In der heute verfügbaren Fassung von "Die Olsenbande stellt die Weichen" fehlt die Textzeile, der Geist von Karl Marx sei wohl in die (völlig durchdrehende) Elektronik gefahren. Im Prinzip würde das bei einer DDR-Synchronisation nicht verwunderlich sein, seltsam ist jedoch, dass dieser Schnipsel in der DDR-TV-Kopie (die auch als Tonspur für alle Heimmedien verwendet wurde) komplett fehlt - heraus geschnitten. Da liegt es nahe, dass diese Zeile in der ursprünglichen Komplettfassung tatsächlich so zu hören war.
Umso eigenartiger, dass in der ZDF-Fassung textlich zensiert wurde - da ist aus Marx der Leibhaftige geworden. Wollte man sich hier eventuell nicht mit dem Nachbarstaat anlegen? Was im ersten Moment absurd klingt, wird glaubhafter, wenn man einen zur gleichen Zeit entstandenen Sketch von Didi Hallervorden (aus der "Didi-Show" des ZDF!) daneben hält, in dem es um genau solce Zensuren geht - und da wird unter anderem vom Redakteur verboten, dass als Beute eines Diebstahls "10.000 (?) Mark und ein alter Engel" genannt werden, damit man sich nicht über "Marx und Engels, die Begründer des Sozialismus" lustig mache.
Nebenbei: In der DEFA-Synchro "Die Olsenbande schlägt wieder zu" schimpft einer der jungen Security-Leute einen älteren "Scheiß-Kapitalist" - das ist aber keine Erfindung der DEFA, sondern auch im Original so zu hören. Im ZDF jedoch nicht.
Vielleicht wurde das Thema schon einmal angesprochen. Wurden von 1945 bis 1949, während der Zeit der Besatzung, die Dialogbücher (oder allgemein die Synchronfassungen) auch von den Siegermächten abgenommen und gegebenenfalls noch einmal verändert? Abgesehen von der Entfernung jeglicher Verbindung zum Dritten Reich.
"Die Olsenbande und ihr großer Coup" gehört auf jeden Fall in diesen Thread, obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob es vielleicht sogar eine Verbesserung darstellt: Ein osteuropäischer Einwanderer redet (wahrscheinlich auf russisch) auf Kommissar Mortensen ein, der kein einziges Wort versteht. Er breitet eine Bildergalerie vor dem Polizisten aus und zählt diverse Namen seiner Kinder auf. Mortensen sagt erschüttert "Jesus" und daraufhin zieht der Russe das Bild seiner Frau hervor: "Maria". Ein Russe als Witzfigur war in der DDR natürlich undenkbar, weshalb Fanny Berthold die (wahrscheinlich) sinnvollen Worte des Einwanderers in komplettes Kauderwelsch verwandelte, das auffällig aus verschiedenen Sprachen und Fantasieworten wie "Brasiliani brasiliani" (lippensynchron zum ursprünglichen Wort) zusammen gesetzt wurde. Zusatzgag ist, dass die (komplett anderen) Kindernamen nun in alphabetischer Reihenfolge kommen, die genau mit J endet, weshalb der letzte Name tatsächlich "Jesus" ist (warum nicht, ist in spanischsprachigen Gebieten durchaus verbreitet). Mortensens "Jesus" ist nunmehr eine verblüffte Frage, worauf das folgende "Maria" noch witziger kommt. Um dieses Alphabet-Gags willen wurde sogar ein Kind mehr daraus, was aber durch den Zwischenschnitt auf Mortensen nicht auffällt. Dargeboten wird die Rolle übrigens in herrlich authentischer Weise von Edwin Marian, dem überzeugendsten Italiener der DEFA (obwohl er aus Polen stammte).
Mag man zu solchen Veränderungen stehen, wie man will - ich finde sie ganz gut, da nun keine Nation direkt durch den Kakao gezogen wird.