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Dieses Thema hat 80 Antworten
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Rai87


Beiträge: 278

21.09.2015 19:39
#46 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Cooler Thread!
Gehöre auch zu den Bücherliebhabern. Ich lese eigentlich in jedem Genre oder Wissensgebiet gerne. Spiritualität (z.B. Eckhart Tolle und Neale Donald Walsch), ist auch ein großes Hobby geworden, egal ob als Sachbuch oder als Roman wie uva. die wunderbaren Bücher von Paulo Coelho z.B.
Mir fällt mit der Zeit sicherlich noch viel mehr ein, was ich hier noch einbringen kann!

Alles Liebe!

Rainer

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

21.09.2015 21:16
#47 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Über Bücher kann man gar nicht genug schreiben!

Nachdem du es hier erwähnt hast: was gefällt dir eigentlich an Paulo Coelho so gut? Ich wüsste das gerne mal aus erster Hand, weil ich persönlich mit dem gar nichts anfangen kann. Aber es ist natürlich schön, dass es für jeden Geschmack etwas gibt.

Ich habe vor Kurzem wieder John LeCarre ausgegraben und nach "Dame, König, As, Spion" nun zu "Smileys Leute" gegriffen, der später kam und trotz eines Buches dazwischen mit Smiley als Hauptfigur die eigentliche Fortsetzung ist. Auch beim wiederholten Lesen ausserordentlich spannend und voller interessanter Charaktere. Ich merke allerding, wie ich da auch von Film und Synchronisation beeinflusst bin. Smiley sieht für mich wie Alec Guinness aus, obwohl LeCarre ihn ganz anders beschreibt. Und da ich die deutsche Übersetzung lese, spricht mein Smiley mit der Stimme von Wilhelm Borchert, auch wenn der diese Figur nur für James Mason 1966 sprach (mit verändertem Namen).

Mein letzter Fehlgriff beim Bücherkauf war eine Biografie über Oliver Reed namens "Evil Spirit". Dieses Buch von Cliff Goodwin wurde insgesamt sehr gut bewertet von Kritikern und Rezensenten. Leider scheinen die ein anderes Buch gelesen zu haben. Entgegen vieler Angaben habe ich nicht gefunden, dass sich das Buch intensiv mit seiner Karriere und seinen Filmen auseinandersetzen würde. Klar, die kommen vor, aber viele werden gar nicht erwähnt oder nur in zwei Sätzen abgehandelt. Dafür wird Reeds privaten Eskapaden unendlich viel Raum gegeben. Das Buch bemüht sich hier nicht einmal, etwas differenziert zu versuchen, Reeds interessante Psyche zu erfassen. Eher ergötzt sich der Autor an einer fast buchhalterisch durchgeführten, detaillreichen Liste, wann und wo und wieviel Reed zuviel soff, ausfallend wurde, ungestümen Sex hatte, wen verprügelte oder sich sonst wie daneben benahm. Ein ödes Werk...


"Ist doch scheußlich, diese Marschmusik!"

Martin Hirthe für Charles Gray in "Diamantenfieber"

http://www.ruine.at

Rai87


Beiträge: 278

22.09.2015 12:00
#48 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Paulo Coelho schreibt sehr tiefgründige Romane über die Liebe, den Sinn des Lebens, über den Glauben, über menschliche Schwächen und deren Folgen, über Hoffnung, und was in nahezu jedem Roman von ihm vorkommt, seine eigene Bestimmung zu finden und seinen eigenen Weg zu gehen, also somit auch seinen Lebenstraum zu verwirklichen.
Wissenswert über Paulo Coelho ist auch, dass der Großteil seiner Werke einen Autobiografischen Hintergrund hat. Z.B. in seinem ersten Roman wo es über seine persönliche Reise auf dem Jakobsweg geht und was er dort alles erlebt hat, verarbeitet er ein Jahr später in dem Bestseller "Der Alchimist", mit dem er auch international bekannt geworden ist.
Das ist jetzt natürlich nur ein kleiner Vorgeschmack über Paulo Coelho, es gibt noch viele andere Dinge über ihn zu sagen.
In dem Buch "Der Magier" von Fernando Morais und Paulo Coelhos Biografie, wird sein Leben sehr detailliert dargestellt und auch erklärt wie es zu bestimmten Romanen gekommen ist.
Bei Interesse kann ich das eine oder andere zu diesem Thema gerne weiter ausführen!

