Zitat von Samedi im Beitrag #91Hat Arne Elsholtz in Mary Poppins den Schornsteinfeger mit dem Dialog "Ist sie nicht entzückend?" gesprochen?
Nebenbei sei noch einmal bemerkt, dass es sich bei der deutschen Bearbeitung von Mary Poppins um ein Musterbeispiel für herausragende Synchronisation handelt. Höre ich mir immer wieder gerne an.
In der Tat. Ich habe noch in den letzten Tagen an ihn gedacht. Neben seiner Leistung als Sprecher hatte er als Dialogautor eine sehr große Kreativität. Besonders was den Umgang mit Wortspielen und sprachlichen Eigenarten anging. Letzteres war ja beim "Leben des Brian" der Fall, wo man sich theoretisch fragen könnte, wie jemand anders den Sprachfehler von Pontius Pilatus übertragen hätte und ob er es überhaupt gemacht hätte. Ebenso ist mir bei Filmen wie "Robin Hood - Helden in Strumpfhosen" und "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" seine große Kreativität aufgefallen. Einen starken Akzent wie Jive zu übertragen und dann ein ebenso starkes Bayrisch anzuwenden entspricht zwar auch irgendwie dem damaligen Zeitgeist (siehe z. B. "Der Dampfhammer von Send-Ling", wo zig deutsche Dialekte auftauchen), zeugt aber auch von einer sehr großen Intuition eine Alternative zu finden, die dann auch passt. Was Namen und Wortspiele angeht findet sich auch in "Die unglaubliche Reise..." das Beispiel mit "... und bitte nennen Sie mich nicht Ernst" bzw. "And don't call me Shirley" sowie in "Robin Hood - Helden in Strumpfhosen" Anspielungen auf Kevin Costner (..."weil ich, als ein anderer Robin Hood, den Produzenten nicht 5 Millionen kostner" bzw. "Because, unlike an other Robin Hood, can speak with an english accent") sowie ein anderes eigentlich unübersetzbares Wortspiel mit "King Kong" und noch etwas anderem, wo er "König Fußball" und "Königs Pilsener" genommen hat, was zwar auch sehr albern klingt aber die Absurdität (im positivem Sinne) dieses Films unterstreicht.
Ich glaube, in seiner Generation war er einer der wenigen Personen, die eine solche Kreativität besaßen. Auch vom Schnodderdeutsch sind manche seiner Synchronfassungen beeinflusst, wobei er eher gemäßigt gekalauert hat, so dass es nicht zuviel wurde, sondern im Rahmen blieb. Kurzgesagt hat er insgesamt echt gute Synchronfassungen abgeliefert und dafür gesorgt, dass sie auch im Ohr bleiben und man sich dadurch gerne an diese Filme erinnert.
Elsholtz war auch damals Synchronregisseur und Dialogbuchautor diverser Stephen Spielberg Filme, wo er auch u.a. tolle Arbeit abgeliefert hatte und seinen Stempel aufgedrückt hatte. Ferner hatte er auch noch legendäre Stammbesetzungen etabliert. In Sachen Filmgeschichte ist es so gut wie unmöglich an Elsholtz Namen vorbeizukommen wenn es um deutsche Synchros geht. Der hatte gefühlt für jeden zweiten kultigen popkulturellen Film die Synchros verantwortet. Sein Lebenswerk als Regisseur und Dialogbuchautor ist für mich sogar noch größer als seine Tätigkeit als Synchronsprecher an sich, auch wenn er in dieser Funktion auch oft genug tätig war. Seine Regie- und Dialogbucharbeit ist für mich aber nochmal nachhaltiger.