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Dieses Thema hat 126 Antworten
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 Allgemeines
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Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 14.897

17.08.2008 15:01
#16 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von marginal
Die Brandt-Fassung, wo es mir wirklich aufgefallen ist, war "Die Filzlaus", wo Marquis auf Lino Ventura ständig rumkaspern mußte. Die Performance des Schauspielers war anfangs kühl und zurückgenommen, bis Jacques Brels tragikomischer Trottel ihn mehr und mehr in den Wahnsinn treibt, eine charakterliche Entwicklung also. Hier hat Brandt tatsächlich versagt, da er Marquis von Anfang an im Bierkutscherstil jeden Hotelpagen anmotzen läßt, so dass jede schauspielerische Nuance darüber verloren ging.

Umso schmerzlicher der Verlust der DEFA-Fassung, in der Walter Niklaus in den erwähnten frühen Szenen Ventura das entsprechende drohend ruhige Timbre gab ("Ich möchte in Ruhe meinen Kaffee trinken!")

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 17.542

17.08.2008 16:59
#17 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten
@Stefan: Wenn ich mich richtig erinnere, hast du doch im Thread über "schwache Leistungen von Top-Sprechern" kritisiert, dass Arnold Marquis durch (wieder mal) zu lautes Poltern die Rolle des Sam Spade in "Die Spur des Falken" auch in eine vom Original abweichende Richtung gebracht hätte.
Meinst du, das wäre auch ein Fall für diesen Thread?
marginal


Beiträge: 260

17.08.2008 18:31
#18 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

PS: zum Thema französische Komödien noch eine Frage in die Runde: von einigen dieser Filme, beispielsweise Belmondo's "Der Unverbesserliche"(1975)gab es parallel eine DEFA-Fassung. Nun finde ich die Brandt-Fassung von diesem Film wiederum sehr gelungen, obwohl an einigen Stellen sehr frei. Warum hat Progress oder wer auch immer diese im Osten nochmals bearbeiten lassen? Rechtefragen? Oder wollte man bewußt gegen den Westberliner Schnodderstil ankämpfen?
Ich kann mir vorstellen, dass die Westsynchro den ostdeutschen Verleihen in manchen Fällen ("Die Filzlaus") schlicht und einfach zu blöd war, bei anderen kann ich es wiederum nicht nachvollziehen.

Joha


Beiträge: 180

18.08.2008 09:23
#19 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Leider kann ich deine Fragen nicht beantworten, marginal, aber zum Thema "Charakterveränderungen" sind mir spontan zwei Sachen eingefallen...beide betreffen witzigerweise Frank Glaubrecht:
Die eine wäre Al Pacino als Tony Montana in "Scarface". (Ich glaube, es gibt davon zwei Synchros(?)...Ich beziehe mich jetzt auf die neuere.) Im Original wirkt Al Pacino auf mich viel unangenehmer, gewalttätiger und mehr wie jemand, der von der Straße kommt. In der Synchro dagegen kommt er mir deutlich cooler und überlegter vor.
Ich weiß nicht, ob das allein durch den fehlenden spanischen Akzent im Deutschen herrührt. Ich denke, es ist noch irgendwas anderes...

Die andere Sache ist Pierce Brosnan als James Bond. Irgendwie kam er mir immer wie ein "amerikanischer" James Bond vor. Wobei ich nicht genau wusste wieso. Als ich die Filme dann zum ersten Mal im Original gesehen habe, wurde mir klar, dass diese Assoziation durch seine deutsche Synchronstimme hervorgerufen wurde. Der Original-Pierce-Brosnan-James-Bond wirkt durch seinen britischen Akzent auf mich total anders, als der Frank-Glaubrecht-James-Bond. Einfach eleganter und britischer...mehr in Richtung Roger Moore.

Lammers


Beiträge: 4.082

18.08.2008 09:33
#20 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

In Antwort auf:
Der Original-Pierce-Brosnan-James-Bond wirkt durch seinen britischen Akzent auf mich total anders, als der Frank-Glaubrecht-James-Bond. Einfach eleganter und britischer...mehr in Richtung Roger Moore.


Ich habe noch nicht den aktuellen James-Bond-Film "Casino Royale" gesehen aber habe hier im Forum auch mal gehört, Dietmar Wunder wirke doch anders als Daniel Craig im Original. Findet in der DF auch eine Charakterveränderung statt ?

