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Synchrondatenbank (von Arne Kaul) | Deutsche Synchronkartei | Seriensynchron - SeSyDaB | dubDB | Die vergessenen Filme
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Dieses Thema hat 49 Antworten
und wurde 2.721 mal aufgerufen
 Allgemeines
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Gabriel


Beiträge: 452

08.08.2014 16:58
Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Ich hoffe nicht, dass ich jemandem mit diesem Thread auf die Füße trete, aber mich würde es interessieren, wieso sich das Interesse bei einigen aus dem Forum nur auf ältere Synchronisationen beschränkt?
Hin und wieder fällt mir hier auf, dass sich manche kaum/gar nicht mit heutigen Synchros/Synchronsprechern auskennen oder sich die Kenntnisse nur auf bestimmte Jahrzehnte beziehen.

Das soll keinesfalls abwertend klingen, ich bin nur neugierig, wo die Gründe dafür liegen, dass man sich "nur" für ältere Synchronisationen interessiert.
Einfach deshalb, weil man mit den heutigen Filmen oder Serien nicht viel anfangen kann oder gibt es irgendwelche grundsätzlichen Dinge, wieso man über ältere Filme bzw. Schauspieler intensiver diskutieren kann?

Das ist mir besonders im "Stars und Stimmen"-Bereich ins Auge gefallen, in dem zahlreiche Threads mit Schauspielern "von früher" täglich auf der ersten Seite landen.
Aber auch im Allgemeinen wird in den meisten Threads über dieses Thema gesprochen.

(Falls es einen ähnlichen Thread schon gibt, entschuldige ich mich )

berti


Beiträge: 14.144

08.08.2014 17:06
#2 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Mich persönlich fasziniert an Synchros aus früheren Jahrzehnten die Fülle an ungeheuer charismatischen Stimmen, an denen man sich (leider anders als an den meisten der "heutigen") kaum satthören kann. Daneben beweisen auch die Dialogbücher einen teilweise enormen Wortschatz jenseits von Synchronesisch, so dass einem oft kaum bewusst wird, eine Synchronfassung zu sehen/hören.
Solche alten Fassungen stellen gewissermaßen eine "Interpretation" des Originals dar, was natürlich keine Verfälschungen oder Verzerrungen einschließt.

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

08.08.2014 17:56
#3 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Grundsätzlich ist es bei mir so, daß ich die alten Filme und Serien einfach mag mit ihrer ganzen Fülle an Schauspielern. Diese waren aus meiner Sicht deutlich weniger austauschbar als heute und viele Filme/Serien hatten eine individuelle Aura, die für sich stand. Es gab eine Unmenge charismatischer Schauspieler/innen. Erheblich viele davon waren einzigartig und unersetzbar. Leute wie John Wayne, Peter Cushing, Sean Connery, Louis de Funes, Simone Signoret, Marylin Monroe, Jean Marais, Fernandel, Richard Burton, Peter Sellers, Charles Laughton, etc. konnten friedlich in Co-Existenz am Kinohimmel sein und fanden alle ihr Publikum. Für mich besteht das heutige Kino aus einem einzigen Männer- und Frauentyp. Es spielte früher eine Rolle, ob den Helden Gregory Peck oder Richard Widmark spielte. Heutzutage gibt es Einheitsdrehbücher, die für jeden geeignet sind. Es ist egal, ob die Blockbusterhauptrolle Tom Cruise oder Brad Pitt spielt, Mark Damon oder Leonardo di Caprio. Mir fehlen auch die ganzen klassischen Charakterdarsteller, die es früher zu richtiger Popularität in Nebenrollen brachten: Robert Morley, Andre Morell, Michel Galabru, Marcel Dalio, Mario David, etc, etc - solche KLeute existieren heute nicht mehr, weil sie die eintönigen Stars in den Schatten stellen würden. So war es eben zwangsläufig, daß auch viele charakteristische Synchronsprecher gefunden werden mußte: Profis mit unverwechselbarer Stimme, die diese gesamte Palette abdecken. Wenn auch mancher aufschreit, aber die Sprecher der jetzigen Stars hören sich für mich alle gleich an, was allerdings nicht immer an ihnen selbst liegt, sondern an den Vorgaben.

