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Dieses Thema hat 226 Antworten
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 Filme: Klassiker
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Scat


Beiträge: 1.635

10.05.2016 16:05
#196 RE: Vertigo Zitat · antworten

Ich hab mir die Fassung gestern angesehen. Vorab: Ich bin mit dem Film nicht so sehr vertraut. Jedenfalls fiel mir eine Stelle auf, wo die beiden Darsteller kurz anders klangen. Scheint also eine andere Synchro eingefügt worden zu sein. Es ist die von dir erwähnte Stelle, wo sich Scottie von Judy in der Tür verabschiedet.

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 15.002

10.05.2016 22:59
#197 RE: Vertigo Zitat · antworten

Genau die wird es sein - da kann es keine vollständige Kopie der 84er Synchro geben, da dieses kurze Fragment damals fehlte.

Gruß
Stefan

smeagol



Beiträge: 3.902

11.05.2016 08:59
#198 RE: Vertigo Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #197
Genau die wird es sein - da kann es keine vollständige Kopie der 84er Synchro geben, da dieses kurze Fragment damals fehlte.

Fehlte das Fragment damals '84 in der WA auch sagst du und wurde daher garnicht synchronisiert? Ich hab vor ein paar Jahren den Ton meiner 84er Synchro (von VHS) an ein HD-Master angelegt und mir ist das nicht aufgefallen. Wäre peinlich - aber dann muss ich da dringend nochmal reinhören!

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 15.002

11.05.2016 14:25
#199 RE: Vertigo Zitat · antworten

Ich müsste mich drastisch irren, wenn es anders ist, aber in der ARD-Fassung fehlte das Stückchen (den Teil der alten Aufzeichnung habe ich noch auf VHS) und auf dem Kaufvideo war nach meiner Erinnerung auch nicht drauf (das besitze ich allerdings nicht).
Ich hab's bei meiner privaten Fassung so gemacht, dass Schneider aus der Erstsynchro und Treger aus der Drittfassung zu hören ist, denn Trowes Stimme knallt gerade an der Stelle derart heraus, dass es weh tut.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 17.643

11.05.2016 15:02
#200 RE: Vertigo Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #199
Ich hab's bei meiner privaten Fassung so gemacht, dass Schneider aus der Erstsynchro und Treger aus der Drittfassung zu hören ist, denn Trowes Stimme knallt gerade an der Stelle derart heraus, dass es weh tut.

Vor einigen Jahren hattest du überlegt, ein Konglomerat des gesamten Films aus allen drei Fassungen (Balthoff und Welbat aus der ersten, Schneider und Schön aus der zweiten, Treger aus der dritten) zu erstellen. Hast du das tatsächlich mal ausprobiert (falls du dich jetzt nicht nur auf diese Szene beziehst)?

Begas


Beiträge: 2.598

22.07.2016 19:36
#201 RE: Vertigo Zitat · antworten

@Stefan der DEFA-Fan
Ich schließe mich bertis Frage an.

So, nach längerer und äußerst interessanter Diskussion per PM, möchte ich hier mal meine Eindrücke der drei deutschen Fassungen von "Vertigo - Aus dem Reich der Toten" posten. Bidde schön:

