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Dieses Thema hat 118 Antworten
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 Spielfilmklassiker
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berti


Beiträge: 13.383

26.03.2014 19:41
#76 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Du konntest die Erstsynchro sichten? Gratuliere!
Wolltest du bei Gelegenheit auch noch etwas zu deinem Gesamteindruck von dieser schreiben, nachdem zango sein Urteil dazu bereits abgegeben hatte?


Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 8.724

26.03.2014 20:16
#77 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Wäre es nicht "Casablanca" und die Synchro nicht so selten, gäbe es eigentlich nichts zu erwähnen - saubere Arbeit, weder ein Ausreißer nach oben noch nach unten. Renault ist halt eine sehr dankbare Rolle und Fürbringer wusste sie ebenso zu nutzen wie Biederstaedt.
Die Kürzungen bringen den Film allerdings aus dem Gleichgewicht, es fehlt ihm ganz klar an Biss, nicht eine Sekunde spürt man Gefahr für die Protagonisten und das ist tödlich für die Spannung. Rains hätte einen großartigen Schurken abgegeben, aber diesen Part übernahm nun mal Veidt und sein Fehlen macht im Grunde den ganzen Konflikt zunichte.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 13.383

26.03.2014 22:31
#78 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #77
Die Kürzungen bringen den Film allerdings aus dem Gleichgewicht, es fehlt ihm ganz klar an Biss, nicht eine Sekunde spürt man Gefahr für die Protagonisten und das ist tödlich für die Spannung. Rains hätte einen großartigen Schurken abgegeben, aber diesen Part übernahm nun mal Veidt und sein Fehlen macht im Grunde den ganzen Konflikt zunichte.

Kannst du dir denn vorstellen, dass der Film früher bei einem nicht genauer informierten Publikum in dieser Fassung funktionieren konnte? Oder meinst du, dass manche sich zusammenreimen konnten, von wem hier "eigentlich" die Bedrohung ausgeht?


Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 8.724

26.03.2014 22:40
#79 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Das Verrückte ist, dass er mit diesen Schnitten auch tatsächlich "funktioniert" - man merkt als Uneingeweihter sicher nicht, dass etwas fehlt und schon gar nicht wo. Allerdings kommt schlussendlich eben ein sentimentales Melodram heraus und kein knackiges Drama mit Kultfaktor.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 13.383

26.03.2014 22:43
#80 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Funktioniert Paul Klinger für Humphrey Bogart denn?
Eigentlich könnte ich ihn mir für Paul Henreid oder Claude Rains weitaus besser vorstellen.


Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 8.724

26.03.2014 23:25
#81 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Er macht ihn sehr viel weicher als man es (selbst von Lukschy) gewohnt ist.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 13.383

27.03.2014 08:13
#82 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Das kann ich mir vorstellen, wobei ich Lukschy für Bogart nicht unbedingt als "weich" empfinde.

Die "Casablanca"-Erstsynchro wird bekanntlich oft als Beispiel für Verfälschungen genannt, obwohl viele, die sich darüber in der Literatur äußern, sie wahrscheinlich nicht gesehen haben.
Als du vor Jahren die lange verschollene Ersynchro vom "Auslandskorrespondent" sichten konntest, hattest du festgestellt, dass (anders als oft behauptet) die Veränderungen und Kürzungen (abgesehen von der Schlussrede) nicht politisch motiviert waren.
Beim Sehen der DEFA-Fassung von "Der große Blonde kehrt zurück" warst du überrascht, dass in dieser von "James Bond" und "Superman" die Rede war, obwohl beide Namen der Zielgruppe (offiziell) gar nicht hätten bekannt sein dürfen.
Gab es für dich beim Sehen dieser Synchro auch Überraschungen?


Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 8.724

27.03.2014 08:43
#83 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Höchstens dass die ominösen Delta-Strahlen ausgesprochen selten erwähnt wurden, so, als wäre deren Erfindung dem Dialogautor selbst peinlich gewesen.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 13.383

27.03.2014 11:06
#84 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Zango schrieb, auch "Komissar Laporte" würde nur an zwei Stellen im Dialog erwähnt, was mich überrascht hat. Ich hatte zuvor gedacht, er müsste in den Dialogen stärker präsent sein, um "Victor Larsens" Gefährdung im Bewusstsein des Zuschauers zu halten.
Ebenfalls komisch fand ich die in dem Aufsatz zitierte Aussage über Laporte: In dieser Formulierung ("Wir haben heute Nacht einen wichtigen Gast. (...) Ich möchte, dass er der Verhaftung beiwohnt.") hört sie sich wie die klassische "Vorstellung" einer Figur an, die gleich auftreten wird. Daran war natürlich nicht zu denken, da Offiziere in deutscher Uniform ja nicht zu sehen sein durften. Deswegen wundert es mich, dass Renaults Worte nicht etwas anders formuliert wurden.


berti


Beiträge: 13.383

30.03.2014 11:46
#85 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Danke für die Auskünfte zu dieser "legendären" Fassung!

Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 8.724

16.07.2014 14:54
#86 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #75
wenn's nicht ein Warner-Film wäre, hätte ich ironischerweise sowieso auf eine remagener Synchro getippt

... und habe, als ich das schrieb, völlig übersehen, dass ich doch eigentlich mehrere Warner-Filme dieser Zeit kenne, die genau dort synchronisiert wurden! Als da wären "Sklavin des Herzens", "Die rote Lola" und "Des Königs Admiral", alle drei von Alfred Kirschner bearbeitet bei der Internationalen Film-Union Remagen. So kann man doch sicher davon ausgehen, dass hier auch "Casablanca" verantwortet wurde.

Gruß
Stefan


berti


Beiträge: 13.383

16.07.2014 18:30
#87 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Hat Paul Klinger denn auch öfter in Remagen gearbeitet?


lupoprezzo


Beiträge: 1.971

17.07.2014 01:03
#88 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #86
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #75
wenn's nicht ein Warner-Film wäre, hätte ich ironischerweise sowieso auf eine remagener Synchro getippt

... und habe, als ich das schrieb, völlig übersehen, dass ich doch eigentlich mehrere Warner-Filme dieser Zeit kenne, die genau dort synchronisiert wurden!


Ja klar, um 1950 hat Warner recht häufig in Remagen synchronisieren lassen (weitere Titel wären z.B. "Opfer einer großen Liebe", "Goldschmuggel nach Virginia" oder "Günstling einer Königin"). Die Kinosynchro von "Casablanca" entstand allerdings bei der Deutschen Mondial Film GmbH in München.

Gruß
Horst

Lammers


Beiträge: 3.390

17.07.2014 14:50
#89 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Zitat von lupoprezzo im Beitrag #88
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #86
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #75
wenn's nicht ein Warner-Film wäre, hätte ich ironischerweise sowieso auf eine remagener Synchro getippt

... und habe, als ich das schrieb, völlig übersehen, dass ich doch eigentlich mehrere Warner-Filme dieser Zeit kenne, die genau dort synchronisiert wurden!


Ja klar, um 1950 hat Warner recht häufig in Remagen synchronisieren lassen (weitere Titel wären z.B. "Opfer einer großen Liebe", "Goldschmuggel nach Virginia" oder "Günstling einer Königin"). Die Kinosynchro von "Casablanca" entstand allerdings bei der Deutschen Mondial Film GmbH in München.


Remagen wäre mir in diesem Fall auch neu gewesen. Zumal man dort in den 50ern ja hauptsächlich französische und italienische Spielfilme synchronisieren ließ. So war es dann aber doch eine Münchener Synchron mit ein paar Berlinern dazwischen.


berti


Beiträge: 13.383

27.09.2014 17:45
#90 RE: "Casablanca" hören Zitat · antworten

Nachdem ich kürzlich die Gelegenheit hatte, die Kinofassung zu sehen, wollte ich etwas dazu schreiben. Es werden allerdings mehrere längere Beiträge werden.

