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Dieses Thema hat 102 Antworten
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berti


Beiträge: 15.164

12.01.2008 18:35
Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten

In verschiedenen Threads kam mehrfach zu Sprache, dass manche sich selbst synchronisierende deutschsprachige Darsteller(innen) in Synchros teilweise durch Betonung und Duktus herausstechen. Das kann sowohl negativ ("abgelesen", "unprofessionell") als auch positiv ("wirkt nicht steril") rüberkommen. Daneben wurden auch schon Fälle genannt, dass manche Damen/Herren sich absolut professionell anhörten, obwohl sie zuvor noch nie synchronisiert hatten.


Mücke ( gelöscht )
Beiträge:

12.01.2008 22:55
#2 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten
Ich denke generell, dass man es niemandem abschlagen kann und darf, sich selbst zu synchronisieren und, abgesehen von Kinski, wäre mir auch niemand bekannt (abgesehen von Schauspielern, die vollends ausgewandert sind, wie Elisabeth Röhm, Leon Askin, Eric Pohlmann oder Werner Klemperer), der die Selbstsynchro kontinuierlich nicht gemacht hätte.

Im übrigen fällt mir interessanterweise gerade wieder ein, dass die TV Spielfilm sich bei diesem offenbar grottigen Vercingetorix-Film mit Christopher Lambert mal darüber lustig gemacht und mokiert hat, dass Cäsar, gespielt von Klaus Maria Brandauer, mit öst'reichischen Dialekt spricht.
Das ist eigentlich ein Beispiel, an dem man das Thema "Selbstsynchro" in Kern und Prinzip ausdiskutieren könnte...

In meinen Augen ist es unsinnig die Interpretation dem OTON vorzuziehen, völlig unabhängig von der Rolle. Das ist so, wie wenn man den Sinn eines Gedichts verstehen will, sich aber anstelle des Autors an einen Literaturkenner wendet...
Eine schlechte Selbstsynchro hat immer noch einiges für sich, wohingegen eine schlechte oder auch nur markanzfrei-mittelmäßige Synchro an sich einfach nur nervt. Ergo geht man mit der Fremdsynchro auch ein gewisses Risiko ein, denn wenn ich den Originalschauspieler nicht nehme und dann mit nem anderen eine Einheitsbrei-Synchro abliefere ist das einfach zum Kotzen.
Man nehme Gert Fröbe: Der Mann sprach heftigsten Dialekt und genau deswegen war's genial. Fröbe fremd synchronisiert ist ein Frevel.
Würde man es nach sprachlichem Können bemessen, könnte man hier auch sagen: "Ja, der Fröbe kann ja nichtmal hochdeutsch!"
Bloß: Wen kümmert's? Soviel auch zum Thema "Cäsar mit Ösi-Dialekt". Bei Fröbe hätte sich auch keiner beschwert, wenn der einen wuchtigen Herrscher aus Ost- oder Nordeuropa oder so gespielt und ein Wikinger auf einmal rhythmisch eigenes Sächsisch gesprochen hätte.

Und wenn sich einer als Sprecher selbst so schlecht findet und meint sein eigenes Original im Tonstudio nicht erreichen zu können, wird er sicher kaum auf die Selbstsynchro bestehen...

Ich bleibe dabei, dass die Selbstsynchro unumgänglich ist. Es klingt meist anders, als von "Profisprechern" gesprochen, aber das ist als Markenzeichen zu akzeptieren und so sinnvoll, wie es die Natives im Endeffekt auch sind, anstelle von mit gespieltem Akzent sprechenden Leuten. Auch wenn sie ab und zu wirken, als ob sie kaum sprechen könnten. Das "differenzierende Element" ist der Kernpunkt und das wird auch mit einer gewissen "Unbeholfenheit" noch locker erreicht. Warum sollen Deutsche in US-Filmen nicht etwas anders wirken, als die Amerikaner? Genau, wie Afrikaner durch Natives mittlerweile ja auch oft anders wirken als Afro-Amerikaner in deutschen Synchros...
Differenzierung, die die präsenten Schauspieler an sich etwas tiefer betont ist was Feines und Selbstsynchro gehört dazu.
...und schlechter als die große Elke Sommer war Diane Krüger für das "sprachliche Synchro-Reinheit" gewohnte Ohr auch nicht, aber das ist eben nicht der Knackpunkt, sondern die Klänge ihrer Stimmen an sich, die keine Fremdsynchro erreichen kann.

