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Dieses Thema hat 860 Antworten
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 Synchronschaffende
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CrimeFan



Beiträge: 1.662

04.09.2019 16:44
#841 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Oliver Siebeck auf Ishihara ist ein reines Gänsehaut-Erlebnis, vor allem unter den Punkt, dass er nicht so gerne bei Animes mit spricht.

CrimeFan



Beiträge: 1.662

04.10.2019 20:47
#842 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Norman Matt auf Steven Burns in "Blue’s Clues".

Ich habe selten gehört, dass ein Sprecher eine Rolle so sympathisch macht. Matt spricht Steve, liebevoll und verrückt zugleich und schafft es dabei nicht nervig zu werden. Gerade die kleinen zwischen Töne und kurzen Gesangsnummern, geben mir immer ein gutes Gefühl. Man merkt Matt auch die Freude am Spiel, total an.

berti


Beiträge: 15.561

25.02.2020 13:09
#843 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Zitat von berti im Beitrag #821
Jürgen Thormann für Peter Sellers in "Willkommen, Mr. Chance"

Natürlich ist es schade, dass bei diesem Glanzlicht von Sellers´ Karriere nicht Georg Thomalla zum Zuge kam, aber dafür war Thormann absolut beeindruckend: So sanft, leise, naiv und betont "unschuldig" habe ich ihn nur selten gehört. Er transportiert die für Sellers untypische Interpretation (die Einiges von Dustin Hoffmans späterem Spiel in "Rain Man" vorwegnimmt) perfekt, was nicht gerade leicht gewesen sein dürfte. Sowohl die Mimik als auch der Tonfall verleihen dem Protagonisten eine ungeheure Würde und Unschuld, ohne dabei ins Lächerliche abzugleiten.

Diese beiden Clips vermitteln einen ganz guten Eindruck von Sellers´ Spiel und der Art, wie Thormann dieses vermittelt:https://www.youtube.com/watch?v=1lmVevqy5CE
https://www.youtube.com/watch?v=0j22kwE1e4k
Eine weitere Sternstunden bietet im selben Film Wolfgang Völz für Richard Dysart: ernsthaft, zurückhaltend und sensibel, der Kontrast zu seinen chargierenden und klamaukhaft angelegten Rollen (die meisten davon kamen erst Jahre später) könnte kaum größer sein.

CrimeFan



Beiträge: 1.662

29.02.2020 20:09
#844 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Detlef Bierstedt in Jimmy Neutron:

Stefan der DEFA-Fan


Beiträge: 12.118

12.05.2020 13:59
#845 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

"Die Monster-AG"

Ich hab ein wenig gebraucht, um zu akzeptieren, dass man (zum zweiten Mal) für John Goodman nicht Hartmut Neugebauer besetzte, zumal ich Reinhard Brock lange Zeit nicht ausstehen konnte (das hing mit seiner Rolle als Burns zusammen, die mir völlig verfehlt vorkam, bis ich das täuschend ähnliche Original hörte). Durch diesen Film habe ich ihn schätzen gelernt. (Bis hin zu den Outtakes, die sehr schwer authentisch hinzubekommen sind.)
Und ähnlich geht es mir mit Helmut Krauss, dessen Stimme ich nie so mochte, aber hier ist er ideal (schon weil alle Sprecher, die einen ähnlichen Effekt wie im Original James Coburn hätten erzielen können, bereits verstorben oder in Pension waren).
Nun - Ilja Richter ist Promi und Profi zugleich; Martin Semmelrogge möchte ich um keinen Preis in einer anderen Synchronisation hören, aber HIER ist er genau richtig (gleiches gilt für Sissy Perlinger, deren Promi-Bonus mittlerweile schon dahin ist). Und Walter von Hauff habe ich schon immer geschätzt, aber dass er so komisch sein kann, hätte ich nicht gedacht - sein schwäbischer Yeti haut mich jedes Mal vom Stuhl.
Der Knuffelfaktor der beiden McMahons als Buh (passgenau zu den Originalpassagen von Mary Gibbs) erübrigt alle Worte.
Frank Lenarts Synchros haben für mich oft ihre Macken, aber hier finde ich keine. Chapeau, das ist ein Meisterstück.