1. Dt. Fassung von 1958:

Es fiel mir bei dieser Fassung zunächst unangenehm auf, dass die beiden weiblichen Hauptdarsteller (Barbara Bel Gedes, Kim Novak) beide von Schauspielerinnen gesprochen wurden, die für das Alter der Rollen zu alt klangen. Besonders fiel mir das bei Sigrid Lagemann für Midge auf, die sich mehr wie eine midvierzigjährige Sekretärin als eine jung gebliebene Modedesignerin anhörte. Gisela Trowe passte nicht auf das sehr junge Gesicht von Kim Novak. Sie ist für mich, auch weil ich die gute Performance von Rita Engelmann im Hinterkopf hatte, ein wirklich unangenehmer Aspekt in dieser Fassung. Als die falsche Madeleine Elster in Scotties Wohnung zu sich gekommen ist, und sich mit ihm unterhält, tönt sie direkt los, und das ohne Zurückhaltung. Scotties Fragen sind ihr zu "direkt" und sie hakt mit geradezu patzigem Unterton nach, ob er (Scottie) denn auch gerne "umherwandere". Beim reinen Zuhören geht in dieser Fassung damit komplett verloren, dass Madeleine ein zartes, verwirrtes Wesen ist, dass gerade vermeintlich dem Tod entronnen ist. Man fragt sich, was Scottie an ihr denn so liebenswert finden könnte. Der erste direkte Kontakt zwischen ihr und Scottie kommt in dieser deutschen Fassung damit enttäuschend hektisch und polterig rüber. Trowe fängt sich zeitweise aber, und findet sehr gut zurück in die Rolle, z. B. im Wald. Dort dreht sie weniger auf und trifft Madeleines sehr getragenen und müden Ton während der "Umnachtungsszene" sehr gut. Diesen Eindruck macht sie wenig später an der kalifornischen Küste dann wieder kaputt, als sie Scottie von ihrem Traum berichtet und dabei gelangweilt und leider auch so klingt, als würde sie selber nicht an das Glauben, was sie gerade erzählt. Gisela Trowe möchte ich allerdings zu Gute halten, dass sie auf die etwas "vulgäre" Judy Barton sehr gut gepasst hat. Sie klingt zwar dabei wiederrum etwas zu alt, aber das ist hier zu tolerieren. Siegmar Schneider hüpft tonal gesehen in voller Vitalität durch den gesamten Film und das so, dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzuhören. Die Rolle erhält durch ihn in dieser Fassung auch noch eine zusätzliche joviale Note. Besonders stark fand ich seine Leistung beim Finale auf der Treppe des Glockenturms. Er schreit und brüllt Judy so an, dass es wirklich Angst einflößend wirkt. Top. Erich Poremski für Konstantin Shayne als alter Buchhändler Pop Leibel kommt bei mir wiederrum nicht sehr gut weg. Poremski übertreibt es mit seinem gerollten "R" anfangs so, dass ich mich fragen musste, ob er sich hier nicht als Selbstdarsteller versuchte. Natürlich bringt er die Geschichte recht souverän hervor, wenn mich auch sein bedauernd klingender Tonfall an der Stelle, als es heißt, damals hätten reiche und machtvolle Männer es sich noch erlauben können, Ehefrau und Geliebte zu haben, irritiert hat. Den Vogel abschießen (positiv gemeint) tut allerdings Alfred Balthoff für Henry Jones als Untersuchungsrichter. Ich war fast schon entsetzt, wie heftig und zugleich nüchtern Balthoff Scottie die Vorwürfe, dass er Madeleines vermeintlichen Selbstmord nicht verhinderte, um die Ohren haut. Wolfgang Eichberger für Tom Helmore als Gavin Elster klingt im Film konsequent gelangweilt und unbeteiligt. Ich hätte ihm zu Beginn nicht einen Jota geglaubt, als er Scottie von seiner "besessenen" Frau erzählt.

Abgesehen von der altertümlichen Wortwahl (Scottie nennt Midge "Goldkind", Pop Leibel spricht von einem "Tingeltangel", Midge spricht von "Histörchen") und dem beliebten "falschen Freund": Detective = (nur) Detektiv (mal ehrlich, was soll ein "Detektiv a(ußer) D(ienst)" sein, und was hat dieser Beruf mit der Polizei zu tun? Ähnlicher Patzer bei "Im Schatten des Zweifels", wo Charlie den sympathischen Mann als "Detektiv von der Polizei" erkennt), gibt es am Dialogbuch dieser Fassung eigentlich wenig zu meckern. Die Übersetzung wirken teilweise sehr prägnant und intensiv und unterstreichen nachdrücklich die folgenden Handlungen der Figuren. Als Beispiele seien hier genannt der verbale "Angriff" auf Scottie durch den Untersuchungsrichter, Midges Reaktion auf den Psychiater als Scottie nach Madeleines Tod nicht mehr spricht ("Übrigens, Mozart können Sie sich schenken."), Pop Leibels Charakterisierung von Carlotta Valdes, die in einem "Tingeltangel" (das nun einmal etwas deutlich schäbigeres war, als ein Kabarett) auftrat und Scotties Ausspruch am Ende "Ich bin gesund.". Einzig die Dialogregie hat ab der zweiten Hälfte des Films geschlampt. Man hatte sich eigentlich konsequent darauf geeinigt, den Namen Madeleine französisch, und nicht englisch auszusprechen. Siegmar Schneider war sich später unsicher, und sprach nachher nicht mehr von "Madleen" (französisch) oder "Mättlinn" (englisch), sondern von "Mäddelinn" (kauderwelsch). Das hätte die Regie eigentlich merken müssen!

