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Dieses Thema hat 125 Antworten
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 Allgemeines
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berti


Beiträge: 16.728

14.08.2008 11:34
Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten
Hin und wieder kommt es vor, dass der Charakter einer Figur in der DF eine vom Original mehr oder weniger stark abweichende Note erhält, z. B. wenn der Tonfall des Synchronsprechers stark vom O-Ton abweicht. Es kann aber auch sein, dass eine Uminterpretation durch Änderungen bei den Dialogen vorgenommen wird oder schon allein durch die Besetzung mit einer stark vom Original abweichenden Stimme.
Rainer Brandt hat sich ja (wie schon von Einigen hier beklagt) in der Hinsicht öfter Freiheiten rausgenommen.
Eddie Murphys Image hierzulande wurde unbestreitbar entscheidend durch Randolf Kronbergs Synchro beeinflußt, die erheblich vom O-Ton abweicht.
In seinem Buch über Filmfehler beschreibt Harry Bittkowski anhand zahlreicher Beispiele (S. 68-79), dass die Titelrolle in "Citizen Kane" sowohl durch Hans Nielsens Interpretation als auch durch die Dialogübersetzung entweder missverstanden oder bewusst verändert wurde, und zwar zum Negativen hin. "Ob aus Dummheit oder Absicht, sei dahingestellt - in jedem Fall aber stempelt die Dialogregie Charles Foster Kane mehr und mehr zu einem arroganten Kotzbrocken ab. Indem nicht nur Feinheiten flachfallen, sondern auch ganze Sätze - oder Aussagen hinzugefügt werden, die im Original nicht vorhanden sind (S. 75)".
Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 13.732

14.08.2008 13:08
#2 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Bittkowskis Buch nennt so einige Fehlübersetzungen, die zu beanstanden einfach nur Krümelkackerei ist, dagegen war er nicht in der Lage, Nielsens Name richtig zu schreiben (er wird als Harry (!!!) Nielsen aufgeführt), was für ein Buch, das sich mit Fehlern beschäftigt, einfach nur peinlich ist.
Bittkowski ist schlicht und einfach ein Feind deutscher Synchronisation, sonst hätte er kaum ausgerechnet Nielsens Leistung beanstandet, die einer der wenigen Glanzpunkte in der ansonsten jämmerlichen "Citizen Kane"-Synchro ist. Abgesehen davon, dass man in diesem Falle kaum von "Filmfehlern" sprechen kann ...
Eine wirkliche Charakterveränderung erfuhr z.B. "Barney Geröllheimer", der im Original mit einer eher vollen Stimme spricht, die mit seinem Äußeren kontrastiert, während Gerd Duwner zu seinem Aussehen PASST.
Besonders deutlich ist die Veränderung bei Bugs Bunny, der im Original laut, frech und verrückt ist, was durch die Stimme von Gerd Vespermann komplett zurückgenommen wurde zugunsten einer etwas zu liebenswürdigen Schlitzohrigkeit (Sven Plate hat übrigens kaum eine nennenswerte Änderung gebracht).

Gruß
Stefan

Aristeides


Beiträge: 1.572

14.08.2008 13:59
#3 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Ähnlich wie im Falle Geröllheimer ist auch der "Festus" aus "Rauchende Colts" (Ken Curtis) zu sehen, der im Original tief und voll klingt (Curtis, zeitweise Schwiegersohn von John Wayne himself, war selbst auch als Country-Sänger tätig) und im Deutschen durch Duwner eine sehr komische Note bekommt. Im Nachruf auf Curtis (ich glaube in der BILD) wurde dieser zitiert, dass ihm die deutsche Fassung sehr viele Fans gebracht habe, er die Stimme sehr lustig fände, aber froh sei, selbst eine andere zu besitzen, da er sonst keine Gesangskarriere gemacht haben würde.

marginal


Beiträge: 260

14.08.2008 14:16
#4 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Das ist in der Tat interessant, da ich in beiden Fällen nur die Duwner'sche Interpretation kannte und instinktiv davon ausging, die klängen im Original ähnlich.

Die Synchron-Filmografie Gerd Duwners würde wohl so einige Beispiele für starke Abweichungen vom Original zutage fördern. Ähnlich geht es mir bei Heinz-Theo Branding, der auch so ein eigenes Organ hat, aber auch Gerd Martienzen lag meiner Meinung nach auf vielen Darstellern, die er sprach etwas zu dünn, was mir schon lange auffiel, bevor ich mich mit Synchronisation befasste.

berti


Beiträge: 16.728

14.08.2008 14:24
#5 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten
Zitat von Stefan der DEFA-Fan
Bittkowskis Buch nennt so einige Fehlübersetzungen, die zu beanstanden einfach nur Krümelkackerei ist, dagegen war er nicht in der Lage, Nielsens Name richtig zu schreiben (er wird als Harry (!!!) Nielsen aufgeführt), was für ein Buch, das sich mit Fehlern beschäftigt, einfach nur peinlich ist.
Bittkowski ist schlicht und einfach ein Feind deutscher Synchronisation, sonst hätte er kaum ausgerechnet Nielsens Leistung beanstandet, die einer der wenigen Glanzpunkte in der ansonsten jämmerlichen "Citizen Kane"-Synchro ist.


