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Dieses Thema hat 246 Antworten
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WasGehtSieDasAn



Beiträge: 2.489

17.06.2019 18:52
#241 RE: Kürzlich habe ich folgenden Film gesehen... Zitat · antworten

Viking Vengeance aka The Head Hunter (2018)

"Der wahrscheinlich beste Horrorfilm des Jahres, den niemand kennt" - hieß es mal in einer Headline (hehe) zu dem Film, den wahrscheinlich wirklich die wenigsten bis jetzt gesehen haben dürften und wohl noch werden. Viking Vengeance erschien vor gut anderthalb Wochen in den bundesweiten Wühlregalen. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Fantasystreifen aus dem Indie Bereich. Klein in Bezug auf das Budget (30,000 US Dollar) als auch auf die Laufzeit (73 min). Der Film entstand unter der Regie von Jordan Downey (ThanksKilling).

Die Kurzgeschichte handelt von einem namenlosen Krieger ("Vater", gespielt von Christopher Rygh, The Last Kingdom) und dessen Rachedurst auf die eine Bestie, die einst seine Tochter (Cora Kaufman) ermordete. Fortan verdiente er sein Geld im Jagen und Töten von Monstern, die das Königreich tagtäglich bedrohen, in stetiger Suche nach dem einen Ungeheuer von damals, welches sein Kind auf dem Gewissen hat.

Der "deutsche" Titel, lässt anfangs mehr auf billigen Wikinger-Trash schließen und unterscheidet sich – trotz alliterierendem Klang – kaum von solch Kreativgurken wie Viking Legacy, The Last Warriors, The Last King etc. etc. Da macht der Originaltitel schon mehr Sinn, da es der Krieger auf die Köpfe seiner Widersacher abgesehen hat; es sich offenbar bewährte, sich seiner Feinde durch Enthauptung zu entledigen und sich deren Visagen schön brav ins Wohnzimmer auf Pfählen aufgespießt zur Genüge zu führen. Dabei hat er sich eine beachtliche Sammlung, augenscheinlich bestehend aus Orks, Wampas und Lykanern, über die Jahre angelacht. Nur eben DER eine Kopf fehlt ihm noch. Bis er dann endlich eines Tages den Auftrag erhält, auf den er schon so lange brannte und es ihm aus seinem trauten Eremitenheim im Wald verschlägt.

Die Umsetzung erfolgte mittels minimalistischem Aufwand. Der Low-Budget-Produktion merkt man leider schmerzhaft an, dass es für ihr eigenes Vorhaben an Ecken und Kanten mit dem Geld gefehlt hat. So finden tatsächlich alle (!) Auseinandersetzungen (ausgenommen dem Endkampf) mit den Monstern im Off statt. Man hört nur das Brüllen des Berserkers und seines Kontrahenten und das Klirren seiner Axt oder des Schwertes. Zuweilen reitet er auf seinem Pferd davon, sobald ein Horn ertönte, und kehrt Sekunden darauf blutverschmiert und mit siegreicher Ausbeute im Sackgepäck zurück, um kurz darauf die Trophäe in der Bude zu drapieren. Stellt sich dann die Frage, was man sonst die ganze Zeit in einem mittelalterlich angehauchten Fantasy-Creature-Feature zu sehen bekommt, wenn nicht die Kämpfe mit den Ungetümen? Nahezu der gesamte erste Akt begleitet den Vater bei seiner täglichen Routine, wie der Nahrungszubereitung, dem Besuch des Grabes seiner Tochter, dem Herstellen eines seltsamen Selbstheilungsgebräus (womit er seinen geschundenen Körper nach jedem Kampf benetzt, um wieder zu genesen und der im späteren Teil noch eine besondere Bedeutung bekommt) oder wie er in die Schlacht hinaus reitet. Schon nach kürzester Zeit zeichnet sich ab, dass ein Spannungsbogen fehlt, wenn man dem Hünen bloß beim Suppe kochen Gesellschaft leistet, als im Kampfgetümmel. Christopher Rygh trägt zumindest seine One-Man-Show gekonnt allein über die Laufzeit hinweg und wirkt in seiner Aufmachung halt auch einfach authentisch genug, um als mittelalterlicher Bestienbezwinger durchzugehen, der auch gut einer GoT-Folge entsprungen hätte sein können. Dass es sich hierbei nun um einen waschechten Wikinger handeln soll, ist allerdings auch mehr dem deutschen Verleihtitel zu verdanken und eventuell der Tatsache, dass seine Rüstung entfernt an die Marcus Nispel Varianten aus Pathfinder erinnert, als dass man bewusst von einem Wikinger als Ursprungsgedanke ausgegangen ist.

