Bis zu den konkreten Aussagen Jochmanns war ich auch immer der Meinung, das sei der Grund für die Umbesetzung gewesen. Jochmann in dieser Rolle finde ich eigentlich undenkbar (aus den Gründen, die du genannt hattest).
Nachtrag: Interessanterweise war Jochmann ja ausgerechnet auf ihren ersten Einsätzen auf Jodie Foster auch völlig fehlbesetzt, da sie bereits viel zu reif und abgeklärt klang. Erst in den Folgejahren hat sich das relativ gut angeglichen.
Eckart Dux für Marcello Mastroianni in Fellinis Stadt der Frauen (1980)
Eine in allen Belangen ungewöhnliche Besetzung, nicht nur, dass der letzte Einsatz von Dux zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre zurücklag, nein, auch die Rolle will auf den ersten Blick gar nicht so recht zu Dux passen. Ein gealterter Macho, welcher in einer surrealen Traumwelt mit Emanzipation und Feminismus konfrontiert wird, schreit in Verbindung mit Mastroianni eigentlich geradezu nach einem der großen akustischen Frauenhelden der Synchronbranche. Holger Hagen, Wolfgang Kieling, oder Erik Schumann wären hier allesamt naheliegender gewesen.
Dux, welcher stimmlich ja mehr nach jugendlichem Vorzeige-Schwiegersohn klang, (zumindest in jungen Jahren) würde man hier eigentlich überhaupt nicht erwarten und dennoch spielt er die Rolle fantastisch. Ob nun die zum Teil peinlich wirkende Geilheit, oder die aufsteigende Angst und Nervosität angesichts seiner Situation, Dux trifft die selbstironische Parodie Mastroiannis perfekt. Ein weiterer Beweis dafür, was für ein toller Schauspieler er war, möge er in Frieden ruhen.
Florian Krüger-Shantin auf Sean Bean in den Silent-Hill-Filmen zählt auf jeden Fall für mich dazu.
Krüger-Shantin passte für mich auf Bean und insbesondere dem von ihm gespielten Charakter Christopher da Silva wie die Faust aufs Auge. FKS brachte all die Emotionalität und die Eigenschaften des Charakters perfekt rüber und machte den Film dadurch für mich zu einem Hochgenuss. Michaelis hätte ich mir hier jetzt nicht so vorstellen können, und das dachte sich wohl auch Erik Paulsen, weshalb er FKS besetzte.
Leider ist diese Kombination außerhalb von Silent Hill nie mehr zustande gekommen und wird sie wohl auch nie, es sei denn, es kommt nochmal ein Silent-Hill-Film mit Sean Bean, da wird man sicherlich die Kontinuität wahren.
Freut mich sehr, dass die Kombination Florian Krüger-Shantin - Sean Bean gefällt; allerdings möchte ich etwas klarstellen: Ich hatte diese Kombination schon 1994 bei "Scarlett", also zu einer Zeit, zu der die meisten Menschen noch kein Internet hatten. Ich wusste schlicht und einfach nicht, dass Thorsten Michaelis, den ich genauso schätze, auch schon Sean Bean gesprochen hatte, und damals gab es eben nicht die Möglichkeit, so etwas ohne weiteres festzustellen. Sowohl Florian Krüger-Shantin als auch Thorsten Michaelis sind hervorragende Synchronschauspieler, und wie auch in manch anderen Fällen (z. B. bei George Clooney, Benedict Cumberbatch) finde ich, dass jeder von ihnen sehr gut passt. In "Scarlett" war Florian exzellent, und daher bin ich natürlich Jahre später bei dieser Besetzung geblieben - was sich keinesfalls gegen Thorsten richten sollte.
Ahhh, danke für die Infos! Dann war die Besetzung von Krüger-Shantin einfach ein glücklicher Zufall. Freut mich auf jeden Fall, dass es so gekommen ist, denn Krüger-Shantin stellte sich für mich (und ich denke, viele andere auch) als eine hervorragende Alternative zu Michaelis dar, die wohl auch in vielen von Beans anderen Rollen funktionieren würde.
