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Dieses Thema hat 66 Antworten
und wurde 3.728 mal aufgerufen
 Allgemeines
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Taccomania


Beiträge: 688

18.12.2017 08:44
#61 RE: Hat die deutschsprachige Synchronisation eine Zukunft? Zitat · antworten

In der Tat werden die Erinnerungen aus Kindheits- und Jugendtagen verklärt. Synchronisation ist heute weit vielfältiger und professioneller als früher. Auch in technischer Hinsicht. Am Wochenende habe ich mir Clint Eastwoods "Erbarmungslos" auf 4K-Bluray gekauft. Der deutsche Ton des Films aus dem Jahr 1992 ist in Stereo... Und obwohl Synchrongrößen wie Claus Kinder, G.G.Hoffmann, Hartmut Neugebauer, etc. mitspielen, finde ich die Synchro weder künstlerisch noch technisch zufriedenstellend.

Vieles von dem, was vor den 70er Jahren aufgenommen wurde, ist nicht nur technisch heute sehr angestaubt, sondern häufig auch von der Übersetzung und vom Schauspiel veraltet.

Was ich allerdings vermisse, ist etwas mehr Eigenständigkeit und Freiheit bei der Übersetzung. Viele stupide und inflationär verwendete amerikanische Redewendungen werden heute 1:1 übersetzt und beeinflussen inzwischen auch die deutsche Sprache. Nun könnte man zwar sagen, daß es gerade sehr authentisch sei, sich eng an die Vorlage anzulehnen. Aber vieles klingt für unsere Ohren etwas albern.

Bei den O-Ton-Befürwortern fällt mir auf, daß sich viele gerne damit schmücken, angeblich die englische Sprache in allen Nuancen bestens zu beherrschen. Nur dürfte das nicht der Fall sein. Ich verfüge über sehr gute englische Sprachkenntnisse und kann viele amerikanische oder englische Filme trotzdem nicht in allen Nuancen verstehen, vor allem, wenn die Schaupieler einen üblen englischen oder amerikanischen Dialekt oder ein besonderes soziokulturelles Idiom sprechen (Jugendsprache, Gossensprache, Unterschichtensprache, etc.). Wer behauptet, er könne auf Anhieb jede englischsprachige Originalproduktion genauso problemlos verfolgen wie eine deutsche, lügt meistens sich oder anderen etwas in die Tasche. Gerade die feinen Nuancen der Sprache, z.B. leise Ironie, können Nicht-Muttersprachler oft auch nach Jahrzehnten nicht sicher aufspüren. Das muß man mit der Muttermilch eingesogen haben, um z.B. in jeder Situation sicher zwischen einer Unverschämtheit und einen Witz unterscheiden zu können. Da ich selbst Menschen mit ausländischen Wurzeln in der Familie habe, weiß ich, daß gerade Humor ein schwieriges Konzept ist (Kirk: "Man lernt es durch Anwendung...").

Im übrigen beschränken sich die O-Ton-Fans ja zumeist auf us-amerikanische Produktionen. Schon bei fiesem britischen Englisch sieht es dann schon weniger gut aus und französische, spanische, schwedische oder italienische Produktionen werden wohl kaum im O-Ton genossen.


PeeWee


Beiträge: 1.520

18.12.2017 09:37
#62 RE: Hat die deutschsprachige Synchronisation eine Zukunft? Zitat · antworten

"Ich verfüge über sehr gute englische Sprachkenntnisse und kann viele amerikanische oder englische Filme trotzdem nicht in allen Nuancen verstehen, vor allem, wenn die Schaupieler einen üblen englischen oder amerikanischen Dialekt oder ein besonderes soziokulturelles Idiom sprechen"

Ich fand Michael Fassbenders "Macbeth" ziemlich unverständlich, da verstand man mal hier und da ein Wort, "war", "witches", "something", aber die Sätze an sich verschwammen im Genuschele der Darsteller - da war ich für die Untertitel sehr dankbar und hätte wohl wirklich eine gute deutsche Fassung vorgezogen.

Andererseits wollte ich gerade schreiben, dass ich eine gute deutsche eigentlich meist einer schlechten Originalfassung vorziehen würde, aber dann fiel mir "The Room" ein und da müsste es, ebenso wie beim "Disaster Artist", schon eine grandiose deutsche Fassung werden, die das schlechte perfekt rüberbringt.

Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 10.003

18.12.2017 10:51
#63 RE: Hat die deutschsprachige Synchronisation eine Zukunft? Zitat · antworten

Zitat von Taccomania im Beitrag #61
In der Tat werden die Erinnerungen aus Kindheits- und Jugendtagen verklärt. Synchronisation ist heute weit vielfältiger und professioneller als früher.

"In der Tat"? Nein, das ist keine Tatsache, das ist ebenso persönliches Empfinden wie die umgekehrte Ansicht.

smeagol



Beiträge: 3.310

18.12.2017 11:08
#64 RE: Hat die deutschsprachige Synchronisation eine Zukunft? Zitat · antworten

Neben fundierten, negativen Meinungen zum Thema Synchron ("Ich empfinde die deutschen Abmischungen als zu steril / Dialoge zu sehr im Vordergrund", "Die Übersetzungen sind leider schlecht", "Die deutschen Stimmen passen für mich nicht im Vergleich zum Originalton") dient die Aussage "Ich schaue nur O-Ton" in (laut meiner persönlichen Erfahrung) 75%+ der Fälle nur dazu, sich vom "Rest" abzusetzen. Quasi "Ich kaufe nur Bio und schaue nur O-Ton weil <wir hier oben> machen das so". Für mich drückt sich an dieser Stelle nur eine gesamtgesellschaftliche Strömung aus, die es an vielen anderen Stellen auch gibt.

Mir wurde an mancher Stelle schon an den Kopf geworfen, dass ich ja kein Filmliebhaber oder Cineast sein KANN, weil ich ja die deutsche Synchronfassung von "Das Fenster zum Hof" dem deutlich wertigeren "Rear Window" vorziehe; wenn ich sage, dass ich David Duchovny mit der Stimme und dem "Stimmspiel" von Benjamin Völz als liebenswerter Womanizer Hank Moody deutlich überzeugender empfinde, dann "verstehe ich das Original nicht". Das ich einige Zeit in den USA verbracht habe in meinem Leben hält mich nicht davon ab, "Magnum" nur mit Norbert Langer einfach besser zu finden ... aber eben "Friends" oder "Frasier" im O-Ton deutlich besser ... im Gegensatz zu "Cheers" in seiner hervorragenden Synchro. Und es ist mitnichten der Vorwurf "nur weil du es so kennengelernt hast" - ich habe die "Dark Knight" Trilogie zuerst im O-Ton drüben in Dallas gesehen und zwar alle drei Teile und dennoch finde ich David Nathan, Jürgen Thormann und Klaus Sonnenschein "akustisch überzeugender" in den jeweiligen Rollen. Sorry für Christan Bale oder Michael Caine und Morgan Freeman ... sorry auch für Bruce Willis oder Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone oder Tommy Lee Jones oder Samuel L. Jackson oder Tom Selleck oder David Duchovny oder Judi Dench oder Kate Winslett ... ich finde euch alle durch eure deutschen Stimmen einfach besser. Negativbeispiele? Oh ja: Michelle Pfeiffer hat seit dem Abgang von Katja Nottke 99,76% ihrer Sexyness eingebüßt, Sean Connery ohne GGH ging für mich nur in "The Rock" und mit Klaus Sonnenschein überhaupt nicht, Leslie Nielsen ist nach dem Wegfall von Horst Schön nur noch im O-Ton lustig gewesen, Chris Pine ist in der Synchro nicht überzeugend.

Für mich steht einfach fest: Wenn so viele Menschen den O-Ton einer Synchronfassung vorziehen würden, dann gäbe es schlichtweg auch mehr solcher Vorstellungen im Cinemaxx etc. um die Ecke und die Vorstellungen wären stärker ausgebucht und dann würde sich auch ein reiner O-Ton Sender (war das nicht mal Pro7 Maxx?) lohnen. Angebot und Nachfrage - so einfach.

Manche der klassischen Synchros, die wir so loben und lieben (Spencer/Hill z.B.) würden in der heutigen Zeit vielleicht vollkommen anders bewertet. Sowas wie "Die Zwei" könnte man schlichtweg garnicht mehr machen (ich will mir die Wutausbrüche einiger User über "Dumpfbacke" vs. "Pumpkin" in Eine schrecklich nette Familie garnicht vorstellen) ... einiges aus der "guten alten Zeit" wird daher durchaus verklärt, aber vieles von "damals" war, ist und bleibt sehr gute oder solide Arbeit - trotz ggf. heute bekannter Mängel ... die "Billionen" bei Goldfinger machen die Synchro jedenfalls keinen nachvollziehbaren Deut schlechter und George Lazenby ist auch mit der Stimme von Sean Connery einfach überzeugender in der Synchro als im O-Ton.