Ich liebe alte Filme auch, weil sie handgemacht ohne Digitaleffekte sind, die ich in den meisten Fällen als künstlicher empfinde als 50er-Rückprojektionen. Die musikalische Dramaturgie macht bei mir viel aus, während heute fast alle Filme in einem einheitlichen Klang vertont werden, so wie es einmal in den 30ern war, ehe Leute wie Berard Herrmann die Filmmusik revolutionierten und veränderten. Mich läßt das moderne Kino in den meisten Fällen kalt, ich habe selten das Gefühl, Menschen auf der Leinwand zu sehen. Bei Serien habe ich auch meistens das Empfinden, alles vorab zu wissen. Es gibt im populären Fernsehen und film scheinbar drei Gesichtsausdrücke, die alle Schauspieler ident umsetzen. Mir fehlen Persönlichkeiten - oh ja, manchmal findet man sie noch, aber eher am Theater und in kleinen Filmen. Und mir fehlen stark charakteristische Stimmen auch in der Synchronisation. Ich kann die meisten gegenwärtigen Stimmen nicht auseinanderhalten, allerdings ergibt sich auch kaum die Möglichkeit eine Identifikationsfigur zu finden.
Mich langweilen Kino und Fernsehen der letzten zwanzig Jahre vor allem sogar dermaßen, daß ich mich (von einigen ausnahmen abgesehen)dem vollkommen verweigere. Auch die "Verblockbusterung" einheimischer film- und Fernsehproduktionen nervt mich. Für mich haben Gegenwartskino und -fernsehen keine Identität mehr, ebensowenig die Synchronsprecher, die ja auch nur das machen können, was von ihnen verlangt wird.

Ich mag also heutige Synchronsprecher/innen deshalb nicht so, weil das Kino/Fernsehen nicht mag. Hier aber gibt es ein unabhängig vom Ausgangsmaterial abhängiges Kriterium, weswegen ich alte Synchronisationen auch vorziehe: hier war das Ensemblespiel deutlich intensiver und besser. Es wurde nur selten ge-ixt, weswegen sich zahlreiche alte Arbeiten nicht so steril und abgehackt anhören.

Von Bemühungen, mich von meiner vielleicht etwas pauschalen Ablehnung abzubringen, bitte ich zu unterlassen! Da ist jegliches Argument zwecklos.


"Oder aber...Sie erpressen mich! Kein sehr netter Zug bei einem Arzt!"

Siegfried Schürenberg für Peter Cushing in "Frankensteins Rache"

Willoughby


Beiträge: 1.156

08.08.2014 18:07
#4 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Siehe dazu auch den thematisch verwandten Thread:
Synchronisation früher besser und heute schlechter?

berti


Beiträge: 14.144

08.08.2014 18:46
#5 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Zitat von Willoughby im Beitrag #4
Siehe dazu auch den thematisch verwandten Thread:
Synchronisation früher besser und heute schlechter?

Bevor jemand mutmaßt, ich könnte hier etwas übersehen haben: Der Thread war mir bereits bekannt (bin dort schließlich früher auch aktiv gewesen), ich hatte aber bewusst nicht auf ihn verwiesen, da Gabriels Frage sich speziell auf das Interesse an Arbeiten aus früheren Jahrzehnten bezog.


Willoughby


Beiträge: 1.156

08.08.2014 20:04
#6 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Erstens mutmaßt hier niemand etwas, zweitens könnte es Teilnehmer geben, die den Thread noch nicht kennen und entsprechende Antworten auf die Frage finden, um die es hier einleitend geht. Du hast Dein "Interesse an Arbeiten aus früheren Jahrzehnten" selbst mit dem Qualitätsaspekt begründet, Fortinbras hat u.a. ähnliche Argumente genannt.