Gruß
Stefan


Silenzio
Moderator

Beiträge: 17.128

01.06.2020 19:48
#846 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Der unsichtbare Dritte

Nach der neuesten TV-Ausstrahlung auf SAT.1 Gold muss ich tatsächlich mal eine Lanze für die viel gescholtene Synchro brechen. Es ist gut über 15 Jahre her, wo ich den Film das letzte Mal sah. Ich muss zugeben, dass Ode gar nicht mal so schlecht passte, auf jeden Fall viel besser als sonst immer ein Aufschrei darum gemacht wird (vermutlich auch nach diesem Beitrag hier ). Es ist irgendwie merkwürdig, man gewöhnt sich an Ode. Schon nach den ersten Dialgen war er gar nicht mal so ein Fremdkörper und zur Rolle passte er ansich auch gut. Auch Eva Pflug passte mit ihrer etwas kühl-distanzierten Art super zur Rolle der Eve Kendall. Der Rest weiß auch zu gefallen. Bei Friedrich Joloff gibt's keine Diskussion - sowohl für James Mason als auch für Schurken generell immer ein Gewinn. Dietrich Frauboes in ungewöhnlich großer Nebenrolle als schurkischer Handlanger ist eine interessante Wahl - nicht die offensichtlichste. Und ich muss auch sagen, dass ich schon so in der Synchro um Ode drin war, dass es mich keineswegs störte, dass er oft im direkten Dialog mit Curt Ackermann stand. Der wiederum funktionierte sehr gut für Leo G. Carroll. Klingt jetzt blöd, aber so richtig kann ich mir Ackermann nicht mal in der anfangs sehr tapsigen Rolle des Roger Thornhill vorstellen.

Es gibt viele Gegenstimmen zur gesamten Synchro, ich weiß, und das ist auch gut so. Soll auch jeder das gut finden, was er eben gut findet. Hier jedenfalls mal eine Stimme für die Synchro.


Dubber der Weiße


Beiträge: 4.925

01.06.2020 20:28
#847 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Da haben wir zur selben Zeit zugesehen, bin auch an dem hängengeblieben (wie gestern an den Ustinov-Poirots). Muss dir in jeder Hinsicht beipflichten. Ackermanns weltmännische, überlegene Eleganz hätte den Weg vom nervösen T(h)ornhill hin zum seinen Mut entdeckenden Helden kürzer gemacht. Ode hat auch dieses wunderbar Spitzbübische gehabt. Ein Schlingel, der das Beste aus einer absurden Situation macht. Seine Stimme war ja auch nicht "hässlich" oder Ziesmer-mäßig obskur. Verstehe da die Aufregung nicht. Nein, ich finde ihn großartig und definitiv bereichernd.

"Über den Dächern von Nizza" ist einer meiner drei Lieblingsfilme, dort wiederum möchte ich Ackermann nicht missen. Wäre aber gespannt gewesen, wie sich Ode auf der Rolle gemacht hätte.


berti


Beiträge: 15.561

01.06.2020 22:52
#848 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Zitat von Silenzio im Beitrag #846
Klingt jetzt blöd, aber so richtig kann ich mir Ackermann nicht mal in der anfangs sehr tapsigen Rolle des Roger Thornhill vorstellen.

Ähnliches meinten vor einigen Jahren auch Lars positiv zu dieser Besetzung äußerte: Eure ganz speziellen Hass-Synchros (12)
(siehe auch die Beiträge von fortinbras aus dieser Diskussion)
übrigens nannte sie 2007 auch Heiko als Beispiel in diesem Thread:Synchron-Sternstunden (54)
Wenn du dir Ackermann in dieser Rolle nicht vorstellen kannst: Wie sieht es mit Klinger aus? Der wäre bekanntlich meine persönliche Wunschbesetzung gewesen (schon als ich noch gar nicht wusste, dass er Grant in einigen Filmen tatsächlich synchronisiert hat).