Das geht mir auch so, dass ich beim lesen gewisse Synchronsprecher und die dazugehörigen Schauspieler mit erfinde!
Natürlich ist auch immer Lutz Riedel mit dabei, allerdings für immer andere Rollen und die passenden Schauspieler!

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

22.09.2015 13:24
#49 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Hallo Rainer!

Vielen Dank für deine Ausführungen! Wenn du deine Begeisterung für Coelho viel detaillierter mitteilen möchtest, mach es einfach!!!

Wie erwähnt, ich habe nie Zugang zu seinen Werken bekommen.

Mal ganz hart, direkt und vielleicht provokant ausgedrückt: mir waren die Konflikte in seinen Roman häufig viel zu konstruiert, die Charaktere erschienen mir künstlich und nicht aus der realen Welt gegriffen und der philosophische Unterton ging meiner Meinung nach nicht über das Niveau von Kalendersprüchen oder alten Weisheiten hinaus.

Dass Selbstfindung eine große Rolle in seinen Werken spielt, hat aber vielleicht auch Anteil daran, dass ich diese Romane nicht so mag.

Selbstfindung ist für mich ein durch und durch negativ besetztes Wort und eine regelrechte Großindustrie. Ich habe Leute nie verstehen können, die äußere Impulse brauchen, um sich selbst zu finden. Das birgt immer die Gefahr, dass man sich beeinflussen läßt, sich selbst durch etwas manipuliert, das nicht wirklich in einem selbst ist. Nicht wenige Menschen finden sich alle zwei Jahre neu, nicht selten in vollkommen widersprüchlichem Rahmen zum ersten Waschdurchgang.

Selbstakzeptanz ist mir viel sympathischer und wertvoller. Man verändert sich im Leben, vieles wird durch Reifeprozesse mal anders gesehen und mitunter verdrängt man etwas, das man nicht wahrhaben will. Bei Selbstfindungen neigt man gerne dazu, diesen Aspekt des Lebens, den man nicht wahrhaben will, durch äußere Impulse zu betäuben, sich zu betrügen. Selbstakzeptanz und wie bin ich in welchen Situationen, das geht von Innen heraus. Das Protokoll einer Psychotherapie erscheint mir interessanter als diverse Bücher zum Thema Selbsfindung, ob Anleitung oder eben Romanform.

Wenn Coelho seine Geschichten stark biografisch färbt (das sind an sich die besten Bücher), muss man sich fragen: wie oft hat der sich schon verloren und wiedergefunden und wer ist denn nun Paulo Coelho? Er ist für mich einfach nicht greifbar, er ist so ein Wohlfühlmensch mit Binsenweisheiten, die er als hohe Kunst der Philosophie erfolgreich verkauft.

Es dürfte wirklich einzig meine Lebenseinstellung sein, die mir den Zugang zu seinen (oder ähnlichen) Romanen verwehrt. Ich würde zum Beispiel nie eine Örtlichkeit abwandern, um mir davon etwas für mein Seelenheil zu erwarten - Beispiel Jakobsweg. Wenn ich wohin fahre, dann weil ich was sehen will, erleben, neue Eindrücke gewinnen. Aber wie soll ich mich dort finden??? An einem Ort, zu dem ich keinen Bezug habe? Tapetenwechsel tut jedem gut, aber ich kann es nicht nachvollziehen, dass man irgendwo durch eine Örtlichkeit glaubt, sein Innerstes finden oder entdecken zu können.

Ich kenne viele, die Coelho gerne lesen und die alles andere als persönlichkeitslose Menschen sind und wenig mit Selbstfindung am Hut haben. Er muss wohl etwas an sich haben, das mir versperrt bleibt.

Aber umgekehrt gibt es auch Autoren, die ich sehr schätze und wo es häufig Kopfschütteln gibt. Da zählt etwa David Leavitt dazu, den ich manchem schon schmackhaft machen wollte, aber bislang wenig Erfolg damit hatte.

Ich hoffe, du hast jetzt nicht irgendetwas persönlich genommen!


"Ist doch scheußlich, diese Marschmusik!"

