Nee, der Aznavour-Hasser war fortinbras. Als Chansonier mag ich Aznavour, und auch in Chabrols "Fantome des Hutmachers" gefiel er mir. Aber hier finde ich ihn total neben der Spur.
Reeds Figur entspricht hier aber nun mal nicht der Vorlage, da er ja auch hier nicht Lombard, sondern Charles Morley ist, wie auch die beiden Lombards vor ihm. Bei O'Brien stimme ich zu, ein echtes Brechmittel (für den Shirley Eaton viel zu gut war ). Aber bei der 45er-Verfilmung wurden eh alle Charaktere karikativ überspitzt, wobei ein guter, witziger und teilweise auch spannender, aber nicht eben werkgetreuer Film herauskam (zumal man sich bei den meisten Figuren kaum vorstellen kann, daß sie die ihnen zur Last gelegten Morde begangen haben). Aber für Puristen gibt es ja glücklicherweise die russische Fassung aus den 80ern.
Oh, ich mag die Fassung von 1945 - wegweisend für die Miss-Marple-Filme in ihrer überraschenden Leichtigkeit. Und darin auf alle Fälle konsequenter als die meisten anderen Fassungen, die sich ernster gaben, aber durch das Happy End (ich weiß - Bühnenfassung, stammt von Christie selbst) alles wieder einreißen. Aber damit bewege ich mich langsam etwas zu weit vom hier behandelten Film weg.
Zitat von Stephen im Beitrag #15 ja die ARD-Sender haben da einen schönen dt. Master erstellt (sogar mit der originalen Gloria-Verleihmarke). Wurde sogar in 16:9 ausgestahlt.
Interessant: Ich habe den Film in einer früheren Ausstrahlung vom ZDF: Da ist das Bildmaster auch deutsch, eine Gloria-Verleihmarke sehe ich da allerdings nicht. Entweder wurde das also bearbeitet oder es gibt zwei deutsche Vorspänne.
Ja, das ist sicher so: Der Film startet abrupt und auch am Ende, als der Hubschrauber zu sehen ist, wird sofort und ohne Übergang eine Filmtafel eingeblendet. Das ist eigentlich nicht so typisch für das ZDF gewesen.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #42Irgendwas ist bei Filmjuwelen ja immer. (...) Echte Experten waren da mal wieder am Werk...
Sollte dieses Label in deiner Gunst etwa Pidax und Universal Konkurrenz machen?
Zitat von Lord Peter im Beitrag #42Aber - Schürenberg für Lom? Die Leistung an sich ist okay, aber wirklich vom Gesicht kommt er nicht, was bei den (zugegebenermaßen wenigen) Nahaufnahmen doch schon auffällt. Warum beim Standort Berlin nicht Miedel? Witzigerweise sah Lom 10 Jahre später bei David Cronenbergs King-Verfilmung "Dead Zone" dann tatsächlich ohne großes Makeup so aus wie hier - und hatte Miedel, der fabelhaft wie immer funktionierte.
Zustimmung meinerseits; auch für den durch Schminke und weiße Haare (warum auch immer) künstlich älter gemachten Lom hätte Miedel zu dieser Zeit schon hervorragend funktioniert, zumal er damals in Berlin auch dessen häufigste Stimme gewesen sein dürfte.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #42Attenborough hatte keine wirkliche Feststimme, und Tillmann ist eine gute Wahl. Alternativen hätte es natürlich gegeben (Bauschulte oder Schneider etwa).
"Allzweckwaffe" Schneider wäre zu dieser Zeit sicher passend gewesen; aber ich persönlich hätte hier Bauschulte den Vorzug gegeben. So wie Attenborough hier ebenfalls auf älter getrimmt wurde (er geht ja auch am Stock), konnte Bauschulte damals schon gut mit Schauspielern und Rollen harmonieren, die einige Jahre älter als er selbst waren.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #42Das gleiche bei de Mendoza - keine wirklich etablierte Stimme, Bussinger eine gute Wahl.
Zumal es eine seiner ersten größeren Rollen gewesen sein dürfte; gerade Behnke scheint ihn zu dieser Zeit gerne besetzt zu haben. Natürlich hätte man auch jemanden wie Kemmer nehmen können.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #42Biederstaedt für Celi kann ich mir nur dadurch erklären, daß Hirthe verhindert war; Biederstaedt ist aber die denkbar beste Ersatzwahl und kommt Hirthe (in dieser Rolle) sehr nahe.