2. Dt. Fassung von 1984:

Die '84er-Fassung hat mir generell am ehesten zugesagt. Die Besetzung der Sprecher wirkt, trotz der Neusynchro sehr klassisch und keiner spielt sich in den Vordergrund. Obwohl damals bereits namhafte Stimmen gecastet wurden, wurde doch wert darauf gelegt, dass keiner bei den Synchronarbeiten "überspielt" oder seine Rolle "modernisiert". Die Stimmen verschmelzen gut mit den Darstellern. Siegmar Schneider klingt etwas schwerer und älter für James Stewart als noch in der deutschen Erstfassung, aber da Stewart ja ohnehin "immer" älter aussah, als er war, fällt das, meiner Meinung nach, überhaupt nicht weiter auf. Er legt die Rolle des Scottie aber zurückhaltender an, weniger hektisch und bedachter. Hallgard Bruckhaus ist für Midge auch eine viel passendere Wahl als Lagemann in der Erstsynchro. Bruckhaus klingt keck, jung und fröhlich. Schöne Besetzung! Prinzipiell war Rita Engelmann für Kim Novak ein Glücksgriff, da sie sowohl die falsche Madeleine Elster als auch Judy Barton stimmlich gut darstellt, ohne dass es übertrieben oder gekünstelt klingt. Eigentlich gibt es auch am Rest des Casts nicht viel zu kritisieren. Horst Schön kauft man als Gavin Elster seine Geschichte, die er erzählt auf jeden Fall voll und ganz ab. Er schafft es, gerade soviel Besorgnis und Zweifel in seine Stimme zu legen, dass man als Zuschauer zunächst keinen Verdacht schöpft, was für ein Spiel er in Wahrheit spielt. Zugleich klingt er aber auch nicht zu übertrieben emotional.

3. Dt. Fassung von 1997:

Trotz Solbachs Bemühungen, fehlt hier Schneider sehr. Unzweifelthaft klingt Solbach teilweise recht "klassisch", jedoch ist es die Art, wie er Stewart spricht, die einen komplett irritiert. Er "quatscht" munter und lax drauf los, als würde er einen Film von 1997 synchronisieren. Dazu bricht seine Stimme immer wieder nach oben aus. Deshalb klang er in der Anfangsszene mit Midge in meinen Ohren auch zunächst irgendwie "angeschickert". Ich hoffe es ist in Ordnung, aber für mich stellt er keinen so tollen "Ersatz" für Schneider dar. Susanna Bonaséwicz für Midge ist im Grunde in Ordnung, aber ihre Stimme war und ist einfach zu prägnant. Vielleicht hätte es geklappt, wenn sie ihre Stimme etwas verstellt hätte, aber so hört man eindeutig Carrie Fisher, wo eigentlich Gedes zu sehen ist. Ebenso verhält es sich mit Martina Treger für Kim Novak, die sich zwar redlich bemüht, sanft und zurückgenommen zu sprechen, aber man erkennt sie sofort und sie strengt sich hörbar an, nicht in ihren üblichen "Synchronsprech" zu fallen. Überzeugt hat sie mich nicht. Auch ansonsten bin ich eher enttäuscht. Norbert Langer für Tom Helmore als Gavin Elster war eine Kombi, die wir rollenbezogen doch schonmal hatten? Die Unschuld in Person, die sich schließlich als Fiesling entpuppt? Genau! Das war in "Familiengrab". Auch der Rest des Casts war mir einfach zu bekannt und bei weitem zu einprägsam: Wolff, Wellmann, Prüter, Schön.

Slartibartfast



Beiträge: 6.709

24.07.2016 18:14
#202 RE: Vertigo Zitat · antworten

Bis auf das fehlende "Ich bin gesund" ist die 84er Synchro perfekt.

HalexD


Beiträge: 1.816

18.09.2020 10:39
#203 RE: Vertigo Zitat · antworten

In Fan-Kreisen ist jetzt die komplette Synchronisation von 1958 aufgetaucht.
Schade, dass sie ihren Weg nicht auf die neue Blu-ray und 4k UHD geschafft hat.

Moviefreak


Beiträge: 544

18.09.2020 12:02
#204 RE: Vertigo Zitat · antworten

Ist das denn beim Herausgeber der BluRay bekannt?