Silenzio
Moderator

Beiträge: 17.128

01.06.2020 23:15
#849 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Ich kenne leider allesamt sämtliche Einsätze Klinger's nicht, um mir da ein Urteil zu bilden wie er allgemein auf Grant passt. Kann ich momentan nicht viel dazu sagen. Könnte schon funktionieren, ähnliches trifft wohl auf Peter Pasetti zu, der Grant ja auch kurz zuvor sprach. Aber ansich gefällt mir die Besetzung mit Ode. Hatte was wunderbar Leichtfüßiges.

Lammers


Beiträge: 3.746

02.06.2020 19:48
#850 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Zitat von Silenzio im Beitrag #849
Ich kenne leider allesamt sämtliche Einsätze Klinger's nicht, um mir da ein Urteil zu bilden wie er allgemein auf Grant passt. Kann ich momentan nicht viel dazu sagen. Könnte schon funktionieren, ähnliches trifft wohl auf Peter Pasetti zu, der Grant ja auch kurz zuvor sprach. Aber ansich gefällt mir die Besetzung mit Ode. Hatte was wunderbar Leichtfüßiges.


Ich finde, eher das Gegenteil ist der Fall. Leichtfüßig würde ich auf keinen Fall sagen. Das wäre eher bei einer Besetzung mit Paul Klinger der Fall gewesen. Ode hat eher das Gegenteil bewirkt und ihn meiner Meinung nach mitunter ziemlich doof dastehen lassen, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf. Das merkt man hier ganz besonders:



Erst ist es unfreiwillig komisch, aber dann packt einen zunehmend die Verzweiflung. Ackermann hätte das mit der Leichtfüßigkeit möglicherweise auch gekonnt. Das hat er ja bei anderen Gelegenheiten auch bewiesen.


berti


Beiträge: 15.561

02.06.2020 22:58
#851 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Was die Leichtfüßigkeit betrifft, so empfehle ich besonders "Liebling, ich werde jünger", in dem Cary Grant einen zunächst etwas zerstreuten Wissenschaftler spielt, der unter der Wirkung eines Serums beim ersten Anlauf geistig in die Pubertät und nach einer späteren Einnahme ins Grundschulalter versetzt wird. Klinger durfte hier seine quirlige Seite voll ausspielen.

smeagol



Beiträge: 3.588

05.06.2020 08:41
#852 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #847
Muss dir in jeder Hinsicht beipflichten. Ackermanns weltmännische, überlegene Eleganz hätte den Weg vom nervösen T(h)ornhill hin zum seinen Mut entdeckenden Helden kürzer gemacht

Da widerspreche ich vehement - das sehe ich vollkommen anders. Der Witz, der ganze Humor entsteht dadurch, dass der weltmännische und elegante Cary Grant in dieser Situation endet. Und Ackermann hätte das spielend rübergebracht, da bin ich 200% überzeugt. Ihm (Cary Grant) eine Kasperlestimme zu verpassen führt genau diesen Schachzug Hitchcocks ad absurdum. Ackermann war perfekt für den gereifteren Cary Grant und gerade auch hier hätte er brilliert. Der unsichtbare Dritte ist ein absoluter Klassiker, der alleine durch Ode die Synchro verdirbt und das angestaubte Dialogbuch trägt weiter dazu bei. Man vergleiche doch mal den auch von dir genannten "Über den Dächern von Nizza" (4 Jahre älter, der Film!) ... sowohl vom Dialogbuch als auch der Besetzung Ackermanns her - das sind doch qualitative, klangliche Welten dazwischen.

Nein, bei diesem Film kann ich für meinen Teil wirklich nichts als sauer sein darüber, dass man ihn in der Synchronfassung über weite Teile hinweg verdorben hat. Lediglich Friedel Schuster als auch Joloff sind über jeden Zweifel hinweg auch hier sehr gut, was ich von Eva Pflug auch nicht sagen kann. Ein einziges Ärgernis, die Synchro dieses tollen, grandiosen Films. Wer auch immer die Synchro dieses Films verteidigt oder sogar lobt, dem lasse ich ja gerne seine Meinung ... aber da kann ich wirklich nur fassungslos staunen.