Dass manche seiner Beanstandungen kleinlich sind, würde ich auch sagen. Trotzdem macht es z. B. schon einen Unterschied, ob Kane sich selber als "newspaperman" oder als "Zeitungsfritzen" bezeichnet, da Letzteres eher despektierlich ist. Daneben kritisiert er mehrfach, dass Nielsens Tonfall teilweise erheblich von Welles´ im Original abweiche (S. 68, 75f., 76). Als generellen Synchronfeind würde ich ihn nicht einstufen, denn über die Synchro von Coppolas Dracula-Verfilmung äußert er sich positiv (S. 49).
Zu Hans Nielsen: Mir ist unverständlich, warum man ihn offenbar nur dieses eine Mal auf Orson Welles besetzt hat. Speziell ab 1955 hätte er mit seiner schwerer klingenden Stimme gut auf den korpulenter werdenden Welles gepasst.
Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 13.732

14.08.2008 15:09
#6 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Den "Zeitungsfritzen" hat aber nicht Nielsen, sondern Manfred Köhler zu verantworten - und da habe ich ja schon geschrieben, dass ich die Synchro (bis auf Nielsen und Krause) eher jämmerlich finde. Die Kritik muss halt an der richtigen Stelle sitzen.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 16.728

14.08.2008 15:31
#7 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan
Den "Zeitungsfritzen" hat aber nicht Nielsen, sondern Manfred Köhler zu verantworten - und da habe ich ja schon geschrieben, dass ich die Synchro (bis auf Nielsen und Krause) eher jämmerlich finde. Die Kritik muss halt an der richtigen Stelle sitzen.


Bittkowskis Kritik an der Synchro richtet sich im Bezug auf Kane sowohl gegen Nielsens Interpretation als auch gegen Köhlers Dialoge, in diesem Fall also gegen Letzteres.

Lammers


Beiträge: 3.934

14.08.2008 18:00
#8 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Bei John Wayne gab es ja auch desöfteren mal eine Charakterveränderung wenn Arnold Marquis besetzt wurde. Mit Arnold Marquis klang John Wayne immer ziemlich rauh, besonders wenn er harte Kerle spielte. Nicht nur wegen Marquis Stimme sondern auch wegen dem eingesetzten Kasernenhofton. John Wayne klang dann in der deutschen Fassung immer wie ein Bundeswehroffizier, während er in der OF vielleicht genauso spielte, aber eben wegen seiner weicheren Stimme doch anders rüberkam. Drei Beispiele würden mir einfallen, wo die eben genannte Veränderung in der DF zutrifft: "Der Mann, der Liberty Valance erschoss", "Red River" und der unsägliche Film "Die grünen Teufel". Es gibt sicherlich noch viel mehr Beispiel aber die drei sind mir jetzt eben gerade eingefallen.

Bei der von mir schon öfter genannten Spielfilmreihe "Sherlock Holmes" finden sowohl bei Basil Rathbone als auch bei Nigel Bruce Charakterveränderungen statt. Basil Rathbone klingt im Original wesentlich unerbittlicher und härter als Walter Niklaus, dessen Stimme doch weicher und irgendwie auch neutraler klingt. Dr. Watson kommt zumindest in der Zweitfassung von 1980/81 (Stimme: Hinrich Köhn) wesentlich robuster rüber als in der Fassung von 1969 (Stimme: Alfred Bohl), wo er doch trotteliger wirkt, was ja auch bei Watsons Darstellung von Nigel Bruce der Fall ist.

derDivisor47



Beiträge: 2.087

14.08.2008 18:21
#9 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Ich muß das ncoh mal genau nachgucken, aber in "Tora, Tora, Tora" hat man einmal Sätze zwischen 2 Charakteren vertauscht. So wurde aus dem Angriffslustigne der Vorsichtigere und umgekehrt.
(davon ausgehend, dass die englischen UTs fürs japanische korrekt sind)

berti


Beiträge: 16.728

14.08.2008 20:46
#10 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von Lammers
Bei John Wayne gab es ja auch desöfteren mal eine Charakterveränderung wenn Arnold Marquis besetzt wurde. Mit Arnold Marquis klang John Wayne immer ziemlich rauh, besonders wenn er harte Kerle spielte. Nicht nur wegen Marquis Stimme sondern auch wegen dem eingesetzten Kasernenhofton. John Wayne klang dann in der deutschen Fassung immer wie ein Bundeswehroffizier, während er in der OF vielleicht genauso spielte, aber eben wegen seiner weicheren Stimme doch anders rüberkam. Drei Beispiele würden mir einfallen, wo die eben genannte Veränderung in der DF zutrifft: "Der Mann, der Liberty Valance erschoss", "Red River" und der unsägliche Film "Die grünen Teufel". Es gibt sicherlich noch viel mehr Beispiel aber die drei sind mir jetzt eben gerade eingefallen.


