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Dieses Thema hat 292 Antworten
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 Spielfilmklassiker
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Hans-Joachim Albrecht


Beiträge: 799

07.02.2019 21:09
#286 RE: Der Synchronopa erzählt... Zitat · antworten

HALLO ! Heute gebe ich unter dieser Rubrik mal wieder etwas ein. Es sind "Erlebnisse" von einer Synchronregisseurin,
die von 1955 bis 1986 im DEFA-Synchronstudio gearbeitet hat und die so unheimlich freundlich war und mir auf Nachfrage
ganz viel zu Schauspielern, Regisseuren, Autoren mitgeteilt hat. Ich hatte schon von ihr vor etlichen Monaten "berichtet".
Es geht bunt durcheinander: DDR-Synchroneure, Westberliner in Diensten des DEFA-Synchronstudios, vor und nach dem 13.8.61
in die Bundesrep./West-Berlin ausgereiste (hier hat man man allgemein, etwas undifferenziert zu diesen gesagt "nach dem Westen Abgehauene" ....

....Wolfgang Pampel, der zu den Ausgereisten gehört : Das "berühmte Lachen" ,das wir aus "DALLAS" kennen, gehört also Herrn Pampel.Er war ein
.....guter Mann im Studio, man nahm ihn gern, aber es war etwas schwierig, weil er in Leipzig sehr stark theatermäßig angebunden war. Seine
Gründe, warum er wegging, waren damals allgemein bekannt, aber "meine" Regisseurin hats vergessen...

.....Helga Göring war ein großartiger Mensch, eine liebenswerte warmherzige Kollegin, die auch allzeit bereit war, wenn es ihre Termine
......zuließen, nach Leipzig zu fahren und dort zu synchronisieren.

......Sabine Thalbach, die Mutter der heute sehr populären Katharina Thalbach, hat auch synchronisiert. Sie starb leider schon sehr früh,
.....an einem Furunkel in der Nase. Ein Pfarrerehepaar hat die 12-jährige Katharina zu sich genommen, und sie wurde als Kind etliche Male
......auch zu Synchron geholt.

......Günter Fröhlich, Sänger an der Staatsoper Berlin, verstorben vor einer Reihe von Jahren, dessen Name hier im Forum -glaube ich-
.....einige Male fiel, war mit Anne Fröhlich Verheiratet, die vor der Wende schon das Rentenalter erreicht hatte, die bis dahin
.....BESETZUNGSCHEFIN bei DEFA-Synchron war. Innerhalb und außerhalb des Studios war sie sehr gut zu leiden.Er sowieso.

....Rainer Brandt (die Filmprogramme der DDR nennen ihn Reinhard Brandt) hat so ca. 10 größere und kleinere Rollen 1957/58 bei
.....DEFA´s synchronisiert. ER fiel "meiner" Regisseurin kaum auf, war ruhig und bescheiden. Nach der Wende hat sie ihm einen Brief ge-
.....schrieben und in diesem Herrn Brandt Vorschläge gemacht, welche Ost-Künstler er möglicherweise gut in seiner Firma einsetzen
.........könnte, die es sozial nötig hatten, aber auch gut waren und keine Stinkstiefel (letztere es natürlich überall gab und gibt,
........darüber brauchen wir nicht zu diskutieren....)

........Edwin Marian, vor einigen Monaten verstorben, war 1980 "ausgereist", hat in seinem ersten Engagement an einem Leipziger
........Theater den jungen Lenin gespielt, um 1950 herum; "meine" Regisseurin war seine Kommilitonin an der Schauspielschule gewesen,
........und so haben sie sich bei Synchron bis zu seiner Ausreise immer mal gesehen und über alte Zeiten gequatscht.
........Marian war ein Tausendsassa, ein Eulenspiegel, dessen Späße auch mal etwas zu drastisch sein konnten. Die leisen Töne
......waren nicht seine, nicht im Leben, nicht im Beruf, nicht in seinen Rollen.
......Er hatte eine bildschöne Frau geheiratet; ihr hatte es wohl die gemeinsame Tochter zu danken, daß diese, auch Schauspielerin
.......(keine geringere als Michele Marian), so apart war und vielleicht heute noch ist, ich hab sie lange nicht im TV gesehen....)

