Das langgezogene Ooost ist sogar heute noch durchaus üblich, zumindest im seemännischen und militärischen Funkverkehr. Ist das Funksignal überlagert oder gestört, ist das sehr hilfreich, um 'Ost' von 'West' klar zu unterscheiden. Auch kann ich mich daran erinnern, dass früher im Seewetterberichts des NDR (noch in den späten 80er Jahren) ebenfalls Ooost gesprochen wurde.
Daher übrigens auch "zwo" statt "zwei", was akustisch leicht mit "drei" verwechselt werden könnte (so z.B. auch richtig in STAR TREK V aus Uhuras Mund beim Funken).
Insofern ist es inkorrekt, wenn im wunderbaren "Schatzinsel"-Hörspiel (DDR 1966) Walter Kröter ebenfalls "Ooost" sagt - zur Handlungszeit war an Funken noch nicht zu denken.
Gruß Stefan
fortinbras
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18.07.2015 15:43
#364 RE: Ansich Gute Synchros mit Übersetzungs Merkwürdigkeiten
Das war mir nicht so bewußt, dass "Oooost" aus dem Funkverkehr stammt. Selbst in vielen Kriegsfilmen hört man das ganz kurze "Ost". Von einer Frau habe ich das noch nie gehört, wenn ich mich nicht irre.
Womöglich eine sprachliche Automatik jener Schauspieler, die im Krieg damit zu tun haben. Allerdings habe ich es schon oft gehört in einem Zusammenhang, in dem es sehr anachronistisch klingt oder es weit und breit weder See- noch Flugverkehr gibt.
Obwohl ich berliner Synchronfassungen im Allgemeinen vorziehe, muss ich gestehen, dass die beiden Fassungen des Laurel-&-Hardy-Kurzfilmes "Our Wife" einander ebenbürtig sind - die Besetzung ist auch weitgehend identisch. An einer Stelle aber hat sich Werner Schwier ganz schön vergaloppiert: "Es ist doch nicht zu sagen, wie dämlich ein Mensch sein kann!" "Nicht zu sagen"? Wer bitte spricht denn so? "Nicht zu fassen" oder "nicht zu glauben" - das wäre angemessen, und bei Wolfgang Schick heißt es wohl auch so.
Gruß Stefan
Er2
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19.08.2015 14:43
#366 RE: Ansich Gute Synchros mit Übersetzungs Merkwürdigkeiten
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #365Obwohl ich berliner Synchronfassungen im Allgemeinen vorziehe, muss ich gestehen, dass die beiden Fassungen des Laurel-&-Hardy-Kurzfilmes "Our Wife" einander ebenbürtig sind - die Besetzung ist auch weitgehend identisch. An einer Stelle aber hat sich Werner Schwier ganz schön vergaloppiert: "Es ist doch nicht zu sagen, wie dämlich ein Mensch sein kann!" "Nicht zu sagen"? Wer bitte spricht denn so? "Nicht zu fassen" oder "nicht zu glauben" - das wäre angemessen, und bei Wolfgang Schick heißt es wohl auch so.
Gruß Stefan
Etwas ähnliches gibt es auch bei "Dr. Seltsam". Da sagt Major Kong, die Leute zu Hause würden "auf sie rechnen." Ich kenne das egtl. als: "auf jmd. zählen". "Mit jmd. rechnen" bedeutet auch etwas anderes und würde nicht richtig passen.
fortinbras
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21.08.2015 23:46
#367 RE: Ansich Gute Synchros mit Übersetzungs Merkwürdigkeiten
Ich kannte früher "The Addams Family" nur O.m.U., so lief es über Jahre im ORF.
Dann kam die Kinofassung mit Raul Julia und Anjelica Huston und obwohl das neu und farbig war, war es spannend, wie sich das mit deutschem Dialog anhören würde. Das war ganz in Ordnung, wohl auch weil es eben neue Schauspieler waren. Entsetzt war ich aber, dass man aus dem einsilbigen Namen "Thing" tatsächlich "eiskaltes Händchen" machte, das alleine schon vier Silben zusätzlich hat, obwohl man hier problemlos mit "Ding" übersetzen hätte können. Ich weiss noch, dass es mir damals deutlich auffiel, dass die Schauspieler deutlich sichtbar "Thank you, Thing!" sagten, die Synchronsprecher sich aber abmühen mussten mit dem unnötigen "Danke, eiskaltes Händchen!".
Später sah ich dann erstmals die Synchronfassung der S/W-Serie. Ein Hauptgrund, warum ich da nicht dran blieb, was die ungelenke und überflüssige Bezeichnung "eiskaltes Händchen". Das störte penetrant jede Folge - einerseits weil ich das "Thing" so gewohnt war, andererseits weil durch diese Übersetzung viele Wortspielereien verloren gingen.