John Connor



Beiträge: 4.725

08.08.2014 20:34
#7 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Man könnte freilich auch umgekehrt fragen, warum sich manche Forumsmitglieder primär bis ausschließlich für gegenwärtige Synchros interessieren.

Da man bekanntlich nur etwas mögen kann, was man kennt, ist die Vorliebe für diese oder jene Phase bei vielen wohl eher eine Frage der Mediensozialisation.
So hat z.B. das einstige Filmmuseum Fernsehen sein Repertoire an klassischen Filmen seit etwa 10 Jahren markant zurückgefahren – als junger Zuschauer hat man heute rein statistisch gesehen schon nicht mehr so wie früher die Gelegenheit, über ältere Filme zu stolpern (abgesehen von einigen kanonisierten Klassikern auf Minderheiten-Sendeplätzen bzw. -Sendern) und Interesse an vergleichbaren Werken zu entwickeln . Wenn man ältere Filme sehen will, muss man sich schon aktiv und gezielt darum bemühen. Andererseits gibt es ja auch genügend jüngere Forumsmitglieder, die klassische Filme bevorzugen. Man kann also auch nicht davon sprechen, dass man dem TV-Angebot einfach ausgeliefert oder Alter ein determinierender Faktor wäre.

Bei mir ist das Interesse an klassischen und modernen Filmen und Serien mehr oder weniger ausgewogen, wobei ich bei Filmen eher in Richtung Klassik tendiere, bei Serien aber eindeutig in Richtung Moderne – heutige Serien gefallen mir klar besser als ältere (SEINFELD, DIE SIMPSONS (zumindest die ersten 6 Staffeln), David E. Kelley-Serien (abzüglich einiger Ausrutscher), 24, SHERLOCK, ELEMENTARY, PERSON OF INTEREST etc.).

Trotzdem finde ich ältere Synchronisationen ganz klar gelungener, kunstvoller, eigenständiger, gefallen mir die Sprecher der klassischen Ära wesentlich besser. Bei heutigen Filmen oder Serien habe ich überhaupt nicht das Bedürfnis, sie auf Deutsch sehen zu wollen, bei den Klassikern dagegen schaue ich die Filme bevorzugt in der Synchron-Fassung, wenn ich keine über die reine Unterhaltung hinausgehenden Motive habe (historisches Interesse, Vergleichsinteresse, analytische Motive etc.). Ich finde ältere Synchronsprecher viel charismatischer, unverwechselbarer, vielseitiger als heutige.


"Ich habe keinen Bond-Film mehr gesehen, seit Sean Connery aufgehört hat!"
(Niels Clausnitzer in LAW & ORDER)

berti


Beiträge: 14.144

08.08.2014 20:57
#8 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Zitat von Willoughby im Beitrag #6
Erstens mutmaßt hier niemand etwas, zweitens könnte es Teilnehmer geben, die den Thread noch nicht kennen und hier Antworten auf die Frage finden, um die es einleitend in diesem Thread geht.

Es ging auch eher darum, möglichen Bemerkungen zuvorzukommen. Die bleieben ja auch umgekehrt nicht aus, wenn man mal auf einen bestehenden Thread verweist.

berti


Beiträge: 14.144

08.08.2014 21:08
#9 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Zitat von John Connor im Beitrag #7
Da man bekanntlich nur etwas mögen kann, was man kennt, ist die Vorliebe für diese oder jene Phase bei vielen wohl eher eine Frage der Mediensozialisation.
So hat z.B. das einstige Filmmuseum Fernsehen sein Repertoire an klassischen Filmen seit etwa 10 Jahren markant zurückgefahren – als junger Zuschauer hat man heute rein statistisch gesehen schon nicht mehr so wie früher die Gelegenheit, über ältere Filme zu stolpern (abgesehen von einigen kanonisierten Klassikern auf Minderheiten-Sendeplätzen bzw. -Sendern) und Interesse an vergleichbaren Werken zu entwickeln . Wenn man ältere Filme sehen will, muss man sich schon aktiv und gezielt darum bemühen. Andererseits gibt es ja auch genügend jüngere Forumsmitglieder, die klassische Filme bevorzugen. Man kann also auch nicht davon sprechen, dass man dem TV-Angebot einfach ausgeliefert oder Alter ein determinierender Faktor wäre.

