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Synchrondatenbank (von Arne Kaul) | Deutsche Synchronkartei | Seriensynchron - SeSyDaB | dubDB | Die vergessenen Filme
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Dieses Thema hat 147 Antworten
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 Allgemeines
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Flammentanz



Beiträge: 62

07.08.2014 19:14
#136 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Donnie, ich habe es mal versucht. Hoffentlich ist es okay so ...


fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

08.08.2014 13:46
#137 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Nochmals zu "Der Teufelskreis":

erstmal, ich habe eine Dialogpassage aus dem Film deutsch und englisch falsch wiedergegeben. Die abgeschwächte Passage zu "Because I WANTED him, you understand? I WANTED him!" lautet: "Weil ich habe mich vor mir selbst gefürchtet! War mir meiner selbst nicht mehr sicher!"
Dieser letzte Satz ist deutsch so schnell gesprochen, daß er in das zweite "I wanted him!" Da Bogarde das "I" etwas dehnt, dauerts länger - aber die Silbenanzahl ist doppelt so hoch, weswegen es wirklich auffällt.

Weiters gibt es in der deutschen Fassung noch zwei Änderungen. Eine kurze Textpassage wurde erst gar nicht synchronisiert, in der der Inspektor feststellt, daß es all das Unheil nicht geben würde ohne den Paragraphen gegen Homosexuelle. Diese Äußerung wurde auch in England kritisiert, allerdings blieb sie drin. Ein dritter Unterschied ist folgender: auf einer Garagentür steht aufgepinselt: "Farr is queer". Als Laura ihrem Mann erzählt, daß sie die Schmiererei gesehen hat, ist sie sehr angewidert das auszusprechen. "Queer" war 1961 kein feines Wort in der englischen Umgangssprache und nur dort angebracht, wo es im Sinne von "anders" oder "verrückt" in einem klassischen Sinn angewandt werden konnte. Allerdings diente das Wort auch in solchen Fällen häufig zu mitunter sogar diffamierenden Spitzen. "Queer" war sozusagen ein hartes Wort. Deutsch sagt Laura deutlich allgemeiner gehalten: "Farr ist...anders." Da man Lauras Erregung deutlich zeigt und ihren Widerwillen, das auszusprechen, haben die drei Worte so nicht annähernd die selbe Wirkung. Es hätte hier "Farr ist schwul" heissen müssen, das hätte der Szene entsprochen und auch Bogardes wütend-verletzter Reaktion darauf.

Ansonsten aber hat man den Film wirklich sorgfältig synchronisiert. Aber die Zensur/Abschwächung fand genau an jenen Stellen statt, die auch in England und den USA besonders aufstießen.


"Oder aber...Sie erpressen mich! Kein sehr netter Zug bei einem Arzt!"

Siegfried Schürenberg für Peter Cushing in "Frankensteins Rache"

berti


Beiträge: 14.054

01.10.2014 22:45
#138 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Dass "Casablanca" 1952 im Auftrag des Verleihs durch Kürzungen und sinnveränderte Dialoge zu einem völlig veränderten Film wurde, ist bekannt. Jenseits davon wurden auch einige Dialogstellen umformuliert, die keinen politischen Hintergrund hatten, sondern an die damaligen Moralvorstellungen angepasst werden sollten. Annika Wisniewski nnent in ihrer Analyse zwei Beispiele: Als Renault Rick fragt, ob er früher Geld veruntreut habe, ist im Original von den "Kirchengeldern" die Rede, in der Erstsynchro lediglich von der "Portokasse". Als eine junge Bulgarin Rick gegenüber die Möglichkeit andeutet, mit Renault ins Bett zu gehen, um für ihren Mann und sich ein Visum zu erlangen, empfand sie die Dialogübersetzung als "weniger eindeutig" in der Wortwahl (S. 313f.). Allerdings sind beide Fälle nur Nuancen.
Etwas deutlicher erscheint mir die Abschwächung an einer anderen Stelle: Als Ilsa davon erzählt, wie sehr sie Victor bei ihrer ersten Begegnung mit ihm beeindruckt habe, ment Rick höhnisch, solche Geschichten seien ihm schon öfter erzählt worden, "immer untermalt von dem leisen Geklimper eines Klaviers eine Treppe tiefer". Wie bei Aljean Harmetz (S. 195) zitiert gab es wegen dieser Stelle Ärger mit der Zensur, da es eine für 1942 zu deutliche Anspielung auf ein Bordell war; sie blieb allerdings im Film. Bei der Synchronisation zehn Jahre später wurde Ricks Bemerkung völlig verwässert, da er dort lediglich davon spricht, man hätte ihm "schon zu viele Geschichten erzählt. Sie verklingen wie der falsche Ton eines Pianos, das ein Anfänger spielt."

