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Dieses Thema hat 57 Antworten
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 Allgemeines
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Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 13.564

13.07.2020 11:57
#46 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Nichts gegen Sebastian Fischer, aber Lothar Blumhagen, den ich außerordentlich schätze, wäre genauso gut und passend gewesen. (Und auch gegen Thormann hätte ich in dieser Rolle nichts gehabt.)

Gruß
Stefan

Ludo


Beiträge: 627

16.03.2022 13:03
#47 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Ich hatte ja bereits im „Synchronregisseure und ihre Teams“ ein wenig was über sein „Team“ (obgleich ich nur den auffälligsten Teil seiner „Leute“ aufzählte) verfasst, doch möchte ich mit diesem Beitrag ein wenig tiefer in die Materie eingehen und schreibe hier mal meine Eindrücke zu Synchronarbeiten von Joachim Kunzendorf

In besetzungspolitischer Linie würde ich Kunzendorf in die Reihe der Regisseure „Kontinuität ja, aber nicht um jeden Preis“ einreihen. Interessant ist dabei, dass er nicht nur Kontinuitäten anderer Regisseure immer mal durchbrach, sondern auch hin und wieder seine eigenen etablierten Kombis umging. Das am besten beschriebene Beispiel dazu wäre die Sache mit Nicolas Cage: Er etablierte Martin Keßler selbst auf diesem in „Schneesturm im Paradies“, besetzte dann aber im folgenden Film,„Leaving Las Vegas“, Michael Christian. Ähnlich verfuhr er mit Ian Holm: die gängigste Kombi dürfte mit Mogens von Gadow bestehen, welche er selbst in „Alien“ in die Welt setzte. Kurioserweise wurde er (zumindest nach bisher überlieferten SK-Daten) von Kunzendorf danach nie wieder genommen, er besetzte stattdessen Ebeling oder Jepsen. Auch er war grundsätzlich ein Regisseur der vermehrt nach Rolle besetzte und große Altersunterschiede außer Acht ließ, was zu so (auf dem Papier) kuriosen Besetzungen wie bspw. Bodo Wolf (*1944) auf Robert Downey Jr. (*1965), Volker Brandt (*1935) auf Paul Reiser (*1956) oder Michael Telloke (*1945) und Jürgen Prochnow! (*1941) auf Alec Baldwin (*1958) u.v.m. führte.

Des Weiteren ist interessant, dass er nach der Wende besonders gerne ostdeutsche Schauspieler in seinen Synchros besetzte, manchmal tummelte sich sogar die halbe ex-DEFA in seinen Synchros herum, ein Aspekt, den ich bei anderen hochkarätigen Berliner Regisseuren so noch nicht erlebt habe. Offenbar war ihm der Einsatz von eher „unverbrauchten Stimmen“ sehr wichtig, was auch die Besetzung von synchronfremden Sprechern - z.B. dem Würzburger Theaterschauspieler Gerhard Mohr (auf Kevin Spacey in „Outbreak“) - unterstreicht. Eine Besetzung, die so unerwartet wie genial war. Grundsätzlich tauchen viele Sprecher mit nur ein- oder maximal zweistelligen SK-Einträgen auf, womöglich schien er auch einen guten Draht zur Berliner Theaterszene zu haben.
Was ich ebenfalls an seinen Bearbeitungen bemerkenswert finde ist, dass er sehr gerne Sprecher aus anderen Städten importierte. So holte er im (leider wieder recht aktuellen) Thriller „Crimson Tide“ Hartmut Neugebauer für Gene Hackman herüber, und dass, obwohl die meisten Regisseure in Berlin in den 90ern eher auf Klaus Sonnenschein (Michael Richter auf Engelbert von Nordhausen) setzten. Neugebauer hatte sich bis dato nur in München für Hackman etabliert. Auffällig oft holte er Randolf Kronberg herüber, in „Mrs. Doubtfire“ importierte er den Münchner Tommi Piper und für Al Pacino holte er zweimal den Münchner Klaus Kindler nach Berlin… und natürlich die Münchner Sigmar Solbach und Mogens von Gadow in „Alien“ sowie den Hamburger Gottfried Kramer in „Die Klapperschlange“.