HalexD


Beiträge: 1.816

18.09.2020 12:31
#205 RE: Vertigo Zitat · antworten

Zitat von Moviefreak im Beitrag #204
Ist das denn beim Herausgeber der BluRay bekannt?


Stammt angeblich von einer TV-Ausstrahlung.
Offiziell wird da nichts mehr kommen.

Moviefreak


Beiträge: 544

18.09.2020 17:00
#206 RE: Vertigo Zitat · antworten

Mir ging's nur darum, ob sich die "Finder" mal bei Universal gemeldet haben mit der Info, dass die vollständige Synchro von 58 existiert. Nur dann ist es überhaupt möglich, dass etwas geschieht. Ob es dann geschieht steht auf einem anderen Blatt.

berti


Beiträge: 17.643

17.01.2022 08:42
#207 RE: Vertigo Zitat · antworten

Ein Beitrag von 2016:

Zitat von smeagol im Beitrag #194
Das fand' ich ganz großartig, das man auf die 84er Synchro gesetzt hat. Und so kann es nun sehr gerne auch immer bleiben.

Nachdem man auch gestern wieder diese Fassung ausgestrahlt hat, scheint es dabei geblieben zu sein. Lief die 84er-Synchro in den letzten Jahren eigentlich neben Arte auch auf anderen Sendern?

Lord Peter



Beiträge: 4.966

17.01.2022 10:39
#208 RE: RE:Vertigo Zitat · antworten

Zitat von smeagol im Beitrag #171
Zitat von berti im Beitrag #170
Zitat von smeagol im Beitrag #168
Ich schaue meist zur ersten Hälfte die 84er Fassung und switche dann auf die 59er um. Zur etwas rohen Judy Barton passte Gisela Trowe nämlich ganz gut, mMn.

Aber in der ganzen zweiten Hälfte des Films?
Ich würde sie höchstens beim ersten Gespräch vorziehen, aber bereits beim Vorlesen des Brieftextes kann sie mit ihren Kolleginnen nicht mithalten, und bei der (bereits erwähnten) Silhouetten-Szene verfehlt sie die Rolle (nach meinem Eindruck) völlig.
Oder siehst du das anders?

Für die ganze Phase der "Rückverwandlung" von Judy in Madeleine Trowe, dann wieder Engelmann als "Madeleine", zum Schluss wieder Trowe. Siegmar Schneider sagt mir in beiden Fassungen gleichwertig zu und da stört mich der Wechsel zwischen den Fassungen garnicht.


Daß bei immerhin drei Synchros noch kein Regisseur auf die Idee gekommen ist, die Rolle von Kim Novak zu splitten? Eine eher sanftere, ätherische Stimme für die zunächst von Gavin Elster geschaffene und später von Scottie Ferguson rekonstruierte "Kunstfigur" Madeleine, und eine etwas bodenständigere, "gewöhnlichere" Stimme für die ordinäre Judy? Würde man mit dem bestehenden Material arbeiten, hieße das Engelmann in der ersten Hälfte und am Schluß (abzüglich Endszene) und Trowe oder Treger (ich würde letztere nehmen) für den Rest. Würde sowas funktionieren, oder würde es Zuschauer mit zu guten Ohren nur verwirren? Ich bin mir uneins, vermutlich müßte man es ausprobieren, um es endgültig beurteilen zu können.

Und ich habe mich nach langer Zeit noch einmal durch die komplette Drittsynchro gezwungen und muß konstatieren - für eine Neusynchro ist sie durchaus sorgfältig gewerkelt, benutzte fast komplett das gute Dialogbuch der Zweisynchro und korrigierte sogar die einzige dort verunglückte Dialogstelle im Finale. Die Besetzung laboriert größtenteils daran, daß ihre Stimmen nun mal eindeutig der "Neuzeit" entstammen und in einem Hollywood-Film aus den 50ern einfach deplatziert wirken. Solbach und Treger versuchen immerhin, gegen ihren modernen "Synchronsprech" anzukämpfen, doch schaffen sie es nicht, das über die volle Länge durchzuhalten, und bei den größeren Nebenrollen (Helmore, Geddes) wurde schlicht unglücklich besetzt.
Das größte Pech der Drittsynchro ist allerdings, daß zumindest die zweite mit Stewarts Stammsprecher Siegmar Schneider inzwischen wieder allgemein zugänglich ist (und auch in den 90ern auf zahlreichen VHS-Mitschnitten war) und sie damit flüssiger als flüssig ist - überflüssig. Damit teilt sie das Schicksal der Zweitsynchro von "Der dritte Mann".

