Zitat von Koya-san im Beitrag #180Herr Alioto ist ein Aufnahmeleiter bei der Cinephon
Danke für die Information! Ich bin mir nicht sicher, ob das die Sache nicht noch schlimmer macht. Es klingt extrem nach „Wir müssen Geld sparen“. Sehr, sehr, sehr schade. Cinephon war wirklich mal eine recht gute Firma, die sich leider immer wieder selbst ins eigene Fleisch schneidet. Irgendwie jagt ein Fauxpas den nächsten. Unbekannte Influencer in Kinofilmen (liegt jetzt schon ein paar Jahre zurück, aber war für mich unter aller Kanone) sind das eine, aber Aufnahmeleiter aus den eigenen Reihen in der Regie? Die noch nicht mal erfahren sind? Was soll dabei rauskommen?
Vielleicht tue ich ihm auch unrecht und einige der Sprechenden waren bei „Girl Taken“ wirklich nicht gut, eigentlich bin ich ein Fan von Herrn Fechner, aber in „Girl Taken“ fand ich ihn spielerisch immens daneben, oder in einer gar nicht mal so kleinen Nebenrolle die Ermittlerin Rachel Brenton (Namen der Sprecherin habe ich vergessen, Rust oder sowas, kannte sie nicht): das waren völlig unnatürliche Satzbögen und so viel abgeatmetes Keuchen, das hat mir einzelne Folgen wirklich komplett versaut, weil die Thematik so düster war… Aber letztendlich nickt eine Regie ja alles ab, und daraus kann ich nur schlussfolgern, dass Herr Alioto kein sonderlich guter Regisseur ist. Und dass Cinephon als dekadenlange deutsche Synchronfirma sowas in den Regiestuhl setzt, lässt tief blicken und ist für mich bloß ein weiterer Beweis, dass die KI im Anmarsch ist. Alle müssen sparen. Aber nicht nur Cinephon. Die FFS ist auch nicht mehr das, was sie mal war, da landet ja bis auf einzelne Kinofilme auch fast nur noch C-Zeug…
Alessandro Alioto ist tatsächlich seit Jahren erfahrener Synchronsprecher. Seine erste Rolle laut SK ist aus 2010. Des Weiteren macht er auf seit paar Jahren schon Regie. Zumindest sind 9 Regieprojekte und 5 Dialogbuchprojekte verzeichnet. Also unerfahren würde ich das nicht nennen.
Über die Erfahrungswerte lässt sich streiten, wenn ein Großteil der Produktionen bei Firmen stattfand, die nicht nur shady wirken, sondern auch beispielsweise Ensemblesprecher in der Regie beschäftigen (19 Synchron). Zu seiner Verteidigung muss ich allerdings sagen: als Sprecher kenne ich ihn nicht und kann ihn null beurteilen. Ich habe nicht eine der Produktionen von 19Synchron gesehen. Vielleicht habe ich ihn unbewusst mal gehört, aber auch dann kann ich mir kein Urteil erlauben.
Aber eine Sprecherkarriere, die zum Großteil nur aus Firmen wie 19Synchron (oder so Schuppen wie Soundwood oder Legendary Units) besteht und nebenher eine „Regiekarriere“ in der eigenen Firma, auch wenn es neun Einträge sind… Ich weiß nicht, ob das ein Qualitätsmerkmal ist, oder reine Vetternwirtschaft.
Jedenfalls werden die Regisseure, die seit Dekaden glänzende Arbeit leisten, da vermutlich auch säuerlich gestimmt sein, kann ich mir zumindest gut vorstellen…
Ich hab tatsächlich auch noch keine Produktion von 19Synchron gesehen, jedenfalls klingen die Besetzungen da ganz interessant. Und es sind auch teils neue Namen, was ich immer gut finde. Jedoch finde ich es immer etwas, sagen wir mal falsch, die Qualität eines Sprechenden an dem Synchronstudio festzumachen, wo er oder sie oder dey arbeitet. Sven Brieger z.B. hat auch bei TappertsOrt und Legendary Units angefangen und ist heute so ein großartiger Sprecher. Hans Bayer hat auch früher viel in Hannover oder Coesfeld synchronisiert, ist dennoch jedoch einer der ganz Großen geworden. Und wenn einem bei "etablierten" Studios eben die Chance auf große Rollen verwehrt bleiben, dann spricht man eben für kleinere, nischige Studios. Oder führt Regie etc.
Übrigens stößt mir diese Formulierung mit "sowas in den Regiestuhl setzen" sauer auf, weil es halt einfach sehr entmenschlichend wirkt.