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

03.10.2014 14:25
#139 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

"Der Wahnsinn des Dr. Clive" aka "Die teuflische Falle":

ich habe hier keinen Beweis für eine Zensur der Kinosynchronisation, allerdings ein interessantes Indiz dafür.

Die Kinofassung ist vermutlich verschollen, hierzu findet sich aber in einer zeitgenössischen Kritik eben besagtes Indiz. Hier ist nämlich die Rede vom hilfsbereiten Dr. Clive, der im gemütlichen Club banale Plaudereien über Pferderennen und Musik führt, nie auffällt und doch ein perfektes Verbrechen plant...

In der Originalfassung und der neuen TV-Synchronisation ist allerdings von banalen Plaudereien erwähnter Art nichts zu hören. Zwar sind die Clubmitglieder Besserwisser, aber es geht um Hitler, den Krieg und seine Folgen, Atomwaffen und der Gefahr aus Russland. Alles nur kurz, aber sarkastisch dahergeworfene Happen.

Deshalb vermute ich, dürfte das in der Kinosynchronisation verändert worden sein.


"Alfred!!! Gib-her!"

Michael Chevalier für Iain Quarrier in "Tanz der Vampire"

Celedain



Beiträge: 73

04.10.2014 08:57
#140 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Zählt zu diesem Thema auch, dass man in Mary Poppins aus "Father died laughing" "Vater ist vor lachen in die Luft gegangen" gemacht hat? Zensur ist das ja nicht wirklich, eher verharmlosung...

Scat


Beiträge: 1.282

04.10.2014 13:42
#141 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Im Jackie Chan-Film ZWEI SCHLITZOHREN IN DER KNOCHENMÜHLE aka SUPERFIGHTER III fehlen im Finale bei den Toneffekten die Schwerttreffer an den Gegnern. Umso bemerkenswerter, dass selbige im deutschen Trailer noch enthalten waren. Leider hat man es auch versäumt, dies für die BluRay auszumerzen (welche aber trotzdem sehr gelungen ist).

John Connor



Beiträge: 4.715

04.10.2014 14:27
#142 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von Celedain im Beitrag #140
Zählt zu diesem Thema auch, dass man in Mary Poppins aus "Father died laughing" "Vater ist vor lachen in die Luft gegangen" gemacht hat?


Zensur ist das ja nicht wirklich, eher Verharmlosung...


"Ich habe keinen Bond-Film mehr gesehen, seit Sean Connery aufgehört hat!"
(Niels Clausnitzer in LAW & ORDER)