Kürzelerklärung:
[In Reihe] : Der Schauspieler wirkte in einer Reihe von Folgen innerhalb einer Serie oder eines Mehrteilers mit relativ langer Laufzeit und unbekannter Folgenanzahl mit. Der Schauspieler trat auffallend wiederkehrend in Erscheinung, also besonders, wenn er mehrmals in derselben Rolle auftrat oder ausgesprochen oft in verschiedenen Rollen.
[Serie]: Der Schauspieler wirkte in einer oder wenigen Folgen einer Serie mit.
----------------------------
"Entweder a) Raubüberfall, b) privater Streit oder c) tödlicher Drogendeal...[...]!"
"[...]Ich tippe auf d): Nichts von allem!"
Philipp Brammer für Ethan Embry und Rüdiger Bahr für Ed O'Neill in 'Polizeibericht Los Angeles', Episode: "Tod eines Schauspielers"

VanToby
Forumsleiter

Beiträge: 32.125

12.01.2008 23:09
#3 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten
Ich bleibe dabei, dass die Selbstsynchro unumgänglich ist.

NACK. Keine Zustimmung. Oder willst du etwa behaupten, es wäre auch unumgänglich, dass sich Arnold Schwarzenegger selbst synchronisiert...?

Ich würde es im Zweifel davon abhängig machen, wie präsent der Schauspieler mit seiner eigenen Stimme im deutschsprachigen Raum in seiner Tätigkeit als Schauspieler ist. Wenn ein deutschsprachiger Schauspieler (wie Diane Kruger oder eben Arnie) praktisch nur aus fremdsprachigen Filmen bekannt ist, ist es doch unnötig, da unbedingt für die Synchro ihn selbst zu nehmen. Und wenn ein Schauspieler einen so ausgedehnten Teil seines Lebens in Amerika verbringt, dass er gar nicht mehr akzentfrei deutsch sprechen kann, hielte ich es sogar für schadhaft für die deutsche Synchro, ihn zu besetzen.

Ein Schauspieler aus aktueller Zeit, dessen Selbstsynchro mir übrigens ausgesprochen gut gefällt, ist Hanns Zischler in KOMMISSAR BECK (auch wenn man manchmal meinen könnte, dass Werner Uschkurat für ihn eingesprungen ist...).

Gruß,
Tobias

Robin for Kirk!

"Diese Signale wurden gesendet, um auf sie aufmerksam zu machen."

E.v.G.



Beiträge: 2.233

13.01.2008 14:59
#4 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten
In Antwort auf:
Ein Schauspieler aus aktueller Zeit, dessen Selbstsynchro mir übrigens ausgesprochen gut gefällt, ist Hanns Zischler in KOMMISSAR BECK (auch wenn man manchmal meinen könnte, dass Werner Uschkurat für ihn eingesprungen ist...).


Hanns Zischler braucht auch nur wenige Takes und da er seine deutsche Sprechweise im Englischen bei behält, passt es auch von der Dynamik her.
Mücke ( gelöscht )
Beiträge:

13.01.2008 18:40
#5 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten
In Antwort auf:
NACK. Keine Zustimmung. Oder willst du etwa behaupten, es wäre auch unumgänglich, dass sich Arnold Schwarzenegger selbst synchronisiert...?


