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Dieses Thema hat 126 Antworten
und wurde 14.824 mal aufgerufen
 Allgemeines
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berti


Beiträge: 17.543

25.09.2008 14:37
#61 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Dadurch wird zwar der Name der Figur verändert, aber nicht der Charakter.

Jane



Beiträge: 542

26.09.2008 09:22
#62 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Darf ich an dieser Stelle Franziska Pigullas Interpretation von Scully aufführen? Eines meiner größten Probleme mit der eiegtnlich sehr guten Synchro ist die Art und Weise wie Pigulla Scully darstellt. In der deutschen Version wirkt sie sehr viel kühler um nicht zu sagen emotionsloser als im Original. Gerade Gillian Anderson's nuanciertes Schauspiel leidet darunter, da sie Scullys Emotionen mitunter nur durch ein Zittern in der Stimme und Mimik ausdrückt. Anderson Scully zeigt mitgefühl mit Opfern oder wenn ihr ein Verbechen an die Nieren geht...in der Synchro kommt es so rüber als würde sie das gar nicht rühren.
Ein Umstand, den viele deutsche Akte X Fans mittlweile ziemlich nervig finden...

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 14.897

26.09.2008 10:36
#63 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Ein klassisches Beispiel:
Während Walter Blum die Eigenart von Stan Laurel ziemlich gut traf, hatte Oliver Hardy von seinen vielen Sprechern nur zwei, die seine selbstverliebte Distinguiertheit nachempfanden (Arno Paulsen und Hermann Pfeiffer).
Die meisten anderen sprachen ihn bewusst komisch und beraubten ihn ironischerweise dadurch seiner spezifischen Komik. Besonders Gerd Duwner hatte sein Ziel verfehlt, zusätzlich ermutigt durch Regisseur Krüger (Schwier hatte ihn offenbar noch gemäßigt). Aber auch Michael Habeck bekam diese Seriosität erst in späteren Jahren in den Griff. Und Bruno W. Pantel war sich wohl stets bewusst, dass er nicht die Idealbesetzung war und außerdem stimmlich viel zu tief lag, jedenfalls kickste er in vielen Passagen. Vom gravitätischen Möchtegern-Gentleman Oliver Hardy (damit ist natürlich die gespielte Figur gemeint) bleibt also in den deutschen Fassungen nur selten etwas bestehen.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 17.543

26.09.2008 22:18
#64 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten
Ein Beispiel aus dem Zeichentrick-Bereich.
In dem lange "verschollenen" und nur als Hörspiel greifbaren Disney-Film "Taran und der Zauberkessel" wird der gehörnte Koönig im Original von John Hurt gesprochen. Hurt spricht die Rolle mit einer geisterhaften Stimme und wirkt gerade dadurch bedrohlich, dass er sich meist zurückhält und sanft spricht. In der deutschen Fassung hört man Joachim Kemmer als König, der leider fast durchgehend aggressiv-bedrohlich knurrt, was im Vergleich viel plakativer wirkt.
Ein Beispiel: An einer Stelle sagt der König im Original sanft: "Very well, in that case the pig is no use to me!" und zerbricht dabei einen Steinkrug mit der bloßen Hand. Im Deutschen knurrt Kemmer "Na schön, dann hat das Schwein keinen Nutzen mehr für mich!". Das Zerbrechen wirkt immer noch brutal und schockierend, aber der Kontrast zum sanften Tonfall fehlt völlig.

An einer späteren Stelle sag der König zu Creeper: "This had better be not your fault!". Der Satz beginnt wieder ganz sanft, erst beim letzten Wort wird der Tonfall aggressiv, und passend dazu fängt der König an, seinen Diener zu würgen. Kemmer grummelt dagegen durchgehend bedrohlich: "Wehe dir, wenn du schuld daran bist!", so dass die Steigerung zum Ende hin wegfällt.
Evana



