Absolutes Highlight dieser Synchro ist natürlich Wilhelm Borchert. Seine Besetzung war alles andere als selbstverständlich. Zum einen wurde er bei Henry Fonda leider immer wieder durch jemand anderen ersetzt, zum anderen war diese Rolle für Fonda bekanntlich äußerst untypisch. Borchert klingt nicht nur herrlich dreckig ("Ich könnte dich wie einen faulen Apfel zerquetschen!" zu dem am Bodne liegenden Morton oder der Dialog mit Jill im Bett) und kalt, sondern lässt in den Szenen, in denen Frank Harmonikas Identität herausfinden will, dessen innere Nervösität bei aller äußerlichen Härte durchklingen. Grandios!
KANN ICH NUR ZUSTIMMEN. EINE ÄHNLICHE GRANDIOSE LEISTUNG WIEDERHOLT BORCHERT NOCHMAL IN DER SELBEN KOMBI AUF FONDA IN DEM FILM "SIE MÖCHTEN GIGANTEN SEIN"! EBENFALLS GANZ HART UND DRECKIG ABER IN WENIGEN SZENEN AUCH UNHEIMLICH SENSIBEL. INSGESAMT IST DER FILM SEHR GUT SYNCHRONISIERT! EINZIGSTER WEHRMUTSTROPFEN DER SYNCHRO IST DIE (MEINER MEINUNG NACH VÖLLIGE FEHLBESETZUNG) VON MICHAEL CHEVALIER AUF PAUL NEWMANN, DA SICH ZU DIESER ZEIT (1973) GGH BEREITS AUF NEWMANN ETABLIERT HATTE. DER FILM ERSCHEINT NÄCHSTEN MONAT (ENDLICH) BEI UNS AUF DVD.
Zitat von JörnEINZIGSTER WEHRMUTSTROPFEN DER SYNCHRO IST DIE (MEINER MEINUNG NACH VÖLLIGE FEHLBESETZUNG) VON MICHAEL CHEVALIER AUF PAUL NEWMANN, DA SICH ZU DIESER ZEIT (1973) GGH BEREITS AUF NEWMANN ETABLIERT HATTE.
Ich nehme an, der Grund für GGHs Nicht-Besetzung war, dass der Film von der MGM verliehen wurde. Denn die setzte bis 1965 bei Newman auf Wolfgang Kieling, danach auf Chevalier.
Aus Anlass der gestrigen Ausstrahlung von "Das Appartement" möchte ich eine Lobeshymne anstimme: Dieser Film, den selbst der sehr selbstkritische Billy Wilder im Nachhinein lobte und für den er gleich drei Oscars (Buch, Film und Regie) erhielt, hat eine grandiose Synchro erhalten. Laut Stefan wurde diese auch von der Filmkritik der DDR ausdrücklich gelobt:topic-threaded.php?forum=11776730&threaded=1&id=510040&message=7155637 Das kann ich absolut nachvollziehen. Das Dialogbuch der leider kurz nach der Premiere verstorbenen Erika Streithorst (könnte das vielleicht sogar ihre letzte Arbeit gewesen sein?) ist grandios, die Besetzung eine Pracht. Zu Georg Thomalla muss ich wohl nichts mehr sagen (hätte er doch im deutschen Film jemals eine vergleichbare tragikomische Rolle spielen können!). Gertrud Kückelmann bringt Fran Kubelik innere Zerbrochenheit genial rüber, ebenso wie Alfred Balthoff den moralisierenden und doch ungeheuer liebenswerten Arzt von Nebenan. Dass der zu dieser Zeit öfter langweilig und steif besetzte Wolfgang Lukschy den scheinbar charmanten, in Wirklichkeit völlig charakterlosen Chef sprechen durfte, war ein Glücksfall. In Nebenrollen brillieren Siegfried Schürenberg und Hans Hessling. Mir ist keine Rolle eingefallen, die ich schlecht besetzt oder gespielt fand.
Achim Petry in einer Doppelrolle für den ebenfalls in einer Doppelrolle agierenden Rolan Bykow in "Ali Baba und die 40 Räuber". Mit donnernder Stimme, die stark an Martin Hirthe gemahnt, lässt er als Räuberhauptmann Abu Hassan die Lautsprecher erzittern, als Großwesir dagegen hört man ihn mit so hoher, dünner Stimme, die sich mehrfach überschlägt (hatte er etwa Honecker als Vorbild? Warum nicht, Petry spielte einige Jahre später sogar mal Hitler...), dass man ihn kaum erkennt. Nie käme man darauf, dass es sich um den selben Schauspieler/Sprecher handelt, würde die Doppelrolle nicht explizit im Vorspann erwähnt (klugerweise, denn so kommt man ironischerweise nicht so schnell dahinter, dass es sich um die selbe Person handelt, sondern hält es für eine Zweifachbesetzung).
