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Dieses Thema hat 202 Antworten
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 Synchronschaffende
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Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 14.707

20.07.2015 11:59
#106 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Ohne dass man wusste, was folgen würde? Das möchte ich bezweifeln - Provokationen haben sich nicht selten, wenn sie Erfolg hatten, zum Standard entwickelt, da ist die Tendenz in der Theaterlandschaft durchaus vorauszusehen, ohne prophetisch zu sein.
Und wenn die Generation Borcherts Bedenken hatte (niemand sieht gern, dass, was er gelernt hat und beherrscht, ad acta gelegt wird), finde ich das nachvollziehbar - und leider auch richtig: Wir haben einen enormen Verlust an Sprachkultur zu beklagen. Nicht wenige Schauspieler neuerer Generation (und das weiß ich aus erster Hand) können Texte nicht mehr auf ihren Gehalt ausloten, auf ihre verschiedenen Dimensionen, von Kraft der Stimme und guter Artikulation ganz zu schweigen. Das schöne Sprechen ist aus der Mode gekommen und die voluminösen, klangvollen Stimmen ebenfalls ... und ich finde das sehr schade.

Gruß
Stefan

berti


Beiträge: 17.415

20.07.2015 12:36
#107 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #106
Ohne dass man wusste, was folgen würde? Das möchte ich bezweifeln - Provokationen haben sich nicht selten, wenn sie Erfolg hatten, zum Standard entwickelt, da ist die Tendenz in der Theaterlandschaft durchaus vorauszusehen, ohne prophetisch zu sein.

Ich hatte auch nur gemeint, dass selbst Pessimisten wohl nicht unbedingt damit gerechnet hätten, dass sich diese Tendenz nicht nur zum Standard entwickeln, sondern es auch viele Jahrzehnte später noch sein würden.
Traurig sind die Auswirkungen auf die Sprechkultur natürlich. Aber wenigstens gibt es (wie du mal erwähnt hast) inzwischen viele "klassische" Interpretationen auf CD.

fortinbras ( gelöscht )
Beiträge:

20.07.2015 12:55
#108 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Ein wesentliches Problem des Regietheaters ist es, dass weder der Autor, noch das Stück oder gar die Schauspieler von erstrangiger Bedeutung sind. Was zählt, ist der Regisseur und seine möglichst neue Interpretation - das Rad wurde allerdings schon erfunden...

Theater muss nicht kitschig und verstaubt sein, wenn man es im Sinne des Autors oder eines erforderlichen zeitlichen Hintergrundes inszeniert.

Das Regietheater, das fast an allen großen Bühnen nach wie vor von den üblichen Verdächtigen und deren Nachahmern gemacht wird, ist im Grunde hoffnungslos veraltet und alles andere als modern oder zeitgenössisch. Das typische Regietheater wird bald 50 Jahre alt und ebensolange wird bis heute dasselbe Muster durchgezogen.

Zu Beginn des Jahrtausends gab es bei uns einmal eine Neuinszenierung von Flotows Oper "Martha". Die wurde traditionell inszeniert - nicht kitschig, schmalzig, aber das Stück wurde in seiner Zeit belassen, hatte tolle Kostüme, kam ohne irgendwelche Deutungen aus und war sehr lebendig. Ein renommierter Kulturkritiker hat zum Entsetzen der Szene diese Inszenierung ausgewählt als sein persönliches Stück des Jahres. Er meinte, es wäre erfrischend abgewichen vom Standard und hätte geradezu avantgardistisch gewirkt innerhalb des ganzen Einheitsbreies.

Was die Schauspielerei anbelangt, liegt die Wurzel des Übels großteils schon in den Schauspielschulen: zumindest in den renommierten davon bei uns (so auch das Reinhardt-Seminar) ist es Usus, die Schüler entsprechend der "modernen" Regieszene zu unterrichten. Man bekommt dort das Gefühl, nichts weiter zu sein als Werkzeug des Regisseurs. Je weniger ausgeprägt die eigene Persönlichkeit ist, desto besser kann man sich dort einfügen. Was früher, wie ich hörte, wesentlichen Anteil am kreativen Lernprozess hatte und fix im Unterricht dabei war, findet kaum noch statt: das eigene Erarbeiten und Darstellen einer Rolle.

Insgesamt ein Thema, über das man endlos sprechen könnte.