Generell habe ich den Eindruck, als hätte Biderstaedt zu dieser Zeit (und noch stärker ein paar Jahre zuvor) 1-2 Einsätze für Schauspieler gehabt, die "eigentlich" andere Feststimmen hatten, die aber offenbar kurzfristig nicht verfügbar waren (Beispiele müssen sicher nicht genannt werden). Interessant, dass man hier anders als bei Attenborough und Lom keine "ältere" Synchronstimme wählte, obwohl Celi (in diesem Fall von Natur aus) deutlich älter wirkte, als er war.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #42Während Orson sich im Original (vermutlich sternhagelvoll) einen zurechtnuschelt
Was für eine Unterstellung!
Zitat von Lord Peter im Beitrag #42gibt Petruo den eiskalten Ankläger. Funktioniert prächtig, aber nur, weil er nicht aus Welles' Mund kommt.
Schade, dass Petruo nicht auch im "blauen Schloss" in dieser Funktion zu hören war! Er hätte perfekt mit der dort im Original von Christopher Lee vorgetragenen Anklage harmonisiert.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #46Reeds Figur entspricht hier aber nun mal nicht der Vorlage, da er ja auch hier nicht Lombard, sondern Charles Morley ist, wie auch die beiden Lombards vor ihm.
Das zwar nicht; aber gerade weil Reed ja oft harte und teilweise auch zwielichtige Typen spielte, war eine üble Vergangenheit in seinem Fall zumindest glaubwürdiger als bei Hayward. Ist es zumindest ein Trost, dass hier nicht Rainer Brandt zum Zuge kam? Denn immerhin hatte dieser einige Jahre mehrere Einsätze gehabt.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #44Ohnehin scheint ein Großteil der Besetzung bei diesem Dreh nur auf Autopilot gelaufen zu sein, speziell Oliver Reeds zur Schau getragenes "Alles scheißegal!"-Gesicht grenzt schon an Arbeitsverweigerung.
Wie Elke Sommer in ihren Memoiren schreibt, kam die Besetzung beim Dreh untereinander gut zurecht, mit dem Regisseur dagegen absolut nicht, da er es ihnen beim Dreh schwer machte. Ob Peter Collinson sich hier rächen wollte, indem er den Film größtenteils in Totalen drehte, so dass die Besetzung teilweise ins Leere spielte und eine Distanz zum Zuschauer aufgebaut wurde?
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #47Oh, ich mag die Fassung von 1945 - wegweisend für die Miss-Marple-Filme in ihrer überraschenden Leichtigkeit.
Daneben vermute ich stark, dass Alfred Vohrer und sein Drehbuchautor Harald G. Petersson sich beim "indischen Tuch" stark an der 45er-Verfilmung orientiert haben, was die Stimmung und den (manchmal schwarzen, aber oft auch schlicht albernen) Humor angeht. Gerade ein Gag (die Frage, wie viele Personen es bei der nächsten Mahlzeit seien) wurde sogar abgekupfert.
Noch etwas zu Adolfo Celi: Interessanterweise besetzte Dietmar Behnke etwa um diese Zeit im "Gespenst der Freiheit" mit Gottfried Kramer einen Sprecher, der auch eine recht tiefe, "gesetzte" und eher "kratzige" Stimme hatte und ebenfalls in eine deutlich andere Richtung ging als der eher "schneidende" Martin Hirthe.
Zitat von Lord Peter im Beitrag #44Was das Chargieren angeht - da ist Aznavour im Original keinen Deut besser, Martienzen transportierte halt weiter, was der Franzose lieferte (inklusive übertriebener Grimassierei
Martienzen ist hier auf Rollenklischee besetzt, als zynisch-schmieriger Trinker. Ich finde es lustig, dass er oft bedeutende Sänger synchronisiert hat: Sinatra, Sammy Davis jr. …Konnte er selbst gut singen? In „Alles tanzt nach meiner Pfeife“ klingt sein Synchrongesang für Louis de Funes ziemlich furchtbar. Das passt aber zur Szene, ist vielleicht nur Charge.
Ich glaube, Singen zählte nicht zu seinen Stärken. Es dürfte wohl eher damit zu haben, dass alle von ihm synchronisierten Sänger klein und eher mager waren und zudem keine voluminösen Stimmen hatten, sondern Charaktertimbres. Auch Herbert Stass und Gerry Wolff waren ja nicht groß.
Zitat von Omskakas im Beitrag #50Ja, das ist sicher so: Der Film startet abrupt und auch am Ende, als der Hubschrauber zu sehen ist, wird sofort und ohne Übergang eine Filmtafel eingeblendet. Das ist eigentlich nicht so typisch für das ZDF gewesen.
Im Gegenteil. Weglassen von Logos am Anfang und Einblenden von kurzen Filmtafeln am Ende waren lange Zeit ein Markenzeichen der Mainzelmänner.