Dass die Chance, ältere Filme (abgesehen von "Kultursendern" wie 3Sat oder Arte oder dem Nachtprogramm) zu Gesicht zu bekommen, im Fernsehen seit Jahren deutlich geringer geworden ist, ist leider nur zu wahr! Vorbei die Zeiten, in denen die ARD alle paar Wochen am Samstagabend einen James Bond um 20:15 Uhr zeigte (wie bis etwa 1997 die Regel), RTL II (!) öfter Alfred Hitchcock im Programm hatte (z. B. 1996-98) oder Kabel1 am Freitagabend alte Western ausstrahlte und an den Wochenenden und Feiertagen sein Programm mit älteren Filmen ausfüllte (mittlerweile scheinen dort nur noch Spencer/Hill-Streifen diese Funktion auszufüllen)! Wollte man damals eine bestimmte Art von Film sehen, konnte man durchaus darauf hoffen, dass er irgendwann mal wieder kommen würde.
Andererseits hat der DVD-Markt natürlich viele Sachen zugänglich gemacht, die lange nicht mehr greifbar waren. Und zusätzlich bietet er viel umfassender als früher der Zweikanal-Ton die Möglichkeit, systematisch mit dem O-Ton zu vergleichen.

smeagol



Beiträge: 3.200

08.08.2014 21:14
#10 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Bei mir ist es so: Ich bin halt auch ein Fan klassischer Filme und dadurch auch klassischer Synchronfassungen. Viele Klassiker begeistern mich bis heute und wirklich gelungene Synchronfassungen wirken auch heute, Jahrzehnte später kein bisschen altbacken, da sie sehr genial und kreativ mit der deutschen Sprache umgingen und somit auch oder gerade in der Synchro Klassiker geschaffen haben.

Bei mir zieht sich die allgemeine Begeisterung hauptsächlich von den 1950ern bis in die 1980er. Danach wird es für mich "ruhiger" und ich finde (persönlich) deutlich weniger rundum gelungene Filme/Serien inklusive Synchronfassungen - wobei es selbstverständlich auch dort absolute Perlen gibt (Fight Club, Becker, Seinfeld, Herr der Ringe).

Primär sind es für mich damit auch die "klassischen" Stimmen (die auch aus meiner Sicht eine höhere Viefalt hatten) sowie auch der oftmals kreativere Umgang mit Sprache ansich. Damit meine ich nicht pauschal starke Verfremdungen a la "Die 2" (obwohl das aus meiner Sicht noch heute einfach genial ist) sondern insgesamt ging man da kreativer ran. Ich weiß nicht, wie eine Synchronfassung von "Das Leben des Brian" ohne einen Arne Elsholtz auf der Höhe seines Schaffens und der entsprechenden Freiheit (!!!) geklungen hätte - so wie sie ist, ist sie eine perfekte deutsche Fassung des Films und aus meiner Sicht ist nie wieder eine Python-Synchro so perfekt gelungen. Derlei Beispiele kenne ich doch einige aus der genannten Periode - danach nimmt die Anzahl solcher Perlen aus meiner Sicht ab.

Es steht außer Frage, dass es auch heute noch viele handwerklich sehr gut gemachte Synchros gibt und auch eine Handvoll sehr guter Synchronschauspieler - aber die Anzahl der wirklichen "Größen" nimmt doch rapide ab ... finde ich.