Auch er verstand es, seine Synchros deutsch und nicht nach synchron klingen zu lassen. Als Beispiele möchte ich da „Taxi Driver“, mit einem sehr naturalistisch klingenden Christian Brückner oder „Alien“ - wo die gesamte Raumschiffcrew so klingt, als hätte man sie in der Raucherpause beim Small Talk im Vorbeigehen aufgenommen - erwähnen. So muss es klingen! Natürlich sind das jetzt nur zwei Beispiele aus der Fülle an Synchros der unterschiedlichsten Filmgenres, die er bearbeitet hat, aber die fielen mir gerade auf die Schnelle ein.
Ich bin ein großer Freund von seinen Arbeiten, auch weil er so eine enorme Bandbreite an thematisch unterschiedlichen Synchros (von Superhelden über Horror, Sci-Fi, Krieg, Abenteuer, Shakespeare bis hin zu den Hip-Hop-Filmen der 90er ist da ja fast alles dabei) bearbeitete und diese durch die teilweise ungewöhnliche Sprecherauswahl stets interessant wirken ließ. Solche spannenden Synchros fehlen mMn heutzutage.

P.S.:Was ich auch sehr interessant finde (das nur am Rande): Benjamin Völz und Andreas Fröhlich machten öfter mal Regie und Buch für Kunzendorfs Firma. Da letzterer ja viel Wert auf die Ausbildung von Sprechern legte, könnte er möglicherweise als Mentor der beiden in Sachen Regie und Buch fungiert haben?


Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 13.564

16.03.2022 13:50
#48 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Durch die wechselhafte Qualität seiner Dialoge kann man DEFA-Autor Wolfgang Krüger nur schwer sicher erkennen, aber ein Copyright hatte er: Wenn irgendwo der altertümliche Begriff "Büttel" zu hören war, kann man sich auf seine Autorenschaft verlassen.
Dass Dagmar Nawroth mitunter sehr unverbraucht besetzte (was aber auch bspw. auf Johanna Simeth zutraf) und ihre Spezis hatte, welche (fast) ausschließlich bei anzutreffen waren (H.D. Knaup, Greese, Steyer), habe ich ja schon öfters erwähnt, aber sie war praktisch die Einzige, die fast durch die Bank versuchte, eine einmal aufgebaute Kontinuität zu wahren. Sehr selten bei der DEFA, fast schon exklusiv, denn selbst Thal und Ruttmann mühten sich nur halbherzig darum. (Was auch bedeutet, dass sie die Arbeit ihrer Kollegin aufmerksamer verfolgte als irgendjemand sonst.)
Lisa Honigmann dagegen "zeichnete sich aus" durch eigenwillige Besetzung UND häufige Durchbrechung von Kontinuität bzw. Besetzungslogik - über den Unsinn, Kurt Ulrich als direkten Gegenpart von Gerard Philippe zu besetzen, habe ich mich bei "Montparnasse 19" ja schon echauffiert.

Gruß
Stefan

Nyan-Kun


Beiträge: 4.575

16.03.2022 14:10
#49 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Zitat von Ludo im Beitrag #47
Auch er verstand es, seine Synchros deutsch und nicht nach synchron klingen zu lassen. Als Beispiele möchte ich da „Taxi Driver“, mit einem sehr naturalistisch klingenden Christian Brückner oder „Alien“ - wo die gesamte Raumschiffcrew so klingt, als hätte man sie in der Raucherpause beim Small Talk im Vorbeigehen aufgenommen - erwähnen. So muss es klingen! Natürlich sind das jetzt nur zwei Beispiele aus der Fülle an Synchros der unterschiedlichsten Filmgenres, die er bearbeitet hat, aber die fielen mir gerade auf die Schnelle ein.


Ich finde genau diesen Aspekt kam Kunzendorf vor allem in Filmsynchros zugute, wo zum Teilen auch im O-Ton deutsch gesprochen wird oder eben auch deutsche Schauspieler mitwirkten, ähnlich wie bei Christoph Cierpka auch. Bei Cierpka haben die Synchros jedoch ein gewisses "Arthouse-Feeling". Kunzendorf konnte dagegen auch Blockbuster. Insgesamt war er damit auch der ideale Synchronregisseur für den Film "Rush - Alles für den Sieg" mit Daniel Brühl und Chris Hemsworth. Dabei schaffte Kunzendorf es alles wie aus einem Guss klingen zu lassen und Brühl (der seinen Wiener Akzent für Lauda im deutschen genauso perfekt machte wie im englischen O-Ton), Alexandra Maria Lara, die sich selber synchronisierten, ebenso auch die anderen deutschen Darsteller, die im O-Ton deutsch sprachen, fügten sich perfekt ein. Ich habe schon immer wieder in Synchros erlebt wie die deutschen Darsteller, die sich selber synchronisierten mit ihrem Klang und/oder "unsynchronigen" Sprechweise gegenüber den routinierten Dauersprechern herausfielen wie ein Misston inmitten eines Orchesters. Das war bei Rush keine Sekunde der Fall gewesen. Da konnten Morgenstern und Brühl als Duo richtig miteinander harmonieren.