Ganz ehrlich, ohne diese "Ausreißer" wäre das Synchron doch langweilig. Gerade in den Frühwerken eines Schauspielers findet man oft Sprecher, wo man auf den ersten Blick denkt: "Hä...der? Wie soll das denn gehen?" Und dann macht man den TV an und denkt sich oft "Och, passt ja doch ganz gut" (ok, hin und wieder gibt es auch die ein oder andere Besetzung, die wirklich völlig daneben schlägt). Zu Bean: ich bin auch ein großer Fan von Norbert Langer für Bean, eine Besetzung, die auf dem Papier nun wahrlich nicht die Naheliegendste ist. Aber du machst "GoldenEye" an und hast vergessen, dass er jemals von Michaelis gesprochen wurde. Auch DiCaprio und Kim Hasper gehen wunderbar zusammen, eine Besetzung, die wahrscheinlich auch aus dem Grund entstand, dass Kunzendorf bei "Jim Caroll" einfach nur nach Typ besetzt hat, weil DiCaprio vor "Romeo+Julia" einfach einer von vielen jungen Darstellern war....GSF ist ja überdies im Gegenpart zu hören.
Norbert Langer in "GoldenEye" und "Ronin" ist eine stylische Besetzung. Wo Erik Paulsen George Clooney erwähnte... ich fand in der kurzlebigen Serie "Mord ohne Spuren" Rainer Doering ziemlich passend. Das war auch mal wieder die Magma, aber nicht Kunzendorf.
Es muss halt auch immer auf die Rolle passen. Es gibt bestimmte Rollen eines Schauspielers, wo der Stammsprecher einfach nicht funktioniert. Fluch der Karibik ist da ein perfektes Beispiel. David Nathan ist sonst top auf Johnny Depp, aber für die Rolle des Captain Jack Sparrow kann es nur einen geben und das ist Marcus Off.
Nicht zu vergessen der coolste Clooney = Bernd Rumpf.... Aber was erzähle ich da. Es gibt so viele Schauspieler mit Feststimme, die mal einen Sondersprecher hatten, der aber so genial war, dass er immer noch nachhallt. Der beste Nicolas Cage heißt für mich auch immer noch Rolf Zacher...finden heute auch wahrscheinlich viele komisch.
Zitat Es muss halt auch immer auf die Rolle passen. Es gibt bestimmte Rollen eines Schauspielers, wo der Stammsprecher einfach nicht funktioniert. Fluch der Karibik ist da ein perfektes Beispiel. David Nathan ist sonst top auf Johnny Depp, aber für die Rolle des Captain Jack Sparrow kann es nur einen geben und das ist Marcus Off.
Und Johnny Depp ist so einer, wo einfach extrem viele drauf passen. Ich mag Nathan auf ihm, möchte Off aber auch nicht missen. Philipp Moog hat eine super Figur gemacht, Andreas Fröhlich war geil für Depp, Frank Schaff passte und Michael Deffert war auch extrem passend. Einzig und allein Helmut Gauß war ziemlich daneben...
Zitat von BoomClash im Beitrag #128 Fluch der Karibik ist da ein perfektes Beispiel. David Nathan ist sonst top auf Johnny Depp, aber für die Rolle des Captain Jack Sparrow kann es nur einen geben und das ist Marcus Off.
Wie kann denn Off "the one and only" sein, wenn Nathan als Jack Sparrow eindeutig erheblich näher am O-Ton ist?
Jedem sei seine Meinung zu jeder Rolle gegönnt, wer "besser passt", aber wer näher am O-Ton ist, ist im Allgemeinen keine Wahrnehmungsfrage, sondern faktenbasiert. Wenn wir nun aber anfangen, Synchros, die nahe am O-Ton sind, so hinzustellen, als wären sie völlig daneben ... wo soll das denn bitte hinführen?
Man kann Off in der Rolle mögen oder auch nicht - das total Versoffene, das elementarer Bestandteil des O-Tons ist, geht mit ihm völlig verloren. Und es ist albern, das klein reden oder leugnen zu wollen.
Nathans Interpretation hingegen ist letztlich dadurch, dass er genau das hingegen trifft, sogar noch näher am O-Ton als das vielleicht der Fall ist, wenn er Depp in "normaleren" Rollen vertont.
Man "darf" Off trotzdem lieber mögen, aber Nathans Variante als Fehlinterpretation hinzustellen, geht nicht. Off ist derjenige, der weitaus freier interpretiert hat.
Wenn man sich in der Rolle nichts anderes als Off vorstellen kann, hat man schlichtweg nicht verstanden, was Johnny Depp da macht. Das ist einzig Gewohnheitstierdenken. Aber die "Es kann nur einen geben!"-Nummer kommt aus der Tradition des Highlanders und meint nicht, dass der ein Gewohnheitstier war.
Zitat von Jacques Naurice im Beitrag #130 Man "darf" Off trotzdem lieber mögen, aber Nathans Variante als Fehlinterpretation hinzustellen, geht nicht.
