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Dieses Thema hat 66 Antworten
und wurde 4.639 mal aufgerufen
 Allgemeines
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Tamer_of_Astamon



Beiträge: 881

22.05.2015 19:59
#61 RE: Wiener Charme:wenn österreichisch synchronisiert wird! Zitat · antworten

Zitat von VanToby im Beitrag #60
"Wiener Charme" scheint mir in erster Linie eine Erfindung und Einbildung der Wiener.

(Oder ironischer Euphemismus anderer.)


Ja diesem Irrglaube kann man entfliehen in dem man Wien den Rücken kehrt, am besten so früh wie möglich!! LOL


Mein Lieblings-Synchronsprecher: DENNIS SCHMIDT-FOSS!!!^^

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

22.05.2015 23:49
#62 RE: Wiener Charme:wenn österreichisch synchronisiert wird! Zitat · antworten

Immer, wenn ich Wien unausstehlich finde - und das kommt öfters mal vor, denke ich an Orte, die "Unstädte" sind: Klagenfurt, St. Pölten, Linz, Innsbruck, Bregenz - und schon fühl ich mich wieder pudelwohl. Wien zu hassen ist ein Teil davon, wenn man die Stadt liebt.

Also - eine etwas eigene Wesensart haben die Wiener schon. Und entweder zog es mich in diese Stadt, weil ich in dieses Schema passe oder es hat schon so auf mich abgefärbt. Wien und seine Wiener - die sind ständig, um mit Netsroy zu sprechen, "himmelhochjauchzend zu Tode betrübt". Sie haltens in Wien nicht aus und möchten nirgendwo anders sein. Sie sind etwas morbide, spöttisch, blenden mitunter gerne die Wirklichkeit etwas aus, vor allem bei einem guten Glaserl Heurigenwein. Und als Realitätsverweigerer haben sie das ganze Gebaren einfach "Wiener Charme" genannt. Und irgendwie gibt es ihn ja doch, aber es ist nicht das schleimige "Küss die Hand"-Getue aus alten Filmen oder das unterhaltungsfreie Entertainment des Heinz Conrads und seines Nachfolgers Alfons Haider.

Wiener Charme, immerhin eine Marke. Aber nicht geeignet, als Weltkulturerbe herzuhalten. Dieses Ansinnen blieb mir aus einem Grund in Erinnerung: ich habe in einem Kulturbetrieb gearbeitet, wo es eine Ausstellung zu den umstrittenen Flaktürmen der NS-Zeit gab. Ich las gerade, dass der Wiener Charme Weltkulturerbe werden sollte, da kam der erste Besucher nach Jahren ins "Projekt Space", ein elegant angezogener älterer Herr mit schöner Aussprache, fast das alte "Schönbrunnerdeutsch": "Na, endlich ein Mensch! Wissen Sie, i war heute schon zweimal da, aber da war immer so ein Neger. Was haben die Neger aus dem Busch mit unseren Flaktürmen zu tun?"

Der "Neger" war mein dunkelhäutiger Arbeitskollege - der übrigens den breitesten Wiener Dialekt sprach, weil er hier geboren ist. Er hieß Erich und hatte einen so richtig böhmischen Nachnamen, wie er in Wien häufig vorkommt.

Der Herr schrieb das mit dem "Neger" ins Gästebuch. Ich habe das kopiert und zusammen mit dem Artikel "Wird Wiener Charme zum Weltkulturerbe?" auf unsere Pinwand gehängt.

Wiener Charme...friedrich Torberg hat ihn vielleicht erlebt oder gut erfunden in seinem Stammcafe. Er floh 1938 vor den Nazis und kehrte in den späten 40ern zurück. Er ging in sein Stammcafe, der Kellner, Verzeihung: der Herr Ober brachte ihm eine Melange und ein Kipferl, so wie eh und je und fragte in schöner Wiener Sprachfärbung: "War ma verreist, Herr Torberg?"


"Nein, ich bin es nicht mehr wert! Ich verdiene es nicht mehr, das Autogramm von Sean Connery!"

Herbert Stass für Alan Arkin: "Inspector Clouseau"

http://www.ruine.at

Tamer_of_Astamon



Beiträge: 881

23.05.2015 00:10
#63 RE: Wiener Charme:wenn österreichisch synchronisiert wird! Zitat · antworten

Zitat von fortinbras im Beitrag #62
Immer, wenn ich Wien unausstehlich finde - und das kommt öfters mal vor, denke ich an Orte, die "Unstädte" sind: Klagenfurt, St. Pölten, Linz, Innsbruck, Bregenz - und schon fühl ich mich wieder pudelwohl. Wien zu hassen ist ein Teil davon, wenn man die Stadt liebt.

