag (immerhin nicht nur sein größter Erfolg, sondern er wurde sogar von Simenon selbst gelobt - bei dessen Abneigung gegen Filme ein Ereignis), dass er sie nicht verzerrt sehen wollte. Natürlich nur Spekulation, aber ich halte es nicht für unglaubhaft.
Zitat von berti im Beitrag #34Aber eventuell ging es Stefan eher darum, dass Davies von dieser Rolle genug gehabt haben könnte?
Ganz im Gegenteil: Natürlich muss ein Schauspieler sein Geld verdienen und auch manchmal Mist dafür drehen. Aber ich denke, dass Davies die Rolle des Maigret so am Herzen lag (immerhin nicht nur sein größter Erfolg, sondern er wurde sogar von Simenon selbst gelobt - bei dessen Abneigung gegen Filme ein Ereignis), dass er sie nicht verzerrt sehen wollte. Natürlich nur Spekulation, aber ich halte es nicht für unglaubhaft.
Dann habe ich dich also genau entgegengesetzt verstanden. Entschuldigung!
Nachdem ich jetzt in der Originalsynchro von "Rumpo Kid bittet zum Duell" Christian Wolff unter Brunnemanns Regie gehört habe (was ziemlich zeitgleich gewesen sein dürfte), votiere ich absolut dafür, Brunnemann auch hier als Regie einzuloggen.
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #38Nachdem ich jetzt in der Originalsynchro von "Rumpo Kid bittet zum Duell" Christian Wolff unter Brunnemanns Regie gehört habe (was ziemlich zeitgleich gewesen sein dürfte), votiere ich absolut dafür, Brunnemann auch hier als Regie einzuloggen.
Aber hätte er sich dann nicht in mindestens einer Rolle irgendwo verewigt?
Beides möglich, aber irgendwie glaube ich nicht so recht an Wilhelm - so daneben gehauen hat er selten, bei Brunnemann kamen so absurde Besetzungen meiner Meinung nach deutlich häufiger vor. Und Brunnemann hat sich häufig, aber nicht immer selbst eingebracht. Vielleicht fand er hier einfach nicht die richtige Person. In dem Punkt war er glaube ich wie später Elsholtz: Schmerzfrei, was mehrere Rollen und sogar direkt nacheinander betraf, aber mit gutem Gespür, was für die eigene Stimme funktionierte * und was nicht (im Gegensatz zu bspw. Nitschke).
Gruß Stefan
* Nein, ich widerspreche mir nicht selbst, denn die angedeuteten absurden Besetzungen betrafen fremde Stimmen.
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #41Beides möglich, aber irgendwie glaube ich nicht so recht an Wilhelm - so daneben gehauen hat er selten, bei Brunnemann kamen so absurde Besetzungen meiner Meinung nach deutlich häufiger vor. (...) * Nein, ich widerspreche mir nicht selbst, denn die angedeuteten absurden Besetzungen betrafen fremde Stimmen.
Gibt es denn neben Wolf für Arent noch andere Besetzungen, die du "absurd" findest? Für mich sind die übrigen Rollen eigentlich eher konventionell besetzt. Und würde es nicht eher gegen Brunnemann sprechen, dass hier relativ viele deutschsprachige Schauspieler mit ihren eigenen Stimmen zu hören sind, selbst wenn man sie dafür extra nach Berlin holen musste (Strack, Kerst, Ungeheuer)? Denn zu dieser Zeit scheint Brunnemann hier ja im Zweifel lieber auf Profis aus seinem Sprecherpool gesetzt zu haben, wenn jemand nicht so schnell verfügbar war.
Also, ich weiß auch nicht recht. So typisch finde ich die komplette Besetzung nicht für Brunnemann. Eigentlich könnte das jeder sein. Es steht ja noch nicht mal fest, dass es überhaupt eine Synchro der Berliner Union resp. Deutsche Synchron wäre. Durch Constantin möglich, aber mehr auch nicht. Und die Dialoge hab ich jetzt als sicher etwas frei in Erinnerung, aber sonst. Keinerlei blumige Zoten. Da wäre sicher hier und da was drin gewesen.
Allerdings könnte ich mir vorstellen, daß vor einer Blödelsynchro der Hauptdarsteller davor gewesen wäre. Rühmann hätte sich derartiges - in einem zudem relativ ernsten Film - mit Sicherheit verbeten.
Bei einem Film mit Heinz Rühmann als Hauptdarsteller in einer betont "ernsten" Rolle UND nach einem Drehbuch von Herbert Reinecker (ohne dass dieser sich hinter einem Pseudonym wie "Alex Berg" versteckte) hätte sich wohl jede nachträgliche Verkalauerung verbeten - ob nun Brunnemann am Werk war oder nicht.