Ähnlich zurückhaltend, zweifelnd und unsicher konnte man Ulrich Gressieker auch für Ian McShane in Franco Zeffirellis Mehrteiler "Jesus von Nazareth" hören - besonders in einer Szene, die leider in den Veröffentlichungen seit 2012 fehlt.
Neulich wurde in der Reihe "Kein Mucks!" das Hörspiel "Die Villa am Teufelssee" von 1958 präsentiert, in dem man Hans Paetsch als Kommissar erleben kann. Hier ist er oft sehr lebhaft, szenenbezogen teilweise auch grimmig, aufbrausend oder sarkastisch und auf jeden Fall meilenweit von seinem späteren "Märchenonkel"-Image entfernt.
Ernst Konstantin kenne ich eigentlich nur knurrig und wenig engagiert. Umso überraschender ist es, wenn er in "Singin' In The Rain" total abdreht. Aber wirklich total - mit Brüllen, Kieksen, überschnappender Stimme und allem, was dazu gehört. Und dazu das ständig wiederholte "Nich wahr nich", das garantiert aus der Feder von Franz-Otto Krüger stammt. Wenn er bei dieser Intensität geblieben wäre (es muss ja nicht immer so laut und hysterisch sein), hätte ich mit seinen späteren Synchronrollen nicht solche Probleme.
Ähnlich dem oben genannten Beispiel zu Ernst Konstantin. Quirlig und überdreht sind wahrscheinlich die letzten Worte mit denen man Hans Nielsen beschreiben würde, aber in dem Rita Hayworth Musical "Es tanzt die Göttin" synchronisiert er den Komiker Phil Silvers und wirkt dabei wie ein aufgedrehterer Bruder von Georg Thomalla. Es passt überraschend gut.
Im Bud Spencer– Film Banana Joe von 1982 spricht Heinz Petruo einen Beamten im Einwohnermeldeamt. Er spricht dabei ungewohnt hektisch und ist unfassbar stark am Kieksen, seine Stimme überschlägt sich mehrmals und erinnert stellenweise sogar an Georg Thomalla.
Umgekehrt erwarte ich bei Petruo auch nicht unbedingt einen warmen und väterlichen Tonfall. Aber diese ungewohnte Färbung funktionierte schon in "Superman" überraschend gut und noch stärker vom harten Schurken entfernt ist er in "Tron" zu hören.
In "Dracula - Tot, aber glücklich" durfte er sich für Harvey Korman auch in vielen Szenen aufgedreht, nervös oder sogar hysterisch zeigen. Eine sehr originelle Besetzung durch Arne Elsholtz! Zumal es in München viel naheliegender gewesen wäre, Thomas Reiner zu besetzen.
Mich würde sowieso mal interessieren, wie Petruo zu seinem klischeehaften Besetzungsprofil stand. Ob er sich wohl geärgert hat, immer die gleichen Rollen zu bekommen?
Immerhin erlaubte ihm dieses Klischee subtileres Spiel, als es den meisten Heldensprechern möglich war. Und es dürfte wiederum eine willkommene Abwechslung gegenüber seiner Tätigkeit als Nachrichtensprecher gewesen sein.
Zitat von Oliver Laurel im Beitrag #356Mich würde sowieso mal interessieren, wie Petruo zu seinem klischeehaften Besetzungsprofil stand. Ob er sich wohl geärgert hat, immer die gleichen Rollen zu bekommen?
Das wäre tatsächlich mal interessant zu erfahren, aber ich glaube leider nicht, dass sich das noch herausfinden lässt. Gibt auch kaum Interviews mit ihm bzw. hab da nur wenig im Netz entdecken können.
In seinem Nachruf wird jedenfalls erwähnt, dass er zumindest im Sommer 2001 (kurz vor seinem Tod) nochmals interviewt wurde: https://www.welt.de/print-welt/article48...te-Meldung.html. Vielleicht stand da mehr zu seiner Synchronarbeit drin, aber das dürfte inzwischen nicht mehr verfügbar sein.
Zitat von Oliver Laurel im Beitrag #356Mich würde sowieso mal interessieren, wie Petruo zu seinem klischeehaften Besetzungsprofil stand. Ob er sich wohl geärgert hat, immer die gleichen Rollen zu bekommen?
Das wäre tatsächlich mal interessant zu erfahren, aber ich glaube leider nicht, dass sich das noch herausfinden lässt. Gibt auch kaum Interviews mit ihm bzw. hab da nur wenig im Netz entdecken können.
In seinem Nachruf wird jedenfalls erwähnt, dass er zumindest im Sommer 2001 (kurz vor seinem Tod) nochmals interviewt wurde: https://www.welt.de/print-welt/article48...te-Meldung.html. Vielleicht stand da mehr zu seiner Synchronarbeit drin, aber das dürfte inzwischen nicht mehr verfügbar sein.
2002 habe ich auf einer (natürlich längst nicht mehr online stehenden) Seite zum Thema Synchronisation einen Nachruf gelesen. Darin wurden einige Aussagen von ihm zitiert. Etwa die, dass er es bedauerte habe, nie auf Anthony Quinn besetzt worden zu sein. Oder dass es ihn als professionellen Nachrichtensprecher ärgere, wenn in Synchros "Tennessee" oder "Melbourne" falsch ausgesprochen würden.
Trotz seiner beiden Klischees (Bösewichter und Nachrichtensprecher/betont "nüchterne" Erzähler) gab es alllerdings immer mal wieder interessante Besetzungen, die davon abwichen. Insofern empfand ich seine Synchronkarriere nicht als so eintönig.
Sehr interessant! Als eintönig würde ich seine Karriere trotz einer gewissen Tendenz zum Klischee auch nicht bezeichnen, wie du schon sagtest, gab es ja auch Immer wieder ungewöhnliche Rollen, die er sprechen durfte. Zudem hat er ja auch einiges an Buch und Regie gemacht, vieles dürfte da noch gar nicht erfasst sein. Anthony Quinn stelle ich mir tatsächlich sehr passend vor, auch wenn die Besetzung nicht so klar auf der Hand liegt. Hätte man in der Tat mal ausprobieren sollen.