Bekanntlich spielte Connery in späteren Jahren zahlreiche selbstironische Altersrollen, die väterlich oder mentorhaft angelegt waren. 1986 war dieser Rollentyp für ihn aber noch nicht abgedroschen, sondern relativ neu und originell. GGH konnte in dieser Rolle nicht nur seinen selbstironischen Charme einsetzen, sondern ihm kam auch der Umstand zugute, dass seine Stimme bereits deutlich gealtert war und weicher klang. Sie passte (wie auch in "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug") perfekt zu Connerys Rollenalter. Eindrucksvoll war aber auch die Szene, in der William während des Inquisitionsprozess verzweifelt versucht, ein Fehlurteil abzuwenden, und dabei immer lauter wird. Aber auch ansonsten weist die Synchro zahlreiche gelungene Besetzungen (Manfred Lichtenfeld, Klaus Höhne, Siegmar Schneider) auf. Ob der kürzliche Verstorbene Bernd Eichinger wohl als Coproduzent Mitspracherecht hatte?
Spontan mal ein paar Konstellationen, eventuell folgen noch Begründungen dazu oder auch nicht :
Ekkehardt Belle Martin Scorsese Doku über den italienischen Film Hubertus Bengsch Martin Scorsese Doku über den amerikanischen Film Siegmar Schneider Antonio Vilar Sartana - Noch warm und schon Sand drauf Carl Raddatz Lamberto Maggiorani Fahrraddiebe Carl Raddatz Kirk Douglas Stadt der Illusionen Carl Raddatz Burt Lancaster Dein Schicksal in meiner Hand Siegmar Schneider Michael Holdern Barry Lyndon Friedrich W. Bauschulte Cyril Cusack Sacco und Vanzetti Klaus Miedel Milo O'Shea Sacco und Vanzetti Brigitte Grothum Katharine Houghton Rat mal, wer zum Essen kommt Uta Hallant Susan Kohner Solange es Menschen gibt Marianne Lutz Natalie Wood Fieber im Blut Günther Flesch Alberto Lupo Django - Nur der Colt war sein Freund Jochen Striebeck Bruce McGill Insider
Helmo Kindermann für Torsten Lilliecrona in "Ferien auf Saltkrokan" - herrlich, wie er diesen tolpatschigen Familienvater von seiner liebenswerten Seite zeigt, ohne ihn zu diffamieren, wie es in den Spielfilmen dann leider durch Wolf Rahtjens Stimme geschah. Allein, wie er schon mit Lust und Laune trällert "Ich bin ein Malermeistor und male mit dem Kleistor!" (das deplazierte O entspricht dem realen Klang), ist ein Genuss. Und das sonstige Helden- oder Schurken-Image Kindermanns tut auch der Figur insofern gut, als man ihn trotz allem ernst nimmt und er eine maskuline Ausstrahlung bekommt. Umso erfreulicher, dass es hier (ausnahmsweise!) mal keine Doppelsynchro gab, sondern wir heute noch bei jeder Ausstrahlung, egal ob Filmfassung des 1. Teils oder TV-Serie (erheblich seltener) den guten, alten Kindermann zu hören bekommen.
Hubertus Bengsch für Henry Czerny in "Das Kartell". Wunderbar hinterhältig & -listig, arrogant und fies. Eine wahre Ohrenweide.^^ So macht Synchron Spaß.
Da "Warte, bis es dunkel ist" auf einem Theaterstück basiert, spielen die Dialoge bei diesem Film (neben den Geräuschen und Henry Mancinis Musik) eine wichtige Rolle. Gleiches gilt für die Besetzung der Stimmen. Schade, dass Audrey Hepburn in einer ihrer besten Rollen nicht ihre damalige Feststimme Uta Hallant hatte! Nichts gegen Monika Peitschs Leistung (sie ist hervorragend), aber die Umbesetzung erscheint merkwürdig, obwohl bzw. gerade weil die beiden Damen nicht zu weit auseinander liegen. Rolf Schult als Psychopath ist antürlich speziell aus heutiger Sicht keine originelle Besetzung, aber er ist in seiner Rolle grandios. Zu Beginn aalglatt und über den Dingen stehend, im Finale dann gerade durch seine Sanftheit besonders bedrohlich klingend, aber zwischendurch auch mit kurzen harten Zwischentönen. Ob Arkins zu dieser Zeit häufigster Sprecher Herbert Stass das ähnlich gut hingekriegt hätte? Nicht minder großartig ist Christian Rode auf Richard Crenna. Trotz seiner eher scharf klingenden Stimme bleiben noch genügend Zwischentöne, die die Rolle des gegen seinen Willen in die Sache hineingezogenen Gangsters ambivalent wirken lassen. Besonders die Zuneigung, die er im Verlauf des Films für die Frau entwickelt, die er eigentlich betrügen soll, gehört zu dieser Ambivalenz.