Ich gehe an sich gerne ins Theater, aber nur mehr sehr selten geworden. Am Besten gefallen mir mittlerweile die kleineren Bühnen, die oft mit wenig Mitteln unglaublich viel hervorbringen. In Wien kann man am Volkstheater und in der Josefstadt immerhin einige Stücke ansehen, das Burgtheater ist im Prinzip zu vergessen.

Bei den meisten großen Theatern ist es ja regelrecht verpönt, dass man Freude an dem hat, was man sieht. Nur wenns nicht gefällt oder einen ärgert, war es erfolgreich - je mehr Buh-Rufe, desto glücklicher sind die Macher und allesamt auf der Bühne suhlen sich im Selbstmitleid, weil sie nicht verstanden wurden und sind happy. Eine ganze neue Generation an Schauspielern baut schon auf diesem Prinzip auf: das Publikum ist zu dumm, um uns zu begreifen.

Ich mag gut gemachte einfache Unterhaltung am Theater genauso gerne wie tiefgehende, anspruchsvolle Stücke - nur will ich weder da, noch dort mit irgendwelchen Dingen konfrontiert werden, die unsinnig und deplaziert sind und einem die Freude nehmen am Geschehen. Egal, ob es lustig oder ernst ist: man soll mit einem guten Gefühl aus dem Theater gehen, selbst wenn einem etwas zum Nachdenken auf den Weg gegeben wurde.

Ich habe eine "Gräfin Mariza" gesehen, die im KZ spielte - dort erarbeiteten sich die Häftlinge die Operette zur Ablenkung. "Komm, Czigan!" wird geträllert und im Hintergrund die Zigeuner von der SS erschossen.

Ähnlich Benjamin Brittens "The Turn of the Screw": seit eine Kulturpublizistin mit der These aufhorchen ließ, dass Britten pädophil war, hat sich das wohl bei einigen verankert. Diese These beruhte übrigens darauf, dass in Brittens Werken häufig Kinder vorkommen, er bei den Uraufführungen sehr viel mit ihnen arbeitete und auch den "Young Persons Guide for Orchestra" schrieb. Harte Worte, aber: nur eine Frau kann auf solche Ideen kommen. Und nur eine Frau, kann dann aus "Turn of the Screw" eine Pädophilen-Oper machen. In Henry James' Vorlage wird schon klar, dass die Kinder zumindest zusahen bei den sexuellen Spielchen von Quint. Aber die Operninszenierung war absolut lächerlich und erinnerte schon an deutsche Propagandafilme. Die Kulisse bestand großteils aus Fotos hinlänglich bekannter Pädophiler der Weltgeschichte.

Das ließe sich endlos fortsetzen. Nackte, Nazis, ein übertriebener Orgasmus an falscher Stelle, ein Schwuler und eine Lesbe und wumm, schon ist das Gebräu perfekt. Als besonderen Kick gelegentlich noch einen Asylwerber ins Geschehen mengen.

Es gibt Stücke über all diese Themen in Hülle und Fülle. Die versumpern irgendwo im Nichts. Stattdessen werden Stücke ohne Bezug zu diesen Themen umgewandelt, fast möchte ich sagen "vergewaltigt".

Ende der Durchsage. Sonst wird noch ein viel längeres Plädoyer für den Erhalt von Kunst und Kultur daraus.

berti


Beiträge: 17.415

20.07.2015 13:37
#109 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Noch etwas zu diesem leidigen Thema:
Wenn man diesem Artikel glauben will, wird das hiesige Regietheater im Ausland sogar beneidet. Naja, wenn es einem noch "neu" vorkommt ...
http://www.welt.de/print/wams/kultur/art...eltmeister.html

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 14.707

20.07.2015 14:53
#110 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Da werden wieder mehrere Sachen in einen Topf geschmissen: Yasmina Reza lässt ihre Stücke in Deutschland uraufführen - nun gut, aber nicht von Castorf oder Ostermeier, das hat mit dem viel beschworenen avantgardistischen "Regie"-Theater absolut nichts zu tun, im Gegenteil. Aber wahrscheinlich sind für die Autoren dieses Artikels Mozart und Bartok praktisch das Gleiche, nur weil beide unter dem Level Klassik laufen. Und ob man wirklich eine Serie wie "Slings And Arrows" als Beispiel anführen sollte, die das Theatergeschäft ironisch unter die Lupe nimmt ...

