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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 329 mal aufgerufen
 Allgemeines
rikevlz


Beiträge: 3

14.03.2025 16:02
Filme, die unterschiedliche westdeutsche und ostdeutsche Synchronisationen haben Zitat · antworten

Ich schreibe gerade meine Masterarbeit (M.Ed.) zum Thema dubbing/translation-theories und beziehe mich dabei auf Filme, die in der DDR und der BRD mit unterschiedlicher Synchronisation ausgestrahlt wurden.Besonders geht es dabei eben um Filme, die so verändert wurden dass sie bspw. politisch korrekter waren (Propaganda für den Sozialismus, etc.) in der DDR oder Filme, wie beispielsweise Casablanca, in denen die "Bösen" dann keine Nazis mehr sind sondern Drogenbosse.

Die Suche danach erweist sich leider als sehr schwierig und kompliziert, besonders da die DEFA-Fassungen oft nicht mehr wirklich aufzutreiben sind. Es ist auch einfach eine überwältigende menge an Filmen, und ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll .
Kann mir jemand weite helfen, welche Filme sich dafür besonders eignen?

Mein Name ist Hase


Beiträge: 3.155

14.03.2025 17:50
#2 RE: Filme, die unterschiedliche westdeutsche und ostdeutsche Synchronisationen haben Zitat · antworten

Ich weiß ja nicht, wie weit Deine Recherche schon gediehen ist. Die DEFA-Experten werden sich bestimmt auch noch zu Wort melden und können garantiert deutlich bessere Hinweise geben als ich. Ich möchte v. a. den Tipp geben, sich für die Sichtung von DEFA-Fassungen an das Bundesarchiv Filmarchiv zu wenden, die, wenn die Metadaten in ihrem Digitalen Lesesaal korrekt sind, in dieser Hinsicht erstaunlich gut aufgestellt sind. Ist je nach Wohnort natürlich eine (nicht nur nutzungs-, sondern dann auch reise-)kostspielige Angelegenheit, aber für viele Produktionen wird es einfach keine andere Möglichkeit mehr geben.

Ansonsten gibt ja sogar – aber die hast Du sicher schon auf der Liste – eine Monographie zum Thema Zensur in der Synchronisation, in der es auch um beide deutsche Staaten geht (Guido Marc Pruys: Die Rhetorik der Filmsynchronisation – Wie ausländische Spielfilme in Deutschland zensiert, verändert und gesehen werden). Die schien mir, obwohl sie viele wertvolle Informationen bereithält, beim Durchblättern (!) die Zensur in der BRD im Vergleich mit der DDR aber doch sehr kleinzureden und z. T. einen unangenehm unsachlichen Tonfall anzuschlagen. Filme, die in der BRD in zensierter Synchronfassung gezeigt wurden und in der DDR gerade nicht, gab es ja auch und sind natürlich ganz besonders interessant, weil sie dem Klischee zuwiderlaufen; dazu gehören etwa (ohne, dass ich es selbst nachprüfen konnte – aber siehe oben):

„Abenteuer in Rio“ (Krieg der Knöpfe (1961))
„Das alte Gewehr“ / „Abschied in der Nacht“ (https://www.fernsehenderddr.de/index.php...etail&id1=30727, Abschied in der Nacht)
„TKX antwortet nicht“ / „Wenn alle Menschen der Welt“ (TKX ANTWORTET NICHT / WENN ALLE MENSCHEN DER WELT (FRA 1955 / DF BRD 1956 / DF DDR 1957))

Eine zwar nicht vollständige, aber schon sehr umfangreiche Übersicht – ohne inhaltliche Angaben – über Filme, die sowohl eine BRD- als auch eine DDR-Synchronisation erhielten, vielleicht als Ausgangspunkt für die Recherche, gibt‘s hier im Forum: RE: Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert (I 1971) (2).