Im Serienbereich sind meiner Meinung nach "Mad Men" sowie "Californication" und vor allem auch deren Synchronfassungen die (mittlerweile doch selten gewordenen) Highlights im TV. Ich finde, das man dort einen sehr guten Umgang gefunden hat und eben nicht nur den Ton des Originals trifft, sondern ihn sogar ÜBERtrifft. In klassischen Synchros finde ich dies durchaus häufiger - in den letzten Jahren weniger (wobei ich auch bei älteren Serien und Filmen meist sowohl Synchro als auch O-Ton kenne).

Mache ich aber eine TOP-10 Liste, so finden sich wie gesagt auf dieser deutlich weniger Highlights nach Anfang der 90er. Vielleicht ist es aber auch einfach nur das Alter


--
"Ich würde nach Hause gehen und mich richtig ausschlafen"
Curt Ackermann für Cary Grant in "Über den Dächern von Nizza"

S.T.O.F.F.E.L. ( gelöscht )
Beiträge:

09.08.2014 10:48
#11 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Ich bin erst 20, aber alten Filmen hoffnungslos verfallen. Vielleicht hats a bissal damit zu tun, dass ich unter Filmfreaks aufgewachsen bin, wo's hauptsächlich so was gab. Da habe ich im aktuellen Kino einfach nicht die selbe Qualität gefunden. Egal, wie schablonenhaft auch manche alten Filme waren, für mich sinds vor allem die Schauspieler, die das wett gemacht haben. Der xte Wallace-Epigone macht Spass, weil man so Leute wie Heinz Drache oder Horst Frank sieht. Da wird der Film gleich ganz anders.

Bei Serien bin ich jedenfalls ausgewogener im Heute. Serien aus den Achtzigerjahren finde ich am Verstaubtesten. Aber Comedy oder anarchistischer Stoff, da bin ich echt happy mit MALCOLM MITTENDRIN, DIE SIMPSONS, LITTLE BRITAIN oder auch SIX FEET UNDER. Ich mag also jene Stoffe, die man so früher gar nicht hätte machen können.

Und, seufz!, in alten Filmen und Serien gabs echt hübsche Frauen! Diana Rigg, Linda Thorson, Elsa Martinelli, Jaqueline Bisset, Karin Dor, Suzanna Leigh, usw, usf. Die hatten noch nen gewissen Stil und Persönlichkeit.

Vieles hat für mich nen unbezahlbaren Charme. Doris Day und Rock Hudson, das ist nur auf den ersten Blick verstaubt. Das hat Charme und ich find es einfach ungeheuer witzig, wie man damals um den heissen Brei redete. Heute fehlen mir auch die ganzen Dialoge und der Freiraum für Fantasie. Explizite Sexszenen machen nen Film noch lange nicht erotisch oder modern. "Shades of Grey" wird sicher auch wieder furchtbar prüde werden. Ich habs gern, wenn man nicht alles sieht. Auch bei Gewaltdarstellungen.

So - da gabs ja noch was, ah ja - die Synchronisation. Diese ganze Schar an vielseitigen Leuten musste ja auch eine Stimme bekommen. Und die suchte man passend aus, eh klar. Heinz Drache, Arnold Marquis, Alfred Balthoff, Siegfried Schürenberg, Heinz Engelmann, Eva Eras, Ingeborg Grunewald, Renate Danz, Marianne Wischmann, und-und-und...! Die gehen einfach irre ins Ohr.

Ich muss sagen, dass mir die jetztigen Männerstimmen schon so gleich vorkommen und wenn ich von den 'jüngeren' rede, sind das auch schon ältere Kaliber wie Benjamin Völz, Torsten Sense oder Hans Georg Panczak, aber die haben auch noch so was Gewisses. Ganz schlimm ists bei mir bei den Frauenstimmen im Gegenwartskino und -fernsehen, die verschwimmen bei mir total. Da ist noch weniger Individualität gefragt wie bei den Boys.

In manchen Filmen sieht man noch tolle Schauspieler mit echten Gesichtern, hört auch tolle Stimmen. Aber meistens sind sie auf Kleinrollen degradiert, weil sie nicht ins Schema passen.