Tut doch auch keiner. Der Threadtitel lautet "Erfreuliche Abweichungen vom Standard" und das sehen bei Off auf Sparrow einfach viele (mich eingeschlossen) so.
Zitat von Ludo im Beitrag #129Nicht zu vergessen der coolste Clooney = Bernd Rumpf.... Aber was erzähle ich da. Es gibt so viele Schauspieler mit Feststimme, die mal einen Sondersprecher hatten, der aber so genial war, dass er immer noch nachhallt. Der beste Nicolas Cage heißt für mich auch immer noch Rolf Zacher...finden heute auch wahrscheinlich viele komisch.
Zitat Es muss halt auch immer auf die Rolle passen. Es gibt bestimmte Rollen eines Schauspielers, wo der Stammsprecher einfach nicht funktioniert. Fluch der Karibik ist da ein perfektes Beispiel. David Nathan ist sonst top auf Johnny Depp, aber für die Rolle des Captain Jack Sparrow kann es nur einen geben und das ist Marcus Off.
Und Johnny Depp ist so einer, wo einfach extrem viele drauf passen. Ich mag Nathan auf ihm, möchte Off aber auch nicht missen. Philipp Moog hat eine super Figur gemacht, Andreas Fröhlich war geil für Depp, Frank Schaff passte und Michael Deffert war auch extrem passend. Einzig und allein Helmut Gauß war ziemlich daneben...
"Die Neun Pforten" ist einer meiner Guilty Pleasure Favoriten und hier vermisse ich Nathan, den ich sonst bevorzuge, kein Stück. Florian Halm macht das wunderbar. Regie: Kunzendorf. Wobei irgendwo meine ich mal erwähnt worden war, dass Nathan besetzt werden sollte, aber nicht zur Verfügung stand.
Zitat von BoomClash im Beitrag #128 Fluch der Karibik ist da ein perfektes Beispiel. David Nathan ist sonst top auf Johnny Depp, aber für die Rolle des Captain Jack Sparrow kann es nur einen geben und das ist Marcus Off.
Man kann Off in der Rolle mögen oder auch nicht - das total Versoffene, das elementarer Bestandteil des O-Tons ist, geht mit ihm völlig verloren. Und es ist albern, das klein reden oder leugnen zu wollen.
Als Marcus Offs inoffizieller Anwalt sehe ich mich gezwungen dieser übertrieben formulierten These zu widersprechen. Off hat die Rolle durchaus wie einen Trunkenbold angelegt, doch aufgrund seines speziellen Duktus oft ins tuntige abgedriftet. David Nathan hingegen konnte mit seiner Röhre mehr den Seebären raushängen lassen. An Offs Interpretation gefällt mir vor allem das schlitzohrige, was bei Nathan ein bisschen flöten geht. Nichtsdestotrotz machen beide einen hervorragend Job.
Wo wir gerade bei Ersatz für Torsten Michaelis waren ...
Benicio Del Toro - Wolfgang Wagner in "Che".
Bein erstmaligen Lesen der Besetzungsliste war ich zugegeben schon enttäuscht, dass Michaelis nicht besetzt wurde (oder besetzt werden konnte?), aber Wolfang Wagner gehört für mich eh zu den unterschätzten Stimmen, denen ich mehr Hauptrollen wünsche. Ähnlich zu Florian Krüger-Shantin.
Zitat von Jacques Naurice im Beitrag #130 Man "darf" Off trotzdem lieber mögen, aber Nathans Variante als Fehlinterpretation hinzustellen, geht nicht.
Tut doch auch keiner. Der Threadtitel lautet "Erfreuliche Abweichungen vom Standard" und das sehen bei Off auf Sparrow einfach viele (mich eingeschlossen) so.
Ich habe mich auf die absoluten Formulierungen dergestalt bezogen, dass es nur einen geben könne - und das sei Off.
Das geht angesichts der Tatsache, wie nahe Nathan gerade in dieser Rolle am O-Ton gewesen ist, einfach zu weit.
Zitat von elcaballerooscuro im Beitrag #133Off hat die Rolle durchaus wie einen Trunkenbold angelegt, doch aufgrund seines speziellen Duktus oft ins tuntige abgedriftet.
Das Problem ist, dass Du Off den lallenden Säufer so oder so nicht abkaufst. Unabhängig davon, ob es klanglich nun ins "Tuntige" abdriftet oder nicht. Egal in welcher Rolle oder für wen er da spricht.
Wer sehr viel säuft, hat nicht so eine dermaßen glatte Stimme wie gerade Off im Synchron-Ton. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Für mich ist das ne riesen Logiklücke, die sich komplett durch die Filme zieht.