Als der Krieger zu seiner für ihn wichtigsten Jagd gerufen wird, zieht der Film mehr am Gas. Hierbei verschlägt es unseren Protagonisten auch auf eine "längere" Reise, die von durchaus beeindruckenden Landschaftsaufnahmen bebildert wird. Im Grunde genommen, hätte man nach der Voice-Over-Einführung zu Beginn dann auch gleich hier starten können. Dies geschieht allerdings erst nach einer guten halben Stunde, bei einem Film, der für den Rest nur noch praktisch genauso viel Zeit zur Verfügung hat. Wäre er zwar noch etwas kürzer ausgefallen, jedoch ist das Geschehene bis hierher eher Beiwerk und hätte genauso gut in 5 Minuten erzählt werden können. Man braucht nicht dreimal zu zeigen (bzw tut man auch nicht ^^), wie der Krieger zur Jagd losreitet, wenn das Ereignis selbst fehlt.

Im weiteren Verlauf baut sich immerhin mehr Spannung auf, als es dann gegen den eigentlichen Antagonisten geht. Dabei setzt der Film sehr viel auf Suspense, sodass man entfernt an einen Horrorfilm denken kann. Die Bestie selbst enttäuscht dagegen wieder etwas. Hatte was von einer Fright Night-Version von Lispel der Qualle aus Alfred Jodocus Kwak. Aber schauerlich eher nicht. Das Ende mag dann nochmal zu verblüffen; ist es doch in irgendeiner Weise konsequent. Bleibt am Ende ein solider Streifen, der aus seinem geringen Budget an Mitteln wahrscheinlich noch reichlich rausgeholt hat, aber trotz seiner schon mageren Laufzeit gefühlt zu lange geht, da man sich anfangs mMn zu sehr mit Nebensächlichkeiten beschäftigt, als den Film gleich mit der eigentlichen Jagd zu starten, weshalb er zu Beginn viel an Spannung einbüßt.

Kurz noch ein Wort zur Synchro; die in Hamburg bei der SYNCH!SYNCH! angefertigt wurde, unter dem Kommando von Angelika Scharf, die auch das Dialogbuch lieferte. Frank Logemann leiht unserem wortkargen Protagonisten Rygh seine Stimme. Logemann kommt bisher, der SK nach, nur auf vier einzelne Einsätze (mit dem hier fünf). Nach dem Trailer war ich erst skeptisch, im Film hatt' es dann doch gut miteinander harmoniert, wobei ich den O-Ton bevorzugen würde, da Ryghs Organ nochmal ne Spur mehr auflegt. Ein kleiner übler Nachgeschmack war jedoch, dass sich Logemann extrem clean nach Mikro anhörte, was dann doch befremdlich wirkt, wenn er gerade in der Wildnis ist, seine Stimme aber astrein wie Studiosound klingt. Florentine Stein ist für die Tochter zu hören; Tammo Kaulbarsch für die Bestie.


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Luise Helm für Abbie Cornish in Sucker Punch

WasGehtSieDasAn



Beiträge: 2.489

23.06.2019 21:21
#242 RE: Kürzlich habe ich folgenden Film gesehen... Zitat · antworten

The Man Who Killed Hitler and Then The Bigfoot (2018)

Was für ein Titel! Lässt einen vermutlich zuerst an eine Komödie denken (oder an verrückte Grindhouse-Exploitation)? Wer nun pures Trash-Gelage erwartet, wird auf weiter Strecke jedoch enttäuscht werden. Denn der Film nimmt sich ernster, als es sein Titel vermuten lässt (am besten vorher mal den Trailer sichten) und ist vielmehr ein gewichtiges Charakterdrama mit einem starken Sam Elliott in der Hauptrolle. Für Regisseur Robert D. Krzykowski (Kurzfilm Elsie Hooper) ist es sein Spielfilmdebüt, dessen Grundidee bereits vor 12 Jahren entstand. Da der Film noch relativ neu ist, an dieser Stelle SPOILERWARNUNG!

Sam Elliott spielt den kauzigen Veteranen Calvin Barr, der einst in seinen jungen Jahren (gespielt von Aidan Turner) den Führer höchstpersönlich still und heimlich in dessen Versteck exekutierte. Eine Mission, die ihm seine Jugendliebe Maxine (Caitlin FitzGerald) kostete. Nur die wenigsten wissen von Barrs Tat, wobei es ihm auch nie nach irgendwelchen Ehrungen trachtete, da er eigentlich das Töten wie kein anderer verabscheut. Und nun, nach circa 40 Jahren, soll es ausgerechnet an ihm liegen, das legendäre Mythenwesen zu erlegen. Denn dieser ist nämlich der Überträger einer todesbringenden Seuche und nur Calvin, unter vielleicht einem Dutzend von Leuten, scheint immun gegen dessen Keime zu sein, um dem Haarigen an den Pelz zu gehen.

