Ich würde auch sagen, dass die ersten (trashig) schlechten Studios damals in den Düsseldorfer/Frankfurter/Kölner Standorten Ende der 80er Jahre kamen. Ungefähr zu der Zeit, als sich die VHS etabliert hat. Da gab es die ersten wirklichen Synchron-Unfälle.
Zitat von Samedi im Beitrag #57Früher gab es Trashsynchros vor allem aus Amerika mit Kai Wulff & Co.
Nicht nur "früher". Die gibt es heute ja immer noch - insbesondere auf Netflix und Co. Meines Erachtens hat das mit den US-Synchros à la Kai Wulff erst so ab den frühen 2000er-Jahren vermehrt begonnen.
Dann gab es ja noch die Michael Eiler Synchron, die ganz viele Trash-Filme der ausgehenden 1980er mit nicht weniger gehaltvollen Trash-Synchros garnieren. Sonst tolle Sprecher wie Wolfgang Kühne, Hans-Joachim Hanisch oder Helmut Müller-Lankow wurden gnadenlos fehlbesetzt.
Mal eine Frage an die DDR-Experten: Warum gab es in den DDR-Synchros verhältnismäßig so viele Umbesetzungen (auch innerhalb von Serien und Filmreihen) und kaum Kontinuität? Ich finde das immer etwas schade, da die reine Qualität oft besser war als bei westdeutschen Fassungen zum selben Film/zur selben Serie.
Ich glaube, da ist die gefühlte Kontinuität bei westdeutschen Synchros höher als die tatsächliche, denn es gab auch hier immer wieder Umbesetzungen. Das aber nur als mein Eindruck vorweg. Viel muss bei der Beantwortung dieser Fragen Spekulation bleiben, auch das vorweg. Meine Beobachtungen haben mich z.B. zu dem Schluss geführt, dass, wenn ein Projekt dem DEFA-Studio in Leipzig oder Weimar zugeteilt war, dafür keine berliner Sprecher engagiert werden durften - das ist für mich die einzige Erklärung, weshalb Gisela Büttner für "Die Partien des schönen Dragoners" (berliner Studio) sämtliche Originalsprecher der Serie "Alte Kriminalfälle" besetzte, zwei Monate später jedoch für "Kassendiebromanze" (leipziger Studio) nur einen einzigen (der trotz vieler berliner Rollen in Sachsen wohnte). Das ergibt einzig nach der obigen Mutmaßung einen Sinn und passt auch mit dem Prinzip Planwirtschaft zusammen. Was Kontinuität betrifft - das war tatsächlich ein grundsätzliches Problem der ostdeutschen Studios, das sich tatsächlich daraus entwickelt haben könnte, dass sich im sozialistischen Wirtschaftsgebiet kein solches Star-Streben wie im kapitalistischen entwickelte. Die stärksten Kontinuitäten gab es tatsächlich bei französischen Schauspielern (Gerard Philipe - Kurt Ulrich; Jean Marais - Otto Mellies; Annie Girardot - Ursula Genhorn) - kein Schauspieler aus den sozialistischen Ländern erreichte eine derartige Popularität, so dass das Publikum auch eine spezielle Stimme erwartete. Mag sein, dass die eine oder andere Umbesetzung innerhalb einer durchgängigen Seriensynchro dem Arbeitspensum mancher Schauspieler geschuldet ist - vielleicht hatte der sehr bekannte und populäre Gerry Wolff nach einigen Folgen einfach keine Zeit mehr, seine Rolle in "Ein Haus mit vielen Gesichtern" zuende zu führen (Dreharbeiten, Theater) und deshalb kam Joachim Konrad zum Zuge, der deutlich weniger bekannt und praktisch auf Sprechertätigkeit beschränkt war. Und für die vielen Sherlock-Holmes-Stimmen innerhalb der BBC-Serie habe ich bis heute keine schlüssige Therie entwickeln können - geschweige denn genauere Infos. Summa summarum suche ich die häufigste Begründung für solche Diskontinuitäten in der Planwirtschaft, die kurzfristige Änderungen oder individuelle Wünsche (wie es bewusste Kontinuität für RegisseurInnen gewesen sein dürfte) kaum zuließ. Die vielen Schauspieler, welche in den Westen auswanderten und ersetzt werden mussten, sind da auch noch ein eigenes Kapitel.
An dieser Stelle seien auch mal Beispiele für Kontinuität genannt: "Das Krankenhaus am Rande der Stadt" - rechnet man die Sprecher ab, die in den Westen gingen (was man fairerweise machen muss), sind bei der 2. Staffel außerordentlich viele Sprecher der 1. vertreten "Oh diese Mieter" - nicht vergessen: vor dem Wechsel nach Berlin herrschte in Weimar starke Kontinuität; und nach dem Wechsel hatte man statt dessen starke Kontinuität zu der "Olsenbande" - da fallen die Wechsel um stärker auf; trotzdem angesichts der Tatsache, dass die Reihe über 14 Jahre (Synchro) lief, nicht weniger kontinuierlich besetzt als z.B. James Bond viele Regiearbeiten von Dagmar Nawroth (auch hier: gerade in ihren leipziger/weimarer Arbeiten muss man starke Durchbrechnung von Kontinuitäten wie bei tschechischen Schauspielern wie Vladimir Mensik und Vlastimil Brodsky hinnehmen, was auf Zwang von außen hinweist) "In einer Stunde bin ich wieder da" - zwei Staffeln mit deutlichem Abstand, in denen es nur einen größeren Sprecherwechsel gab "Der Hengst Karino" - die Kinofassungen sind komplett neu synchronisiert, aber fast durchweg mit der Serienbesetzung, soweit das noch nachvollziehbar ist "Heißer Draht ins Jenseits" und "Adolars phantastische Abenteuer" - nur Schnuffi bekam eine neue Stimme, ansonsten durchweg die alte Stammbesetzung
Vielleicht könnten da auch Machtbestrebungen hinter den Kulissen eine Rolle gespielt haben? Zumindest das Dialogbuch musste ja immer von jemandem abgenommen werden (glaube von der SED direkt?), eventuell auch Besetzungen? Da hat auch jeder seinen eigenen Geschmack.
Zitat von CrimeFan im Beitrag #65Mal eine Frage an die DDR-Experten: Warum gab es in den DDR-Synchros verhältnismäßig so viele Umbesetzungen (auch innerhalb von Serien und Filmreihen) und kaum Kontinuität?
Da ich keine Lust habe einen ganzen Serien-Thread zu eröffnen, stecke ich es einfach hier rein: Welche Stimme hat Lana Parrilla hier in "The Rainmaker"?