--
"Ich würde nach Hause gehen und mich richtig ausschlafen"
Curt Ackermann für Cary Grant in "Über den Dächern von Nizza"

smeagol



Beiträge: 3.588

05.06.2020 08:56
#853 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Zitat von Silenzio im Beitrag #849
Ich kenne leider allesamt sämtliche Einsätze Klinger's nicht, um mir da ein Urteil zu bilden wie er allgemein auf Grant passt. Kann ich momentan nicht viel dazu sagen. Könnte schon funktionieren, ähnliches trifft wohl auf Peter Pasetti zu, der Grant ja auch kurz zuvor sprach. Aber ansich gefällt mir die Besetzung mit Ode. Hatte was wunderbar Leichtfüßiges.

Deutlich besser als Ode auf jeden Fall - aber wirklich zusammen passt das auch nicht. Wirkt stets wie ein Fremdkörper. In Grants jüngeren Jahren ging das noch irgendwie - später aber wirkte nur und alleinig Ackermann wirklich passend, da er den Charme und dieses weltmännische, durchaus Gelassene als auch komödiantische perfekt bediente. Niemand anders vermochte das in diesem Maße. Es gibt durchaus Schauspieler, wo mehrere Stimmen passen und pro Film OK bis gut wirken im Zusammenspiel mit dem Bild (Connery in The Rock z.B. obwohl GGH unersetzlich war und ist) ... hier für Cary Grant ab 1950/1955 aber passte niemand anderes (mehr) as Ackermann. Alle alternativen Besetzungen sind für mich ein Griff ins Klo gewesen ... mal schlimmer (Ode) und mal so lala (Schürenberg, Klinger). Im Vergleich zu Erik Ode war Schürenberg ja sogar noch Gold. Gott, wie sehr HASSE ich die Besetzung Erik Odes in diesem wunderbaren Film Wirklich! Ich hasse sie wirklich leidenschaftlich, weil ich den Film so toll finde.

Wenn ich mal im Lotto gewinne, werde ich mir ernsthaft eine gute Neusycnhro dieses Films spendieren ... mit einem ausgefeilten Casting und technischen Rafinessen, um dem nahezukommen, was ich mir da als Synchro vorstellen würde. Jetzt werde ich wohl nicht im Lotto gewinnen und die 100.000 EUR die sowas vielleicht kostet nicht haben - aber WENN, dann ...


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"Ich würde nach Hause gehen und mich richtig ausschlafen"
Curt Ackermann für Cary Grant in "Über den Dächern von Nizza"

Dubber der Weiße


Beiträge: 4.925

05.06.2020 16:46
#854 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Zitat von smeagol im Beitrag #852
Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #847
Muss dir in jeder Hinsicht beipflichten. Ackermanns weltmännische, überlegene Eleganz hätte den Weg vom nervösen T(h)ornhill hin zum seinen Mut entdeckenden Helden kürzer gemacht

Da widerspreche ich vehement - das sehe ich vollkommen anders. Der Witz, der ganze Humor entsteht dadurch, dass der weltmännische und elegante Cary Grant in dieser Situation endet. Und Ackermann hätte das spielend rübergebracht, da bin ich 200% überzeugt. Ihm (Cary Grant) eine Kasperlestimme zu verpassen führt genau diesen Schachzug Hitchcocks ad absurdum. Ackermann war perfekt für den gereifteren Cary Grant und gerade auch hier hätte er brilliert. Der unsichtbare Dritte ist ein absoluter Klassiker, der alleine durch Ode die Synchro verdirbt und das angestaubte Dialogbuch trägt weiter dazu bei. Man vergleiche doch mal den auch von dir genannten "Über den Dächern von Nizza" (4 Jahre älter, der Film!) ... sowohl vom Dialogbuch als auch der Besetzung Ackermanns her - das sind doch qualitative, klangliche Welten dazwischen.

Nein, bei diesem Film kann ich für meinen Teil wirklich nichts als sauer sein darüber, dass man ihn in der Synchronfassung über weite Teile hinweg verdorben hat. Lediglich Friedel Schuster als auch Joloff sind über jeden Zweifel hinweg auch hier sehr gut, was ich von Eva Pflug auch nicht sagen kann. Ein einziges Ärgernis, die Synchro dieses tollen, grandiosen Films. Wer auch immer die Synchro dieses Films verteidigt oder sogar lobt, dem lasse ich ja gerne seine Meinung ... aber da kann ich wirklich nur fassungslos staunen.


