Zitat von fortinbras im Beitrag #29Den Film hab ich natürlich in meiner Sammlung, aber auch wenn es einmal einer meiner Lieblingsfilme war, heute sehe ich den Film deutlich zwiespältiger als früher.
Mir gefällt der Film noch immer, mit allem Drum und Dran. Sogar in 3 D :-) Für mich gibt es nur einen Makel: die gute Margot Leonard "ruft" die Rolle von Dorothy. Im Vergleich zu Judy Garlands Originalstimme ist sie beinahe hysterisch.
Sorry, aber ich gehe absolut nicht d'accord mit der Meinung, es hätte nie eine komplett deutsche Fassung von "Das zauberhafte Land" gegeben. In der frühen Nachkriegszeit war es gängige Praxis, dass Musical-Filme komplett synchronisiert wurden, zudem mangelte es MGM damals nicht an finanziellen Mitteln, dies zu ermöglichen. Anscheinend gibt es ja Personen, die sich betreffend ihre Kindheit daran erinnern, eine komplett deutsche Fassung des Fleming-Filmes im Kino gesehen zu haben.
Die Vermarktung des Filmes im deutschsprachigen Raum setzte konkret die Zielgruppe Kinder/Familien in den Mittelpunkt. Programmanzeigen von Kinos benennen "Das zauberhafte Land" im Jahre 1952 als "Märchen-Farbfilm" oder als "Kinderfilm" oft mit Zusätzen, wie "für jung und alt". Einen Film so zu bewerben und dann einen Großteil des Filmes für das (zumeist) nicht englischsprachige Publikum im Original zu belassen, das entspricht überhaupt nicht den damaligen Lokalisierungsgepflogenheiten und dürfte auch nicht den Qualitätswünschen eines damals großen Filmverleihs, wie MGM, genügt haben.
Ich glaube, dass der Film tatsächlich komplett lokalisiert anlief, aber der Verleih selber vielleicht relativ schnell bemerkt hat, dass die Lieder qualitativ und inhaltlich nicht gut umgesetzt und übersetzt wurden. Daher entschied man sich dazu, die deutschen Gesangsparts, sofern es sich nicht um erklärenden Sprechgesang der Figuren handelte, herauszuschneiden.
Ich glaube auch gerne an die verschollene Gesangssynchro, aber ich denke kaum, dass die MGM selbige teuer produziert hätte nur um sie dann kurz darauf wieder zu streichen. Das hätten eher TV Redakteure in späteren Jahrzehnten getan.
Disney hat bekanntlich Ähnliches Jahrzehnte später bei "Meine Lieder - Meine Träume" gemacht (auch wenn die deutsche Urfassung da als Kaufmedium noch existiert). Ich denke, der Aufschrei - auch bei den Kritikern - wäre 1951 groß gewesen, wenn man dem Publikum eine solche Mischfassung präsentiert hätte. Ich denke auch, dass das entsprechend in zeitgenössischen Medien erwähnt worden wäre.
Ja, es ist untypisch für MGM dieser Zeit, das ausgerechnet hier auf Gesangsssynchro verzichtet wurde (wobei ich denke, dass es dafür Kritik gab und deshalb eine gewisse Zeit Komplettsynchros gemacht wurden - "Das zauberhafte Land" war deutlich früher da als "Du sollst mein Glücksstern sein" oder "Vorhang auf"). Aber es gibt keinerlei Bruch in der Tonqualität bei der vorliegenden DVD-Spur, die englischen Lieder stammen eindeutig von einer Kinokopie, die so in deutschen Kinos lief. Zur Unlogik habe ich mich damit geäußert und was die Kindheitserinnerungen betrifft ... es ist 70 Jahre her.
Ich kann bei MGM - gerade auch mit dem Blick nach Italien, Frankreich, Spanien - keine stimmige Logik erkennen, wann die Lieder synchronisiert wurden und wann nicht. Teilweise wurde es in den einzelnen europäischen Ländern beim selben Film unterschiedlich gehandhabt. Und das auch im Ausland Filme neu synchronisiert und lokalisierte Lieder in Kinosynchros später fürs Fernsehen ausgetauscht wurden macht die Forschung nicht einfacher. "Oz" erhielt z.B. für den Kinostart in Italien 1949 eine vollständige Gesangssynchronisation und wurde dann 1982 und 1985 neu synchronisiert https://www.antoniogenna.net/doppiaggio/film/ilmagodioz.htm In Frankreich wurde der Film 1940 erstmals synchronisiert; heute ist er nurmehr mit der Zweitsynchro von 1946 verfügbar welche die Lieder in Englisch belässt. Die spanische Synchronisation mit englisch belassenen Songs erfolgte Mitte 1944; die spanische Mischung erfolgte wie damals bei spanischen MGM-Synchros üblich direkt in Hollywood bei MGM.