Die Fassung an sich entsprach insofern meinen Erwartungen, als sie tatsächlich (wie so oft beschrieben) versucht, eine andere Geschichte zu erzählen. Dass dies nicht recht gelingen will, hatte ich bereits erwartet, aber inwiefern manche Details dazu beitragen, war mir natürlich vorab nicht klar.
Die "Delta-Strahlen" sind im Dialog tatsächlich nur sehr selten präsent. Genau gesagt ist von ihnen sogar nur in zwei Szenen die Rede: Einmal, als "Victor Larsen" die Transitvisa (bzw. "Diplomatenpässe") von Rick zu bekommen versucht und erwähnt, dass er nach der Entdeckung der Strahlen sein Labor zerstört habe, um eine militärische Nutzung zu verhindern. Danach noch in der Szene, deren Dialog in Bräutigams Buch zitiert wird (als Ilsa von der Verhaftung ihres Mannes nach ihrer Heirat erzählt).
Auch "Kommissar Laporte von der Internationalen Polizei" wird nur zweimal erwänt: Einmal, als Renault sagt, dass sie "heute Nacht einen wichtigen Gast" in der Bar haben würden, der Zeuge von Ugartes Verhaftung werden solle. Danach noch einmal etwa in der Mitte, als es darum geht, dass Ricks Lokal durchsucht wurde. Dies habe Laporte zeigen sollen, wie sehr Renault sich um die Aufklärung des Falles bemühe.
Möglicherweise wurde er nicht öfter erwähnt, um den Zuschauer nicht darüber ins Grübeln kommen zu lassen, warum eine anscheinend so wichtige Figur nicht zu sehen ist? Aber ebensogut hätte man ihn auch ganz aus den Dialogen entfernen können, da seine Erwähnung dort keine weitere Bedeutung hat. Vor Sichtung hatte ich (aufgrund der Angaben in der Literatur) vermutet, Laporte sei in der Stadt, um einen Vorwand zu suchen, Larsen zu verhaften oder zumindest dessen Weiterreise zu verhindern. Von einem Zusammenhang zwischen seiner Anwesenheit und Larsen ist jedoch NIE ausdrücklich die Rede.
Conrad Veidt ist tatsächlich in zwei Szenen kurz zu sehen: Einmal als Victor und Ilsa ihren Tisch erreicht haben, um einen Bildsprung zwischen zwei Einstellung (in der einen steht Victor noch, in der anderen sitzt er am Tisch) zu verhindern, dann noch, als er während des Liedes der Sängerin im Bild ist. Beide Einstellungen umfassen nur wenige Sekunden, weswegen man wohl hoffte, der Zuschauer bemerke sie nicht weiter. Allerdings sieht man ihn beide Male neben Renault sitzen, und durch seine deutsche Uniform ist er auch leicht zuzuordnen.
Da man ansonsten alle Szenen und Einstellungen mit deutschen Soldaten herausschnitt, ergaben sich natürlich einige Sprünge: Dass Ugarte direkt nach dem Gespräch zwischen Rick und Louis festgenommen wird, mag noch angehen. Aber dass Ilsa und Victor nun unmittelbar nach der Verhaftung das Lokal betreten und von dieser nichts mitbekommen haben sollen, wirkt etwas komisch. Von Ugartes Tod erfährt man nun nur durch das Gespräch zwischen Rick und Ferrari, dass die Bar im letzten Drittel aufgrund einer polizeilichen Anweisung geschlossen wurde, wird im Dialog nicht gesagt, man kann es nur anhand eines Schilds erahnen.
Ilsas Aussage, ohne Ricks Hilfe müsse ihr Mann "in Casablanca sterben" wirkt ohne die Szene, in der Strasser damit drohte, aus der Luft gegriffen und zusätzlich widersinnig, da Larsens Gegner doch offenbar an dem Geheimnis der Delta-Strahlen interessiert sind: Warum sollten sie ihn also töten wollen?
Der Kontaktmann Berger gehört in dieser Fassung ebenso wie Ugarte und anscheinend auch der Kellner Carl zu einer illegalen Organisation, die Larsen helfen will. Wer diese genau ist und warum sie das tut, wird nicht mal ansatzweise erkärt. Ebenso bleibt aus dieser Fassung heraus unklar, warum Rick im Juni 1940 vor dem Einmarsch der deutschen Truppen Paris verlassen muss, da seine antifaschistische Vergangenheit hier ja nicht existiert (sondern er nur aus Abenteuerlust in Äthiopien und Spanien aktiv gewesen zu sein scheint). Ilsas Behauptung, er und Victor seien "vom gleichen Holz" ergibt so auch keinen Sinn, ebenso wie die "Ideale" des Physikers ziemlich abstrakt bleiben.
Gero Gandert schreibt, "die herrliche Schlusssequenz auf dem Fluplatz" sei in dieser Fassung "nur noch irgendein Abschied, wie man ihn aus tausend Filmen kannte" gewesen, bei dem die Rollen "trivial (...) und ohne Tiefe" gewesen seien. In dieser Fassung überzeugt Rick Ilsa schließlich zum Mitfliegen nur noch damit, dass sie Victor bei der Vollendung seiner (wissenschaftlichen) Arbeit unterstützen müsse und er auf sie verzichte, da er wegen seiner Verbindung zu Renault über kurz oder lang im Gefängnis landen werde, "höhere" politische Ziele konnten nicht genannt werden. Übrigens wird die Szene in dieser Synchro mit einer anderen Musik unterlegt und nach dem Start des Flugzeugs endet der Film ziemlich überhastet und abgehackt. Da Renault hier nicht Möglichkeit bekam, Rick (nach der Erschießung Strassers) zu decken und somit zu beweisen, dass auch er sich verändert hat, versteht man nicht, warum die beiden freundschaftlich gemeinsam abgehen.
In Annika Wisniewskis Anlyse wird betont, dass sowohl Rick als auch Renault im Original "eine viel größere Entwicklung" durchmachten. Dem kann ich nicht widersprechen, da Rick sich in dieser Version zwar auch selbstlos verhält, aber nicht vom unpolitischen Zyniker wieder zu dem aktiven Antifaschisten wird, der er früher war. Und Renault zeigt hier gar keine wirkliche Veränderung.

Noch eine Kleinigkeit: Als Rick am Ende der ersten Nacht des Films auf Ilsa wartet, fragt er Sam, wieviel Uhr es in New York sei, "wenn es in Casablanca Dezember 1941 ist" und meint dann, wahrscheinlich würden sie in New York und "in ganz Amerika" schlafen. Natürlich ist diese Dialogstelle ein Seitenhieb auf den vor Pearl Harbor in Amerika verbreiteten Isolationismus, trotzdem wurden DIESE Sätze 1952 korrekt übersetzt. Entweder hatte der Dialogautor die politische Spitze nicht verstanden oder er nahm an, dass das deutsche Publikum damit sowieso nichts anfangen könne.


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