„Casablanca“ hatte ja gar keine DDR-Synchro und passt insofern nicht ganz zum Thema, oder habe ich das falsch verstanden?

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 15.477

14.03.2025 18:40
#3 RE: Filme, die unterschiedliche westdeutsche und ostdeutsche Synchronisationen haben Zitat · antworten

Zitat von rikevlz im Beitrag #1
Besonders geht es dabei eben um Filme, die so verändert wurden dass sie bspw. politisch korrekter waren (Propaganda für den Sozialismus, etc.) in der DDR oder Filme, wie beispielsweise Casablanca, in denen die "Bösen" dann keine Nazis mehr sind sondern Drogenbosse.

Ich glaube, du überschätzt ganz gewaltig die politischen Intentionen für Neusynchronisation. Erst recht, was das Thema "Propaganda für den Sozialismus" betrifft, denn das impliziert ganz bewusste politische Manipulation und kann ja nur Filme aus dem kapitalistischen Feld betreffen, da solche aus den sozialistischen Ländern
a) derartige Propaganda, wenn vorhanden, ohnehin von vornherein enthielten
b) gar nicht im Westen liefen.
Seltsamerweise lief es eher umgekehrt - "Die Erschaffung der Welt" (CSSR 1958) enthält zumindest in der DDR-Synchronisation einige Spitzen gegen den Kapitalismus (ob dies dem Original entspricht, kann mangels Tschechischkenntnissen nicht beurteilen), in der Neusynchro des NDR ist an so etwas nicht einmal zu denken.
Und absurderweise wurden zwar einige wenige Bemerkungen in den Olsenbande-Filmen ("Nur Alkohol und Marxismus im Kopf" zu "... und Weiber im Kopf") in der DDR verwässert - in den ZDF-Fassungen sind sie aber genauso unkonkret.
Die größten Differenzen gab es wahrscheinlich bei "Lohn der Angst" - beide Filme liefen drastisch geschnitten. Da die DEFA-Fassung nicht mehr verfügbar ist, kann man nur vermuten, was entfernt wurde, aber mit Sicherheit waren die Sequenzen, die den Amerikaner von seiner erbarmungslos geldorientierten Seite zeigen, darin enthalten, wogegen sie in der westdeutschen Kinofassung fehlten.
Auch bei "Das Domino-Prinzip" (BRD gekürzt, DDR ungekürzt) tritt das kritische Element in der DDR-Fassung im Zweifelsfalle deutlicher hervor.
Sozialismuskritische Filme dagegen schafften es gar nicht erst ins Kino oder Fernsehen der DDR.

Der im Detail lohnendste Vergleich noch verfügbaren Materials könnte tatsächlich bei Tarkowskis Filmen möglich sein, vor allem "Stalker", aber auch hier dürfte es vor allem Feinheiten betreffen.
Abschwächungen von Kritik dürfte es auch bei den Filmen von Andzrej Wajda gegeben haben, aber da weiß ich nichts Konkretes.

Hier muss einfach noch einmal deutlich gesagt werden:
In den allermeisten Fällen waren Kostengründe die entscheidenden für eine andere Synchronisation in der DDR - es war kostengünstiger, DDR-Künstler mit DDR-Geld zu bezahlen als wertvolle Devisen in eine Westsynchronisation zu investieren. Wenn dann auch noch die Filme entweder ungekürzt oder anders geschnitten in die DDR-Medien gebracht wurden, ließ sich eine eigene Synchronisation gar nicht vermeiden.

Mein Tipp: Verabschiede dich großteils beim Vergleich von mehreren Synchronisationen vom Gedanken politischer Manipulation.
Ein interessantes Beispiel könnte ein Vergleich der beiden (auch verfügbaren) Fassungen von "Das Haus in der Carroll Street" sein - vielleicht nicht einmal (da ich ihn noch nicht vorgenommen habe) in Bezug auf Unterschiede und politische Manipulation (in Ost oder West) als im Fehlen solcher Unterschiede.