Das Casting von Sam Elliott und Aidan Turner - jeweils für den alten und jungen Barr - ist exzellent! Turner mit Schnauzer sieht wirklich exakt wie eine jüngere Version von Sam Elliott aus. Die Story springt dabei immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. In den ersten Minuten könnte man tatsächlich noch meinen, einem abstrusen Genre-Klamauk zu bestaunen (Stichwort Uhr mit Hakenkreuz als Zeiger, wie auch immer man da die Uhrzeit ablesen kann XD). Sehr originell. So fährt die Handlung im weiteren Verlauf dann aber nahezu bodenständig fort, mit einem äußerst gelassenen und zugleich charismatischen Elliott in seinen alten Tagen. Versunken in seiner Einsamkeit, in der ihm nur sein Hund Ralph Gesellschaft leistet und die von gelegentlichen Geplänkeln mit seinem Bruder Ed (Larry Miller) aufgelockert wird. Mir gefiel Elliott in der Rolle sehr, trotz der überwiegenden Passivität seiner Figur, die er zugleich eben mit genügend Coolness und trockenem Humor abrundet. Auch in der Synchro kommen die Charakterzüge von Barr perfekt durch einen genauso grandiosen Reiner Schöne mit seinem herrlichen Timbre rüber, der dem Charakter enorme Tiefe und Wehmut verleiht. Die Romanze zwischen Turners Calvin und Maxine ist zudem äußert nett mit anzuschauen und die beiden haben ein paar wirklich schöne Dialoge miteinander. Mag es für den einen vielleicht zu viel Kitsch sein, so konnte ich mich auffallend oft mit der schüchternen Darstellung des jungen Barr identifizieren, der seiner Angebeteten zu gerne einen Antrag machen wollte, sich aber nie getraut oder es die Situation nicht zugelassen hat, bis es schließlich zu spät war. Der tragische Ausgang ließ mich dann auch emotional mitfühlen.

Die Ruhe des älteren Barr wird je gestört, als er vom FBI – zunächst vergeblich – rekrutiert werden soll, dem Bigfoot den Garaus zu machen. Hier macht man es sich in der Story leicht, indem man Barr zum Letzten auf einer Kandidatenliste an potentiell möglichen Monsterjägern erklärt, weil alle anderen bereits tot seien und auch Ron Livingstons FBI-Mensch von seinem Vater (?) Geschichten erzählt bekommen hat, von dem einen Mann, der quasi den Zweiten Weltkrieg im Alleingang beendete. Barr, der die Männer vehement mit seinem Wunsch nie wieder zu töten abweist, lässt sich nach einer kurzen Plauderei mit seinem Bruder dann doch schnell vom dem Auftrag überzeugen, was natürlich schon allein aufgrund des Titels zu erwarten war, aber dann doch leicht unlogisch in der bisherigen Darstellung der Figur und seiner Überzeugungen wirkte.

Die Jagd bzw. Suche nach dem Bigfoot wurde offenbar komplett gecuttet. Stand Elliott kurz zuvor noch vor einer malerischen haushohen Feuerwand, erfolgt in der nächsten Einstellung bereits der Schuss auf das Wesen, die eine ziemlich verwackelte und unglaublich hektisch geschnittenen Verfolgungsjagd nach sich zieht, was sich, durch dessen plötzliches Einsetzen, sehr inkohärent zum vorherigen Erzähltempo des Films für mich angefühlt hat. Der Bigfoot wird überraschend oft gezeigt und dessen Aussehen ist ja mal creepy as fuck! In den Auseinandersetzungen geht es auch teils recht rabiat zu und lässt dann doch einen kurzen Anflug von trashigem Monster-Charme versprühen, wenn Barr ungestüm mit seinem Messer auf die Horrorgestalt einsticht und der Bigfoot im Gegenzug mehrere Kotzladungen auf Elliott abwürgt – was dann schon wieder so over the top und skurril war . Ob jetzt nun genau diese bizarre Prügelei dafür verantwortlich war, dass der Film mit einer 16ner-Einstufung der FSK bedacht wurde? Fände ich dann doch zu übertrieben. Kann mir aber nicht vorstellen, dass es an den Extras liegt...

Wie das Finale ausgeht, möchte ich jetzt natürlich nicht vorweg nehmen, nur, dass ich nicht gänzlich davon überzeugt war und es ein Stück weit doch arg in die Länge gezogen wurde. Nichtsdestotrotz hat mir der Film über weite Strecke sehr gut gefallen. Komplizierter ist es hingegen schon eine Empfehlung auszusprechen, für welch ein Publikum dieser Film nun genau geeignet ist. Im Kern geht es auch hier um einen Mann im Kampf mit seinen eigenen Dämonen, wobei eben die beiden titelgebenden Tötungsopfer stellvertretend für die Aufarbeitung und den Umgang mit der fiktiven Lebensgeschichte des Protagonisten und seines Verlustes und seiner Reue stehen. Fans von Charaktermime Sam Elliott werden sicher voll auf ihre Kosten kommen.


