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Dieses Thema hat 18 Antworten
und wurde 581 mal aufgerufen
 Allgemeines
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E.v.G.



Beiträge: 2.108

29.01.2015 23:56
Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Hatte mir letztes Jahr die englische Ausgabe der neuesten restaurierten Fassung von "Metropolis" gekauft, die konsequenterweise die deutsche Zwischentitel enthielt, und mir kam jetzt in den Sinn, ob man wohl die damals gesprochene Dialoge (möglicherweise durch Lippenlesen rekontruiert) draufsprechen lassen könnte?


http://www.die-silhouette.de/

Isch
Listenpfleger

Beiträge: 3.402

29.01.2015 23:59
#2 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

aber bitte nicht von Hanns Dieter Hüsch ;-)

VanToby
Forumsleiter

Beiträge: 26.538

30.01.2015 00:01
#3 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

So etwas hat man doch schon einmal gemacht: Mel Brooks: Die letzte Verrücktheit ;-)


"Diese Signale wurden gesendet, um auf sie aufmerksam zu machen."

E.v.G.



Beiträge: 2.108

30.01.2015 00:05
#4 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

aber das war doch wohl bewusst so angelegt und kein echter Stummfilm, wenn ich mir die Besetzung so ansehe?

Heute ist nun wirklich noch nicht APRIL!


http://www.die-silhouette.de/

E.v.G.



Beiträge: 2.108

30.01.2015 00:10
#5 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Zitat von Isch im Beitrag #2
aber bitte nicht von Hanns Dieter Hüsch ;-)


Die kleinen Strolche war doch mehr Voice over als synchronisiert.


http://www.die-silhouette.de/

Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 9.879

30.01.2015 00:16
#6 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Diverse Douglas-Fairbanks-Filme und einige von Buster Keaton (und das ist nun LEIDER wirklich kein Scherz) wurden synchronisiert für die DVD-Veröffentlichung - von lippensynchron kann natürlich nicht die Rede sein, ganz zu schweigen davon, dass diese Machwerke unglaublich dämlich und miserabel gemacht sind. Stummfilme kann und sollte man nicht synchronisieren, allein die Idee erscheint mir grauen- und verhängnisvoll.
Nachtrag: Für die Dick-und-Doof-Serie wurden mehrere Stummfilme von Laurel & Hardy synchronisiert - und obwohl mit Bluhm und Pantel vertraute Originalsprecher zur Verfügung standen, hat es nicht funktioniert.

Gruß
Stefan

E.v.G.



Beiträge: 2.108

30.01.2015 00:21
#7 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Danke für die Info. Dass die Schauspieler im Vergleich zu Tonfilmen überagieren ist schon klar, aber ich hatte bisher noch kein Beispiel davon gesehen. Waren alles deutsche Synchronisationen, oder waren die Filme auch schon Englisch synchronisiert?


http://www.die-silhouette.de/

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

30.01.2015 01:16
#8 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Warum man auf solche Ideen kommt? Ok, als Comedy in Auszügen kann man's ja ganz witzig finden, aber im Ernstfall - nein, danke!

Stummfilme nach modernem Geschmack zu colorieren (anstelle der originalen Ganzbildtönungen oder spezieller Handcolorierung) oder sie zu synchronisieren, das ist eine Manipulation des Originales und beinhart abzulehnen.

Für Stummfilme gibt es heute nur mehr ein sehr kleines Publikum. Selbst die stummen Slapstickperlen von Laurel und Hardy, Buster Keaton oder Chaplin haben es schwer.

Was sich Dvd-Anbieter denken, die so etwas anfertigen? Jason Justin Rumpelmayer, der nur Robin Hood mit Russel Crowe aushält und Kevin Costner als Opas Kino betrachtet, wird sich bloß wegen deutschem Ton sicher keine Fairbanks-Dvd kaufen. Der klopft sich schon beim Anblick des Covers auf die Stirn.

Sicher macht es in der Theorie oft Spaß, einen Stummfilm zu besetzen (da machte ich mir auch schon Gedanken, besonders gern zu "Nosferatu" mit dem schrecklichsten aller Schreckmaxeln), aber das sollte man keinesfalls in die Realität umsetzen, da wird Filmgeschichte nachträglich manipuliert und wie in allen solchen Fällen (etwa neue Tricksequenzen in "Raumschiff Enterprise") ist das Resultat in der Regel peinlich und ärgerlich.


"Hören Sie? Diiie...Ge-schöpfe der Nacht! Welche...Mu-sik sie machen!"