Der sonst stets hilfreiche Paimann hilft hier nicht weiter: in Österreich lief der Film 1950 nur im OmU unter dem kuriosen Titel "Der Hexer von Oz".
Es scheint dann tatsächlich bis Mai 1957 gedauert zu haben, ehe die Österreicher auch die deutsche Fassung mit englischen Liedern zu sehen bekamen:
Das österreichische Filmplakat "Der Hexer von Oz" würde ich ja gerne mal sehen.
Auch wenn es aufgrund des Filmthemas nicht so viel Sinn ergibt: ich bin geneigt anzunehmen, dass die deutsche Bearbeitung in die Kategorie der MGM fällt, wo man die Lieder im OmU belassen hat zu der z.B. auch "Tänzer vom Broadway" oder "Ein Amerikaner in Paris" gehören, für welche die untertitelten Songs bei der österreichischen Erstaufführung durch Paimann verbürgt sind.
Danke c.n. für die Einordnung. Es erschien/erscheint mir nur einfach für die damalige Zeit so untypisch. Davon abgesehen, finde ich die deutsche Fassung auch nicht besonders gelungen, zumindest was das deutsche Buch angeht. Es holpert leider sehr oft. Besetzungstechnisch bin ich absolut kein Fan von Agnes Windeck auf Billie Burke (die klang damals schon deutlich zu alt) und Margot Leonard auf Judy Garland (klang oft nach keine Lust).
Wobei Billie Burke zum Drehzeitpunkt schon 55 war, was man ihr auch ansieht; Windeck war zum Zeitpunkt der Synchronisation 62 und damit gerade mal 7 Jahre älter. Mit Ariana Grande hatte das natürlich nicht viel zu tun.
Und Margot Leonard kam sich mit seinerzeit 23 Jahren vermutlich total fehlbesetzt vor.
Ich habe den Film sowohl Anfang der 70er im Fernsehen gesehen, als auch etwa um dieselbe Zeit (nicht später!) ein Lied im Fernsehen gehört, in dem "die böse Hex' ist tot" vorkam (an "Ding, dong" ewrinnere ich mich nicht), habe sogar noch die Melodie genau dieser fünf Worte im Kopf (c,d,d,G,G,c_). Ich schätze aber, das könnte Augsburger Puppenkiste gewesen sein, weiß leider nicht, welches Stück.
Was mich irritiert ist, dass konsequent die Möglichkeit negiert wird, dass eine vollständige deutsche Fassung einmal existiert hat.
Es gibt ja hier im Forum auch den Thread "Gab es diese Synchro wirklich?" und Forumsmitglieder wollen sich hin und wieder an verschiedene deutsche Fassungen erinnern, bei denen es ebenso wenig schriftliche Belege für deren Existenz gibt.
MGM hatte damals sicherlich sehr einfach die Möglichkeit, bei Nichtgefallen der deutsch lokalisierten Lieder, diese für zukünftige Veröffentlichungen herauszuschneiden. Wie ich oben bereits schrieb, 1951 einen Kinder- und Familienfilm ohne vollständige Lokalisierung auf den Markt zu bringen, wäre für einen Big Player damals extrem ungewöhnlich gewesen. Müsste es dann nicht zumindest von Kinogängern die Erinnerung an deutsch untertitelte Passagen geben?
Man darf nicht vergessen: damals war das in der Vermarktung kein Kinder- und Familienfilm; ebenso wenig wie die Disney-Zeichentrickfilme. Dieses "Etikett" Kinder- und Familienfilm entstand erst viel, viel später
Also, zumindest Kinos bewarben den Film als Kinder-/Familienfilm (s.u.).
@Lord Peter Da würde sich mir eher die Frage stellen, ob es bei dem Material von 1939 überhaupt möglich war, bei einer Synchronisation Sprach- und Gesangspassagen voneinander zu trennen oder ob man nicht grundsätzlich dann sowieso alles neu synchronisieren musste. Wie war das damals technisch mit dem Ausgangsmaterial?
Angefügte Bilder:
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