Ganz gutes Beispiel! Aber zur Entwaffnung reicht's nicht ganz, da ich Thomas Danneberg schon immer mies für ihn fand. Unpassender geht's kaum. Und ich wüsste auch keinen besseren.
Schwarzenegger von sich selbst synchronisiert würde zumindest die unfreiwillige Komik des Originals treffen. Danneberg ist für mich absolut mittelmäßig ohne jegliche Markanz, also genau das, was ich oben mit "mittelmäßiger Fremdsynchro" beschrieb, die ich schlimmer finde, als es eine Selbstsynchro überhaupt sein kann.
Ich würde mir einen Film mit Schwarzenegger-Synchro mindestens zweimal angucken, eine Synchro mit Danneberg gucke ich generell nicht mehr (einmal hat mir mehr als gereicht), allein des Unterhaltungswertes wegen, über den Arnie für mich den elementaren Teil seiner Präsenz gewinnt. Arnie lebt von unfreiwilliger Komik und genau deswegen wäre eine Selbstsynchro auch hier gut. Der wirkt doch auf englisch genauso unbeholfen, bzw. "angelernt professionell" wie auf deutsch im Endeffekt...
Bei Schwarzenegger kommt allerdings eh hinzu, dass der ja praktisch gar keinen Bezug mehr in den deutschsprachigen Raum hat und die Sprache nicht mehr richtig rund(!) beherrscht, selbst abgesehen vom Dialekt, denke ich.
Wenn er sinngemäß kein Deutsch mehr kann, muss man halt synchronisieren. Wenn er's kann und auch wollte, wäre ich auch hier für Selbstsynchro, eben weil's auf deutsch nicht anders eigenartig als im Original wirken würde. Da der aber sowieso keinen Bock drauf haben dürfte, erübrigt sich das Ganze eh. Ich denke, dass auch schon in den 70ern keine Chance bestand, den an's Synchronisieren ranzuführen und jetzt isses eh zu spät. Is' halt einer der oben beschriebenen Auswanderer. Eigentlich isses fast schade drum...wär' bestimmt sehr lustig geworden.

Kürzelerklärung:
[In Reihe] : Der Schauspieler wirkte in einer Reihe von Folgen innerhalb einer Serie oder eines Mehrteilers mit relativ langer Laufzeit und unbekannter Folgenanzahl mit. Der Schauspieler trat auffallend wiederkehrend in Erscheinung, also besonders, wenn er mehrmals in derselben Rolle auftrat oder ausgesprochen oft in verschiedenen Rollen.
[Serie]: Der Schauspieler wirkte in einer oder wenigen Folgen einer Serie mit.
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smeagol



Beiträge: 3.539

14.01.2008 12:05
#6 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten
In Antwort auf:
Man nehme Gert Fröbe: Der Mann sprach heftigsten Dialekt und genau deswegen war's genial. Fröbe fremd synchronisiert ist ein Frevel.

Meiner Meinung nach ist die Kernfrage, ob jemand "nur" mit der Stinmme wirklich "spielen" kann. Gert Fröbe hatte natürlich einen Akzent - aber er hat zum Beispiel "Goldfinger" auch im Synchonstudio nicht nur glaubhaft sondern grandios gespielt. Das (und nur das) sollte das Kriterium sein - finde ich jedenfalls.

Mein Geschmack ist natürlich nicht allgemeingültig aber ich fand vor allem Franka Potente fürchterlich, schrecklich und grausam in den "Bourne" Filmen. Sie schaffte es einfach nicht, ihrer Rolle wieder die Art leben einzuhauchen, wie es im O-Ton der Fall war. Bei Diane Kruger war es ähnlich - wenn auch aus meiner Sicht bei weitem nicht so schlimm.

Es ist halt so: Manche können es - viele nicht. Bastian Pastewka zum Beispiel ist wirklich nicht schlecht so dass er durchaus auch weiter im Synchronstudio stehen kann - absolut! Aber bei etlichen wie den genannten zum Beispiel sollte man besser auf Profis bestehen. Es geht viel weniger um Akzente (sowas stört mich persönlich nicht) als um eben die nicht vorhandene Fähigkeit, nur im Studio wirklich überzeugend schauspielen zu können.
DubberDuckDuck


Beiträge: 952

14.01.2008 12:26
#7 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten

Mücke, ich finde deine Beiträge immer lesenswert und achte deine Meinungen, aber dein Standpunkt zu Schwarzenegger und Selbstsynchronisation ist ...nee. Natürlich ist die unfreiwillige Komik auch in den Staaten nicht der Schlüssel zu Schwarzeggers Erfolg gewesen, sondern nur ein drolliger Randaspekt. Vergiss nicht, du redest über den Schmelztiegel der Nationen, in denen man froh sein muss, wenn Taxifahrer oder Haushälterin fünf Worte Amerikanisch können. Mag sein, dass wenige Elitäre drüber schmunzeln, aber selbst für die waren seine Muckis der elementare Teil seiner Präsenz.

