Habe gestern eine Folge der Golden Girls gesehen und da wurde wohl ein bisschen gefickspiegelt. Blanche fragt Dorothy, warum ein befreundeter Doktor Interesse an ihr haben sollte, wenn er doch schon das Land der Verheißung gesehen hat (also die blanke Blanche). Im Original sagt Dorothy darauf: „Too many squatters?“ (Zu viele Hausierer), weil Blanche ja bekanntlich gerne mal wechselnden Herrenbesuch hat. Auf Deutsch wurde daraus gemacht: „Vielleicht bist du zu viel in die Hocke gegangen?“ Also "squats" (Hocken) statt "squatters" (Hausierer).
In der - ansonsten beinahe tadellosen - dt. Bearbeitung der Serie "Als die Tiere den Wald verließen" hat sich mit dem Übergang von Staffel 2 zu Staffel 3 eine Merkwürdigkeit ergeben, die eventuell einfach nur Unachtsamkeit geschuldet war: In der Serie wurden die Eigennamen der Charaktere größtenteils eingedeutscht. Aus der Füchsin "Whisper" wurde im Deutschen zuerst "Windspiel" (Staffel 2), später aber plötzlich "Geflüster" (Staffel 3). Was ähnliches ist auch mit der Füchsin "Charmer" passiert, die in Staffel 2 und größtenteils Staffel 3 zu "Anmut" wurde, in einer Folge jedoch plötzlich "Schmeichler" genannt wurde.
Kaum jemand wird die Synchro von "Rendezvous mit einer Leiche" wohl als wirklich gut bezeichnen, aber eine Sache stößt mir - neben den ausufernden Bit-Parts von Peter Thom - immer wieder besonders sauer auf:
Am Kapitänstisch bemerkt Lady Westholme (Lauren Bacall) die Abwesenheit von Hercule Poirot und meint, er ließe sich einen ausgezeichneten ROTwein entgehen - und trinkt daraufhin eindeutig WEISSwein! Im Original meint sie, ihm würde ein guter "Mercurey" (eine Weißweinsorte) entgehen. Da hat wohl einer "Merlot" verstanden...
Synchros von Lothar Michael Schmitt sind für gewöhnlich von sprachlich sauberer Qualität, aber in "Warum haben sie nicht Evans gefragt?" muss ihn irgendein regionaler Teufel geritten haben. Wo sagt man denn "genossen" als Vergangenheitsform von "niesen"? In jedem Fall ist es so falsch, dass mir die Nase weh tut.
"One-Way-Express-Ticket" und "Bitte killt mich" im Pixar-Film "Alles steht Kopf 2" ist etwas deplatziert, dafür dass Kinder den Film verstehen sollten.
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #784Synchros von Lothar Michael Schmitt sind für gewöhnlich von sprachlich sauberer Qualität, aber in "Warum haben sie nicht Evans gefragt?" muss ihn irgendein regionaler Teufel geritten haben. Wo sagt man denn "genossen" als Vergangenheitsform von "niesen"? In jedem Fall ist es so falsch, dass mir die Nase weh tut.
Ich kenne den Film nicht, aber vielleicht ist es scherzhaft gemeint und somit absichtlich verwendet worden?! Ich benutze "genossen" dann auch gern mal. :)
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #784Synchros von Lothar Michael Schmitt sind für gewöhnlich von sprachlich sauberer Qualität, aber in "Warum haben sie nicht Evans gefragt?" muss ihn irgendein regionaler Teufel geritten haben. Wo sagt man denn "genossen" als Vergangenheitsform von "niesen"? In jedem Fall ist es so falsch, dass mir die Nase weh tut.
Gruß Stefan
Ist mir allerdings schon häufiger im Alltag aufgefallen. Analog zu der Form frug/fragte oder gewinkt/gewunken.
Also ich habe es im Rheinland sehr oft gehört. Ist halt die Frage, wie man das sprachwissentschaftlich einordnen möchte, einige junge Leute sagen mittlerweile "basically" statt "grundsätzlich", "actually" statt "tatsächlich" oder "literally" statt "buchstäblich" - und zwar völlig kontextunbezogen. Ich finde das auch sehr albern so zu denglischen, aber ich kann es niemandem verbieten. Ich glaube sogar wir werden irgendwann Synchros hören wo es heißt "Ich hab' einfach literally die Bahn verpasst" oder "Ich habe weniger Leute zur Party eingeladen, als actually gekommen sind" ... und wir werden damit leben müssen.
Na, das sind aber zwei komplett verschiedene Dinge. Mir raucht es auch immer aus den Ohren, wenn vor allem schon nicht mehr ganz jugendliche Kolleginnen mit ihrem Denglisch höre, mit dem sie sich selbst als jugendlich präsentieren wollen. Aber das ist ein Zeitgeist, mit dem ich nicht glücklich bin, der aber zu einer bestimmten Generation passt. Und wenn diese Generation in Synchros so spricht, muss man das akzeptieren, da passt es. Aber wenn historische Gestalten so sprechen, dann ist der Ofen aus. Und ich wüsste nicht, dass rheinische Grammatik was in einem Agatha-Christie-Krimi zu suchen hat. Also - Fehler. Punkt.
Ah, jetzt habe ich es verstanden, wir haben aneinander vorbeigeschrieben. Ich muss gestehen, dass ich den Aspekt Agatha Christie überlesen hatte. Der Film sagte mir nichts.
Selbst, wenn es kein Fehler sein sollte, sondern eine Art Scherz: Es geht in diesem Thread ja nicht primär um Fehler, sondern um Merkwürdigkeiten. Und so eine saloppe Formulierung in einer ansonsten seriösen Arbeit wäre auf jeden Fall merkwürdig. Bei Spencer/Hill oder Dergleichen hätte sich hingegen wohl niemand gewundert.
Zitat von Chow Yun-Fat im Beitrag #794Und so eine saloppe Formulierung in einer ansonsten seriösen Arbeit wäre auf jeden Fall merkwürdig.
Sowas ähnliches ist mir gerade auch aufgefallen. Ich schaue nämlich wieder die Golden Girls und da sagt Rose, die Unschuld vom Lande, die kindlichste und leichtgläubigste Seniorin in ganz Miami, folgendes: „Dorothy, am Ende werden wir noch Penner!“ Zugegeben, diese Arbeit ist weniger seriös als Miss Marple, aber für eine Frau wie Rose ist diese Formulierung trotzdem vollkommen unpassend.