Wilhelm Borchert für Christopher Lee in "Nachts, wenn Dracula erwacht"

kinofilmfan


Beiträge: 2.243

30.01.2015 14:05
#9 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Die Idee, Stummfilme zu vertonen, stammt natürlich nicht von den Herren Mechoff und Caloué vom ZDF; auf die Idee sind die Produzenten schon mit Einführung des Tonfilms gekommen. Ab 1929 kamen eine ganze Reihe von Stummfilmen mit Tonspur (oder Platte, wenn es Nadelton war...) neu heraus. Meist war der Ton aber auf Begleitmusik und Geräuscheffekte beschränkt. Aber natürlich hat man sich auch an der Vollsynchronisation versucht; das konnte dann schon mal schiefgehen: die EMELKA (Vorläufer der Bavaria) brachte 1930 den Stummfilm "In einer kleinen Konditorei" in Tonfassung heraus. Das Problem dabei war, dass der Film mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen war; die Tonfilmgeschwindigkeit aber auf 24 Bilder genormt war- das Ergebnis ging in die Hose. Eines der Probleme beim Stummfilm ist die unterschiedliche Aufnahmegeschwindigkeit. Beim Stummfilm gab es da keine Norm. 16 Bilder pro Sekunde war die Mindestnorm, man hat aber auch mit 18, 20, 22, 24 oder auch 30 Bildern pro Sekunde gedreht; der Tonfilm verlangte aber 24 Bilder pro Sekunde. Hinzu kommt natürlich auch das Overacting beim Stummfilm. Wobei man hier auch unterscheiden muss; ein Asta-Nielsen-Stummfilm aus 1912 ist schon anders zu bewerten als z.B. "Asphalt" aus 1928. Der bekannteste, nachträglich vertonte (deutsche) Stummfilm ist "Die weiße Hölle vom Piz Palü", 1929 mit Gustav Diessl und Leni Riefenstahl gedreht. Der Film wurde 1935 vertont und lief in dieser Fassung auch oftmals im Fernsehen. Die stumme Version galt bis 1996 als verschollen; nachdem man sie wiederentdeckt hatte wurde sie restauriert und seitdem läuft nur die "stumme" Version (auch auf DVD). Die Tonfassung verschwand in den Archiven.


fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

30.01.2015 15:56
#10 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Die Nachvertonung von Stummfilmen aus der Zeit, als gerade der Übergang zum Tonfilm kam, kann man sicher anders bewerten als die Slapstick-Fernsehsynchronisationen von Mechoff/Caloue und nochmal unterschiedlich zu den Dvd-Grotesken der letzten Jahre. Diese Bemühungen der Ton-Wende gehören doch auch zur Filmgeschichte, so wie es umgekehrt ja auch noch Stummfilmfassungen von Tonfilmen gab.

So sehr ich übrigens Tonfilm-Slapstick mag, stumm hat er für mich meist nicht dieselbe Wirkung. Dafür gibt es eine ganze Reihe von dramatischen Stummfilmen, die ganz fantastisch sind und eine Kraft und Originalität haben, die es nach dem Übergang zum Tonfilm über lange Zeit kaum noch gab. Keinen davon möchte ich missen.


"Hören Sie? Diiie...Ge-schöpfe der Nacht! Welche...Mu-sik sie machen!"

Wilhelm Borchert für Christopher Lee in "Nachts, wenn Dracula erwacht"

E.v.G.