Also - eine etwas eigene Wesensart haben die Wiener schon. Und entweder zog es mich in diese Stadt, weil ich in dieses Schema passe oder es hat schon so auf mich abgefärbt. Wien und seine Wiener - die sind ständig, um mit Netsroy zu sprechen, "himmelhochjauchzend zu Tode betrübt". Sie haltens in Wien nicht aus und möchten nirgendwo anders sein. Sie sind etwas morbide, spöttisch, blenden mitunter gerne die Wirklichkeit etwas aus, vor allem bei einem guten Glaserl Heurigenwein. Und als Realitätsverweigerer haben sie das ganze Gebaren einfach "Wiener Charme" genannt. Und irgendwie gibt es ihn ja doch, aber es ist nicht das schleimige "Küss die Hand"-Getue aus alten Filmen oder das unterhaltungsfreie Entertainment des Heinz Conrads und seines Nachfolgers Alfons Haider.


Ach, samma leicht gar kein gebürtiger Wiener?? xD
Meine Wenigkeit wurde im Goldenen Kreuz geboren, mit Wiener Hochdeutsch(!) erzogen, bis ich zu meinem 6.Lebensjahr in die Welt hinausgeworfen wurde, also in diese "Unstadt" Linz. Und da ich diese Wiener Wesensart immer noch habe, kann ich es leider nur mir tiefstem Linzer Mittelbairisch verbergen, dass ich nicht in Linz geboren wurde!!! xD xD xD
Hast des net gmerkt???


Mein Lieblings-Synchronsprecher: DENNIS SCHMIDT-FOSS!!!^^

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

23.05.2015 11:08
#64 RE: Wiener Charme:wenn österreichisch synchronisiert wird! Zitat · antworten

Sind die Linzer so intolerant, wenn man keinen hauseigenen Dialekt spricht???

Nein, ich bin kein Wiener. Und das läßt die Alarmglocken klingeln: die begeisterten Nichtwiener-Wiener sind die Schlimmsten...

Ich hoffe, deinen Wohnort nicht gekränkt zu haben - "Linz, diese Unstadt", "In Linz muss niemand gewesen sein!" - das habe ich in meinen alltäglichen Sprachgebrauch von Thomas Bernhard adoptiert. Es gibt Schlimmeres als Linz (St. Pölten zum Beispiel! Oder Hannover, um nach Deutschland abzuschweifen.), aber ich fühlte mich dort nie wohl. Die Stadt wirkt wie hingeworfen, als habe man ihr die ganze Geschichte rausgedreht und entfernt, eine eigenartige Stadt. Aber das empfindet wohl auch jeder anders.

Wenn man in meiner Familie schon auf sonst (fast) nichts wert legte, dann wenigstens auf eine schöne Aussprache. Und in der Schule war Dialektsprechen absolut tabu. Dafür bin ich dankbar, weil ich den harten Tiroler Dialekt überhaupt nicht mag und der mir schon als Kind suspekt war. Andererseits habe ich mich, je nach Umstand, durchaus wie ein sprachlicher Fremdkörper gefühlt. "Bisch du a Urlaubskind? Ja, wohe(r) kimmsch denn du, Biable? Bisch a Deitscher? Ja, iatz wia des? Wia redesch denn du, bischt dechtersch a Tiroler!" Bääääääh....! Nur weiter gen Westen werden die Dialekte noch schlimmer...

Ich war als Kind sehr oft in Wien, teils über längere Zeit - das war eben meine Welt und da wollte ich immer hin.

Das "tiefe" Ottakringerwienerisch oder das berüchtigte "Meidlingerisch" mit dem dunklen, halb verschluckten "L" find ich aber grauslich. Ansonsten ist die Wiener Sprachfärbung sehr schön.

Wenn man wo lebt, verfärbt sich die eigene Sprache wohl ganz automatisch ein wenig. Trotzdem ich schon einen starken Wiener Einklang habe, werde ich häufig als Nicht-Wiener erkannt, aber meine Herkunft bleibt schleierhaft und da wird dann gerätselt. Was mir durchaus sympathisch ist, weil mir Lokalpatriotismus oder das penetrante Einordnen von Menschen in irgendeine Art Schublade (welche auch immer) zuwider läuft. Was nicht heisst, daß ich mir nicht auch ein paar Schubladen gezimmert habe...


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Tamer_of_Astamon



Beiträge: 881

23.05.2015 11:43
#65 RE: Wiener Charme:wenn österreichisch synchronisiert wird! Zitat · antworten

Zitat von fortinbras im Beitrag #64
Sind die Linzer so intolerant, wenn man keinen hauseigenen Dialekt spricht???

Nein, ich bin kein Wiener. Und das läßt die Alarmglocken klingeln: die begeisterten Nichtwiener-Wiener sind die Schlimmsten...

Ich hoffe, deinen Wohnort nicht gekränkt zu haben - "Linz, diese Unstadt", "In Linz muss niemand gewesen sein!" - das habe ich in meinen alltäglichen Sprachgebrauch von Thomas Bernhard adoptiert. Es gibt Schlimmeres als Linz (St. Pölten zum Beispiel! Oder Hannover, um nach Deutschland abzuschweifen.), aber ich fühlte mich dort nie wohl. Die Stadt wirkt wie hingeworfen, als habe man ihr die ganze Geschichte rausgedreht und entfernt, eine eigenartige Stadt. Aber das empfindet wohl auch jeder anders.
...