Gruß
Stefan

iron


Beiträge: 5.074

21.07.2015 13:51
#111 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #106

Wir haben einen enormen Verlust an Sprachkultur zu beklagen. Nicht wenige Schauspieler neuerer Generation (und das weiß ich aus erster Hand) können Texte nicht mehr auf ihren Gehalt ausloten, auf ihre verschiedenen Dimensionen, von Kraft der Stimme und guter Artikulation ganz zu schweigen. Das schöne Sprechen ist aus der Mode gekommen und die voluminösen, klangvollen Stimmen ebenfalls ... und ich finde das sehr schade.



Wenn es um Sprachkultur geht muss man mMn. (generationsübergreifend)unterscheiden, ob die Synchronhörspieler/innen über Theater-Schauspiel-Erfahrung verfügen, oder nicht. Bei Learning-by-doing- Sprecher/innen ohne Schauspielausbildung ist das Risiko dafür wahrscheinlich größer.
Oftmals ist imho. das Sprachultur so gut oder schlecht, wie die Filme/Serien, bzw. passt sich ihrem Niveau an.
Mir fällt im Moment kein Sprecher ein, der konstant so eine schlechte Leistung bringen würde. David Nathan hat (oder hatte) zwar kein "Diplom, aber ich kann nicht behaupten, dass er das vermissen lässt, was du genannt hast.

Eine hörbare Berliner Sprachfärbung wie besonders in klassischen Synchros zu hören (wo ein j anstelle eines "g" ausgesprochen wird) oder etwa "ferddichmachen", weiddermachen hat bestimmt einen gewissen altmodischen Charme und trägt wie ich früher im entsprechenden Thread afaik. gepostet habe, sicher mit zur Faszination von alten Synchronisationen bei. Aber als Beleg für "schöneres Sprechen" eignen sich diese Beispiele mAn. nicht. Und der damals oft eingesetzte "Kasernenhofton" (dort wo er nicht unbedingt sein musste) konnte eine gewiese Monotonie in der Sprache entstehen. Diese hat sich für mein Gehör leider nicht selten auf eine angenehme Sprachmelodie negativ ausgewirkt...

Es ist besser so, dass man später und heutzutage immer mehr davon abgekommen ist. Dadurch müssen Synchronisationen imho. heute nicht zwangsläufig viel künstlicher, steriler und stilisierter sein, als früher (siehe Knew-Kings Kommentar hier:



"Einfärbungen" der Sprache/Stimme (12)

Mein Name ist Hase


Beiträge: 2.766

21.07.2015 13:58
#112 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Zitat von iron im Beitrag #111
Bezieht sich deine Kritik in erster Linie auf die heutige jüngere und junge Garde? Dann hättest du das dazuschreiben müssen, so pauschal kann ich deine Meinung nicht teilen.
Deine Kritik trifft auf alle Fälle kaum auf die aktuelle ältere Gneration zu.


Siehe hier:

Zitat von iron im Beitrag #111
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #106

Wir haben einen enormen Verlust an Sprachkultur zu beklagen. Nicht wenige Schauspieler neuerer Generation (und das weiß ich aus erster Hand) können Texte nicht mehr auf ihren Gehalt ausloten, auf ihre verschiedenen Dimensionen, von Kraft der Stimme und guter Artikulation ganz zu schweigen. Das schöne Sprechen ist aus der Mode gekommen und die voluminösen, klangvollen Stimmen ebenfalls ... und ich finde das sehr schade.



[...]


Gruß
Hase

iron


Beiträge: 5.074

21.07.2015 17:17
#113 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Schande über mich und Asche auf mein Haupt... Gerade habe ich den problematischen Teil meines Beitrags editiert. Du hast recht und ich hatte ein totales Blackout... Ich sollte in einer bestimmten psychischen Verfassung möglichst keine Beiträge schreiben, oder mir keine langen vornehmen, aber das wird schon.

Stefan der DEFA-Fan



Beiträge: 14.707

21.07.2015 17:22
#114 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Zitat von iron im Beitrag #111
Bei Learning-by-doing- Sprecher/innen ohne Schauspielaus-bildung ist das Risiko dafür wahrscheinlich größer.

Keineswegs.
Zitat von iron im Beitrag #111
David Nathan hat (oder hatte) zwar kein "Diplom, aber ich kann nicht behaupten, dass er das vermissen lässt, was du genannt hast.