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Nyan-Kun


Beiträge: 2.444

23.06.2019 21:35
#243 RE: Kürzlich habe ich folgenden Film gesehen... Zitat · antworten

Zitat von WasGehtSieDasAn im Beitrag #242
Was für ein Titel! Lässt einen vermutlich zuerst an eine Komödie denken (oder an verrückte Grindhouse-Exploitation)?
Ich persönlich hatte bei dem Titel eher direkt an B-Movie Trash der übleren Sorte gedacht. Das der Film sich dann doch so ernst nimmt und dabei nicht in eine unfreiwillige Komödie wie "The Room" hinabrutscht überrascht mich dann schon. Vielleicht schaue ich mir den Film doch noch irgendwann an, denn bisher hatte ich den Film allein vom Titel schon kategorisch abgelehnt, auch wenn mir bewusst ist, dass man ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen sollte.

Lammers


Beiträge: 3.657

29.06.2019 10:28
#244 RE: Kürzlich habe ich folgenden Film gesehen... Zitat · antworten

Die Mühle und das Kreuz (PL/S 2011)

Diesen Film habe ich am 01.01.2012 in einem Programmkino in meinem Wohnort gesehen und trotz seiner fordernden Art ist er bei mir hängengeblieben, weswegen ich ihn nochmal sehen wollte, was ich neulich getan habe.

Zentraler Punkt dieser polnisch-schwedischen Co-Produktion ist das Bild "Die Kreuztragung Christi" aus dem Jahre 1564 von Pieter Bruegel d.Ä., um dessen Entstehung es geht. Pieter Bruegel (Rutger Hauer) erhält von dem Kunstsammler Nicolas Jonghelinck (Michael York) den Auftrag zu diesem Bild und überlegt sich die Herangehensweise. Das ist eigentlich auch schon im Wesentlichen der Inhalt. Das Weitere ist eine Aneinanderreihung von Szenen, die einen, größtenteils mit Verzicht auf Dialoge, in diese oftmals bedrückende Zeit eintauchen lassen, in der man einerseits die durchaus spartanische Lebensweise des einfachen Volkes kennenlernt und andererseits die grausame Schreckensherrschaft der Spanier zu Gesicht bekommt, die seinerzeit das Land besetzt hatten und wo die Inquisitoren brutal die Menschen unterdrückten. Die ganze Szenerie dient übrigens auch als Metapher für das Bild, dass eine zeitlich Verfremdung beinhaltet. Mehr zu erklären, wäre allerdings entweder zu verwirrend oder ein unnötiger Spoiler.

Die Musik, die hier sparsam eingesetzt wird, unterstützt die durchaus bedrückende Atmosphäre dieses Films noch zusätzlich. Was man außerdem merkt, ist die Tatsache, dass es sich um eine Studioproduktion handelt; auch, weil desöfteren mal der Bluescreen eingesetzt wird, was den Film einerseits sehr künstlich erscheinen lässt, andererseits aber auch bewusst macht, dass es sich um ein lebendes Gemälde handelt, was schon einzigartig ist, aber auch einen Irritationseffekt erzeugen mag. Letzteres habe ich zumindest so empfunden.

Am Ende sieht man übrigens in einer Kamerafahrt das echte Gemälde, dass im kunsthistorischen Museum in Wien hängt. Die Kamera fährt aus dem Bild heraus und dann noch etwas zurück, so dass man auch noch die Räumlichkeiten zu sehen bekommt.

Noch ein Hinweis: Bei "good movies", wo der Film erschienen ist, kann man ihn noch zu einem vernünftigen Preis erhalten.


WasGehtSieDasAn



Beiträge: 2.489

04.07.2019 21:07
#245 RE: Kürzlich habe ich folgenden Film gesehen... Zitat · antworten

Sunshine (2007)

"Unsere Sonne stirbt." Während wir zuletzt noch Sonne satt hatten, droht der lebenswichtige Stern in Danny Boyles fiktionaler Zukunftsvision zu verglühen. Die Welt ist bereits in einem eiszeitähnlichen Frühstadium versunken. Abhilfe soll eine gewaltige Nuklearexplosion sorgen: eine Bombe, festgeschnallt an Bord eines Raumkreuzers, der Ikarus II – in dessen Folge durch die Detonation, der Motor der Sonne wieder zum Laufen gebracht werden soll. Soweit in der Theorie. Hört sich erstmal nach einer schönen Idee für effektüberfrachtetes Bombast-Hollywoodkino mit weniger Science-Fakt, als mehr Science-what the f**k an. Die britische Produktion fühlt sich aber weitaus minimalistischer und nahezu bescheidener an, im Gegensatz zu Katastrophenkrachern wie Michael Bays Armageddon oder solch Untergangsstreifen à la Roland Emmerich. Effekte – vordergründig natürlich die Sonne mit ihren Licht- & Farbspektakeln – werden dennoch zelebriert, wenn auch nicht zum reinen Selbstzweck, sondern um als Zuschauer wirklich ihre Ästhetik, aus Sicht der Bordcrew, zu genießen.