berti


Beiträge: 14.054

12.01.2016 12:32
#143 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Zumindest abgeschwächt wurde bei Roger Cormans politischem Drama "Weißer Terror" in zweierlei Hinsicht:
In Amerika wurde der Film bereits bei seinem Kinostart für die starke Präsenz des "N-Wortes" in den Dialogen kritisiert. Allerdings entstand er zu einer Zeit, als der Hays- bzw. Production-Code (der die Verwendung von Ausdrücken verbot, die nationale. religiöse oder ethnische Gruppen in ihren Gefühlen verletzen könnten) bereits stark reformiert und die heutige PC noch nicht etabliert war. Und da der Film (laut Urteil vieler Kritiker nahezu dokumentarisch) das Klima in den Südstaaten um 1960 zeigt, war die Verwendung des Schmähwortes unverzichtbar.
In der deutschen Fassung dagegen fällt das Wort nur in einer Szene, als ein älterer Schwarzer über die jungen Schwarzen, deren Schulbesuch durchgesetzt wurde, meint: "Ihr Nigger werdet uns Neger noch umbringen!". Ansonsten wird im Dialog durchgehend von "Negern" gesprochen. Wenn man bedenkt, dass dieses Wort damals sowohl in Deutschland als auch in den USA (wo es von amtlicher Seite und auch von vielen schwarzen Bürgerrechtlern selbstverständlich benutzt wurde) als wertneutral und "korrekt" galt, "Nigger" dagegen auch hierzulande als üble Beleidigung bekannt war (bereits im 19. Jahrhundert tauchte es in dieser Funktion bei Karl May auf) und in den Synchrondialogen anderer Filme (etwa "Flucht in Ketten" oder "Denen man nicht vergibt") durchaus vorkam, wirkt es wie ein Versucht, das im Film beschriebene hasserfüllte Klima zumindest abzuschwächen, was natürlich nicht funktionieren kann.
Die andere Veränderung betrifft eine der wichtigsten Szenen im Film: die Rede, in der Adam Cramer (William Shatner) die Stadtbewohner aufhetzt und Pogromstimmung schürt, die sich in einem versuchten Lynchmord an einer schwarzen Familie entlädt.
U. a. erklärt Cramer, hinter der Bürgerrechtsbewegung stünde "ein Ausländer, der Amerika hasst" und von Moskau finanziert werde. Ein Richter, der die Rassentrennung an den Schulen für verfassungswidrig erklärt und aufgehoben habe, stünde weit links und würde ebenfalls von den Kommunisten bezahlt, um Amerika durch Rassenvermischung zu schwächen und zu verderben. Im Original spricht er allerdings nicht von einem "Ausländer", sondern von einem Juden, auch der Richter wird explizit als jüdisch bezeichnet. Von der Inszenierung her ist die gesamte Szene von Corman natürlich an "Triumph des Willens" angelegt, aber durch die antisemitischen Untertöne der Rede werden die Nazi-Assoziationen nochmal verstärkt. Dass man gerade diese bei der Synchronisation unter den Tisch fallen ließ (nachdem die visuelle Ebene nicht zu ändern war und man die Szene aus dramaturgischen Gründen nicht herausschneiden konnte) fällt sehr auf.


Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 9.681

03.09.2016 09:30
#144 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Mal ein Gegenbeispiel: Aus Chaplins "Monsieur Verdoux" die satirischsten und anklägerischsten Szenen und Dialoge heraus genommen - im Schnitt. Dialogautor Franz-Otto Krüger kannte jedoch das Original und versuchte, so viel wie möglich daraus zu retten, indem er einige der brisanten Dialoge an andere Stellen quetschte. Vor allem wurde ein Teil des Gesprächs über den Waffenfabrikanten aus der geschnittenen Szene im Auto auf das Gespräch im Restaurant verlagert, das im Original eher farblos-sentimental ist.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 14.054

16.12.2016 15:07
#145 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Natürlich ist "Zensur" ein dehnbarer Begriff, in vielen Fällen ging sie sicher auf eine Entscheidung des Verleihs zurück. Aber ab und an kam es sicher auch vor, dass die FSK bestimmte Änderungen verlangte, um einen Film für die deutschen Kinos freizugeben. Vor einigen Jahren wurde bereits "Das Quiller-Memorandum" als Beispiel dafür genannt.
In Joseph Garncarz´ Dissertation "Filmfassungen" von 1992 wird u. a. "African Queen" behandelt. Als der Film auf dem Festival von Locarno gezeigt wurde, protestierten Vertreter der deutschen Delegation mit Pfiffen dagegen, dass "(d)eutsche Kolonialsoldaten und die Offiziere der Marine (...) als Brandstifter und Henker dargestellt" würden (S. 117f.), die FSK sperrte den Film im selben Jahr, "da er geeignet sei, nationalistische Tendenzen zu fördern und die Beziehungen Deutschlands zu anderen Staaten zu gefährden" (S. 104). Garncarz zitiert ausführlich aus einer Liste von Auflagen, die 1955 von dieser Behörde als Voraussetzung dafür genannt würden, den Film doch noch freizugeben (S. 106f.). Dazu zählten sowohl Bildschnitte (ein deutscher Offizier in der Festung, der durch seine Brille und dickliche Figur "karikiert und etwas lächerlich" wirke, der Soldat, der den gefangenen Bogart schlägt, den im Wasser grüßenden Offizier), aber auch Änderungen im Dialog: So sollte als Grund für die Niederbrennung der Mission nicht mehr Widerstand der Eingeborenen gegen deutsche Eroberungspläne genannt werden; "Im Hinblick auf die Figur des deutschen Kommandanten spricht der Prüfungsausschuß die Empfehlung aus, die von diesem Offizier geäußerten Worte so zu formulieren, daß sie besonders korrekt, sachlich und gerecht wirken, und außerdem für die Synchronisierung einen möglichst angenehm wirkenden Sprecher auszuwählen."
In der 1958 herausgekommenen Synchronfassung wurden alle diese Vorschläge umgesetzt, so wurde die Zerstörung der Mission nun zur Strafaktion für einen vorherigen Aufstand erklärt. Bei späteren Ausstrahlungen wurden einige der zuvor geschnittenen Einstellungen wieder eingefügt, und die Veränderung einiger weniger Dialogstellen ist nicht weiter gravierend, dem Film schaden sie nicht. Trotzdem fällt auf, wie sehr die FSK ins Detail ging und sogar einen Vorschlag machte, in welche Richtung die Synchronbesetzung gehen sollte; mit dem betont würdevoll und "solide" sprechenden Curt Ackermann für Peter Bull wurde die Anregung dann auch umgesetzt.
Natürlich wäre es interessant, ob diese Behörde auch in anderen Fällen so genaue Anweisungen in Sachen Synchronisation gab.

Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 9.681

18.12.2016 00:57
#146 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von berti im Beitrag #59
Als Alvy Singer sich im "Stadtneurotiker" über die Entscheidungen bei Preisvergaben aufregt, fragt er, ob Hitler auch eine Chance auf den Preis in der Kategorie "Best Fascist Dictator" habe. In der Synchro dagegen meint er nur lakonisch: "Jede Generation bekommt die Musik, die sie verdient!"

Objektiv gesehen eindeutig eine zensierende Verfälschung und daher unerfreulich. Subjektiv gefällt mir diese Variante leider besser, weil sie zeitloser und im Grunde bissiger ist.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 14.054

26.12.2016 10:33
#147 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #146
Objektiv gesehen eindeutig eine zensierende Verfälschung und daher unerfreulich. Subjektiv gefällt mir diese Variante leider besser, weil sie zeitloser und im Grunde bissiger ist.

Was die "Zeitlosigkeit" betrifft, so hört man die Formulierung "Jede Generation bekommt den/die XY, den/die sie verdient!" sehr oft. Interessant wäre, ob dieser Sprach schon vor dieser Synchro existierte, siehe hier:Synchron-Schöpfungen als geflügelte Worte (2)

Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 9.681

13.05.2017 20:46
#148 RE: Zensur in der Synchronisation Zitat · antworten

In der Nachsynchronisation des DFF-Filmes "Ein Mann, der sterben muss" wurde nicht nur offensichtlich manches zensiert, dies auch noch, nachdem die Synchronisation des Filmes (O-Ton wurde nicht verwendet) eigentlich schon abgeschlossen war.
Merkwürdigerweise gibt nämlich an einer Stelle Werner Toelcke als Off-Erzähler (scheinbar!) genau den Text des Gespräches wieder, das im Bild gerade statt findet - teilweise hört man den lippensynchronen Ton leise, aber verständlich unter der Erzählerstimme.
Das ergibt keinen Sinn. Es sei denn, an anderen Stellen, die man nicht nachvollziehen kann, wurde der Text geändert. Und tatsächlich wurden deutlich später zwei Sätze der Hauptdarstellerin Sabine Lorenz nicht nur neu synchronisiert (die Lippenbewegungen weichen sichtbar ab), sie hat auch eine andere Stimme. Für die längere Szene wäre das wohl zu auffällig geworden. (War sie nicht verfügbar? Oder verweigerte sie sich der Verfälschung, wie es auch bei Margot Busse in "Laut und leise ist die Liebe" der Fall war?)
Schade, dass man nicht mehr nachvollziehen kann, was da verändert wurde. Es muss wenig, aber gravierend gewesen sein (oder es wurde zusätzlich heftig geschnitten), denn der Film ist ziemlich verworren und schlecht nachvollziehbar.

Gruß
Stefan

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