.....Willi Schwabe, der auch den jüngeren bekannt sein dürfte, vom Namen her, weil er von 1955 bis zur Wende beim DFF der
.....RUMPELKÄMMERER war, als Moderator Ausschnitte von alten deutschen Filmen von vor 1945 vorstellte und kommentierte (die Texte
.....hat er übrigens selbst geschrieben), war ein absoluter Gentleman im Umgang, wie man ihn aus dem Fernsehen kannte.
.....Leider waren seine allerletzten Jahre tragisch: Er wurde krank, aber seine so geliebte Frau, die Schauspielerin Dorothea
......Thiesing, starb noch vor ihm, was ihm das Herz brach und er dann auch ein jahr später heimging.....

....."Meine" Regisseurin hat natürlich wie die anderen auch mitbekommen, daß eine ganze Reihe von DDR-Synchroneuren ausgereist
......ist bis 1989. Sie ging zwar mit 60 in Rente, Anfang 1986, aber so wie sie war, hatte sie etliche Kontakte aufrecht-
......erhalten. Ich habe sie zu den meisten der Ausgereisten befragt, vor allem nach den Gründen von deren Übertritt in den
.......Westen, aber auch zu ihrem Verhalten nach der Wende im Umgang mit den Dagebliebenen. Über letzteres werde ich nicht sprechen,
.......egal ob jemand so oder soo sich verhielt. Zu den Gründen der Ausreisen hätte ich gern mehr gesprochen, aber meine Regisseurin
.......konnte sich an Einzelheiten nicht erinnern, eben nur vage : "aus politischen Gründen" oder "unter anderen Verhältnissen
.......beruflich nochmal neu durchstarten".
(wird fortgesetzt) Gruß.hans.


Hans-Joachim Albrecht


Beiträge: 799

10.02.2019 21:38
#287 RE: Der Synchronopa erzählt... Zitat · antworten

......Herwart Grosse, der mindestens 1x auch in West-Berlin, als er dort noch wohnte, 1949, synchronisierte,
war Stammgast bei DEFA-Synchron. Er war die Pünktlichkeit und Korrektheit in Person, im Studio und außerhalb.
Alle hatten BAMMEL vor ihm, er war halt einer d e r Protagonisten am besten deutschen Theater nach dem 2.
Weltkrieg, eben am DEUTSCHEN THEATER in der Ost-Berliner Schumannstraße....

.....Fritz Links, mit vielen anderen österreichischen Künstlern 1956 nach Schließung der Wiener Skala ans gerade er-
wähnte DEUTSCHE THEATER gekommen, fehlte in den 60ern/70ern wohl bei keiner DEFA -Synchro eines sowjetischen Märchen-
films. Seine Stimme war einfach ideal für das russische Väterchen, sowas von wiedererkennbar. Das waren noch (Synchron-) Zeiten....

.....Wer den SU-Film, mehrfach ausgezeichnet, gesehen hat "LEUCHTE, MEIN STERN, LEUCHTE", der soll nun wissen, daß "meine"
Regisseurein diesen Film im Synchronstudio betreute. Für junge, nicht sehr große zierliche Männer wurde damals WOLFGANG
OSTBERG mit seiner Stimme oft genommen,in diesem Falle für die Hauptrolle . Er war viele Jahre am Metropoltheater in Ost-Berlin
engagiert, war mit der österr. Soubrette Maria Alexander verheiratet und war derjenige , der auf diesen Brettern den sterbenden
ROLF HERRICHT in den Armen hielt, 1981....

.....Gisela Reißmann, eine von mehreren Synchroneuren/-innen, die man manchmal als Wanderer zwischen den Welten bezeichnete,
weil sie Hüben und drüben ihrer Tätigkeit zur gleichen Zeit nachgingen: "Meine " Regisseurin behauptet steif und fest,
daß sie sich in den 60ern das Leben genommen hat, in Westberlin, wo sie ja wohnte. Eine Dame selben Namens mit Sterbedatum
2009 muß eine andere sein, sagt sie. Die Reißmann war eng mit Johannes Knittel, Regisseur bei DEFA`s mit großem Einfluß, befreundet.
Er gab dies damals im Studio bekannt.

......Ich habe "meine" Regisseurin nach ganz vielen Westberlinern gefragt, die bis 1961, manche Regisseure bis 1962, bei DEFA-
Synchron gearbeitet haben, von Kurt Mühlhardt über Franz Arzdorf, Wolf Martini, Hans W.Hamacher usw. usf. Leider fällt das
"Ergebnis" nicht so toll aus. Mit vielen hat sie nichts zu tun gehabt, aber natürlich in der Kantine gesehen; und mit denen
sie gearbeitet hat, tat sie das ja nur bis -wie gesagt- 1961; Stichwort: vieles vergessen.