Selbstsynchro würde nur unnötig den Fokus auf eine seiner Schwächen richten, die in den Staaten irrelevant ist, ihn bei uns aber zum Kasper werden ließe. Keine gute Idee.

smeagol



Beiträge: 3.539

14.01.2008 12:31
#8 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten

In Antwort auf:
Selbstsynchro würde nur unnötig den Fokus auf eine seiner Schwächen richten, die in den Staaten irrelevant ist

Interessanter Aspekt - dem schließe ich mich an!

PeeWee


Beiträge: 1.650

14.01.2008 18:08
#9 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten

Wie sieht das da eigentlich mit Rudolf Martin aus? Hatte Gastrollen in Buffy, 24 und und und, hat Dracula gespielt... und wurde da immer synchronisiert. In Passwort: Swordfisch wo einen deutsch sprechenden Schweden (oder Dänen?) spielt dann von Andreas Fröhlich, der statt dessen fröhlich schwedisch (oder dänisch?) spricht. Das is ja alles verständlich, daß er in solchen Sachen von jemand anderem gesprochen wurde, anstatt extra von den Staaten hierher zu kommen und ne Synchro zu machen.

Aber weiß jemand, warum der deutsche Film Lautlos mit Joachim Krol, in dem Martin auch mitspielt, scheinbar komplett nachsynchronisiert wurde und wieso statt Martin da Flechtner zu hören ist? (Falls das nicht ganz in diesen Thema hier paßt, sorry!)

Mücke ( gelöscht )
Beiträge:

14.01.2008 21:37
#10 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten
In Antwort auf:
Selbstsynchro würde nur unnötig den Fokus auf eine seiner Schwächen richten, die in den Staaten irrelevant ist, ihn bei uns aber zum Kasper werden ließe. Keine gute Idee.


Ich lass mich langsam überzeugen. Die Frage ist nur, ob es nun vorrangig daran liegt, dass er nicht richtig deutsch kann oder dass er im Studio nicht richtig spielen könnte (was man eigentlich nicht beurteilen kann, da es den Fall ja nie gab).
Zumindest bleibe ich aber dabei, dass mir eine Selbstsynchro bei ihm lieber als Danneberg wäre. Nennt mir einen Aspekt, der Danneberg auf Schwarzenegger auszeichnet...
Er hat auf keinen seiner anderen Stars jemals auch nur annähernd so schlecht gepasst wie auf Arnie generell. Die Stimme wirkt auf hart gebürstet bzw. in harten Rollen absolut aufgesetzt für ihn und in Komödien wie beim Chargier-Weltrekordversuch bzw. völlig abwegig "kieksig".
Danneberg auf Arnie ist für mich (übertrieben gesagt) wie Walter Bluhm für Bud Spencer... Nicht ernst nehmbar.
Ich akzeptiere den ansonsten von mir äußerst geschätzten Thomas Danneberg (wahnsinnig variabel für Sly Stallone und Nick Nolte) nicht für ihn und bin daher eh für Selbstsynchro, da es eben bisher praktisch immer Danneberg war. Nennt mir ne bessere Synchro-Alternative, dann lass' ich mich, aufgrund der Tatsache, dass Arnie es vielleicht (mutmaßlicherweise?!) einfach nicht kann und deswegen wohl auch nicht wollen würde wahrscheinlich überzeugen.

Im übrigen:
Gestern hab' ich zufällig in "Die apokalyptischen Reiter" gezappt. Karlheinz Böhm fremd synchronisiert ging auch gar nicht - null, obwohl's schauspielerisch sauber, aber eben auch "Effet-frei" war.