Dann auch noch der geniale Einfall für den Rennkommentar Heinz Prüller zunehmen, der über viele Jahre für den österreichischen ORF die Formel 1 kommentierte und er funktionierte wunderbar. Hatte auch für ordentlich Stimmung und Atmosphäre gesorgt. Ob diese Besetzung eine Auflage vom Verleih war oder von Kunzendorf selbst ausging weiß ich nicht, aber es war auf jeden Fall eine gute Idee gewesen mit der man aber auch arbeiten musste. Nicht jeder Sportkommentator kann auch im Synchronbereich eine gute Kommentatorenstimme sein. Da verfallen dann doch so einige, die in einer Livesituation bei der Sportübertragung richtig leidenschaftlich und emotional klingen können zum monotonen ablesen des Texts. Sind auch zwei völlig verschiedene Situationen und Arbeitsweisen.
Abgesehen davon finden sich auch hier die Besetzungsmuster von Kunzendorf. Auch hier war er nicht auf Biegen und Brechen nach Kontinuität vorgegangen. An Morgenstern für Hemsworth war denke ich nicht zu rütteln gewesen, aber für Olivia Wilde besetzte er statt wie üblich Anja Stadlober Natscha Geisler und das passte wie ich finde auch besser zur Rolle.

Mich hätte mal zu gerne interessiert wie Kunzendorf mit solch schweren Knochen wie "Inglourious Basterds" synchrontechnisch umgegangen wäre. Ich traue Kunzendorf zumindest zu, dass er aus den deutschen Darsteller, die sich da selbst synchronisiert haben bessere Ergebnisse rausgeholt hätte als Norman Matt.


Ludo


Beiträge: 627

16.03.2022 14:39
#50 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Zitat von Nyan-Kun im Beitrag #49
Ich habe schon immer wieder in Synchros erlebt wie die deutschen Darsteller, die sich selber synchronisierten mit ihrem Klang und/oder "unsynchronigen" Sprechweise gegenüber den routinierten Dauersprechern herausfielen wie ein Misston inmitten eines Orchesters. Das war bei Rush keine Sekunde der Fall gewesen. Da konnten Morgenstern und Brühl als Duo richtig miteinander harmonieren.

Lustigerweise fiel mir das letztens sogar schon bei Simon Jäger auf, der hob sich vom synchronbelasteten Rest irgendwie ab und klang wie ein Fremdkörper, dabei ist er selber Synchronsprecher, nur klang er halt nicht so überdeutlich steril, sondern sprach "normal".

Den Vergleich mit Cierpka und Kunzendorf finde ich tatsächlich passend, da sehe ich einige Parallelen... und einen neuen Craig-Bondfilm hat er ja auch gemacht, also ein bisschen Blockbuster ist schon dabei, wenn auch seltener
Ich würde Andreas Fröhlich aber auch noch dazuzählen, der vor allem aus besetzungspolitischer Sicht sehr an Kunzendorf heranreicht. Schon allein wie er bei Cate Blanchett die völlig synchronfremde Theaterschauspielerin Dörte Lyssewski in Betracht gezogen hat, verweist auf die kunzendorfsche Besetzungs-Schule, genau wie das Miteinbeziehen von Münchner und Hamburger Sprechern


berti


Beiträge: 16.578

16.03.2022 14:46
#51 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Zitat von Ludo im Beitrag #50
Ich würde Andreas Fröhlich aber auch noch dazuzählen, der vor allem aus besetzungspolitischer Sicht sehr an Kunzendorf heranreicht. Schon allein wie er bei Cate Blanchett die völlig synchronfremde Theaterschauspielerin Dörte Lyssewski in Betracht gezogen hat, verweist auf die kunzendorfsche Besetzungs-Schule, genau wie das Miteinbeziehen von Münchner und Hamburger Sprechern

Vielleicht hat es ihn in dieser Hinsicht auch beeinflusst, dass er seit Jahrzehnten eng mit dem Hörspiellabel Europa verbunden ist, das bekanntlich auch gerne importiert?