Iwo, deine Fassung musst du deswegen nicht verlieren. Schau, ich finde deine Wahrnehmung ein wenig überzogen, aber ich glaube an die Aufrichtigkeit deiner Empfindung - und Leidenschaft gilt es immer zu respektieren.

Ich habe gerade super wenig Zeit, darum nur kurz: Hätte ich Film studiert, wäre gerade "Der unsichtbare Dritte" ein schönes Thema für eine Dissertation gewesen. Ihm gelingt in buchstäblich einmaliger Qualität abseits der unterhaltsamen Oberfläche ein ständiges Wechselspiel zwischen Abfeiern selbstreferentieller Hitchcock-Tropen und deren lustvollem Unterwandern. Nirgendwo besser als in der Feld-Szene, die eigentlich die komplette Paraphrase des Hitchcock-Werkes ist. Mehr kann das Medium Film nicht schaffen.

Klar, "Über den Dächern von Nizza" war vorher. Darum rutscht Thornhill ja wie John "Die Katze" Robie übers Dach (ich glaube, wir lieben den Film beide - kennst du das "Foto-Remake" mit Robert Downey jr. und Ms. Paltrow?) und balanciert famos am Mount Rushmore entlang, geschmeidiger, als es jeder mir bekannte Werbefachmann könnte (ich war mal Werbetexter, ich kenne einige - sie wären alle tot). Eine der Anspielungsebenen, wie gesagt, es gibt dutzende. Grant (der hier Grant spielt, Thornhill ist eine leere Ziffer) bleibt diesem Gedanken treu und schafft eine lustvoll unterwanderte Paraphrase seines Schaffens. So lustvoll wie er halt konnte, angeblich hatte er eigentlich keinen Bock mehr und drehte den Film nur, um eine hohe Steuernachzahlung bedienen zu können. Tja.

Die Figur Thornhill jedenfalls ist eben nicht nur der weltmännische Galan. Er bietet diverse Ansätze, in denen Grants Screwball-Vergangenheit aufblitzt, hat was Linkisches, ist nicht der große Alleskönner. Gewiss hätte Ackermann das auch auf seine Weise hinbekommen. Ich empfinde es allerdings so, dass Ode das Kecke auf seine Weise ganz wundervoll darstellt und dabei weniger berechenbar ist. Odes Grant ist unterlegener, unsouveräner, nassforscher, als es Ackermans Version gewesen wäre, so mein Gefühl. Ich möchte fast sagen: überraschender. Und gerade das ist für mich der einzig legitime Grund, von einer Stammbesetzung wegzugehen (abgesehen von weltlichen Gründen natürlich). Letzten Endes ist er IMO dem Geist dessen, was Hitchcock beabsichtigte, näher, da eben auch subversiv unterwandernd.

Für mich klingt es so, als empfänden manche Ode hier quasi so, als besetzte man heutzutage auf Grants Quasi-Wiedergeburt George Clooney mal eben Santiago Ziesmer. Ganz so ist es doch nicht, oder?

Klar ist aber auch: Wegen Ackermanns Version hätte ich mich gewiss nicht in den Schlaf geweint, ich würde sie mir in der Fantasien-Version auch sofort anhören. Weil: Ackermann. Allerdings kann ich Odes Besetzung absolut gutheißen. Es ist, wie es ist. Ich finde es ein wenig schade, dass du das nicht genießen kannst. Aber hey, der Film ist ja auch im Original wundervoll. Enjoy. Würde mich übrigens interessieren, was für dich eine Sternstunde ist - gerade weil du so leidenschaftlich bist.


smeagol



Beiträge: 3.588

06.06.2020 16:59
#855 RE: Synchron-Sternstunden Zitat · antworten

Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #854
Hätte ich Film studiert, wäre gerade "Der unsichtbare Dritte" ein schönes Thema für eine Dissertation gewesen. Ihm gelingt in buchstäblich einmaliger Qualität abseits der unterhaltsamen Oberfläche ein ständiges Wechselspiel zwischen Abfeiern selbstreferentieller Hitchcock-Tropen