Kürzelerklärung:
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DubberDuckDuck


Beiträge: 952

15.01.2008 13:19
#11 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten
Mir fallen partout keine passenderen Alternativen ein, was - Umkehrschluss - daran liegt, dass ich Danneberg für optimal halte. Der hat auf Arnie zudem inzwischen einen solchen Grad an Identifikation erreicht, dass es mir eher merkwürdig erscheint, wenn ich Schwarzenegger mal "echt" höre. Danneberg = Arnie. Can't help it.
Mücke ( gelöscht )
Beiträge:

15.01.2008 18:16
#12 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten

Nun gut. Wenn ich Danneberg ideal finden würde, wäre ich sicher auch wesentlich "kompromissbereiter". Da er in meinen Augen aber völlig daneben liegt, ist es kein Wunder, dass ich eher für Selbstsynchro bin.
Mir ist eine Selbstsynchro, die den Fokus auf eine markante Schwäche richtet allemal lieber, als eine Fremdsynchro, die den Fokus auf überhaupt nichts richtet. Arnie wirkt mit Danneberg wie ein Riesenbaby und die unfreiwillige Komik entsteht für mich noch eher durch die Synchro als durch das Original, denke ich.


Kürzelerklärung:
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Wotan


Beiträge: 111

17.01.2008 18:14
#13 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten

Zitat von smeagol
In Antwort auf:
Man nehme Gert Fröbe: Der Mann sprach heftigsten Dialekt und genau deswegen war's genial. Fröbe fremd synchronisiert ist ein Frevel.

Meiner Meinung nach ist die Kernfrage, ob jemand "nur" mit der Stinmme wirklich "spielen" kann. Gert Fröbe hatte natürlich einen Akzent - aber er hat zum Beispiel "Goldfinger" auch im Synchonstudio nicht nur glaubhaft sondern grandios gespielt. Das (und nur das) sollte das Kriterium sein - finde ich jedenfalls.



Neulich hab ich zum ersten mal "Goldfinger" in O-Ton geschaut, und in der Englischen Fassung wurde Fröbe fremdsynchronisiert.
Geht gar nicht, ich musste nach wenigen Minuten wieder zur Deutschen Tonspur wechseln

Slartibartfast



Beiträge: 6.181

20.01.2008 12:00
#14 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten
In Antwort auf:
Nennt mir einen Aspekt, der Danneberg auf Schwarzenegger auszeichnet...

Ganz einfach: Er passt zur Rolle. Danneberg versucht der Figur das zu geben, was aus dem Bild kommt: die Aura einer gefühllosen Tötungsmaschine, vor der ich Angst haben soll.
Schwarzenegger ist es, der nicht zur Rolle passt.
Ein Terminator mit österreichischem Akzent geht bei uns nicht, weil ihn jeder identifizieren kann. Wie du sagst, wird es damit unfreiwillig komisch aber das trifft nur zu, wenn man den Ursprung des Akzents kennt. In Amiland konnte das niemand zuordnen, weshalb der Alpen-Akzent einfach zum Schwarzenegger-Akzent wurde, und als solches Kultstatus erreichte, aber eben ohne komisch zu wirken.
Die Situation ließe sich umkehren, wenn ein US-Schauspieler nur mit breitem Texaner-Akzent reden könnte. Den erkennt drüben jeder, weshalb er für viele hinterwäldlerisch und unpassend wirkt - jedenfalls in einer ernsten Rolle. Hierzulande wiederum würde diese Zuordnung nicht ohne weiteres Erfolgen, weil amerikanische Akzente zu wenig bekannt sind. Der gleiche Schauspieler könnte hierzulande extremst cool wirken (leider wäre das egal, weil er synchronisiert würde.)

Übrigens liegt es IMHO oft an der Größe einer Rolle, ob eine Selbstsynchro akzpetabel ist. Wenn in Nebenrollen ohne Zeit für eine Feinzeichnung des Charakters eine Selbstsynchro zu hören ist, die aus dem rahmen fällt, wirkt das anders, als wenn es in Hauptrollen geschieht, die über die Sprache zur Entfaltung kommen können.