Martin Hirthe für Charles Gray in "Diamantenfieber"

http://www.ruine.at

Rai87


Beiträge: 278

22.09.2015 19:50
#50 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Hallo Frank,

Nein hab ich gar nicht persönlich genommen, was du geschrieben hast!
Da bin ich auch voll deiner Meinung und es ist jedenfalls nicht verkehrt sich zu informieren, bevor man in diese Materie reinschnüffelt!
Ich persönlich habe das so gemacht, weil man kauft ja die berühmte Katze nicht gerne im Sack, wie es so schön heißt.
Es gibt auch sehr viele Bücher unter dieser Sparte wo ich auch reis aus nehme, da einiges wirklich seltsam, suspekt und schlichtweg unheimlich ist!
Jedenfalls diese Art von Weisheit, die Coelho in seinen Büchern verarbeitet gefällt mir persönlich sehr gut, wobei ich dir auch hier voll und ganz rechtgebe wenn es darum geht einen Ort aufzusuchen um sich dort selbst zu finden. Nach meinem Ermessen, gelingt das entweder überall oder nirgendwo, je nachdem wie man selbst zu sich steht und sich selbst akzeptieren kann usw..

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

22.09.2015 22:51
#51 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Danke für deine Ausführungen! Bin ich froh, dass du die meinigen nicht persönlich nimmst. Mitunter scheint mir, als würden einzelne Menschen meine Äusserungen als kriegerischen Akt verstehen.

Du hast mich jetzt aber neugierig gemacht zu etwas anderem: in welchen Büchern hast du welcher Figur die Stimme von Lutz Riedel gegeben?

Ich find das oft verhext und erstaunlich, aber während ich manche Bücher vollkommen stimmneutral lese, bekomme ich zu gewissen sofort eine Assoziation und höre die Figur eben mit einer gewissen Stimme. Das heisst aber nicht, dass ich mir das in einem Buch besetze oder alle Figuren davon betroffen sind. Das kommt ganz von selbst und kann vollkommen von dem abweichen, was eine eventuelle Verfilmung zu bieten hat.

Wie gesagt, ich lese gerade "Smileys Leute", da ist eine Figur drin, die zumeist General genannt wird. Ein Gentleman, alte Militärschule, ein Russe, der selbst in seinem armseligen Status erhaben bleibt. In der Verfilmung war das passenderweise Curd Jürgens, trotzdem spricht der General im Buch wie Siegfried Schürenberg. Smiley, wie gesagt, hat sie Stimme von Wilhelm Borchert und die alte, freche Lesbe Connie spricht mit der Stimme von Tilly Lauenstein. Das kam von selbst, die anderen Figuren sind mal alle "stimmneutral".

Lutz Riedel trat übrigens bei mir tatsächlich auch mal in einer "Buchsynchronisation" auf - als Henry Baskerville. Nicht sehr originell, aber der sprach so ganz von selbst.

Dann und wann habe ich mir aber durchaus schon Gedanken gemacht, wie ich ein Buch in Hörspielfassung besetzen würde, bzw zu einer bestimmten Zeit besetzt hätte.


"Ist doch scheußlich, diese Marschmusik!"

Martin Hirthe für Charles Gray in "Diamantenfieber"

http://www.ruine.at

Rai87


Beiträge: 278

23.09.2015 15:09
#52 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Buchsynchronisation! Das wäre sicher ein spannender Thread. Aber für welche Rubrik?
Lutz Riedel besetze ich meistens für Sachbücher als Erzähler und da eigentlich für jedes Genre.
Wo ich ihn als Figur besetzt habe, war u.a. in Paulo Coelhos Alchimist, als der Alchimist selbst.
Fand das es gut zu Coelhos Typisierung der Figur passte!
Ansonsten hatte er schon die unterschiedlichsten Figuren, sogar beim kleinen Prinzen als Fuchs!
Wenn mir noch mehr einfällt, lasse ich dir das wissen!

berti


Beiträge: 14.133

23.09.2015 15:12
#53 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Zitat von Rai87 im Beitrag #52
Buchsynchronisation! Das wäre sicher ein spannender Thread. Aber für welche Rubrik?

Vielleicht könnte man einen für Alternativ-Hörspiele eröffnen? Allerdings wäre dafür dann wohl eher ein Hörspiel-Forum der geeignete Ort.

Rai87


Beiträge: 278

23.09.2015 19:28
#54 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

[/quote]Vielleicht könnte man einen für Alternativ-Hörspiele eröffnen? Allerdings wäre dafür dann wohl eher ein Hörspiel-Forum der geeignete Ort.[/quote]

Vielleicht ginge es noch am ehesten, wenn man es dann eher als Film oder Reihe sieht anstatt als Hörspiel?