Was den Film ansich angeht, so stimme ich dir in allen Belangen zu. Er ist in vielerlei Hinsicht ein Amalgam aus Hitchocks (amerikanischer) Schaffensphase - voll mit Selbstzitaten und einem Plot, der einem Hitchcock-Lehrbuch entstammen könnte. Hier findet sich alles - die "kühle Blonde", der zu unrecht Beschuldigte auf der Flucht, imposante VistaVison Bilder und so weiter und so weiter. Der Film ist grandios auf so vielen Ebenen und aus so vielen unterschiedlichen Gründen - du hast einige bereits genannt und man könnte unzählige hinzufügen. Einige Bücher und Abhandlungen beleuchten diesen Film (wie auch das Hitchcocksche Gesamtwerk) sehr schön und es ist stets spannend zu lesen wie dieser Film bis heute seinen Thrill nicht verloren hat.

Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #854
Schau, ich finde deine Wahrnehmung ein wenig überzogen, aber ich glaube an die Aufrichtigkeit deiner Empfindung - und Leidenschaft gilt es immer zu respektieren.

Das ist treffend wiedergegeben, denn in ein solches Forum wie hier verschlägt es wohl nur, wenn Film (und Kino) allgemein eine Leidenschaft ist - und dann durchaus eben zudem speziell deren deutsche Fassungen. Und so geht es mir bei der (schon an einigen Stellen erfolgten) Kritik an der deutschen Fassung dieses Klassikers nie um pauschales "Bashing", sondern wirklich um eine echte Hassliebe: Den Film liebe ich - und die Synchro hasse ich ebenso leidenschaftlich ... aus einigen Gründen. Aber wie das eben so ist: Hass ist nicht das Gegenteil von Liebe, sondern Gleichgültigkeit. Und wäre mir der Film gleichgültig, ließe ich mich nicht so oft wortreich über die Synchro aus.

Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #854
Klar, "Über den Dächern von Nizza" war vorher. Darum rutscht Thornhill ja wie John "Die Katze" Robie übers Dach [spoiler] (ich glaube, wir lieben den Film beide - kennst du das "Foto-Remake" mit Robert Downey jr. und Ms. Paltrow?)[spoiler]

Ja, absolut kenne und liebe ich genau diesen Film - dazu später mehr, denn das ist ein hervorragender Vergleich. Und auch das Foto-Remake seinerzeit kenne ich - klar!

Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #854
Grant (der hier Grant spielt, Thornhill ist eine leere Ziffer) bleibt diesem Gedanken treu und schafft eine lustvoll unterwanderte Paraphrase seines Schaffens

Das ist der erste Aspekt, auf den ich gerne eingehen möchte: Denn genau so ist es. Grant spielt hier bewusst mit seinem Image. Und genau deshalb hat Hitchcock ihn (und nicht, wie zuerst geplant, James Stewart) in diesem Film besetzt. Er lässt diesen Mann, diese fiktive, idealisierte Männer-Figur (denn die Figur "Cary Grant" war ja nichts anderes als ein Werbeimage eines gewissen Archibal Leach aus Bristol, England) in diese abstruse Situation geraten. Er macht ihn zum Muttersöhnchen, er lässt ihn verzweifelt die Fassung verlieren und sternhagelvoll Auto fahren (ein irrwitziger Tötungsversuch) und zu guter Letzt am Mt. Rushmore an den übergroßen Gesichtern entlangkraxeln. Meiner Meinung oder meinem Empfinden nach soll das alles bewusst im Kontrast zu dem stehen, was man dem "Bild von einem Mann" Cary Grant zuschrieb. Aus diesem Umstand, aus dieser Idee entsteht viel des Witzes, der Screwballeinlagen (Stichwort: Waschraum am Bahnhof und Rasierszene), welche wiederum (wie von dir ebenfalls schon angemerkt) ein Verweis auf Cary Grants eigene Leinwandhistorie ist. Kernelement ist und bleibt aber das Spiel mit dem Image des Cary Grant (welchem man eben den Namen Roger Thornhill gab).