Ich bin aus gutem Grund der Letzte, der so etwas behaupten würde - es gibt im Gegenteil eine Menge diplomierter Leute, die ihr Handwerk lange nicht so gut beherrschen.
Zitat von iron im Beitrag #111
Eine hörbare Berliner Sprachfärbung wie besonders in klassischen Synchros zu hören (wo ein j anstelle eines "g" ausgesprochen wird) oder etwa "ferddichmachen", weiddermachen hat bestimmt einen gewissen altmodischen Charme und trägt wie ich früher im entsprechenden Thread afaik. gepostet habe, sicher mit zur Faszination von alten Synchronisationen bei. Aber als Beleg für "schöneres Sprechen" eignen sich diese Beispiele mAn. nicht.

So hast Du mich offenbar exakt verkehrt verstanden. Sprachkultur bedeutet nicht nur saubere Aussprache (fast möchte ich sagen "am wenigsten", denn vielen großen Schauspielern aus der erste Hälfte und Mitte des 20. Jahrhunderts konnte man gerade ihre Herkunft mitunter anhören), sondern Verständnis für Texte und das, was sie an Dimensionen beinhalten, Verständnis für den Klang der Sprache, ihre Schönheit oder betonte Hässlichkeit; und nicht zuletzt Kraft der Stimme, "Stütze" - wie man es nennt. Ein Schauspieler muss in der Lage sein, mit seiner Stimme den letzten Platz im Theater zu erreichen - das war vor einigen Jahrzehnten noch eine Selbstverständlichkeit, heute leider nicht mehr.
Das hat auch damit zu tun, dass nicht wenige Schauspieler ihre Stimme "schonen" (was völliger Quatsch ist - wenn man Muskeln nicht beansprucht, verkümmern sie, das ist bei der Stimme genau so), die, die so tun, als ob sie schreien würden. Das übrigens ist einer der markantesten Gründe, warum Synchros aus X und Y zurecht kaum beliebt sind.

Gruß
Stefan

iron


Beiträge: 5.074

22.07.2015 22:33
#115 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #114
Zitat von iron im Beitrag #111
Bei Learning-by-doing- Sprecher/innen ohne Schauspielaus-bildung ist das Risiko dafür wahrscheinlich größer.

Keineswegs.


Wenn ja, möglicherweise nicht wesentlich größer. Das war bloß eine Vermuntung von mir, ich kann mich durchaus irren. In Interviews jedenfalls haben einige Synchronsprecherinnen und -sprecher gemeint, dass es besser wäre, wenn man eine Schauspielausbildung für eine Synchronkarriere vorweisen könne. Aber es kann auch mit leaning by doing gut gehen. Aber man kann Beides nicht verallgemeinern.

Zitat von iron im Beitrag #111
David Nathan hat (oder hatte) zwar kein "Diplom, aber ich kann nicht behaupten, dass er das vermissen lässt, was du genannt hast.

Zitat
Ich bin aus gutem Grund der Letzte, der so etwas behaupten würde - es gibt im Gegenteil eine Menge diplomierter Leute, die ihr Handwerk lange nicht so gut beherrschen.


Sorry, da habe ich mich anscheinend etwas missverständlich ausgedrückt... Ich wollte dir nicht unterstellen, dass David Nathan für dich eine gute Sprachkultur vermissen lässt, sondern damit nur zum Ausdruck bringen, das (auch)ganz persönlich nicht behaupten zu können.

iron


Beiträge: 5.074

22.07.2015 22:34
#116 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Zitat von iron im Beitrag #115
Zitat von Stefan der DEFA-Fan im Beitrag #114
Zitat von iron im Beitrag #111
Bei Learning-by-doing- Sprecher/innen ohne Schauspielaus-bildung ist das Risiko dafür wahrscheinlich größer.

Keineswegs.


Wenn ja, möglicherweise nicht wesentlich größer. Das war bloß eine Vermuntung von mir, ich kann mich durchaus irren. In Interviews jedenfalls haben einige Synchronsprecherinnen und -sprecher gemeint, dass es besser wäre, wenn man eine Schauspielausbildung für eine Synchronkarriere vorweisen könne. Aber es kann auch mit leaning by doing gut gehen. Aber man kann Beides nicht verallgemeinern.