Bjoern


Beiträge: 446

27.09.2015 16:04
#55 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Komisch - manchmal mache ich um Dinge, die andere sehr schätzen oder die sogar als "Klassiker" gelten, jahre- oder sogar jahrzehntelang einen Bogen aufgrund des Vorurteils, daß mir das bestimmt nicht gefallen wird. Und plötzlich werde ich dann eines Besseren belehrt - häufig durch Zufall. So ging es mir vor kurzem wieder: Ich lese seit gut 25 Jahren Krimis, hatte aber tatsächlich noch nie einen Maigret-Krimi gelesen. Ich dachte, diese Art von Krimi, diese Atmosphäre, dieser Eigenbrötler - das ist bestimmt nichts für dich. Dann hatte ich aber vor einer längeren Zugfahrt mein eigentlich in Arbeit befindliches Buch vergessen, und die Bahnhofsbuchhandlung hatte tatsächlich Band 1 im Regal. Jetzt bin ich schon bei Band 6 und wieder um ein Vorurteil ärmer. Mist.

P. S. Es geht auch anders: 2001 - Odyssee im Weltraum. Ewig drum herum geschlichen, dann durchgequält, für alle Zeiten geheilt. Nein, danke.

John Connor



Beiträge: 4.725

27.09.2015 16:36
#56 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Zitat von Bjoern im Beitrag #55
Komisch - manchmal mache ich um Dinge, die andere sehr schätzen oder die sogar als "Klassiker" gelten, jahre- oder sogar jahrzehntelang einen Bogen aufgrund des Vorurteils, daß mir das bestimmt nicht gefallen wird. Und plötzlich werde ich dann eines Besseren belehrt - häufig durch Zufall. So ging es mir vor kurzem wieder: Ich lese seit gut 25 Jahren Krimis, hatte aber tatsächlich noch nie einen Maigret-Krimi gelesen. Ich dachte, diese Art von Krimi, diese Atmosphäre, dieser Eigenbrötler - das ist bestimmt nichts für dich. Dann hatte ich aber vor einer längeren Zugfahrt mein eigentlich in Arbeit befindliches Buch vergessen, und die Bahnhofsbuchhandlung hatte tatsächlich Band 1 im Regal. Jetzt bin ich schon bei Band 6 und wieder um ein Vorurteil ärmer. Mist.


Exakt so ging es mir auch mit den Maigrets - na ja, jedenfalls fast. Immerzu las ich Lobeshymnen über Simenons Maigret in der einschlägigen Literatur, obwohl mich die Empfehlungen "namhafter" Literaten immer ein bisschen stutzig machten. Vor ca. 5 Jahren, als ich mit den Dick Francis-Krimis durch war und für die langen Zugfahrten nach einem passenden Nachfolger mit einem ebenso beachtlichen Werkumfang suchte, dachte ich mir, gib dem Mann doch eine Chance. Als Komplettist bestellte ich mir über ebay erstmal über ein Dutzend Maigret-Krimis nach ausgeklügeltem Auswahlmodus. Dann fing ich an, den ersten Roman zu lesen (keine Ahnung aber, welcher das war, mein Verdrängungsmechanismus funktioniert manchmal tadellos) - eine schlimmere Zuglektüre hatte ich in meinem ganzen Leben nicht. Dieser umständliche Schreibstil, dieser abstoßende väterlich-paternalistische Gestus der Titelfigur... Furchtbar! Vielleicht war ja nur der eine Roman schwach? Nein, der zweite war genauso öde. Als oben jemand die Maigret-Machwerke lobte, juckte es mir schon in den Fingern, dazu was zu schreiben.

Da lese ich doch lieber den schwächsten Roman von meiner Agatha erneut, als mich je wieder so einer Tortur auszusetzen (tatsächlich las ich während des Heimflugs Poirots Schwanengesang DER VORHANG - m.E. der Christie-Roman mit einem der größten Konstruktionsmängel, die sich die Grand Dame je erlaubt hat; dem armen Hastings die Identität des Täters mit fadenscheinigen Begründungen vorzuenthalten, ist ja mal so richtig dämlich gewesen).