Zitat von bertiRolf Schult als Psychopath ist antürlich speziell aus heutiger Sicht keine originelle Besetzung, aber er ist in seiner Rolle grandios. Zu Beginn aalglatt und über den Dingen stehend, im Finale dann gerade durch seine Sanftheit besonders bedrohlich klingend, aber zwischendurch auch mit kurzen harten Zwischentönen. Ob Arkins zu dieser Zeit häufigster Sprecher Herbert Stass das ähnlich gut hingekriegt hätte?
Rolf Schult war schon fast eine Klischeebesetzung. In diesen Jahren nahm man ihn offenbar gerne für solche Rollen, z.B. in "Frenzy" oder in "Sein Leben in meiner Gewalt". Aber das Schults Rolle eine Glanzleistung gewesen ist, steht außer Frage. Und ich behaupte einfach mal ganz frech, dass Herbet Stass die Rolle nicht so genial rübergebracht hätte.
Zitat von SilenzioRolf Schult war schon fast eine Klischeebesetzung. In diesen Jahren nahm man ihn offenbar gerne für solche Rollen, z.B. in "Frenzy" oder in "Sein Leben in meiner Gewalt".
Diese Rollen hatte ich natürlich vor Augen, allerdings stammten sie aus Filmen, die erst einige Jahre später entstanden. Deshalb schrieb ich auch "speziell aus heutiger Sicht".
Das ist richtig, allerdings sind mir noch Rollen zu dieser Zeit eingefallen: Rolf Schult sprach Jack Palance und Herbert Lom in 2 Solo für Onkel-Spielfilmen. Diese Rollen waren auch schon "leicht psychotisch" angelegt.
Diese beiden Filme kenne ich noch nicht. Steve Ihnat in "Nur noch 72 Stunden" wäre (obwohl die Rolle eher klein ist) ein weiteres Beispiel aus der Zeit.
Christian Rode für Christopher Plummer in "Spion zwischen zwei Fronten"
Der damals noch am Beginn seiner Karriere stehende Rode bekam hier eine dankbare Rolle: zynisch, energisch, gewinnend und trotz allem immer geradlinig wirkend. Nach diesem (noch dazu durch Überlänge epischen) Film ist es mir unverständlich, dass er sich nicht als Plummers Stammsprecher etablieren konnte.
In "Tropic Thunder" spielt Robert Downey jr. einen weißen Schauspieler, der sich einen schwarzen Soldaten spielt und sich dafür nicht nur einer Pigmentierung unterzieht, sondern auch (in der Originalfassung) breitesten Ghetto-Slang spricht. Im Vorfeld der Premiere wurde breit diskutiert, ob dieser Aspekt in der Synchro überhaupt rübergebracht werden könne. Autor Klaus Bickert trug seinen Teil dazu bei, indem er sich bemühte, den Slang einigermaßen adäquat rüberzubringen. Charles Rettinghaus wiederum schaffte es, den Kontrast zwischen dem "weißen" und dem "schwarzen" Downey stimmlich rüberzubringen. Oliver Rohrbeck für Ben Stiller und Lutz Schnell für Danny R. McBride (als Pyromane) waren weitere Glanzlichter, ebenso wie Patrick Winczewski auf Tom Cruise als schmierig-durchgekanllter Produzent. Kann jemand sie alle in den Schatten stellen? Ja, und zwar Thomas Danneberg für Nick Nolte! Und das, obwohl es "nur" eine Nebenrolle ist. Wie er in seiner Rolle als Kriegsheld seine Stimme nach unten drückte, habe ich ansonsten nur in einer anderen Rolle so krass erlebt: Nicht bei Schwarzenegger, nicht bei Stallone, auch nicht in einem anderen Nolte-Film, nein, sondern auf Terrence Hill in "Zwei bärenstarke Typen" (bei den Bauchredner-Szenen). (Verzeihung für dieses Beispiel!) Hinzu kommt noch, dass mit einer dermaßen (bewusst) überzogenen Coolness sprach, wie ich es selten in einer Synchro erlebt habe. Wenn man die Wendung in der Mitte des Films (der vermeintlich verstümmelte Kriegsheld war gar nicht in Vietnam, sondern Müllmann bei der Küstenwache) kennt, wirkt es natürlich doppelt so komisch. Schade, dass ich den Film erst zu sehen bekam, als die Nominierungs-Phase für die "Silhouette" schon abgeschlossen war. Wenigsten habe ich jetzt schon einen Kandidaten für meine nächste Liste.