Ich nehm mal DIE ZWÖLF GESCHWORENEN: da sind Henry Fonda, Lee J. Cobb, Martin Balsam, Jack Warden, Ed Begley, George Voscovec, u.a., alles tolle Schauspieler. Und erst die Stimmenvielfalt dazu! Dann wenn man die deutsche Version ansieh mit Robert Graf, Siegfried Lowitz, Ernst F. Fürbringer, Karlgeorg Säbisch, u.a., da kriegt man Gänsehaut bei solchen Gesichtern und ihren Stimmen. Das krieg ich bei den heutigen Leuten nicht.

Täte man das neu verfilmen, würde man es sich kaum entgehen lassen, Top-Stars zu nehmen. Tom Cruise, Brad Pitt, James Franco, Marc Ruffalo, u.a., das wär einfach nur stiiiiinkfad.

Ich will Gesichter sehen und Stimmen hören, die mich faszinieren. Darum muss ich zwangsläufig auf alte Sachen zurückgreifen. Auch wenn 90% der Produktionen entstanden sind, als ich noch ewig lang nicht auf der Welt war.


ICH bin immer auf der Höhe, Inspektor! Miss Marple

Flammentanz



Beiträge: 63

09.08.2014 11:01
#12 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

@ Stoffel: "Die zwölf Geschworenen" wurde 1997 neu verfilmt und zwar fürs amerikanische Fernsehen. Aber trotz hochkarätiger Darsteller wie Jack Lemmon, George C. Scott und Armin Mueller-Stahl kommt diese Fassung nicht an das Original heran.

Zum Thema:

Ich hatte schon immer ein Faible für alte Filme von daher eben auch für deren Synchronisation.

Wenn man sich vergegenwärtigt, wer in früheren Zeiten vor einem Mikrofon im Synchronstudio gestanden hat (und von diesen Darstellern spricht man heute immer noch - im Gegensatz zu so manchen der heutigen "Stars", über die in fünfzig, sechzig Jahren höchstwahrscheinlich niemand mehr ein Wort verlieren wird), dann kann man wohl mit Fug und Recht von einer goldenen Ära sprechen.


S.T.O.F.F.E.L. ( gelöscht )
Beiträge:

09.08.2014 11:16
#13 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Dass es 1997 ne neue Verfilmung gab, wusste ich schon. Ich habs nur nicht für nötig gehalten, das zu vermelden. Aber danke für die Erwähnung. Gefiel mir übrigens auch ganz gut von der Besetzung her, hatte aber nicht den Reiz der alten Verfilmungen.

Ich glaub, dass man in einiger Zeit noch immer Stan und Ollie kennen wird, die Miss Marple wird auch noch laufen und natürlich wird Sean Connery unsterblich bleiben. Auch ein paar andere Leutchen. Manche vom jetzigen Kino werden in der Zukunft kaum ne Rolle spielen, glaub ich.

Der peinliche Trend, Kindern Filmstarnamen zu geben, wird auch mal üble Folgen haben. Da war mal ne Studie drüber, dass in einiger Zeit die Kevins, Dustins, Angelinas, Jasons und Justins dieselbe Reaktion hervorrufen werden wie heute die Heriberts, Edeltrauds oder Wilhelms. Aber das war jetzt ein Exkurs, ich bitte um Nachsicht.