Beiträge: 40

26.09.2008 22:32
#65 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten
Ich finde Franziska Pigulla für die Rolle der Dana Scully absolut perfekt. Durchweg.
Besonders im 2. Kinofilm in den Szenen mit dem Priester. Da konnte man den Ekel richtig spüren. Für mich jedenfalls eine Glanzleistung.
Ich weiß nicht welche Folgen das sein sollen, wo sie stimmlich kein Mitgefühl mit den Opfern zeigt. Für mich ist das in der deutschen Synchro immer so gewesen.
Das soll kein Angriff sein, aber es ist schon irgendwie traurig, wenn eine Frau mit einer tiefen Stimme gleich als Eiskönigin angesehen wird. Und selbst wenn es so wäre, ich finde dunklere Stimmen viel interessanter.
Wissenschaftlich/Seriös kann sie anscheinend sein, aber Emotionen kann sie nicht zeigen. Die arme Frau...
Hoffentlich darf sie das wenigstens im wahren Leben.

Man möge mir die letzten etwas zynischen Worte verzeihen. Ich bin hauptsächlich durch Pigullas Synchro Fan der Serie geworden.
Deswegen bin ich da schon empfindlich.
Nichtsdestotrotz respektire ich natürlich Janes Meinung. Sie weiß es hoffentlich.
Ich konnte es nur nicht unkommentiert lassen.
berti


Beiträge: 17.543

28.10.2008 09:43
#66 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Bud Spencer wurde sowohl in den englischen als auch in den italienischen Fassungen seiner Filme fast immer fremdsynchronisiert. Mücke hat darauf hingewiesen, dass man ihm in Italien offenbar bewusst "eine andere Note" verleihen wollte und oft einen Sprecher wählte, der vom Klang her eher Wolfgang Hess als Spencers eigener Stimme ähnelte.

berti


Beiträge: 17.543

07.11.2008 18:22
#67 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Wenn am die Erstsynchro von "Asterix, der Gallier" mit der aus dem Fernsehen bekannten Fassung vergleicht, fällt auf, dass viele Figuren deutlich anders rüberkommen.
Gaius Bonus wirkt z. B. mit Martin Hirthes scharfer Stimme mehr wie ein polternder Offizier, mit Horst Niendorf klingt er wesentlich gemütlicher und auch beschränkter. Daneben ließ Elsholtz ihn das Wort Druide mehrfach verkorksen ("Du Riese", "Düse", "Drüse"), wodurch er zusätzlich zur Witzfigur wird.
Miraculix kommt mit Friedrich W. Bauschultes Stimme eher zauselig rüber als mit dem wesentlich härteren und kernigeren Klaus W. Krause.
Andere Beispiele wären der Folterknecht, der in der Zweitsynchro nur noch lächerlich wirkt, oder Majestix, der mit Michael Chevalier nicht so autoritär wirkt wie mit Eduard Wandrey.

berti


Beiträge: 17.543

09.01.2009 22:21
#68 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten
In Otto Premingers "Laura" hört sich Clifton Webb als Waldo Lydecker im Original hoch, geziert und teilweise fast tuntig an. In der DF wird er von Helmo Kindermann gesprochen, dessen tiefe, männliche Stimme einen gewissen Kontrast zu Webbs/Lydeckers dandyhaftem Auftreten darstellt.
Isch


Beiträge: 3.402

10.01.2009 12:33
#69 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von berti
Wenn am die Erstsynchro von "Asterix, der Gallier" mit der aus dem Fernsehen bekannten Fassung vergleicht, fällt auf, dass viele Figuren deutlich anders rüberkommen.
Gaius Bonus wirkt z. B. mit Martin Hirthes scharfer Stimme mehr wie ein polternder Offizier, mit Horst Niendorf klingt er wesentlich gemütlicher und auch beschränkter. Daneben ließ Elsholtz ihn das Wort Druiden mehrfach verkorksen ("Du Riese", "Düse", "Drüse"), wodurch er zusätzlich zur Witzfigur wird.
Miraculix wird mit Friedrich W. Bauschultes Stimme eher zauselig als mit dem wesentlich härteren und kernigerem Klaus W. Krause.
Andere Beispiele wären der Folterknecht, der in der Zweitsynchro nur noch lächerlich wirkt, oder Majestix, der mit Michael Chevalier nicht so autoritär wirkt wie mit Eduard Wandrey.