Es gibt eine Menge sehr guter, aktueller Synchros: Ich empfinde die Synchronfassung von "Californication" als Referenzqualität für die Branche, "Mad Men" ist trotz einiger Schwankungen bei der Besetzung der Nebenrollen rundum gelungen und stimmig, die Marvel-Filme kommen auch mit teilweise kontroversen Besetungen wie aus einem Guss und sehr solide gemacht daher und stehen im Popcorn-Kino keinesfalls schlechter da als der O-Ton.

Fazit: Es gibt eine Menge nachvollziehbarer Gründe für den Vorzug des O-Tons aber auch eine ganze Menge Bullshit, der da von Leute zweckentfremdet auf Spielwiesen a la cinefacts zum Besten gegeben wird, aber eigentlich nichts mit der Qualität der Synchronfassungen zu tun hat. Das Einzige, was den Synchronfassungen hierzulande den Garaus machen kann und vielleicht irgendwann sogar wird, sind Kosteneinsparungen seitens der Produzenten/Verleiher ... aber solange die Nachfrage sich so gestaltet, wie es auch bei der Generation YouTube zeigt, werden die Synchronfassungen nicht obsolet - im Gegenteil: Auch Firmen wie Netflix scheinen das ja langsam verstanden zu haben und investieren mehr Geld und auch Sorgfalt in die Synchronfassungen ihrer Serien und Filme ... und über die Syncho von "House of Cards" oder "Stranger Things" ließ sich auch hier, wo es primär um diesen Aspekt der Film- und Serienwelt geht, nicht viel negatives zu diesen Produktionen lesen.


--
"Ich würde nach Hause gehen und mich richtig ausschlafen"
Curt Ackermann für Cary Grant in "Über den Dächern von Nizza"

producer


Beiträge: 130

19.12.2017 11:17
#65 RE: Hat die deutschsprachige Synchronisation eine Zukunft? Zitat · antworten

Etwas inhaltlich sehr ähnliches hätte ich auch geschrieben, daher spare ich mir meinen Aufsatz und unterschreibe den von smeagol. :)

Willoughby


Beiträge: 1.192

03.02.2018 13:15
#66 RE: Hat die deutschsprachige Synchronisation eine Zukunft? Zitat · antworten

Ich habe kürzlich meine GONG-Sammlung durchforstet und bin dabei auf ein Vorwort von Helmut Markwort gestoßen, dass interessanterweise bereits aus dem Jahr 1975 stammt. An der Aktualität der Thematik hat sich natürlich nichts verändert, ganz im Gegenteil. Bezogen auf die Synchronisation, wäre die Umsetzung von "mehr Originalton" heute durch ein breiteres Angebot an Zweikanalton bei Filmen und Serien problemlos möglich, so wie es z.B. auf DVDs längst üblich ist.


Angefügte Bilder:
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 gong75.jpg 
Nyan-Kun


Beiträge: 715

03.02.2018 13:29
#67 RE: Hat die deutschsprachige Synchronisation eine Zukunft? Zitat · antworten

Ich glaube er hat seinen kurzen Artikel eher auf Nachrichtensendungen bezogen, wo auch heute noch bei nicht deutschsprachigen Personen ein Voice-Over stattfindet. Da kann ich mich nicht daran erinnern, dass in jüngerer Zeit jemand verlangt hat, dass man bei Trump oder Obama das Voice-Over sein lässt und die stattdessen bei der Tagesschau untertitelt. Dürfte auch daran liegen, dass in Zeiten des Internets man die problemlos wo anders im O-Ton hören kann und CNN oder BBC anders als damals leicht zu empfangen sind.
In der Hinsicht haben sich die Zeiten schon sehr verändert. Jeder kann sich entscheiden O-Ton zu hören oder nicht wann und wo immer er will. Das war damals noch nicht so. Keine Ahnung wie viele Deutsche damals versucht hatten BBC rein zubekommen, aber ich glaube nicht, dass es sonderlich viele waren.

Auf die richtige Synchronisation in Filmen/Serien ist er da überhaupt nicht eingegangen bzw. hat das überhaupt nicht infrage gestellt. Klar kann man den Artikel auch auf die Synchronisation beziehen, aber das war wohl nicht die Intention des Autors. Ansonsten hätte er dann eher Beispiele aus der Filmwelt bedient. Da hätte ich es ganz interessant gefunden wie das die Leute damals so gesehen hatten.


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