Gruß
Stefan

rikevlz


Beiträge: 3

15.03.2025 10:49
#4 RE: Filme, die unterschiedliche westdeutsche und ostdeutsche Synchronisationen haben Zitat · antworten

Danke für die Hilfe, "Das alte Gewehr" ist mir als Gegenbeispiel auch schon in die Hände gefallen bei meiner Recherche.

Ich hatte Casablanca eher als das typische Beispiel im Kopf, bei dem die Synchro bzw. der Schnitt allgemein einfach stark verändert wurde, nicht unbedingt bezogen auf DDR/BRD, deshalb hatte ich es genannt.

rikevlz


Beiträge: 3

15.03.2025 11:00
#5 RE: Filme, die unterschiedliche westdeutsche und ostdeutsche Synchronisationen haben Zitat · antworten

Danke für die Beispiele. Ich muss ehrlich sagen, ich habe allgemein von diesem Thema sehr wenig Ahnung bisher, mein betreunder Prof hat mir das eben vorgeschlagen mit den Worten "da gibt es ganz viele Beispiele". Er hat dabei besonders auf Bud Spencer und Terence Hill Filme verwiesen. Daher habe ich mir die Recherche auch etwas einfacher vorgestellt, bin aber auch da nicht wirklich fündig geworden.

Ich habe dann auch herausgefunden, dass es oft eher um die Kosten ging bei der Neusynchronisation. Aber dann dachte ich auch, es könnte ja auch sein dass es dann so nach dem Motto "wenn wir's eh neu synchronisieren können wir auch kleine Veränderungen vornehmen" lief. Wie gesagt, ich bin (besonders im Vergleich zu den anderen Nutzern hier vermutlich) wirklich ziemlich unwissend auf dem Feld, ich studiere Lehramt auf Englisch und habe dieses Thema durch einen Translation-Kurs bekommen bei dem es besonders um Subtitling/Dubbing ging.

Es müssen ja auch keine Filme sein, bei denen gleich der komplette Plot geändert wurde, es reichen subtile kleine Änderungen. Ich bin beispiels weise auf ein Beispiel bei "Die Olsenbande steigt aufs Dach" gestoßen, bei der der Originaltext von

"Die Reichsregistratur bewahrt sämtliche Informationen über Dänemark und die Dänen auf, sowohl gewöhnliche Informationen als auch geheime Informationen, die für die Polizei, die NATO, die EG und befreundete ausländische Mächte von Interesse sein könnten.“

zu

„Hier werden sämtliche Informationen über Dänemark und die Dänen aufbewahrt, wichtige Informationen und völlig belanglose, allgemein zugängliche ebenso wie solche, die so geheim sind, dass niemand weiß, ob man überhaupt wissen darf, dass man das gar nicht wissen darf.“

geändert wurde. Ich werde mich auf jeden Fall mal noch durch ein paar andere Posts arbeiten, danke!

kinofilmfan


Beiträge: 2.683

15.03.2025 13:00
#6 RE: Filme, die unterschiedliche westdeutsche und ostdeutsche Synchronisationen haben Zitat · antworten

Ich würde da eher innerhalb der ehemaligen BRD bleiben. Da gibt es genügend Beispiele, wo durch die Synchronisation vor allem auch Bezüge zur NS-Zeit oder auch zum Kommunismus getilgt wurden. "Casablanca" wurde hier schon genannt. Hitchcocks "Notorious" (1951: "Weißes Gift", aus Nazis wurden Rauschgifthändler - 1969: "Berüchtigt") oder John Waynes "Marihuana" (1952, aus Kommunisten wurden Rauschgifthändler) oder auch "Polizei greift ein" (1953) wo aus Kommunisten ebenfalls Rauschgifthändler wurden. Fast schon harmlos sind die Filme, wo deutsche Rollennamen durch andere ersetzt wurden.

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