Zitat von Verwirrter im Beitrag #987
Im Sat.1-Frühstücksfernsehen waren heute zum Thema "Angst vor KI-Stimmenklau" Dietmar Wunder, Ranja Bonalana, Patrick Winczewski und Katrin Fröhlich zu Gast:
https://www.joyn.de/play/clip/angst-vor-ki-stimmenklau
Dieses kurze Interview bringt so ziemlich alles Wichtige auf den Punkt. Danke.
Ich bin bei diesem Thema sehr zwiegespalten. Ich möchte nicht auf die deutschen Synchronstimmen verzichten, weil ich damit aufgewachsen bin und viele Stimmen für mich unverwechselbar mit Schauspielern und Filmzitaten verbunden sind. Diese Stimmen haben auch einen kulturellen Wert.
Leider sorgt bereits die Art und Weise, wie heute synchronisiert wird, dafür, dass viele Projekte künstlich klingen – trotz menschlicher Stimmen. Die Nachwuchssprecher, aber auch einige „Fließbandarbeiter“, klingen oft schon künstlich.
Ich schaue trotz meiner Vorliebe für Synchronisation heute englischsprachige Produktionen fast ausschließlich im Original. Nicht wegen der Stimmen, sondern wegen der Natürlichkeit und weil die Stimmen nicht alle so sehr „über“ dem Bild auf einer einzigen Ebene liegen, sondern eindeutig aus dem „Raum“ kommen und verortbar sind. Das konnte Synchronisation natürlich noch nie, aber es ist der Grund, warum ich zwiegespalten bin.
KI-Synchronisation könnte theoretisch die Stimmen besser im Raum verorten und zusätzlich Lippensynchronität schaffen.
Die einzige Form von KI-Synchronisation, die ich mir wirklich vorstellen könnte, wäre ein Mix – die KI nur als Werkzeug zu nutzen, um Räumlichkeit und Lippensynchronität zu schaffen. Die Arbeit und die Stimmen sollten unbedingt weiterhin von den deutschen Synchronschauspielern kommen – nur dann kann es am Ende menschlich sein. Darauf könnte man sich vermutlich auch vertraglich einigen.
Ich selbst nutze KI oft als Werkzeug – sie soll mich bitte nicht ablösen.
Ich habe selbst vor einiger Zeit einige Takes an einen Radiosender geschickt, die ich per KI-Stimme erstellt hatte, weil meine Stimme meiner Meinung nach gerade nicht sauber war. Es kam sofort ein Anruf. Die Takes waren so „perfekt“, dass es dort niemandem gefiel. Ich schickte die Version mit kaputter Stimme – und die war dann gewollt. Sie war nämlich menschlich.