19 Synchron soll nach mehreren Aussagen sogar günstiger als LU sein, liefern am Ende aber trotzdem eine bessere Qualität, auch wenn das meiste nicht über brauchbar rausgeht. Aber ja, Leute nach Firmen zu bewerten, finde ich auch nicht gut. Es gibt auch bei den günstigen einige Namen, die etwas draufhaben, es aber einfach nicht zeigen können und es leider oft nicht zu anderen Firmen schaffen. Das kann man den Einzelnen jedoch nicht als Vorwurf machen, da das oft von verschiedenen Faktoren abhängt.
Grundsätzlich bin ich immer pro Newcomer, da mir sehr wohl klar ist, dass das allgemeine Gejaule, es sei kein vernünftiger Nachwuchs im Synchron vorhanden, nicht wahr ist. Der Nachwuchs ist da, und es gibt in meinen Augen sehr gute Newcomer (nun gut, einige sind auch schon fast zehn Jahre dabei), die es bedauerlicherweise nicht schaffen, größere Rollen sprechen zu dürfen, oder zumindest nicht in nennenswerten Produktionen. Mir fallen auf Anhieb ein paar Leute ein, die ich herausragend gut finde, aber die es leider nicht schaffen, häufiger groß besetzt zu werden. Die Gründe können verschieden sein. Weil erfahrene Leute, die den Job schon ewig machen, vielleicht sogar schon seit Kindertagen, eine sichere Bank sind und einen (unbequemen) Kunden nicht im schlimmsten Fall verärgern? Ganz sicher sogar. Ich selbst kann mich nicht davon freisprechen, ob ich als höchste Instanz einer Firma von solchen Faktoren nicht auch in meinen Entscheidungen enorm beeinflusst wäre. Man möchte einen Kunden schließlich wieder und wieder haben. Also Faktor Geld.
Das „in den Regiestuhl setzen“ war auch gar nicht auf Herrn Allioto gemünzt, sondern eher die Verantwortlichen. Entschuldigt bitte, aber es klingt in dem Fall einfach wirklich extrem nach Vetternwirtschaft aus Geldgründen, fast schon nach einer Martin Irnich TNT Nummer. Da führt der Besitzer der Firma auch oft selbst Regie, und jeder kann sich denken, warum. Dann müssen eben auch keine externen Leute bezahlt werden.
Und ich habe an sich auch nichts gegen die Synchronschaffenden, die regelmäßig in Studios arbeiten, die nicht für ihre hochwertigen Produktionen bekannt sind. Geld muss ja ran, lass ich mir alles gefallen. Und ja, da sind einige sehr gute Leute regelmäßig am Start. Sven Brieger ist nicht nur gut, sondern hat auch eine Stimmfarbe, die einfach nicht selten gebraucht wird. Herr Brieger geht meines Wissens auch aber in allen anderen Studios ein und aus, daher bringt er in jedem Fall die nötige Expertise mit. Aber inwiefern man es „erfahren“ nennen kann, wenn man keinen Kunden zufrieden stellen muss, wenn das Ergebnis hier und da wirklich grenzwertig klingt, und solche Sachen machen dann 75% der Arbeit bzw. Erfahrung aus… da gehe ich dann nicht mit. Hier wird ja regelmäßig gepredigt, dass die Anzahl in der SK nicht aussagekräftig über Qualität sei, also ist sie es meines Erachtens nach auch in dem Fall nicht.
Fazit: es gibt wirklich sehr gute Leute, die keinen enormen Bekanntheitsgrad haben und das macht ihre Arbeit nicht schlechter. Rettinghaus, Kluckert, Reichmann und Co. Konnten deshalb so gut werden, weil sie über viele Jahre groß besetzt wurden und sich Routine antrainieren konnten. Damals war der Synchronpool aber auch noch viel kleiner, heute sprudelt der Zuwachs ja über und die Auswahl ist so groß, dass jeder mal ran darf und richtig gute Leute mit Potential gar nicht die Chance bekommen, noch besser zu werden. Weswegen ich mir auch absolut gefallen lasse, dass man bevor man gar nichts macht eben auch für weniger renommierte Studios arbeiten geht. Aber es ist und bleibt für mich kein Qualitätsmerkmal, da landen ja nicht umsonst die ganzen C-Sachen, die im Original schon sehr grenzwertig gespielt sind bzw. kaum Budget haben. Irgendwer muss es ja auch machen, und Malzacher und Co. setzen sich da ganz sicher nicht hin und nehmen sich dessen an.
Ich fand es nur im Falle Paramount etwas, sagen wir auffällig. Es klingt wirklich nach einer firmeninternen Geldgeschichte…