Ludo


Beiträge: 627

16.03.2022 18:28
#52 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Zitat von Nyan-Kun im Beitrag #49

Mich hätte mal zu gerne interessiert wie Kunzendorf mit solch schweren Knochen wie "Inglourious Basterds" synchrontechnisch umgegangen wäre. Ich traue Kunzendorf zumindest zu, dass er aus den deutschen Darsteller, die sich da selbst synchronisiert haben bessere Ergebnisse rausgeholt hätte als Norman Matt.


Ich denke Kunzendorf hätte Selbstsynchronisanten und englisch-sprachige Schauspieler in der Synchro besser angeglichen, dass die Synchronsprecher vom Rest sich nicht so abheben.... Er wäre aber ab einem bestimmten Punkt dennoch gescheitert, da ich finde dass dieser Film in der Synchro einfach auch aufgrund der Sprachbarriere nicht funktioniert. Allerdings funktioniert er auch für mich auch im O-Ton nicht: ich finde deutschsprachigen und -sprechenden Schauspieler in der Originalfassung von ihrer Sprechleistung her ziemlich schlecht, sie wirken so blass und klingen bei aller Liebe auf mich nicht wie "Deutsche", sondern eher wie Deutsche, die einem Amerikaner vormachen wie ein Deutscher spricht. Besonders Diane Kruger und Christoph Waltz klingen ganz merkwürdig hölzern und unnatürlich und haben einen ganz schrägen Sprechklang, fallen aus dem Rahmen...den Film finde ich im Gegensatz zu vielen anderen aber auch nicht so gelungen, da hat der von mir geschätze Tarantino schon bessere Filmwerke vollbracht (ich weiche mal den Steinen aus)


Zitat von berti im Beitrag #51
Vielleicht hat es ihn in dieser Hinsicht auch beeinflusst, dass er seit Jahrzehnten eng mit dem Hörspiellabel Europa verbunden ist, das bekanntlich auch gerne importiert?


Das kann sicher auch eine Inspirationsquelle gewesen sein. Bei der Magma war er ja u.a für "36 Tage Terror" und "New Jersey Drive" zuständig und bestimmt gibt es noch einige andere, die aber bislang noch nicht verzeichnet wurden. Würde mich eh mal interessieren was Fröhlich sonst so an Buch und Regie vollbracht hat, laut eigener Aussage hat er das ja "relativ lange" gemacht" (https://causerie.de/Causerie-Hauptseite/Andreas-Froehlich/). Offenbar hatte er sogar den Hobbit für B+R eingeplant.


CrimeFan



Beiträge: 4.499

16.03.2022 19:53
#53 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Bei Michael Nowka erkennt man zumindest bei Komödien, eigentlich immer wenn er für die Regie verantwortlich war. Seine Bücher wirken immer wie ein etwas zurückhaltender Arne Elsholtz. Und meist hat er sich auch selbst auf eine Rolle besetzt.

Nyan-Kun


Beiträge: 4.575

16.03.2022 20:54
#54 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Zitat von Ludo im Beitrag #52
Zitat von Nyan-Kun im Beitrag #49

Mich hätte mal zu gerne interessiert wie Kunzendorf mit solch schweren Knochen wie "Inglourious Basterds" synchrontechnisch umgegangen wäre. Ich traue Kunzendorf zumindest zu, dass er aus den deutschen Darsteller, die sich da selbst synchronisiert haben bessere Ergebnisse rausgeholt hätte als Norman Matt.

Ich denke Kunzendorf hätte Selbstsynchronisanten und englisch-sprachige Schauspieler in der Synchro besser angeglichen, dass die Synchronsprecher vom Rest sich nicht so abheben.... Er wäre aber ab einem bestimmten Punkt dennoch gescheitert, da ich finde dass dieser Film in der Synchro einfach auch aufgrund der Sprachbarriere nicht funktioniert. Allerdings funktioniert er auch für mich auch im O-Ton nicht: ich finde deutschsprachigen und -sprechenden Schauspieler in der Originalfassung von ihrer Sprechleistung her ziemlich schlecht, sie wirken so blass und klingen bei aller Liebe auf mich nicht wie "Deutsche", sondern eher wie Deutsche, die einem Amerikaner vormachen wie ein Deutscher spricht. Besonders Diane Kruger und Christoph Waltz klingen ganz merkwürdig hölzern und unnatürlich und haben einen ganz schrägen Sprechklang, fallen aus dem Rahmen...den Film finde ich im Gegensatz zu vielen anderen aber auch nicht so gelungen, da hat der von mir geschätze Tarantino schon bessere Filmwerke vollbracht (ich weiche mal den Steinen aus)