Bei uns in Linz gelten die Wiener allgemein als...., hmmmm, etwas komisch. xD Man erkennt sie überall raus!! Sei es im tiefsten Tiroler Hinterland, im Amazonas Dschungel, in der Bretagne, oder wenn man auf einer Expedition zum Nordpol teilnehmen würd!! Wenns zum quatschen anfangen, hört man die Wiener schon von weitem!!! xD xD Also net den "Wiener Charme", sondern die "Wiener Goschn"!!! xD xD Obwohl ich jetzt ziemlch sicher bin, der filmische "Wiener Charme" basiert eben genau auf dieser "Wiener Goschn"!!! xD xD xD

Ich hab nebenbei auch nie behauptet, dass Linz schön ist. xD Es ist halt zur Rush Hour weit weniger Verkehr als in Wien.
Aber dafür haben wir einen sehr stark frequentierten Mega-Flohmarkt. xD


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fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

28.06.2015 13:11
#66 RE: Wiener Charme:wenn österreichisch synchronisiert wird! Zitat · antworten

Der mehrmalige ORF-Generalindendant Gerd Bacher ist gestern 89jährig verstorben.

Der "Tiger" wie er genannt wurde, war ein Machtmensch und nicht unumstritten. Obwohl eindeutig konservativ geprägt, hat er dennoch in seiner besten Zeit für ein lebendiges, kontroversielles Fernsehen gesorgt und den alten ORF nachhaltig entstaubt. Trotz engen Kontakten zu bestimmten Parteien war er ein strikter Gegner politischer Einflussnahme in das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Seit geraumer Zeit ist das beim ORF wieder stärker geworden.

Sämtliche "Fernsehskandale" gingen auf Bacher zurück, so auch die Umsetzung von "Kottan ermittelt".

Mir war er immer zutiefst unsympathisch (so wie alle Machtmenschen), aber viele seiner Stationen und wagemutigen Abenteuer bewunderte ich sehr.

Warum ich das jetzt schreibe: Gerd Bacher war es, der für den ORF eine eigene Synchronabteilung einführen wollte und es auch tat. Auf Bacher gehen die ersten ORF-Synchronisationen zurück. Dass diese nicht auf viel Gegenliebe stießen, ist ein anderes Kapitel. Hier ging es jedenfalls auch um eine gewisse kleine Unabhängigkeit: nicht immer vom deutschen Markt abhängig sein und Produktionen zu synchronisieren, für die man in Deutschland kein Interesse hatte. Auch eröffnete sich die Möglichkeit, eigene Erfolgsserien einzukaufen und dann weiterzuverkaufen - fix und fertig.

Neben "Serpico" gab es viele Fernsehfilme, vor allem aus England, die synchronisiert wurden. Zahlreiche BBC-Fernsehspiele mit hochkarätiger Besetzung waren es zumeist, die vom ORF synchronisiert wurden.

Manche Projekte, wie die Synchronisation der originalen "The Munsters", die im ORF jahrelang erfolgreich OmU liefen, kamen (glücklicherweise) nicht zu stande.

Eines hatte Bacher durchaus verabsäumt, nämlich die Hörgewohnheiten der Österreicher näher zu betrachten. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen war man nun mal die klassische deutsche Synchronisation gewöhnt und die Fernsehzuseher empfanden einheimische Synchronfassungen als etwas eigentümlich und fremd. Bei BBC-Fernsehspielen, wo das Publikum überschaubar war und man in erster Linie auf hochkarätige Theaterschauspieler ohne Wiener Einklang setzte, klappte es ja noch - aber ORF-Synchros im Hauptabendprogramm für die breite Masse waren nicht drin.

Obwohl Bacher immer wieder mal hauseigene Synchronisationen anfertigen ließ (sämtliche dieser ORF-Bearbeitungen entstanden nahezu ausschließlich unter seinen Intendanzen), machte er dennoch den Rückzieher und ließ größere Projekte fallen. Sie waren auch kaum nach Deutschland zu verkaufen.

Im Prinzip war Gerd Bacher, aus welchen Motiven auch immer, ein österreichischer Nachkriegs-Synchronpionier, auch wenn das Projekt scheiterte - scheitern musste. Als Experiment ist es sicher mit Interesse zu betrachten und es waren hier durchaus interessante Ansätze und Arbeiten darunter.


"Mutter! Komm her!"

Wolfgang Kieling für David Peel in "Dracula und seine Bräute"

Und hier das passende Ambiente:

http://www.ruine.at

kinofilmfan


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31.12.2015 16:51
#67 RE: Wiener Charme:wenn österreichisch synchronisiert wird! Zitat · antworten
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