Deutsch habe ich eine Folge nie gesehen, in der "Thing" streikt und gekränkt ist. Da unterzeichnet es einen Brief mit "Thing T. Thing" und das "T" steht natürlich auch für Thing. Wie soll man das mit "eiskaltes Händchen" bewerkstelligen?
Die Synchro von Richard Lesters "Die drei Musketiere" ist absolut solide, der Humor des Films wurde nicht durch Hinzudichtungen "ergänzt", was beim Nachfolger bekanntlich geschah und einen stärkeren Bruch zwischen beiden Filmen erzeugt als die fast vollständig anderen Besetzungen. Bei den Anreden wurde natürlich geachtet, "Sir" stets durch "Monsieur" zu ersetzen, weshalb es komisch wirkt, wenn in mehreren Szenen der Ausdruck "Gentleman" fällt, der im Frankreich des 17. Jahrhunderts völlig fehl am Platze ist; Übersetzungen wie "Edelmann", "Kavalier" (an einer Stelle kommt dies tatsächlich vor) oder "Ehrenmann" hätten sich absolut angeboten. Dass am Anfang von "Asterix und Kleopatra" dieses Wort ebenfalls fällt ist dagegen nicht weiter merkwürdig, da gerade Asterix von Anachronismen lebt und eine "zeitgemäße" Sprache gar nicht angemessen wäre.
Noch etwas zur früher erwähnten Aussprache von "Ost":
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #363Insofern ist es inkorrekt, wenn im wunderbaren "Schatzinsel"-Hörspiel (DDR 1966) Walter Kröter ebenfalls "Ooost" sagt - zur Handlungszeit war an Funken noch nicht zu denken.
Eine weitere Synchro, bei der es aus diesem Grund inkorrekt wäre ist die von John Hustons "Moby Dick", in der GGH, Wolfgang Lukschy und Werner Lieven die Himmelsrichtung so aussprechen, obwohl die Geschichten in den Jahren 1841f. spielt.
In der "Sex and the City"-Folge Die Superfrau ist an einer Stelle doch tatsächlich die Rede davon, ein Video zu mieten. Leihen wäre m.E. die geschicktere Variante gewesen.
In der Eröffnungssequenz der Big valley-Folge "der wunderheiler" berichtet die Titelfigur seinen beiden Komplizen, dass ihn "eine Konvertitin" aufgehalten habe. Das kommentiert einer der Männer (lt. Griz' serienführer mit der Stimme von Gerd Eichen) mit den Worten: "Wirklich geil!"
Aus dem Munde eines sichtlich nicht mehr jungen Mannes wirkt dieser Ausspruch auf mich äußert merkwürdig... Keine Ahnung wie er in der OV an dieser stelle lautet (leider war das amerikanische englisch für mich ausgerechnet da schwer verständlich) und ob er so sinngemäß übersetzt wurde. Die Dialogautorin Doris Gallart hätte auch hier mE. eigentlich möglichst auf sprachliche Kontinät zu Horst Sommer achten müssen. Um 1970 herum war dieses kleine Wörtchen nämlich noch lange nicht in Mode...
Die DEFA stand offensichtlich mit dem Englischen auf Kriegsfuß. Die leipziger Synchro von "Phantastische Reise zum Mittelpunkt der Erde" ist achtbar geraten, aber zwei Stellen sind vollkommen daneben. Erstens: Ingrid Hille liest den gerade entschlüsselten Text Saknussems vor - in englisch (warum nicht gleich als Übersetzung wie in den anderen Sprachfassungen?) und das mit furchtbar grusligem Akzent. Gut, hier könnte man argumentieren, dass sie ja Deutsche ist, warum also nicht mit deutschem Akzent lesen (auch wenn es grauenhaft klingt). Zweitens: Als die Reisenden den Schäferjungen fragen, wo sie sind, probieren sie mehrere Sprachen aus - und wieder ist es Ingrid Hille, die sich blamiert. Sie fragt nämlich den Jungenauf englisch "Who are we?" Autsch! Warum wollen sie wissen, WER sie sind? Das Problem ist, dass man diesen schmerzhaften Fehler aus keiner der anderen Sprachfassungen korrigieren kann - denn an dieser Stelle fragt sie ihn ausgerechnet auf deutsch.
@ Stefan unglaublich....ich habe erst vorgestern diesen Film wieder gesehen, sicher zum zehnten Mal und erst da fiel mir auch dieses "Who are we?" auf. Ich glaube vorher dachte ich immer es sei irgendeine Fremdpsrache bis mir dann auffiel das es schrecklich mieses Englisch ist :D
Immerhin scheinst Du den Film und seine deutsche Fassung doch recht zu schätzen, was ich durchaus nachvollziehen kann. Und ich habe auch ein ganz schlechtes Gewissen gegenüber Ingrid Hille, die ich mal im Studio getroffen habe und einen sehr sympathischen Eindruck machte.