Hatte den Film schon lange nicht mehr im Player gehabt; aufgrund eines zuletzt geführten Filmgequatsches unter Freunden aber mal wieder Lust bekommen, ihn mir anzusehen. Die Hauptrollen füllen Cillian Murphy, Chris Evans und Rose Byrne nebst anderen "bekannten Gesichtern" aus. Mark Strong findet man auch auf der Besetzungsbank wieder, in einer nicht unbedeutenden Nebenrolle. Vom effekttechnischen Stand, sieht der Film fantastisch aus und auch wenn es in den Innensets der Ikarus spielt, hat das Ganze irgendwie so einen angenehmen Old School-Charme, mit all den großen blinkenden und piependen Apparaten in der Steuerungszentrale der Raumfähre. Vom Look her, hat es so was leicht "verlebtes" retromäßiges zu sich. Erinnert mich zumindest an so manch alten Sci-Fi-Klassiker wie beispielsweise den Offensichtlichsten: Alien. Die schauspielerischen Leistungen sind solide bis gut und auch an der Synchro gibt es nix zu meckern. Aber was den Film wohl so eindeutig einprägsam bei mir gemacht hat, ist der erstklassige Soundtrack von John Murphy und Underworld. Wenn zwei Astronauten den Sonnenschutzschild ihres Gefährts reparieren müssen und dabei auf Zeit spielen, da sich ihnen das glühend heiße Sonnenlicht wie ein brausendes Inferno von Minute zu Minute nähert, dann lässt vor allem die stetige Präsenz an Musik einen merklich mitschwitzen. Die euphorische Entfaltung des brennenden Nichts wird musikalisch so grandios eingefangen (Stichwort: Adagio In D Minor), was einfach jedes Mal aufs Neue atemberaubend rüberkommt!

"Kaneda, was können Sie sehen?"

In der zweiten Hälfte, nimmt der Film zudem dann noch eine überraschende Genrewendung ein. Zwar war die Situation schon von Anfang an als Weltraum-Thriller ausgelegt, bestehend aus den Spannungen einzelner Crewmitglieder untereinander und den Aneinanderreihungen von Fehlschlägen, entwickelt es sich dann aber fast schon zu einem Slasher in Space. Da hat der Film auch so manch blutige Einstellung parat, was einen nochmal leicht kritisch auf die 12er Freigabe blicken lässt, wobei eine höhere Freigabe dann schon wieder zu übertrieben wäre. An dieser Stelle, entschärft sich der Film quasi irgendwie selbst gekonnt, ohne dass man denkt, hier würde man offensichtlich zensieren (auch wenn der Film solch andere Stilmittel vermissen lässt), sondern man halt ein filmisches Gimmick draus macht. So wird der durch Sonnenlicht komplett entstellte "Nightmare on Elm Street-Lookalike Killer" immer bloß verzerrt und silhouettenhaft gezeigt. Doch Boyle hat sich sicherlich bewusst dazu entschieden, sonst wäre sein Film wohl eher zum Horrorstreifen verkommen und hätte den Fokus vom Eigentlichen verloren. Außerdem sagt man ja so schön, spielt sich der beste Horror immer in den Köpfen der Zuschauer, als auf der Leinwand ab.


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WasGehtSieDasAn



Beiträge: 2.489

12.07.2019 00:00
#246 RE: Kürzlich habe ich folgenden Film gesehen... Zitat · antworten

Antichris(2009)

Mit The House That Jack Built konnte mich Lars von Trier letztes Jahr abholen, mit dem – was ich so mitbekommen habe – die meisten (auch langjährige von Trier Fans) wohl nichts anfangen konnten; nicht nur aufgrund seiner abstoßenden Gewaltzelebrierung, sondern auch so generell eher meh. Und mittlerweile ist es auch für mich offensichtlich, wie meta der Film doch ist und das "Enfant terrible" damit einfach nur beide Mittelfinger seinen Kritikern entgegen strecken wollte, die seine "Künste" nicht zu schätzen wissen und ihn verschmähen; ihm Frauenfeindlichkeit und dergleichen vorwerfen, halt das ganze Pipapo was man schon kennt. Jack gefiel mir. Dennoch hält sich das Interesse bei mir jetzt die gesamte von Trier Filmografie nachzuholen, doch mehr als gering. Neugierig machte mich dann aber doch Antichrist – immerhin der "meist gehasste Film von 2009" und schließlich der "wichtigste Film des wichtigsten Regisseurs" – von dem ich früher schon gehört hatte und auch was für eine Tortur jener mit sich bringt, wenn du ihn dir ansiehst. Wenn du kein depressiver Mensch bist, dann wirst du es garantiert danach sein. Propaganda at it's best. Tatsächlich litt von Trier ja selbst jahrelang an Depression – meinte womöglich nie wieder einen Film drehen zu können. Was hier einem nun geboten wird, kommt einer fleischgewordenen Depression allzu nah.

Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe mimen ein namenloses Ehepaar, welches jeder auf seine Weise mit der Trauer umzugehen versucht, die durch den tragischen Tod ihres kleinen Sohnes verursacht wurde. Dafoe, dessen Charakter Psychologe ist, versucht seine Frau aus ihrer tiefen Depression zu ziehen und beginnt damit – wider dem therapeutischen Motto – sie eigenmächtig zu therapieren, im Glauben, ihr somit am besten helfen zu können. In Form einer Konfrontationstherapie kommt nach und nach heraus, dass bei ihr eine unerklärliche Angst vor dem Wald "Eden" besteht. Dort hat die Frau zusammen mit ihrem Sohn den vergangenen Sommer verbracht und gleichzeitig an ihrer Dissertation über Hexenverfolgung gearbeitet. Um sich ihren Ängsten zu stellen, machen sich beide auf den Weg zu ihrer Hütte nach Eden. Zum Ende hin, dürfen sich dann beide in aller Genüsslichkeit gegenseitig zerfleischen.

Wie die Filmhistorie mehrmals schon bewiesen hat, nimmt es nie ein gutes Ende, wenn man aus was für Gründen auch immer, eine einsame Hütte im Wald aufsucht. Die Angst der Frau vor dem grünen Draußen endet schließlich in der Äußerung, dass "die Natur Satans Kirche" sei. Nicht grundlos wurde "Eden" als Name für den Wald gewählt, steht er doch metaphorisch für den göttlichen Garten Eden – das Paradies – welches hier zum Teufelswerk verklärt wird und Gainsbourg zur Anti-Eva macht, die nicht nur in sich eine Hexe sieht, sondern gleich in allen Frauen das pure Böse wiedererkennt, die alle mit dem Teufel im Bunde zu stehen scheinen. Der Wald erscheint stets in einer bedrohlichen und unheilbringenden Inszenierung: albtraumhafte Nebelschwaden liegen über dem eh schon tristen Grau der Natur; ein Hagel aus Tannenzapfen prasselt lautstark nächtlich auf das Dach nieder und die Tiere des Waldes, erscheinen als Verkünder des Todes. Das Symbol der drei Bettler - verkörpert durch ein Reh welches seine Totgeburt mit sich rum schleppt, einen sich selbst verschlingenden Fuchs und eine zombiehafte Krähe - die einem erscheinen, bevor jemand stirbt, sind hier wiederkehrende Motive.

Zusätzlich macht einem der Psychosound zu schaffen, der einen entfernt an das anhaltend nervenzerreißende Pfeifen/Zischen eines Teekessels erinnert und der Film ansonsten weitestgehend komplett auf Musik verzichtet. Nur am Anfang und am Ende wird jeweils zu einer S/W-Montage die Arie Lascia ch'io pianga geschmettert. Dabei wirken die ersten fünf Minuten schon allein wie der reinste Kunstporno. Das kann man praktisch irgendwo ausstellen. Gainsbourg und Dafoe widmen sich zeitlupenartig ihrem ekstatischen Liebesspiel, während der Sohn anmutig aus dem Fenster spaziert und schlussendlich in den stockwerktiefen Tod auf den schneebedeckten Asphalt klatscht. Die Einstellung, wie er das Fensterbrett erklimmt und dabei als erstes sein mitgeführter Teddybär in Großaufnahme sein Plüschhaupt über den Fensterbalken erhebt, ließ mich doch irgendwie an einen alten Godzilla-Schinken erinnern, wie sich der Urgigant über einen Bergkamm reckt.

Zum Ende hin wird es dann wie von allen versprochen unappetitlich, wobei das Extrem beim zweiten Gucken schon wieder verpuffte. Nichtsdestotrotz haben es die Bilder in sich. Während bei einem Hateful 8 das Kammerschauspiel in einem cartoonartigen Schusswechsel endete, bei dem Köpfe explodieren, so bekommt Dafoe hier sein Bein durchbohrt und im Folgenden eine Eisenstange mit daran befestigten Schleifrad dran montiert. Schräg wird es dann, wenn Schniedel Blut ejakulieren und an Mumus rumgeschnippelt wird. Wenn man sich bei Jack dabei erwischt, wie man ein verdutztes "Höhö... was zum Teufel guck ich mir bloß an!?" los wird, wenn Jack einen zuvor erschossenen kleinen Miesepeter präpariert und ihm in bester Joker-Manier "ein Lächeln aufs Gesicht zaubert" – dann ist das schon aufgrund seiner rotzfrechen Darstellung so absurd komisch, dass man einfach zum Schmunzeln getrieben wird, ja vielleicht sogar sollte. Hier wird einem alles bitterböse in voller Härte serviert, was halt konsequent zum Ton des Films passt, dafür weniger verträglich für einige Gemüter sein wird.