Ich kann daher deiner Interpretation bzw. Sichtweise wie hier folgen ...
Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #854
Odes Grant ist unterlegener, unsouveräner, nassforscher, als es Ackermans Version gewesen wäre, so mein Gefühl. Ich möchte fast sagen: überraschender.

... dem aber eben nicht zustimmen. Was du hier beschreibst, schreit dann viel eher nach z.B. James Stewart in der Rolle des Roger Thornhill. Bewusst aber hat Hitchcock stattdessen auf Grant gesetzt, denn so kommt die Idee viel besser und viel sinniger zur Geltung. Vom reinen Suspense her hätte die Story mit Stewart genausogut funktioniert - auf der Humorebene aber kommt durch Grant eine viel stärkere, viel bessere Komponente hinzu. Der Kontrast ist einfach viel höher, die "Tonlage" des Films wird "stimmiger". Und genau hier, genau an dieser Stelle setzt der Kern meiner Kritik an Ode an: Er reduziert diese bewusste Wahl und die ganze Wirkung, die Grant erzeugt dramatisch, ich würde sogar sagen: konterkariert sie. Das beginnt mit dem reinen Klang seiner Stimme, welche Grant einfach viel weniger männlich wirken lässt - und beinahe beleidigend weniger charmant. Er wirkt beinahe schrill und auf mich speziell: unangenehm. Hier fließt viel subjektives Empfinden der reinen Stimmlage hinein - das ist klar. Ich halte meine Beschreibung für die deutlich weniger charmant/männliche Wirkung aber für angemessen objektiv. Verschlimmert wird es dann auch noch durch Odes Stimmspiel: Es passt hinten und vorne nicht, es ist viel ZU flatterhaft und überdreht - dort wo Grant im Original feine Pinselstriche in seiner Performance zieht, da matscht Ode wie ein Kind in der KiTa auf der Vorlage herum. Es endet im (wie man sagt von ihm selbst verfassten) Dialogbuch, welches hölzern wirkt, wie sein eben beschriebendes Spiel ansich. Wo Koeniger in "Über den Dächern von Nizza" mit Cuttermesser und spitzer Feder extrem geschliffene, gelungene Dialoge gezaubert hat, haben wir hier mit stumpfer Axt gespaltenes Holz. In einigen Passagen geht es, in den meisten ist es beinahe eine Beleidigung des Originals und ist dem genannten Werk Koenigers in keinster Weise ebenbürtig, obwohl das Original, die Vorlage über jeden Zweifel erhaben ist.

Zusammenfassend sehe ich genau das hier ...
Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #854
etzten Endes ist er IMO dem Geist dessen, was Hitchcock beabsichtigte, näher, da eben auch subversiv unterwandernd.

... zu 100% anders. Genau DAS macht man hier - meiner Meinung nach - komplett falsch. Ackermann klang (in Grants späteren Jahren) einfach so, wie "Cary Grant" klingen muss. Das passte, das saß, DAS war die perfekte Besetzung. Denn neben dem reinen sonoren Klang, schwingt dieser unglaubliche Charme mit (ein essentieller Teil der Wirkung des Cary Grant) und Ackermann konnte hervorragend auch die komödiantische Seite Grants bedienen und spielen.

Zur Untermauerung meiner These bzgl. Ackermann und Grant brauche ich an dieser Stelle nur einen Film: Über den Dächern von Nizza. Klar gingen auch "Unternehmen Petticoat" oder "Charade" - aber "Über den Dächern von Nizza" halte ich persönlich für das am besten geeignete Beispiel. Dazu zitiere ich mich doch der Einfachheit halber kuurz selbst: Mein Beitrag zu "Über den Dächern von Nizza".

Man vergleiche das lustige Zusammenspiel mit "Danielle" und "Francis" (wohl bewusst "Frenzy" als gewählter Spitzname) auf der Plattform vor dem Carlton! Oder mit "Danielle" auf dem Boot oder einige Szenen mit Houghston ... Ackermann fing das Spiel Cary Grants wunderbar ein und gab ihm in der Synchronfassung alles das mit, was nötig war. Und genau alles das ... fehlt komplett in der deutschen Fassung von "Der unsichtbare Dritte". Es beraubt Cary Grant in der Synchro seines Charmes und seiner Persönlichkeit und zudem den Film eines großen Teils seiner Gesamtwirkung.

Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #854
Für mich klingt es so, als empfänden manche Ode hier quasi so, als besetzte man heutzutage auf Grants Quasi-Wiedergeburt George Clooney mal eben Santiago Ziesmer. Ganz so ist es doch nicht, oder?

Ein erneut sehr gutes Beispiel! Nehmen wir doch einmal "Ocean's 11". Gut, ist ein Ensemblefilm, aber es passt thematisch einigermaßen und George Clooney ist in vielerlei Hinsicht ein moderner Cary Grant - damit gehe ich komplett d'accord. Warum man hier nicht auf Bierstedt zurückgriff verstand ich nicht - Umbach passte aber durchaus auch sehr gut, da er die Haupteigenschaften Clooneys eben (im Gegensatz zu Ode) erhielt: weltmännischen Charme und Eleganz. Santiago Ziesmer ist natürlich Unsinn - aber um mal ein Beispiel zu nennen, was eben diese Wirkung auf den Kopf stellte wäre die Besetzung von Till Hagen. Natürlich ist der jetzt im Gegensatz zu Ode überhaupt nicht schrill, aber dafür sehr ... "schneidend" oder sogar teilweise "unsympathisch". Was grandios zu Kevin Spacey alias Frank Underwood passt, nähme hier George Clooney (und damit Danny Ocean) komplett alles das, was der Regisseur sich bei der Besetzung gedacht hat und zudem die Wirkung auf das deutsche Publikum. Das ist - formuliert durch eine andere, für mich als Beispiel hier genannte Fehlbesetzung, aber genau das, was ich bei Ode erkenne bzw. kritisiere. Die anderen Kritikpunkte (siehe oben: Dialogbuch, Spiel) bräuchte es da noch nichteinmal ... die reine Fehlbesetzung reicht schon, um dem Film ein wichtiges Element zu nehmen. Jetzt mag ich "Ocean's 11" - halte ihn persönlich jetzt aber nicht für einen Klassiker a la "Der unsichtbare Dritte" ... dennoch ist es ein guter, unterhaltsamer Film. Warum man ausgerechnet bei diesem Meisterwerk Hitchcocks so daneben greifen musste, ist für einen leidenschaftlichen Filmfreund wirklich schrecklich.

Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #854
Ich finde es ein wenig schade, dass du das nicht genießen kannst. Aber hey, der Film ist ja auch im Original wundervoll.

Nein, ich kann ihn wirklich in der Synchro überhaupt nicht genießen - teilweise muss ich ihn wirklich wieder ausschalten. Der O-Ton ist bei solchen Klassikern aber oft ... naja es ist halt Schade, dann nicht Stimmen wie Joloff oder die fabelhafte Friedel Schuster zu hören. Auch das Original lässt dann Dinge vermissen, wenn man eben andere Werke (Über den Dächern von Nizza, Das Fenster zum Hof, Charade, Unternehmen Petticoat ...) in toller Synchro genießen durfte.

Zitat von Dubber der Weiße im Beitrag #854
Würde mich übrigens interessieren, was für dich eine Sternstunde ist - gerade weil du so leidenschaftlich bist.

Das Selbstzitat oben führt zu meiner Lobhudelei zu "Über den Dächern von Nizza" - ein weiteres Beispiel wäre aber die Zweitfassung von "Das Fenster zum Hof". Da fällt - meiner Meinung nach - sogar die Original-Kinofassung gegen ab, weil (von Eleonore Noelle abgesehen) die Besetzungen in der Zweitsynchro gelungener sind und das Dialogbuch ebenso. Ich freue mich auf den 16.6., wo ich mir den Film in der Lichtburg in Essen endlich mal wieder im Kino ansehen kann.


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"Ich würde nach Hause gehen und mich richtig ausschlafen"
Curt Ackermann für Cary Grant in "Über den Dächern von Nizza"

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