Zitat von iron im Beitrag #111
David Nathan hat (oder hatte) zwar kein "Diplom, aber ich kann nicht behaupten, dass er das vermissen lässt, was du genannt hast.

Ich bin aus gutem Grund der Letzte, der so etwas behaupten würde - es gibt im Gegenteil eine Menge diplomierter Leute, die ihr Handwerk lange nicht so gut beherrschen.


Sorry, da habe ich mich anscheinend etwas missverständlich ausgedrückt... Ich wollte dir nicht unterstellen, dass David Nathan für dich eine gute Sprachkultur vermissen lässt, sondern damit nur zum Ausdruck bringen, das (auch)ganz persönlich nicht behaupten zu können.

Taccomania


Beiträge: 836

23.07.2015 13:15
#117 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Ich habe den Eindruck, daß eine Dialektfärbung oder ein "starkes" Deutsch früher mitunter ganz bewußt in Synchros eingebracht wurden. Einfach, weil man sich insgesamt mehr bei der Synchronisation getraut hat, fremdsprachige Filme also nicht nur mehr oder weniger 1:1 ins Deutsche übertragen hat, sondern zum Teil bewußt inhaltlich verfälscht und dem deutschen Publikumsgeschmack angepaßt hat.

Heutzutage darf ein synchronisiertes Kind ja nicht einmal mehr "Mama" oder "Papa" sagen, sondern immer nur "Mum" und "Daaaaad" (was besonders irritiert, wenn der Film gar nicht im englischen Sprachraum spielt oder im Mittelalter oder in der Steinzeit oder auf einer außerirdischen Raumstation des 26. Jahrhunderts).

Flammentanz



Beiträge: 73

24.07.2015 17:42
#118 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Vielen Dank an Lammers und Klaus für das freundliche Feedback!

Ich habe übrigens kürzlich "Der Verdammte der Inseln" (1951) gesehen und empfinde auch seine Synchronisation für Trevor Howard als eine Glanzleistung.

berti


Beiträge: 17.415

09.09.2015 09:15
#119 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Vor mehreren Jahren schrieb Mücke, dass Borchert in "The Boys from Brazil" "sehr alt und stark nach Gebiss" geklungen habe:Lord Laurence Olivier (4)
Bei seinen ab 1986 entstandenen Synchronarbeiten fällt tatsächlich ein veränderter Klang auf. Dass sowas altersbedingt vorkommt, ist natürlich normal; allerdings klang er noch in "Das Böse unter der Sonne" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" (Kinostart September 1982 bzw. Dezember 1983) noch ganz wie in seinen Rollen aus den beiden früheren Jahrzehnten, ebenso auch bei seinem kurzen Part in "The Verdict - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" (1983). In der Rahmenhandlung von "Die Bounty" (1985) hatte er nach meiner Erinnerung nicht viel Text, außerdem ist es leider schon etwas her, dass ich den Film gesehen habe. Daneben fallen mir leider gerade keine Rollen von ihm aus den Jahren 1984/85 ein.
Kann es sein, dass die Stimmveränderung bei ihm ziemlich abrupt kam?

Pip


Beiträge: 362

09.09.2015 19:53
#120 RE: GGH, der König - Wilhelm Borchert, der Kaiser Zitat · antworten

Also ich finde, dass sich die Stimmveränderung bei Borchert eher langsam entwickelte (so ab Anfang der 80er Jahre wurde es dann sachte bemerkbar).
Bei ARTHUR 2 und IN EINEM LAND VOR UNSERER ZEIT (wohl seine letzten beiden Arbeiten), hört man das Alter schon deutlich. Immerhin war Borchert ja da auch schon nahe seinen 80ern.

Allerdings ist der Wandel seiner Stimme nicht so extrem und auffällig wie z.B. bei GGH, der ja wirklich am Ende sehr viel heller und brüchiger klang.

Ich finde es bemerkenswert, dass Borchert trotz seines hohen Alters noch so (relativ) viel gesprochen hat in den letzten paar Jahren, wenn es meißtens auch nur kleinere Rollen waren.
Ich glaube, heutzutage würde man keinen Achtzigjährigen mehr ans Mikro lassen, wenn seine Stimme nicht mehr 100% perfekt ist ( ich muß da an Wolfgang Draeger denken, den man schändlicherweise aus angeblichen "Altersgründen" nicht mehr als Stimme von Woody Allen haben wollte).

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