berti


Beiträge: 17.643

17.01.2022 12:19
#209 RE: RE:Vertigo Zitat · antworten

Zitat von Lord Peter im Beitrag #208
Daß bei immerhin drei Synchros noch kein Regisseur auf die Idee gekommen ist, die Rolle von Kim Novak zu splitten? Eine eher sanftere, ätherische Stimme für die zunächst von Gavin Elster geschaffene und später von Scottie Ferguson rekonstruierte "Kunstfigur" Madeleine, und eine etwas bodenständigere, "gewöhnlichere" Stimme für die ordinäre Judy? Würde man mit dem bestehenden Material arbeiten, hieße das Engelmann in der ersten Hälfte und am Schluß (abzüglich Endszene) und Trowe oder Treger (ich würde letztere nehmen) für den Rest. Würde sowas funktionieren, oder würde es Zuschauer mit zu guten Ohren nur verwirren? Ich bin mir uneins, vermutlich müßte man es ausprobieren, um es endgültig beurteilen zu können.

Durch diese Splittung würde aus Madeleine/Judy allerdings gewissermaßen eine "Doppelrolle", was sie ja nun nicht ist. Rollencasts sind natürlich vertretbar; aber in diesem Fall? Allenfalls bei der Szene, in der Judy Ferguson erstmals "als Judy" gegenübersteht wäre es vielleicht sinnvoll, da man als Zuschauer dann vielleicht wirklich erst glaubt, Scottie würde Gespenster sehen (so wie er es in der Szenenfolge zuvor getan hatte).

Zitat von Lord Peter im Beitrag #208
Und ich habe mich nach langer Zeit noch einmal durch die komplette Drittsynchro gezwungen und muß konstatieren - für eine Neusynchro ist sie durchaus sorgfältig gewerkelt, benutzte fast komplett das gute Dialogbuch der Zweisynchro und korrigierte sogar die einzige dort verunglückte Dialogstelle im Finale. Die Besetzung laboriert größtenteils daran, daß ihre Stimmen nun mal eindeutig der "Neuzeit" entstammen und in einem Hollywood-Film aus den 50ern einfach deplatziert wirken. Solbach und Treger versuchen immerhin, gegen ihren modernen "Synchronsprech" anzukämpfen, doch schaffen sie es nicht, das über die volle Länge durchzuhalten, und bei den größeren Nebenrollen (Helmore, Geddes) wurde schlicht unglücklich besetzt.

Gerade das ist bei "Vertigo" (ebenso wie beim "Fenster zum Hof") der große Pluspunkt der Zweitsynchro: Vor Erscheinen von Bräutigams Buch war mir gar nicht bewusst, dass diese erst Jahrzehnte nach dem Film entstanden, obwohl die Besetzung von Horst Schön in beiden Fällen und einige von Stellas und Jefferis´ Dialogstellen es eigentlich nahegelegt hatten.

smeagol



Beiträge: 3.902

17.01.2022 17:43
#210 RE: RE:Vertigo Zitat · antworten

Wie berti erging es mir seinerzeit auch : Das Fenster zum Hof habe ich stets als eine zeitgenössische Synchro empfunden - und ich finde auch heute noch, dass keine Neusynchro mit so viel Abstand zur Entstehung des Films jemals authentischer geklungen hat (auch die von Vertigo nicht, obwohl sie auch fabelhaft gelungen ist). Natürlich war Horst Schön damals ein Hinweis - ich fand's erst aber nur erstaunlich, dass er in "Fenster" schon mitgesprochen hatte und genau so agil klang, wie seinerzeit auf Leslie Nielsen in den 80ern ... dass es sich um eine Neusynchro handeln könnte, kam mir nicht in den Sinn!

Das Fenster zum Hof habe ich auch viel später kennengelernt, als (zum Beispiel) "Über den Dächern von Nizza", den ich als Kind schon rauf- und runter geschaut habe (wir hatten eine VHS-Aufzeichnung aus dem Fernsehen). Wahrscheinlich habe ich "Fenster" erst Ende der 80er entdeckt (soweit ich weiß seinerzeit aus der Videothek ausgeliehen) und mir kam auch nur Doyle bekannt vor - siehe oben - und zwar ganz genau bei dem Take ... "... und das sind sechs Bände!". Die Betonung dort und ich hatte Leslie Nielsen vor Augen.

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