Lefort


Beiträge: 121

19.08.2008 08:38
#21 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Ich habe den Film nur einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch gesehen. Ich kann nur sagen, dass mir Craigs Stimme im Original wesentlich besser gefällt als Wunders Synchro. Craigs Stimme wirkt vor allem in der Eröffnungssequenz wesentlich bedrohlicher als Wunders, meiner Meinung nach. Glaube aber nicht, dass der Charakter wesentlich verändert wurde. Nur eine Übersetzung fand ich sehr mißlungen: In der englischen Fassung sagt Craig zu Eva Green in einer Szene "You are a bloody idiot!" In der deutschen Fassung sagt er irgendwas wie "Du bist eine dumme Kuh!"

Bezogen auf die Bond-Filme fand ich aber, dass Roger Moore durch Niels Clausnitzer fiel zu brav charakterisiert wird, mehr wie ein netter Familienvater. Seine englische Stimme wirkt auf mich wesentlich härter, eleganter und cooler.

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 14.897

19.08.2008 09:58
#22 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Eine deutliche Charakterveränderung gab es bei Benno Sterzenbach in der zweiten Synchro von "Die große Sause": Während im Original die deutschen Offiziere erstaunlich kulturvoll gezeichnet wurden (klar, nur ein starker Schurke ist ein guter Schurke) und Sterzenbach mit Spaß an der Sache einen poltrigen, aber nicht mal unsympathischen "Kraut" gab, geriet er unter Brandts Regie und mit Hans W. Clasens Stimme zum zeternden Zerrbild eines Preussen. Deutlichstes Beispiel: eine kleine Tänzerin rennt gegen ihn auf dem Theaterflur an; Clasen faucht sie an: "Verrückt geworden, was?", Sterzenbach (er sprach sich in der ersten Fassung selbst) dagegen breit grinsend (und genießerisch): "Oh, meine Dame!"

Gruß
Stefan

Moviefreak


Beiträge: 538

19.08.2008 10:41
#23 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Ich habe neulich (endlich!) einmal den Klassiker Rio Bravo angeschaut. Ich habe ihn erst auf deutsch geschaut. Ich finde, daß Holger Hagen auf Dean Martin in diesem Film außergewöhnlich gut paßt. Diese Besetzung bewirkt vielleicht nicht eine Charakterveränderung, aber eine deutliche Verstärkung der Stimmung dieses Charakters (und auch des Films). Hagen klingt auf Martin viel melancholischer als im Original, was m.M.n. sehr gut paßt und der Rolle zuträglich ist.
Nebenbei bemerkt finde ich auch Ernst Konstantin für Wayne sehr passend. Ich hatte Konstantin bisher nicht im Ohr und hatte zuerst fälschlicherweise angenommen, daß es sich um einen etwas verändert klingenden Engelmann handelt, den ich für den besten Wayne-Sprecher halte (so sehr ich auch Marquis als Stimme liebe). Also für mich ist Konstantin ein guter Engelmann-Ersatz. Aber das ist natürlich alles OT...

berti


Beiträge: 17.542

19.08.2008 17:11
#24 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von Moviefreak
Ich habe neulich (endlich!) einmal den Klassiker Rio Bravo angeschaut. Ich habe ihn erst auf deutsch geschaut. Ich finde, daß Holger Hagen auf Dean Martin in diesem Film außergewöhnlich gut paßt. Diese Besetzung bewirkt vielleicht nicht eine Charakterveränderung, aber eine deutliche Verstärkung der Stimmung dieses Charakters (und auch des Films). Hagen klingt auf Martin viel melancholischer als im Original, was m.M.n. sehr gut paßt und der Rolle zuträglich ist.


Du hast demnach Martin Stammsprecher Klaus Miedel hier nicht vermisst? Dann würde es dir so gehen wie mir, während Mücke sich ja darüber geärgert hat, dass Miedel ausgerechnet bei Martins anspruchsvollster Rolle nicht zum Einsatz kam.

smeagol



Beiträge: 3.901

20.08.2008 09:06
#25 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten
Ein weiteres Beispiel ist Sean Connery. Er kommt im O-Ton härter und dadurch unsympathischer rüber. Durch GGHs Intonation und sein stets vorhandenes "Augenzwinkern" in der Stimme wird die Figur des James Bond sympathischer, ohne ihr die Wirkung eines Geheimagenten zu nehmen. Das mehr an Charme durch die Stimme tut sowohl dem Schauspieler Connery als auch der Rolle gut.
berti


Beiträge: 17.542

20.08.2008 09:15
#26 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von smeagol
Ein weiteres Beispiel ist Sean Connery. Er kommt im O-Ton härter und dadurch unsympathischer rüber. Durch GGHs Intonation und sein stets vorhandenes "Augenzwinkern" in der Stimme wird die Figur des James Bond sympathischer, ohne ihr die Wirkung eines Geheimagenten zu nehmen. Das mehr an Charme durch die Stimme tut sowohl dem Schauspieler Connery als auch der Rolle gut.