ICH bin immer auf der Höhe, Inspektor! Miss Marple

Lammers


Beiträge: 3.490

09.08.2014 11:17
#14 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Ich schaue sowohl alte als auch neue Filme, muss aber zugeben, dass es heutzutage nicht mehr so viele Unterschiede zwischen den Stimmen gibt wie früher. Es gibt heutzutage auch noch markante Stimmen, die richtig ins Ohr gehen. Sie haben sich aber rar gemacht, was ich persönlich sehr schade finde. Rainer Brandt sagte mal, dass man einen Sprecher in einem Satz austauschen kann, ohne dass es jemand merkt. Man kann von ihm halten, was man will, aber hier hat er wirklich recht. Früher gab es viele Schauspieler mit markanten Stimmen, die dann auch viel Theater gespielt haben, was man dann zusätzlich auch beim synchronisieren merkte. Das mag vielleicht bei manchen Synchros sehr steif wirken, aber dennoch geben einem solche Synchros aus der "guten, alten Zeit" einen Hörgenuss, den man heute einfach oft nicht mehr hat, da doch alles mittlerweile einen gewissen neutralen Standard hat. Zudem gab es früher noch Leute, die man wirklich einen "Star" nennen konnte...

Zitat von fortinbras
Leute wie John Wayne, Peter Cushing, Sean Connery, Louis de Funes, Simone Signoret, Marylin Monroe, Jean Marais, Fernandel, Richard Burton, Peter Sellers, Charles Laughton, etc. konnten friedlich in Co-Existenz am Kinohimmel sein und fanden alle ihr Publikum.



...und die diesem Wort auch würdig waren, während heute auch "austauschbare" Leute sehr schnell Star genannt werden.

Zitat von John Connor im Beitrag #7
Bei heutigen Filmen oder Serien habe ich überhaupt nicht das Bedürfnis, sie auf Deutsch sehen zu wollen, bei den Klassikern dagegen schaue ich die Filme bevorzugt in der Synchron-Fassung, wenn ich keine über die reine Unterhaltung hinausgehenden Motive habe (historisches Interesse, Vergleichsinteresse, analytische Motive etc.).


Bei mir verhält es sich ähnlich. Alte Filme schaue ich mir aufgrund der o.g. Gründe durchaus gerne in der Synchronfassung an. Und wenn es dann noch einen deutschen Vorspann gibt, ist alles perfekt. Selbst Fernsehsynchronisationen von alten Schwarz-Weiß-Filmen sind für mich interessant, auch wenn sich da manchmal das leidige Thema Archivmusik auftut. Bei aktuellen Filmen hingegen finde ich es nicht tragisch, auch mal die Originalfassung zu sehen, wobei ich es manchmal gerade bei Filmen, die ich im Kino in der OmU gesehen habe, interessant finde, aus Vergleichsgründen auch mal die deutsche Fassung zu sehen, auch wenn sie dann oft das schon o.g. Kriterium erfüllt. Sie ist dann schon gut, hat aber, wie so oft, nicht mehr den Zauber von klassischen Kinosynchros.

Klaus



Beiträge: 713

09.08.2014 15:54
#15 RE: Faszination an älteren Synchronisationen Zitat · antworten

Eigentlich haben meine geschätzten Vorredner schon die wesentlichsten Gründe zum obigen Thema angesprochen. Ich möchte daher nur noch einen speziellen persönlichen Grund nennen und zwar mein Alter! Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, begann ich mich im Jahre 1971 mit der dt. Erstausstrahlung von "Time Tunnel" für die deutschen Stimmen hinter den Darstellern zu interessieren. Damals war ich gerade 12 Jahre alt und seit der dt. Erstausstrahlung von "Raumschiff Enterprise" in 1972/1973 bin ich bis heute mit dem Synchronvirus infiziert. So wuchs ich mit vielen wunderbaren Synchronlegenden speziell der 60er, 70er und 80er Jahre auf, was mein besonderes Interesse für ältere Synchros bis heute erhalten hat. Mit vielen SprecherInnen ca. ab dem Jahre 2000 kenne ich mich dagegen kaum noch aus und wenn ich die Synchronbesetzung von vielen alten Film-Klassikern heute noch zu ca. 90% herunterbeten kann, sinkt dieser Prozentsatz bei Filmen der vielleicht letzten zehn Jahre ins Bodenlose.

Ich vermute mal, dass es nicht sooo viele Forumsmitglieder gibt, sich noch früher als ich mit dem Thema Synchronisation beschäftigt haben.

Gruß
Klaus

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