.....Einer von ihnen stand bei mir ganz oben auf der Frageliste: WERNER PETERS ! Schade, sie konnte nichts sagen, außer, was
man allgemein wußte, daß er sehr umtriebig war, immer in Eile, während eines Projektes schon das nächstfolgende im Kopf.....

....Aber gemach, einiges kommt noch zu unseren Westberlinern und zu denen, die dann vor allem in den 80ern in Größenordnungen
"ausgereist" sind....

.....Zu ersteren aus dem vorhergehenden Satz gehört auch URSULA BURG, die im Herbst 1961 das DEUTSCHE THEATER in Berlin-O.
verließ, unter ganz vielen Tränen, und es hat nicht nur sie geweint, denn sie war äußerst beliebt, da bescheiden, ohne die geringsten
Allüren, eine LACHWURZEN vor dem Herrn.
Ihr wurde wie den anderen Betroffenen auch nahegelegt, nach Ostberlin umzuziehen; das wollte sie nicht, und der Vertrag wurde dann
gelöst. Sie hat recht oft bei DEFA-Synchro gearbeitet.

....HELLA GRAF: Vielleicht habt ihr den Namen der DEFA-Synchron-Regisseurin HELLA GRAF schon mal gelesen, vielleicht im Vorspann von so manchem
"OLSENBANDEN"- Film (sie hat viele von ihnen betreut). Frau HELLA GRAF war in den 60ern/Anfang- Mitte der 70er wohnhaft in Westberlin.
Sie war Kommunistin, Mitglied der SED oder SEW (Soz. Einheitspartei Westberlins), das weiß ich nicht, in welcher von beiden, ist ja
auch nicht wichtig), und das ganz viele Jahre. Man sieht daran, daß man (sehr wenige) Ausnahmen machte....

.....INGE KELLER war eine sehr stolze, selbstbewußte Dame, und es mußte schon ziemlich intelligent zugehen, wenn man sie mal zum Lachen
bringen wollte. Nur von einem ließ sie sich etwas sagen: Von ihrem Intendanten Wolfgang Langhoff am DT. Der durfte dann auch schon
mal etwas dreist werden: z.B.: Frau Keller auf der Probe im DT, Langhoff im Zuschauerraum. Sie strengte sich mächtig an, um zu
zeigen, daß sie super vorbereitet war, Da unterbrach Langhoff sie und sagte recht leise: " Ingelein, tust mir n`Gefallen und spielst
wieder doof ?". Das wäre im Synchronstudio, wo sie selten, aber immerhin mehrere Male zu Gast war, niemals gegangen....

Tschüß! Bis denne,hans.


guenter19650


Beiträge: 86

11.02.2019 12:42
#288 RE: Der Synchronopa erzählt... Zitat · antworten

".....Gisela Reißmann, eine von mehreren Synchroneuren/-innen, die man manchmal als Wanderer zwischen den Welten bezeichnete,
weil sie Hüben und drüben ihrer Tätigkeit zur gleichen Zeit nachgingen: "Meine " Regisseurin behauptet steif und fest,
daß sie sich in den 60ern das Leben genommen hat, in Westberlin, wo sie ja wohnte. Eine Dame selben Namens mit Sterbedatum
2009 muß eine andere sein, sagt sie. Die Reißmann war eng mit Johannes Knittel, Regisseur bei DEFA`s mit großem Einfluß, befreundet.
Er gab dies damals im Studio bekannt."

Hallo ich glaube hier liegt eine Verwechslung mit dieser Schauspielerin mit dem Vornamen Gabriele vor: https://www.imdb.com/name/nm0718465/?ref_=tt_cl_t2

Hans-Joachim Albrecht


Beiträge: 799

11.02.2019 18:42
#289 RE: Der Synchronopa erzählt... Zitat · antworten

Die kennt der DEFA-Regisseur JOHANNES KNITTEL garantiert nicht (oder hab ich dich mißverstanden ?)
Gruß.hans.