Gruß
Martin
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"Die Wolke ist mit Sicherheit ein bestimmtes Kraftfeld aus irgendeinem Stoff."
(Hans-Jürgen Dittberner in "Star Trek - Der Film")

Mücke ( gelöscht )
Beiträge:

21.01.2008 18:30
#15 RE: Die Qualität der Selbstsynchronisation Zitat · antworten
Ich danke Dir für deine Meinung - ich sehe deine Argumentation auch ein, aber sie spiegelt mein Empfinden halt nicht wider.

Ich ganz persönlich finde, dass Thomas Danneberg Arnold Schwarzenegger nicht ausfüllt und dabei bleibe ich auch. Die Stimme ist mir für den Hünen Arnie zu dünn. Bei seinen anderen Kolossen drückt Danneberg die Stimme ja mittlerweile (Stallone, Nolte), was genial kommt.
Ich hab' mal einen Film gesehen, in dem Danneberg Nick Nolte mit (relativ) normalem Tonfall sprach. Das fand' ich, aus den selben Gründen wie bei Arnie, auch fürchterlich. Lief vor ein Paar Monaten auf Tele5, war ne Film noir-Hommage oder sowas Ähnliches mit Nolte als ne Art Ermittler oder so.

In Antwort auf:
Die Situation ließe sich umkehren, wenn ein US-Schauspieler nur mit breitem Texaner-Akzent reden könnte. Den erkennt drüben jeder, weshalb er für viele hinterwäldlerisch und unpassend wirkt - jedenfalls in einer ernsten Rolle. Hierzulande wiederum würde diese Zuordnung nicht ohne weiteres Erfolgen, weil amerikanische Akzente zu wenig bekannt sind.


So nen Fall gab's in "The Reaping", den ich in New York im Kino gesehen habe. Der Typ, mit dem Hilary Swank da eine Affäre hatte sprach im Original einen ziemlich heftigen "Hinterwäldler"-Dialekt, der nicht gespielt wirkte (und um die Wirkung geht's ja auch), was die Rolle auch zumindest noch rechtfertigte (inmitten der stroh-doofen Storygestaltung). Das hob' sich recht deutlich ab, so dass es auffiel. Ich könnte den Dialekt aber nicht genau definieren. Ist gut möglich, dass es Texas war, aber ich kann's genauso wenig zuordnen und trotzdem als "anders" empfinden, wie das wohl bei den Amis und Arnies OTON ist, wenn er als spezifischer Dialekt für Arnie bzw. dort selten gehörter Ösi-Dialekt eingestuft worden sein dürfte, wie du es schilderst.
Es ist ja nun auch nicht so, dass ein Österreicher-Dialekt generell lächerlich wirken würde und Danneberg von daher ein Segen wäre. Klaus Maria Brandauer bezieht daraus eben zum Beispiel einen Großteil seines Charismas und dass Arnie das auf deutsch nicht auch könnte (im Rahmen seiner Möglichkeiten, die nicht an Brandauer heranreichen, aber sprachbehindert ist er ja nun auch wieder nicht) wäre, meiner Meinung nach, eine Unterstellung. Oder Helmut Qualtinger oder Volker Prechtel mit ihren jeweiligen Dialekten, muss sein und darf nicht anders.
Es wird hier ein bisschen so getan, als wenn Arnie erst durch Danneberg den Feinschliff erhalten würde und das sehe ich absolut anders.
Selbst wenn man Danneberg für ihn wirklich mag und seine Interpretation genial findet, kann sowas, finde ich, nicht sein.
Ich finde nicht, dass eine Synchro das Original verbessern kann, zumindest nicht im eigentlichen Sinne und ich denke, dadurch beißt sich meine Meinung hier mit vielen. Eine Synchro kann das Original punktuell (auch an meheren Punkten) an Akzenten hoch- und runtersteuern, sprich: einer wirkt plötzlich viel cooler als im OTON oder sensibler oder so, aber von "besser" zu sprechen ist dann das falsche Wort. Denn wenn ich jemanden cooler wirken lasse, als im OTON geht automatisch eine andere Facette zugunsten der Coolness verloren, bei der Sensibilität ist es dasselbe. Das ist ein Wechselspiel in der Wirkung, das völlig natürlich ist. Es ergibt sich ein anderes Gesamtbild und das kann subjektiv empfunden maximal der Rolle gerechter werden und vielleicht "besser" dem entsprechen, wie man die Rolle unter Umständen selbst(!!) gern hätte (so viel zum Thema: "Ganz einfach: Er passt zur Rolle."), aber mit der vom Regisseur gezielt gewollten persönlichen Schauspielerinterpretation hat das dann nichts mehr zu tun und um die geht es in Filmen eigentlich und daher sollte jeder, der selbst deutsch kann auch bemüht werden, seine Version einzudeutschen. Wenn er's nicht will, soll er's sagen, aber ansonsten gibt es, meiner Meinung nach, keine Rechtfertigung, aus eben genannten Gründen.
Arnie ist ja nun auch nicht nur und immer wieder "Der Terminator", was im letzten Beitrag hier aber fast so wirkte.

