Weißt du zufällig noch die genaue Folge? Täte gern mal schnell die englische Originalfassung sichten, da ich die Vermutung habe, daß es im Original schlicht und einfach "Hobo" heißt. Diese Übersetzung ist mir nämlich schon öfter aufgefallen (im Moment fällt mir nur "Ralph reicht's" ein) und ich frage mich auch immer, warum man nicht das gemäßigtere Wort "Landstreicher" nimmt. Zuviel Silben für lippensynchron? Dann gäbe es noch das österreichische "Sandler".
Irgendwie scheinen musikalische Kenntnisse die Schwachstelle bekannter Synchronautoren zu sein. Storeck, Ebinger ... und Arne Elsholtz auch. In der ansonsten bravorös gelungenen Fassung "Robin Hood - Helden in Strumpfhosen" ruft Robin seinen Musikanten zu "b-Moll!" Nur ist es nicht einmal Moll, was er da singt, sondern E-dur. Die beiden Tonarten haben nun wirklich wenig miteinander zu tun und das müsste jedem auffallen, der auch nur ein bisschen Ahnung von Musik hat. Ich habe die Originalfassung nicht vorliegen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dort von "B flat" die Rede war (von "minor" schon gar nicht). Und es ist ganz bestimmt ein Zufall und kein raffinierter Gag, dass es die (fast) exakte Verdrehung des selben Fehlers in "Victor/Victoria" ist, wo Robert Preston von "b flat" spricht und Wolfgang Völz statt dessen vom "hohen E".
Na gut, dann wäre das die Gelegenheit gewesen, das in der deutschen Fassung zu korrigieren. Und trotzdem ist es kein Moll, sondern Dur. Die Merkwürdigkeit reduziert sich, aber sie bleibt.
Tja, Google-Suche mag ja ganz nett sein, aber eigenes Wissen ist auch nicht schlecht.
Die Dialoge zu "Die Bounty" (1984) stecken voller kleiner, aber doch auffälliger Patzer.
Ziemlich am Anfang heißt es z. B.: "Ich versichere Sie, Gentlemen, ..."
Da Captain Bligh seinen Männern aber keine Lebensversicherung andrehen wollte, hätte er natürlich "Ihnen" statt "Sie" sagen müssen.
Etwas später heißt es: "Ich habe hier Ihr Logbuch zu liegen."
Das "zu" ist Berliner Dialekt und gehört dort in jede Kneipe. Aber ganz gewiss nicht in den Saal eines britischen Militärgerichts des Jahres 1789. Dabei hätte ein "vorliegen" sich hier doch so wunderbar angeboten.
Desweiteren ist an anderen Stellen noch von "realisieren" die Rede (für "realize"), sowie vom "Großen Barrierenriff" (hätte ich gerade was getrunken, hätte ich es in dem Moment im hohen Bogen wieder rausgeprustet).
Wenn Brandt nicht blödeln durfte, wurde er bisweilen recht unachtsam.
Dann bin ich vermutlich nicht belesen genug, um das zu realisieren. Bitte sag nicht, dass das Große Barrierenriff bei Mann auch noch auftaucht, dann werde ich nämlich doch noch zur Leseratte.
Du weißt ja, dass Rainer Brandt dafür bekannt war, sich sprachlich an Literaturklassikern zu orientieren und den Leuten seiner Zeit nur ungern auf den Mund zu schauen.