Zur Synchro: wie gewohnt Reiner Schöne für Willem Dafoe und Irina Wanka für Charlotte Gainsbourg. Schöne spricht eigentlich die ganze Zeit in einer gelassenen Monotonie, entsprechend dem Schauspiel Dafoes. Wanka: super! Sie fängt perfekt die Zerbrechlichkeit und vorwerfende Gleichgültigkeit von Gainsbourgs zerbrochener Gestalt zu Beginn des Films ein und wenn sie sich dann gen Ende in eine kreischende Furie verwandelt, legt auch Wanka ordentlich Power auf, du lieber Scholli! Ich denke mal gerade Schreiszenen – so befreiend sie auch sein können – sind zugleich dennoch immer mit einer gewissen Überwindung verbunden. Und dann muss man auch noch unter Beobachtung in einer kleinen Kabine aus der Haut fahren, was sicher zusätzlich eine beklemmende Wirkung mit sich bringt. Aber verdammt klasse gespielt!

Unterm Strich mochte ich Jack mehr. Antichrist war da schon zu sehr bedrückend, aber ohne Zweifel war es eine genauso unvergessliche Erfahrung. Aber ich denke, das wird erstmal der letzte von Trier für mich gewesen sein. Dogville sieht zwar noch interessant und experimentell aus, aber Melancholia und Nymphomaniac (um bei den "neueren" Filmen zu bleiben) scheinen nichts für mich zu sein.


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13.07.2019 22:48
#247 RE: Kürzlich habe ich folgenden Film gesehen... Zitat · antworten

Franklyn (2008)

Schön, auf was für versteckte filmische "Sonderlinge" man durch zufälliges Rumstöbern noch stoßen kann. Zuerst konnte ich hierzu gar keinen Eintrag in der SK abrufen. Dachte spontan, ob es den vielleicht gar nicht auf Deutsch gibt? Auf YouTube ließ sich dann doch schnell ein deutscher Trailer zu dem Film finden, der zuweilen noch mit dem viel und gleichzeitig nichts sagendem Zusatz Die Wahrheit trägt viele Masken versehen wurde. Und der erste, der sofort zu hören war, war Everybody’s Darling Dennis Schmidt-Foß auf dem maskierten Hauptprotagonisten – oder genauer gesagt, einer von vieren. Die Geschichte folgt nämlich den Handlungssträngen von vier Charakteren, prominent besetzt mit: Ryan Phillippe, Eva Green, Sam Riley und Bernard Hill. Weiterhin spielt sich die Handlung an zwei Schauplätzen ab: im London der Gegenwart und in einer düsteren comicesken Parallelwelt namens Meanwhile City.

Bernard Hill sucht in London nach seinem untergetauchten Sohn David, der aus dem Irakkrieg zurückgekehrt ist und offenbar dem Wahn verfallen ist. Eva Green spielt die Kunststudentin Emilia, die am Leben und an ihrer zerrütteten Familie verzweifelt und sich mehrmals versucht das Leben zu nehmen; gleichzeitig ihre Suizidversuche jedes Mal auf Band aufzeichnet, um daraus ein makabres Videoprojekt zu gestalten. Sam Riley spielt den sitzengelassenen Bräutigam Milo, der kurz nach der geplatzten Hochzeit seiner Sandkastenkameradin von früher – Sally (ebenfalls verkörpert durch Eva Green) – wiederbegegnet. Und Ryan Phillippe ist als maskierter Rächer Jonathan Preest in Meanwhile City unterwegs, um einen Sektenführer – genannt "Das Individuum" – ausfindig zu machen und zu eliminieren, den er für den Tod eines kleinen Mädchens verantwortlich macht.

Der Film ist ein wahrlich verzwicktes, wenn auch extravagantes Potpourri aus allerlei Filmgenres: vordergründig ein verschrobenes Drama mit Mystery- / Krimi-Elementen, gemischt mit einem Hauch an Fantasy-Sci-Fi, etwas Action und einer dystopischen Zwischenwelt. In Meanwhile City – einem Ort, an dem anscheint nie die Sonne scheint – herrscht ein striktes Regime an Glaubensfanatikern. Und Preest ist der einzige Ungläubige in dieser Welt aus Gläubigen, der von den comichaften klonartigen Wächtern des Ministeriums verfolgt wird. Der ausgefallene Comiclook belebt die Stadt und erinnert an Werke wie V wie Vendetta, Brazil oder vielleicht auch an Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen. Die Aufmachung von Preest lässt wohl ohne Zweifel jeden sofort an Rorschach aus Watchmen denken: selber Trenchcoat (nur der Hut fehlt); weiße Maske, die einem mit zwei riesigen seelenlosen Augen angafft; sogar das stets kommentierende Voice-Over von Preest erinnert an Rorschachs Tagebuch (oder an eine Episode aus Sin City). Ähnlich ruppig und mürrisch, wenn auch nicht ganz so rabiat wie sein anmutender Zwilling, geht auch Preest vor, um von seinen "Zielen" an Infos zu gelangen.