Ich finde auch, dass der Kontrast Connery/GGH wesentlich größer ist als der Moore/Clausnitzer! Moore klingt im O-Ton ebenfalls geschmeidig, während Connery ziemlich rau rüberkommt, u. a. auch durch seinen schottischen Akzent.

Jayden



Beiträge: 6.533

20.08.2008 09:59
#27 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Ich bin auch der Meinung, dass GGH auf Connery (insbesondere als James Bond) zu weich klang - ein deutlicher Kontrast zwischen Gesicht und Stimme. GGH war für mich passender besetzt auf zurückhaltenderen, verschmitzten Charakteren, wie etwa Patrick McNee in Mit Schirm, Charme und Melone oder in Im Angesicht des Todes. Trotz seiner wenigen Einsätze präferiere ich bei Sean Connery Manfred Wagner und bei Connerys Bond Klaus Kindler.

PS: Ja, ich habe Jehova gesagt.

PeeWee


Beiträge: 1.713

20.08.2008 10:16
#28 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Das war aber auch nicht immer so ganz so, denn in Liebesgrüße aus Moskau klingt er an manchen Stellen sogar härter oder zumindest arroganter als Connery im Original, beispielsweise der Spruch wie ihn seine Freunde nennen: Während Connery es weich und fast warm intoniert, kommt GGH da mit seinem "Mich nennen meine Freunde James Bond" (o.ä.) zirmlich unlocker rüber.

Eine weitere Veränderung, wenn nicht gar Verbesserung des Charakters, ist GGH dann auch bei Captain Kirk anzulasten. Der SOLL im Original möglicherweise so charmant sein, wie GGH ihn macht - isses durch Shatner dann aber doch nicht so ganz. Während man Shatner im O-Ton schon sehr mögen muß, um darüber hinwegzusehen, daß er kein soooo doller Schauspieler is, merkt man das in der deutschen Fassung nicht so sehr, weil GGH wundervolles "Stimmspiel" über diese Tatsache hinwegtäuscht. Das nimmt dem ganzen ein bißchen die Shatnerische Steifheit (nur aufs Spiel bezogen!). Ein bißchen "näher am Original" ist GGH dann bei den SAT1-Synchros der Star Trek Folgen in den 80ern, wo er weniger frisch und, es wurde glaub ich auch mal geschrieben "gelangweilt" klingt. Dadurch bekommt der Zuhörer einen besseren Eindruck davon, wie Shatner im Original so wirkt... find ich.

smeagol



Beiträge: 3.901

20.08.2008 10:57
#29 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

In Antwort auf:
PS: Ja, ich habe Jehova gesagt.

Ich glaube, ich nehme den großen, flachen da und ein Paket Kies!

Ich teile deine Ansicht, dass GGH zu weich für Connery klang nicht, obwohl ich Wagner in "The Rock" auch ganz gut fand. Es war anders als GGH ihn angelegt hatte und lässt auch ein wenig die Sympathie vermissen, die GGH Connery immer verliehen hatte. Aber es war durchaus eine gute Variante. Alles was danach kam, fand und finde ich jedenfalls nur noch unpassend.

PeeWee


Beiträge: 1.713

20.08.2008 11:13
#30 RE: Charakterveränderungen in der Synchronisation Zitat · antworten

Ich denke mal, das hab ich auch schon öfter geschrieben, aber ich bin kein son Fan von Manfred Wagner bei Connery. Ja, er kommt dem O-Ton sehr nahe, aber a) fehlt mir GGHs Augenzwinkern und b) hab ich die Stimme vorher noch ne (bewußt) gehört. Und ich vertrete die Ansicht, daß bei jemand, den man seit Jahren "kennt" auch die Stimme eine sein sollte, die man kennt. Sonst ist es noch ungewohnter. Ich hätte mir z.B. Heinz Drache als Rückkehr einer alten Stimme sehr gut vorstellen können, der eigentlich ganz gut zwischen Connery und GGH liegt. Das hätte für mich funktionieren können. Kindler war mir zu hart, mit Sonnenschein kann ich, weil man die Stimme kennt, sehr gut leben. Besser als mit Otto "Der Mann für alle alten Säcke" Mellies, da hätte man dann in League doch lieber noch mal Michael Chevalier ranlassen sollen, der David Hemmings spricht. Irgendjemand hier hat glaub ich auch mal Claus Biederstaedt ins Rennen geschickt. Da der Drache vom Typ her nicht unähnlich ist, könnte ich mir das auch gut vorstellen.

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