Zitat von Knew-King im Beitrag #206Natürlich auf die Spitze getrieben
Glaub' ich nicht, das Video ist nahe, wenn nicht genau an der "synchron gesprochenen" Realität (in vielen Fällen zumindest) dran! Imho hat es oft damit zu tun vom OT "abnehmen" zu wollen/zu müssen, auch damit sich eine Synchronstimme möglichst nicht in jeder Rolle gleich anhört.
@Ludo: Meintest du mit "Die amerikanische Art zu reden" die "Sprachmelodie" (ich gehe im Zusammenhang mit dem Video davon aus)? Die hat doch eigentlich mit der (Lippen)-S§ynchronität nichts zu tun bzw. hat mAn. keinen Einfluss auf sie...!?
Ich weiß nicht … wenn ein Schauspieler dauernd so über-drüber-aufgedreht spricht, kann das denke ich schon Einfluss auf die Synchronität haben, wenn ich dann z.B. einen nüchternen Till Hagen draufsprechen lasse, so wie er ganz normal spricht. Vielleicht wäre Verschmelzung mit dem Schauspieler aber besser geeignet als das Wort Synchronität. Keine Ahnung...
Von "Verschmelzung mit dem Schauspieler (m.w.) war im Forumm(ob generell oder zum Teil) in dem Zusammenhang schon oft die Rede, das beschreibt das problem, das du geschildert hast. Es ist mir selbst auch manchmal unangenehm aufgefallen und , dass wie etwas von einer Synchronstimme gesagt wurde kaum bis gar nicht übereinstimmte oder zusammenpasste,harmonierte, oder "neben dem Gesicht" war (so würde ich dieses Phänomen in Worte fassen(:).
Mit (Lippen)synchronität meine ich, wenn die Synchronstimme hört, während die Person im Bild mehr oder weniger oft nicht synchron ihre Lippen bzw.ihren Mund dazu bewegt.
Was ich bei heutigen Synchronstimmen auch immer wieder schade finde, ist das häufige Fehlen einer leichten, individuellen Klangfärbung. Ich meine damit natürlich keine ausgeprägten Dialekte. Dass diese in einer Standard-Synchro nichts zu suchen haben, steht außer Frage und war auch früher nicht der Fall.
Ich meine eher Hochdeutsch mit einer ganz subtilen regionalen oder persönlichen Note. Früher haben genau diese Klangfärbungen dafür gesorgt, dass Stimmen Ecken und Kanten sowie einen hohen Wiedererkennungswert besaßen. Heutzutage ist das leider eine Seltenheit geworden: Als positives Beispiel aus der Gegenwart fällt mir da spontan Martin Umbach mit seiner leichten süddeutschen Färbung ein.
Besonders bei jüngeren Sprecherinnen und Sprechern dominiert heute oft ein sehr steriles "Radiodeutsch" oder "Tagesschau-Deutsch". Die Sprache wirkt dadurch zwar extrem sauber, streckenweise aber auch etwas glattgebügelt und austauschbar. Wenn sich dazu noch eine ziemlich amerikanisierte Sprachmelodie gesellt, wirkt das Resultat auf mich persönlich oft recht unnatürlich.
Möglicherweise passt aber eine solche sprachliche Färbung schlicht nicht mehr in das gewohnte Raster heutiger Hollywood-Blockbuster, in denen ein möglichst neutraler Ton erwartet wird. Bei kleineren Produktionen oder im Arthouse-Bereich könnte ich mir sowas aber durchaus öfter vorstellen.
Zitat Möglicherweise passt aber eine solche sprachliche Färbung schlicht nicht mehr in das gewohnte Raster heutiger Hollywood-Blockbuster, in denen ein möglichst neutraler Ton erwartet wird.
Das mag sein. Wahrscheinlich kommen aber sprachliche Färbungen da und dort heute noch vor, aber nicht mehr so oft und so ausgeprägt wie damals.
Ich glaube das ist eher ein gesamtgesellschaftlicher Prozess. Ich zitiere mal Wikipedia: "Auch in der Aussprache des Deutschen verlieren sich Regionalismen immer mehr. Helmut Schmidt hat noch als Bundeskanzler anlautend "st" nach traditionell Hamburger und niederdeutscher Art wie im Englischen als [st] artikuliert ("S-traßenbau", "S-teigerung"), was seit längerem kein Hamburger Politiker mehr tut, erst recht nicht, wenn er auf Bundesebene agiert. Ein erheblicher und rasch wachsender Teil der jungen Generation spricht heute ein Deutsch ohne jede regionale Färbung, also eine Sprachform, die nach Einschätzung der meisten Linguisten selbst in den 1970er Jahren noch gar nicht existiert hat." Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_S...#Neuhochdeutsch
Den Eindruck habe ich auch manchmal. Wenn ich ältere Filme oder Serien schaue, erkenne ich manche Sprecher sofort an ihrer Stimme, noch bevor ich weiß, wer gerade spricht. Heute ist die Qualität zwar extrem hoch, aber viele Stimmen wirken auf mich ähnlicher als früher. Vielleicht ist der Anspruch an eine möglichst neutrale Aussprache gestiegen, dabei geht dieses kleine persönliche Klangbild verloren, das Figuren früher oft unverwechselbar gemacht hat.