Denke auch das Kunzendorf das besser ausbalanciert hätte. Rush hatte ich da schon als positives Beispiel genannt. Tarantino Filme sind nicht gerade leicht auf deutsch zu synchronisieren. Christoph Cierpka hatte sich etwa dahingehend im Synchron Making-Of der Media-Paten schon dazu geäußert. Tarantino spielt ja auch gerne mit Dialekten. Bei "Inglourious Basterds" eben verschiedene Sprachen. Da kann man eigentlich nur verlieren in der Synchro, wobei ich da Kunzendorf schon mehr zutrauen würde.
Christoph Waltz fand ich O-Ton etwa in "Django Unchained" durchaus in Ordnung. Man muss nur mit seinen Manierismen klar kommen, die er seit seinem erfolgreichen Durchbruch in Hollywood ein Stück weit kultiviert hatte und für die ihn die einen lieben und die anderen hassen. Diane Kruger ist so ein Sonderfall. Kenne keine andere deutschstämmige Schauspielerin, die so weit amerikanisiert ist wie sie. Deshalb fand ich es auch problematisch, dass sie in "Inglourious Basterds" unbedingt eine deutsche Rolle spielen wollte. Ich meine auch, dass Tarantino sie zunächst gar nicht besetzen wollte, weil er anfangs nicht realisiert hatte, dass sie deutsche Wurzeln hat.

Zitat von CrimeFan im Beitrag #53
Bei Michael Nowka erkennt man zumindest bei Komödien, eigentlich immer wenn er für die Regie verantwortlich war. Seine Bücher wirken immer wie ein etwas zurückhaltender Arne Elsholtz. Und meist hat er sich auch selbst auf eine Rolle besetzt.
Den Gedanken hatte ich tatsächlich auch schon mal gehabt. Nowkas Synchronarbeiten für Komödienfilme hatten für mich immer etwas von Elsholtz-Light gehabt.

berti


Beiträge: 16.578

17.03.2022 08:49
#55 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

gelöscht


berti


Beiträge: 16.578

17.03.2022 08:51
#56 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Zitat von Ludo im Beitrag #50
Ich würde Andreas Fröhlich aber auch noch dazuzählen, der vor allem aus besetzungspolitischer Sicht sehr an Kunzendorf heranreicht. Schon allein wie er bei Cate Blanchett die völlig synchronfremde Theaterschauspielerin Dörte Lyssewski in Betracht gezogen hat, verweist auf die kunzendorfsche Besetzungs-Schule

… oder auch, dass er ursprünglich an David Bennent als Gollum-Stimme gedacht hatte.

N8falke



Beiträge: 4.187

17.03.2022 09:39
#57 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Bezüglich Inglourious Basterds:
Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es Diane Kruger selbst war oder Tarantino, die Intention jedoch war, dass ihr Charakter absichtlich gekünstelt deutsch spricht in der OV. Ich hatte das eine Zeit lang auch unter schlechtem Schauspiel verbucht, aber bei genauerer Betrachtung ergibt das im Kontext des Films Sinn. Ob man das jetzt unter nachträglicher Schönfärbung verbuchen möchte oder es der Wahrheit entspricht, kann ja jeder für sich selbst ausmachen.


berti


Beiträge: 16.578

01.07.2022 11:25
#58 RE: Synchronbuch / Regie Zitat · antworten

Bei der Übersetzung englischsprachiger Dialoge kann es mitunter ein Problem werden, ob sich Figuren Duzen oder Siezen bzw. wann ein Wechsel sinnvoll ist; über diese Frage gibt es bekanntlich schon lange einen eigenen Thread. Bei Liebespaaren erscheint es relativ einfach, da dies oft nach dem ersten Kuss geschieht; manchmal erscheint diese Faustregel aber auch unpassend.
Neulich ist mir bewusst geworden, dass relativ viele Beispiele, bei denen der Übergang natürlich erscheint, aus Synchros von Arne Elsholtz stammen; zwischen Paaren hat er diese Faustregel mitunter ignoriert ("Das Imperium schlägt zurück", "Indiana Jones und der Tempel des Todes"). Daneben scheint er ein besonderes Gespür dafür gehabt zu haben, wann eine Feindschaft zwischen zwei Figuren "persönlich" wird und ein Duzen dies unterstreicht ("Beverly Hills Cop I", "Dick Tracy", "Die nackte Kanone I").
Natürlich hätte man das auch im entsprechenden Thread erwähnen können; ich wollte es aber hier tun, weil es mir als ein Merkmal seiner Arbeiten aufgefallen war.

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