Eva Green – die Frau hat es mir angetan – eine absolut fantastische Schauspielerin, die wie geschaffen in solche "andersartigen" Szenarios passt. Perfekte Besetzung in der genialen Serie Penny Dreadful, bei der ihr Schauspiel schon anmuten ließ, tatsächlich vom Dämon besessen zu sein. Auch wenn es sich hierbei sicher nicht um ihre stärkste Rolle handelt, so legt sie abermals eine solch intensive Spielfreude an den Tag. Green frisst einfach jede Rolle und mag es auch manchmal noch so großer Schund sein, ähnlich wie Michael Fassbender. Es ist so faszinierend in den Bann ziehend, mit was für einer Präsenz sie erscheint und wie viel Ausdruck Green schon allein vermitteln kann, wenn sie dir einen schrägen Blick zur Seite zuwirft oder eine kunstvolle kleine Tanzeinlage wie im Fiebertraum vor die Kamera zaubert. Sie ist ganz klar der Showstealer gegenüber ihren männlichen Kollegen in diesem illustren Ensemble. Ähnlich wie bei 300. Da war es schon echt erschreckend, wenn man Eva Green zusammen mit dem Wasserhydranten Sullivan Stapleton in einer Szene hatte; wie hoch sich da das Gefälle anfühlte und wer hier noch wirklich "spielt".

Gen Ende hin verlaufen die vier Handlungsstränge puzzleartig ineinander über und auch wenn man so manchen Twist bereits kommen sieht, fragt man sich dennoch, wie es sich am Ende nun alles zusammenfügen lässt. Der Plot mit Sam Riley wirkte zum Schluss allerdings mehr als nutzlos und die Auflösung hinter Eva Greens Doppelrolle war mit 'nem großen Augenrollen versehen. Der Wechsel zwischen den Storylines ist oftmals sehr hektisch, so dass man wirklich aufmerksam am Ball bleiben muss, um dem Geschehen zu folgen und noch die einzelnen Zusammenhänge für sich miteinander zu verbinden. Mit Sicherheit ein Film den man mehrmals sehen müsste, um ihn voll und ganz zu verstehen. Die Rolle des mysteriösen Hausmeisters/Pastors – gespielt von James Faulkner – blieb mir zum Schluss völlig rätselhaft. Macht es sich der Film eventuell nur selbst vor, etwas ganz Verschachteltes zu sein, als er es schlussendlich ist? Mit seinen gut 90 Minuten (Abspann abgezogen) kommt er jedoch ganz kurzweilig daher. Nur das tatsächliche Ende fand ich ziemlich ungenügend, weil es dann auch sehr plötzlich einsetzte. Für gewöhnlich würde man jetzt damit rechnen, müssten da nicht noch 3-5 Minuten kommen?, um das Geschehene etwas ausklingen zu lassen. Aber nein, mit einem Mal ist Schluss.

Die Synchro ist meines Erachtens ordentlich gelungen und für einen Direct-to-Titel hat man keine Kosten gescheut. Angefertigt in Hannover. Besetzt mit Sprechern aus allen Himmelsrichtungen. Das Quartett setzt sich zusammen aus den Berlinern Dennis Schmidt-Foß für Phillippe, Kim Hasper für Riley, Manja Doering für Green und dem einstigen Kölner Hans Bayer (exzellent passend) auf Bernard Hill. Doering hatte ich anfangs schwer rauszuhören, spricht sie Eva Green deutlich dunkler als man es sonst von ihrer Stimmlage gewohnt ist. Kam dem O-Ton aber erstaunlich nahe, auch wenn ich Katrin Zimmermann heutzutage ungern missen möchte (wohl zu sehr pennybelastet). Daneben finden sich auch Hamburger-Kollegen wie u.a. Sascha Rotermund oder Wolf Frass (für Faulkner) wieder. Frass auch sehr gelungen, der Faulkner hier zum ersten Mal sprach (ein weiteres Mal in Atomic Blonde) und der hoffentlich alsbald mal öfters auch in Berliner Synchros zu hören ist. Bei Dieter Memel als Chef des Ministeriums Tarrant (gespielt von Art Malik), könnte man nun wählen – ist oder war er doch immer so ein Springer zwischen München und Berlin. Erstaunlich, selbst Tom Vogt zu vernehmen, spricht er doch eine sehr kleine gesichtslose Rolle eines der Kleriker-Polizisten.

Unterm Strich ein sehr extravaganter Film, der vom Look oder aufgrund einzelner Versatzstücke vermeintlich oft andere Werke zitiert, sich aber ungewöhnlich und dennoch frisch anfühlt. Die Handlung erweist sich leider manchmal recht wirr, weil sprunghaft erzählt und das Ende-Ende – so logisch die vier Geschichten zuvor auch zusammenmünden – ließ mich etwas enttäuscht zurück.


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 Sprung  

Farb-Legende: blau = Spekulation, orange = Trailer-Besetzung, grün = endgültige Besetzung, rot = Korrektur/Ergänzung zur endgültigen Besetzung

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