„Eastwood. Clint Eastwood.“
„Was für’n bescheuerter Name is‘n das!?“
(Sven Hasper und Thomas Petruo in ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT III)

Bjoern


Beiträge: 446

27.09.2015 16:45
#57 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Zitat von John Connor im Beitrag #56
Da lese ich doch lieber den schwächsten Roman von meiner Agatha erneut, als mich je wieder so einer Tortur auszusetzen (tatsächlich las ich während des Heimflugs Poirots Schwanengesang DER VORHANG - m.E. der Christie-Roman mit einem der größten Konstruktionsmängel, die sich die Grand Dame je erlaubt hat; dem armen Hastings die Identität des Täters mit fadenscheinigen Begründungen vorzuenthalten, ist ja mal so richtig dämlich gewesen).

Witzig - da sind wir ja wirklich das komplette Gegenteil. Der Dame Agatha verdanke ich nämlich einige meiner eher langweiligen Lesestunden. Als Fernsehserie funktioniert für mich Poirot einigermaßen, als Buch leider gar nicht so recht. Das ist mir alles zu überkonstruiert und überkandidelt. Ich weiß, damit stehe ich allein auf weiter Flur.

berti


Beiträge: 14.133

27.09.2015 18:10
#58 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Zitat von John Connor im Beitrag #56
Da lese ich doch lieber den schwächsten Roman von meiner Agatha erneut, als mich je wieder so einer Tortur auszusetzen (tatsächlich las ich während des Heimflugs Poirots Schwanengesang DER VORHANG - m.E. der Christie-Roman mit einem der größten Konstruktionsmängel, die sich die Grand Dame je erlaubt hat; dem armen Hastings die Identität des Täters mit fadenscheinigen Begründungen vorzuenthalten, ist ja mal so richtig dämlich gewesen).

So fadenscheinig fand ich das gar nicht: Einmal hätte es hier nichts genutzt, da X kein Mörder "wie jeder andere" ist, zum anderen hätte Poirot den Fall dann nicht so abschließen können wie von ihm geplant.
Und dass er Hastings nicht einweiht, hat mich nie gewundert: Schon bei den Geschichten/Romanen, die ich als Kind gelesen habe, fühlte ich mich dem guten Ich-Erzähler oft intellektuell überlegen; dass ein Erwachsener dermaßen leichtgläubig und naiv sein kann, war nicht zu fassen.


John Connor



Beiträge: 4.725

27.09.2015 18:26
#59 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Mir geht es gar nicht um die Informationspolitik des Ich-Erzählers, denn ohne diese Aufschubtechnik würde so gut wie keine Detektiverzählung funktionieren, der großartige ROGER ACKROYD z.B. schon mal gar nicht.Der Unterschied in diesem FAll besteht nämlich darin, dass Poirot um die Identität des Täters nicht erst zu Beginn des dritten Aktes weiß, sondern bereits zu Beginn der nacherzählten Geschichte. Christie hätte dies hier m.E. anders und besser plausibilisieren müssen.


„Eastwood. Clint Eastwood.“
„Was für’n bescheuerter Name is‘n das!?“
(Sven Hasper und Thomas Petruo in ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT III)

berti


Beiträge: 14.133

27.09.2015 19:17
#60 RE: Der Bücherwürmer und Leseratten-Thread Zitat · antworten

Zitat von John Connor im Beitrag #59
Mir geht es gar nicht um die Informationspolitik des Ich-Erzählers, denn ohne diese Aufschubtechnik würde so gut wie keine Detektiverzählung funktionieren, der großartige ROGER ACKROYD z.B. schon mal gar nicht.Der Unterschied in diesem FAll besteht nämlich darin, dass Poirot um die Identität des Täters nicht erst zu Beginn des dritten Aktes weiß, sondern bereits zu Beginn der nacherzählten Geschichte. Christie hätte dies hier m.E. anders und besser plausibilisieren müssen.

Mir ist völlig klar, dass Poirot hier von vornherein weiß, wer X ist. Aber anders als sonst hat er in diesem Fall gar nicht erst die Absicht, den Täter vor Gericht zu bringen, da ihm klar ist, dass dieser sich im juristischen Sinne nicht strafbar gemacht hat, und er ihn daher selbst töten will. Insofern könnte Hastings ihm in dieser Hinsicht nicht helfen, allenfalls in dem Versuch zu verhindern, dass X zuvor wieder zuschlägt.
Fortinbras möge mir verzeihen, aber in diesem Fall war die Unkenntlichmachung unvermeidlich!
Übrigens: Im Unterschied zu den im Spoiler genannten Punkten waren die Motive, dass Poirot die Identität des Mörders zu Beginn kennt und ein Verbrechen zu verhindern versucht, gab es zumindest bereits im "Wespennest".

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