Bei den "grünen Teufel" wurde John Wayne allerdings von Heinz Engelmann gesprochen, der dem O-Ton wesentlicher näher kam als Marquis.
Irgendwo in einem Text über Synchronisationen wurde eine Kritikerin zitiert, die John Wayne nur mit Marquis´ Organ kannte und beim Anhören des O-Tons über seine im Vergleich dazu fast geschmeidige Stimme überrascht war.

Lammers


Beiträge: 3.934

14.08.2008 20:59
#11 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

In Antwort auf:
Bei den "grünen Teufel" wurde John Wayne allerdings von Heinz Engelmann gesprochen, der dem O-Ton wesentlicher näher kam als Marquis.


Oh, ich hatte Marquis im Kopf.

John Connor



Beiträge: 4.883

15.08.2008 11:52
#12 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten
In Antwort auf:
Irgendwo in einem Text über Synchronisationen wurde eine Kritikerin zitiert, die John Wayne nur mit Marquis´ Organ kannte und beim Anhören des O-Tons über seine im Vergleich dazu fast geschmeidige Stimme überrascht war.


Wenn ich mich richtig erinnere, hatte das Frieda Grafe in ihrem 'Filmkritik'-Nachruf auf John Wayne geschrieben.

Grüße,
Fehmi
Lammers


Beiträge: 3.934

17.08.2008 10:57
#13 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Bei der Brandt-Synchro von "Vier Fäuste für ein Halleluja" gibt es bei Bud Spencer und Terence Hill bzw. bei den gespielten Charakteren extreme Veränderungen, was in einem anderen Thread ja auch erwähnt wurde. In der Erstsynchro (Dialogbuch und Regie: Horst Sommer) ist der müde Joe (Zweitfassung: Trinita) ein zurückhaltender Mensch, der eine gehörige Portion Coolness und eine trockene Sprechweise hat, aber trotzdem höflich bleibt. In der Zweitfassung ist er ein leicht angeberischer und ständig blödelnder Sunnyboy. Der Kleine (Zweitfassung: Bambino) ist in der ersten Fassung ein harter und bisweilen auch grober aber im Ganzen ein guter Mensch, in der zweiten Fassung ist er nur dumm und laut was auch durch Arnold Marquis völlig überzogene Sprechweise kommt, die er ja auch in dem Film "Das Krokodil und sein Nilpferd" anwendete.

marginal


Beiträge: 260

17.08.2008 13:20
#14 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten
Nun ja, ob es eine DIN-Norm für "dumm und laut" versus "hart, aber im großen und ganzen ein guter Mensch" gibt, wage ich zu bezweifeln. Ich fand ihn in der ersten Fassung nicht bedeutend cleverer oder leiser.

Die Brandt-Fassung, wo es mir wirklich aufgefallen ist, war "Die Filzlaus", wo Marquis auf Lino Ventura ständig rumkaspern mußte. Die Performance des Schauspielers war anfangs kühl und zurückgenommen, bis Jacques Brels tragikomischer Trottel ihn mehr und mehr in den Wahnsinn treibt, eine charakterliche Entwicklung also. Hier hat Brandt tatsächlich versagt, da er Marquis von Anfang an im Bierkutscherstil jeden Hotelpagen anmotzen läßt, so dass jede schauspielerische Nuance darüber verloren ging.
Lammers


Beiträge: 3.934

17.08.2008 14:09
#15 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

In Antwort auf:
Nun ja, ob es eine DIN-Norm für "dumm und laut" versus "hart, aber im großen und ganzen ein guter Mensch" gibt, wage ich zu bezweifeln. Ich fand ihn in der ersten Fassung nicht bedeutend cleverer oder leiser.


Wolfgang Hess hat in der ersten Fassung aber eine völlig andere Spielweise und lässt ihn nicht so plump daherkommen, wie es bei Arnold Marquis der Fall ist, der ihn zum Volltrottel macht.

Zitat: "Wohin reiten wir eigentlich ?"
"Nach Norden."
"Warum nach Norden ?"
"Weil ich es sage, verstanden ?!" (1. Fassung)

....
"Weil ich es so will". (2. Fassung)

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