Es ist in meinen Augen generell widersinnig das Gesamtbild einer Filmfigur lieber von einem "Interpreten", als vom Originalschauspieler gestalten zu lassen, wenn man die Wahl hat, selbst wenn das Bild in einer anderen Sprache sogar beim Originalschauspieler noch einen Tick variieren mag.
Im Endeffekt würde eine Begrüßung der Fremdsynchro bei Deutschbeherrschenden dazu führen, dass selbst bei Leuten, die deutsch können, die deutsche Version dann nur noch so rüberkommt, wie es die persönliche Wunsch-Besetzung (und Wunsch-Wirkung der Rolle) des Synchronregisseurs oder Supervisors möglich macht und sowas sollte dringendst verhindert werden. Ein Synchronregisseur ist nicht dazu da völlig ungebunden sein eigenes, persönliches Gesamtbild von einem Film zu schmieden (denn dann könnte jeder aus dem Wald kommen und sagen er ist der Förster), sondern dem Original möglichst "gerecht" (ich schreibe das ganz bewusst in Anführungsstrichen, weil ich nicht "kopieren" meine) zu werden und Selbstsynchros sind eine Art "geschenktes Fundament" dafür, wenn man sie denn haben kann.
Man kann die Entscheidung eines Synchronregisseurs oder zumindest desjenigen, der die Synchro jeweils besetzt, nicht über die ursprüngliche Entscheidung des Regisseurs hinsichtlich der Wirkung der Rolle stellen.

Ich kann auf die Aussage, dass jemand gewissermaßen nicht zu seiner eigenen selbst gegebenen Synchronstimme passt daher eben nicht wirklich.
Hab' vorhin einen Ausschnitt aus "Das Vermächtnis des geheimen Buches" gesehen. Diane Krüger wirkte sehr beliebig.

Fazit - zum Arnie-Thema:

Ich halte es für einen Fehler, wenn man es nie probiert haben sollte, ihn mal synchronsprechen zu lassen und ich bin mir fast sicher, dass viele Fans die Markanz seiner Stimme, so eigenwillig sie auch immer sein mag, sofort als fehlend wahrnehmen würden, wenn er sich auch nur ein einziges Mal selbst gesprochen hätte und um diese (Nach-)Wirkung geht's.
Aber, wie schon gesagt: Vielleicht kann er's ja wirklich nicht oder konnte zumindest als er berühmt wurde nicht mehr richtig rund deutsch reden, aber darauf bezog sich eure Argumentation hier ja nicht primär, so wie ich sie las. Es ging eher darum, dass ihr Dannebergs Version unter Umständen besser als den OTON findet, wenn ich das nicht falsch verstanden habe und das ist eben was, was ich generell nicht so sehe, dass der OTON überboten werden kann (zumindest nicht bei Hauptrollen, die vom Regisseur gezielt so besetzt sind und so wirken sollen... bei zusammengewürfelten Minirollen mag's was anderes sein).

Kürzelerklärung:
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Rüdiger Bahr für Ed O'Neill in 'Polizeibericht Los Angeles', Episode: "Gewaltvideos"

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