percyparker


Beiträge: 211

11.02.2019 22:31
#290 RE: Der Synchronopa erzählt... Zitat · antworten

Zitat von Hans-Joachim Albrecht im Beitrag #287
...Gisela Reißmann, eine von mehreren Synchroneuren/-innen, die man manchmal als Wanderer zwischen den Welten bezeichnete,
weil sie Hüben und drüben ihrer Tätigkeit zur gleichen Zeit nachgingen: "Meine " Regisseurin behauptet steif und fest,
daß sie sich in den 60ern das Leben genommen hat, in Westberlin, wo sie ja wohnte. Eine Dame selben Namens mit Sterbedatum
2009 muß eine andere sein, sagt sie. Die Reißmann war eng mit Johannes Knittel, Regisseur bei DEFA`s mit großem Einfluß, befreundet.
Er gab dies damals im Studio bekannt.



Zumindest "in den 60ern" kann nicht sein, denn ich hab sie in verschiedenen Synchros aus den frühen 70ern gehört. Allerdings hat sie ihre letzten Rollen wohl 1972 gesprochen, danach recht plötzlich nichts mehr, so dass die Geschichte stimmen könnte, aber die Jahresangabe nicht.


Hans-Joachim Albrecht


Beiträge: 799

12.02.2019 12:18
#291 RE: Der Synchronopa erzählt... Zitat · antworten

Das kann gut sein, PERCYPARKER, daß sich "meine" Regisseurin nicht mehr so gut ans richtige Jahr erinnern konnte.
Gruß.hans.

berti


Beiträge: 14.942

12.02.2019 13:33
#292 RE: Der Synchronopa erzählt... Zitat · antworten

Zitat von Hans-Joachim Albrecht im Beitrag #286
....Rainer Brandt (die Filmprogramme der DDR nennen ihn Reinhard Brandt) hat so ca. 10 größere und kleinere Rollen 1957/58 bei
.....DEFA´s synchronisiert. ER fiel "meiner" Regisseurin kaum auf, war ruhig und bescheiden. Nach der Wende hat sie ihm einen Brief ge-
.....schrieben und in diesem Herrn Brandt Vorschläge gemacht, welche Ost-Künstler er möglicherweise gut in seiner Firma einsetzen
.........könnte, die es sozial nötig hatten, aber auch gut waren und keine Stinkstiefel

Auf diese Vorschläge scheint er eingegangen zu sein, da er in "MASH" und "Ein Käfig voller Helden" nicht nur Thomas Wolff Regie führen ließ, sondern auch viele aus der DDR stammende Sprecher zu hören sind.

Hans-Joachim Albrecht


Beiträge: 799

12.02.2019 20:00
#293 RE: Der Synchronopa erzählt... Zitat · antworten

Anfang der 90er stand ich vorm Eingang zur Rainer-Brandt-Synchronproduktions-Firma in Berlin-Moabit, hab mich aber nicht reingetraut.
.....Hab Sprecher rein-und rausgehen sehen, an BIRGIT EDENHARTER kann ich mich erinnern.
Etwas später bin ich dann aber in Studios reingegangen, z.b. in Berlin-Lankwitz (Berliner Synchron W.Lüdecke) und Berlin-Johannisthal
(DEFA, aber da hieß es natürlich längst Johannisthal-Synchron)..... Das aber nur mal so nebenbei....

......WERNER PETERS: nochmal zu ihm: ich vergeß´manchmal, daß dies hier ein SYNCHRONFORUM ist, noch dazu ein tolles, es macht mir Riesenspaß,
Teilnehmer sein zu dürfen; na, der Titel dieser Rubrik sagt´s ja auch..."Synchron-Opa...".
Deshalb will ich betonen, daß WERNER PETERS wahrscheinlich 1948 das erste Mal in einem ausländischen Film synchronisiert hat. Und zwar in dem
sowjetischen Farbfilm DAS LIED VON SIBIRIEN. Unter der Synchronregie von Volker J.Becker sprachen Paula Paulsen-Eggerth (Mutter oder
Stiefmutter von Sabine Eggerth), Siegmar Schneider und Bruni Löbel die Hauptrollen. Das war bei der DEFA.
Ich finde keine Unterlagen, in denen PETERS Name schon vorher steht....
Im Spielfilm debutiert hat er in dem westdeutschen Film ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN (1947), eine kleine Rolle in einer Länge von mehreren
Sekunden, bevor er 1948 nach Berlin ans DEUTSCHE THEATER in Berlin-Ost gerufen wurde und in AFFAIRE BLUM seine erste DEFA-Rolle spielte....


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