Beiträge: 2.108

30.01.2015 16:27
#11 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Zitat von kinofilmfan im Beitrag #9
Die Idee, Stummfilme zu vertonen, stammt natürlich nicht von den Herren Mechoff und Caloué vom ZDF; auf die Idee sind die Produzenten schon mit Einführung des Tonfilms gekommen. Ab 1929 kamen eine ganze Reihe von Stummfilmen mit Tonspur (oder Platte, wenn es Nadelton war...) neu heraus. Meist war der Ton aber auf Begleitmusik und Geräuscheffekte beschränkt. Aber natürlich hat man sich auch an der Vollsynchronisation versucht; das konnte dann schon mal schiefgehen: die EMELKA (Vorläufer der Bavaria) brachte 1930 den Stummfilm "In einer kleinen Konditorei" in Tonfassung heraus. Das Problem dabei war, dass der Film mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen war; die Tonfilmgeschwindigkeit aber auf 24 Bilder genormt war- das Ergebnis ging in die Hose. Eines der Probleme beim Stummfilm ist die unterschiedliche Aufnahmegeschwindigkeit. Beim Stummfilm gab es da keine Norm. 16 Bilder pro Sekunde war die Mindestnorm, man hat aber auch mit 18, 20, 22, 24 oder auch 30 Bildern pro Sekunde gedreht; der Tonfilm verlangte aber 24 Bilder pro Sekunde. Hinzu kommt natürlich auch das Overacting beim Stummfilm. Wobei man hier auch unterscheiden muss; ein Asta-Nielsen-Stummfilm aus 1912 ist schon anders zu bewerten als z.B. "Asphalt" aus 1928. Der bekannteste, nachträglich vertonte (deutsche) Stummfilm ist "Die weiße Hölle vom Piz Palü", 1929 mit Gustav Diessl und Leni Riefenstahl gedreht. Der Film wurde 1935 vertont und lief in dieser Fassung auch oftmals im Fernsehen. Die stumme Version galt bis 1996 als verschollen; nachdem man sie wiederentdeckt hatte wurde sie restauriert und seitdem läuft nur die "stumme" Version (auch auf DVD). Die Tonfassung verschwand in den Archiven.




Hallo Peter,

vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen der technisch unterschiedlichen Normen zwischen Ton- und Stummfilm und den damit verbundenen Problemen, wenn man den Stummfilmen Sprache unterlegen wollte. Das macht es vom künstlicherischen mal abgesehen natürlich unmöglich eine "erträgliche Fassung" zu erschaffen.

Ich bin auch kein Fan des eingefärbten "Dinner for One", fand aber den Versuch einfach mal spannend. Ich finde es hilft nämlich dem Verständnis, was die jeweilige Version ausmacht.


http://www.die-silhouette.de/

Taccomania


Beiträge: 670

30.01.2015 16:48
#12 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Statt sie zu synchronisieren, sollte man sie endlich mal anständig restaurieren und in frischer Qualität herausbringen. Bei "Metropolis" oder den "Nibelungen" hat man diesbezüglich schon ganz gute Arbeit geleistet (ein 4K-Scan eines gereinigten Negativs, soweit noch vorfügbar, wäre allerdings zu bevorzugen). Bei Stummfilmen schreckt heute zumeist die grauenhafte Bildqualität ab, wenn irgendwelche 40 Jahre alten Magnetbänder mit 480p abgenudelt werden. Das kann man sich auf eine Full-HD- oder UHD-Gerät nicht mehr anschauen (was gleichermaßen auch für weit jüngere Produktionen gilt, die noch in 480/576p hergestellt wurden und gesendet werden).

Den Einwand der Verfälschung des Werkes möchte ich nicht so gelten lassen. Synchronisation ist immer Verfälschung. Es ist nur schwer vorstellbar. Die Stummfilmdarsteller habe ja nicht nur bewußt in Mimik und Gestik übertrieben, vielmehr sehen auch ernste Werke oftmals etwas zu schnell gedreht und slapstickhaft aus, insbesondere, was die Mundbewegungen betrifft. Mit Stimmen unterlegt käme wohl nur wildes Geplapper heraus.


Lammers


Beiträge: 3.530

30.01.2015 17:22
#13 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Hier noch etwas zur Bearbeitung von Harold-Lloyd-Filmen:
Das ZDF, seine Restaurationen und die Synchros (2)
Harold Lloyd


kinofilmfan


Beiträge: 2.243

30.01.2015 18:23
#14 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Arte bringt ja dann und wann zu später Stunde Stummfilme, meist in restaurierter Fassung. An sich sehr löblich. Negativ leider oft die nervige (elektronische) Musik von Komponisten, die ihre "Ideen" an diesen Filmen auslassen.

Lammers


Beiträge: 3.530

30.01.2015 18:29
#15 RE: Synchronisation von Stummfilmen? Zitat · antworten

Zitat von kinofilmfan im Beitrag #14
Arte bringt ja dann und wann zu später Stunde Stummfilme, meist in restaurierter Fassung. An sich sehr löblich. Negativ leider oft die nervige (elektronische) Musik von Komponisten, die ihre "Ideen" an diesen Filmen auslassen.


Besonders schlimm war es bei Streik (1925) von Sergej Eisenstein, wo über die gesamte Länge des Filmes nur elektronische Geräuscheffekte zu hören waren. Positiv hingegen war es bei der "Fantomas"-Reihe (F 1913-15), die Anfang 2014 auf Arte lief und wo interessanterweise verschiedene Komponisten am Werk waren, die das Ganze nicht nur elektronisch umsetzten.


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