Gibts da außer den 2 Sekunden auf youtube noch wo mehr von zu sehen bzw. hören?

berti


Beiträge: 17.543

10.02.2009 11:08
#70 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von Joha
Und noch eine: Leslie Nielsen in "Naked Gun". Nicht unbedingt eine Charakteränderung aber die Originalstimme ist doch deutlich tiefer und anders als die Synchro.
Und man höre und staune...mir gefallen beide sehr gut. Einige der deutschen Sprüche sind fest in meinen Wortschatz integriert.
"Den würd' ich nehmen, wenn's 'n Doppelter wäre!" passt eigentlich immer.


Als ich den Film neulich endlich mal im O-Ton gesehen habe, fand ich eigentlich nicht, dass sich Leslie Nielsen und Horst Schön vom Tonfall her sonderlich unterscheiden würden.

Vigo


Beiträge: 12

16.02.2009 20:15
#71 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Die schlechteste Synchro, die mir spontan so einfällt ist die von Futurama. Das Original glänzt mit einer hervorragenden, sehr wandlüngsfähigen und talentierten Sprecherbesetzung. Die deutsche Synchro hingegen "glänzt" nicht nur mit kontinuierlichen Fehlübersetzungen, sondern wirkt auch extremst lustlos, ohne jeglichen Sinn für Timing und emotionalen Akzenten. Schrecklich.

Von den Simpsons mag ich am liebsten die ersten 3, von Siegfried Rabe, bearbeiteten Staffeln.

smeagol



Beiträge: 3.901

17.02.2009 09:24
#72 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten
Zitat von berti
Als ich den Film neulich endlich mal im O-Ton gesehen habe, fand ich eigentlich nicht, dass sich Leslie Nielsen und Horst Schön vom Tonfall her sonderlich unterscheiden würden.

Finde ich auch - aber Horst Schön spielt diese wunderbaren Betonungen in den Dialogen noch um einiges besser heraus. Seine ganz spezielle Betonung ("Den würde ich nehmen, wenn's ein Doppelter wäre!", "Bingo!", "Toller Pelz.") macht Nielsen dadurch im Humor noch eine Ecke trockener als im O-Ton. Ganz grandios und macht auch immer wieder Spaß, ihm zuzuhören.
berti


Beiträge: 17.543

25.02.2009 18:24
#73 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Der von Elisha Cook jr. gespielte Killer Wilmer in "Die Spur des Falken" ist noch relativ jung, worauf im Dialog mehrfach bezug genommen wird.
Wolfgang Schick besetzte jedoch K. E. Ludwig auf Cook, wodurch Wilmer erheblich grimmiger und vor allem älter wirkt. Als ich früher nur die DF kannte, verstand ich deshalb nicht, warum Spade Wilmer ständig als "mein Kleiner", "Junge", "Bengel" o. ä. bezeichnet. Erst durch die DVD wurde mir das klar, als ich Cooks eigene (erheblich höhere und weichere!) Stimme hörte.
Stefan hat ja vermutet, dass die Rolle durch die Besetzung eventuell "größer und gefährlicher wirken" sollte. Ich finde, dass Schick sich hiermit eine massive Charakterveränderung bzw. sogar -verfälschung geleistet hat.
Dass er Marquis auf Bogart hemmungslos rumschreien ließ und so (wie Stefan anderswo schrieb) die feineren Nuancen der Rolle untergingen, könnte man eventuell auch als ein Beispiel anführen.

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 14.897

25.02.2009 20:06
#74 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Er sollte auch dadurch größer erscheinen, dass er im Dialog kurzerhand als 1,75 angegeben wurde (ob auch im Original habe ich jetzt nicht parat), was Bogey automatisch auf eine Größe von 1,85 zerrt - 20 cm zuviel.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 17.543

25.02.2009 22:45
#75 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan
Er sollte auch dadurch größer erscheinen, dass er im Dialog kurzerhand als 1,75 angegeben wurde (ob auch im Original habe ich jetzt nicht parat), was Bogey automatisch auf eine Größe von 1,85 zerrt - 20 cm zuviel.



Meinst du, dass er deswegen besetzt wurde?
Nach meiner Erinnerung sagt Spade über Wilmer, dass er "etwa 1,70" sei. Wenn Schick gewollt hätte, dass er größer wirke, hätte er ihn doch eine andere Größe angegeben lassen, oder?

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